14. August 2015 / Christoph Pelzl

Pilze: Begehrt, verkannt und gefährdet

Forschung | Naturkundemuseum

An der Abteilung Biowissenschaften des Universalmuseums Joanneum werden mit Unterstützung zahlreicher ehrenamtlicher Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die Pilzarten der Steiermark erfasst. Der Biologe Gernot Friebes erklärt, dass es leider auch weniger erfreuliches von den Pilzen zu berichten gibt und wie wichtig diese unscheinbaren Gewächse für das Ökosystem Wald sind.

 

Pilze und Bäume - eine faszinierende Lebensgemeinschaft im Wald; Foto: Ausstellungsansicht aus der Schau "Pilze. Netzwerker der Natur",in der das Naturkundemuseum 2013 rund 1.300 Pilzmodelle des Ehepaares Lilo und Klaus Wechsler zeigte. Foto: N. Lackner

Pilze und Bäume – eine faszinierende Lebensgemeinschaft im Wald; Foto: Ausstellungsansicht aus der Schau “Pilze. Netzwerker der Natur”,in der das Naturkundemuseum 2013 rund 1.300 Pilzmodelle des Ehepaares Lilo und Klaus Wechsler zeigte. Foto: N. Lackner

Warum wir Pilze brauchen

In den letzten Jahren macht sich ein besorgniserregender Trend bemerkbar: Wie bei den Pflanzen, schwindet auch bei den Pilzen die Artenvielfalt. Das sei, so Friebes, weniger auf maßloses Schwammerlsuchen oder das Wetter zurückzuführen, sondern auf die Intensivierung der Landwirtschaft, das Verschwinden magerer Wiesen und Weiden, die Zerstörung von Mooren und nicht zuletzt die Waldbewirtschaftung. Denn in Wirtschaftswäldern gibt es kaum Alt- und Totholz, das für viele Pilze jedoch eine unverzichtbare Lebensgrundlage ist.

Grundsätzlich werden die Pilze von den gleichen Faktoren bedroht, weswegen auch immer mehr Pflanzen auf der Roten Liste landen. „Doch Pilze haben nur eine sehr, sehr kleine Lobby, die sich für die Erhaltung ihrer Tausenden noch längst nicht vollständig erfassten Arten einsetzt“, bedauert der Forscher. Dabei erfüllen Pilze in der Natur enorm wichtige Funktionen: Über 90 % unserer Landpflanzen inklusive der Bäume leben in enger Verbindung mit Pilzen, die bei deren Nährstoffaufnahme, Stressresistenz und Humusbildung eine zentrale Rolle spielen.

 

Die beiden Pilzexperten Gernot Friebes (links) und Harald Kahr im Fachgespräch; Foto: M. Friebes

Die beiden Pilzexperten Gernot Friebes (links) und Harald Kahr im Fachgespräch; Foto: M. Friebes

Gegenseitige Überlebenshilfe

Über 1.500 Waldpilzarten sind sogenannte Mykorrhizapilze, die in Symbiose mit Bäumen leben. Sie versorgen diese mit Wasser, verbessern auf kargen Böden die Nährstoffversorgung, filtern Schadstoffe und schützen die Wurzeln vor Krankheitserregern. Für diese unverzichtbaren Dienste erhalten die Mykorrhizapilze von den Bäumen wiederum einen Teil der durch Fotosynthese erzeugten Zuckerassimilate als Nahrung.

Wenn Pilze mit Algen eine solche symbiotische Lebensgemeinschaft bilden, entstehen Flechten. Diese bilden sich zum Beispiel an Baumstämmen und Ästen und sind der Lebensraum für viele Kleinlebewesen. Da Flechten sehr sensibel auf die Luftqualität reagieren, dienen sie der Wissenschaft als Bioindikatoren. „Ohne Pilze gäbe es kein funktionierendes Wald-Ökosystem“, so Gernot Friebes. „Aber diese wichtigen Funktionen von Pilzen sind vielen Menschen leider noch immer nicht bekannt.“

 

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