1. September 2016 / Walter Feldbacher

Landesaufnahme(n) – Zeitbilder aus dem Stadtarchiv Kindberg

Museum für Geschichte

Zu den Fotobeständen, die den Multimedialen Sammlungen im Rahmen des Projekts „Landesaufnahme – Rettung des steirischen analogen fotografischen und audiovisuellen Erbes“ gemeldet wurden, zählen auch rund 150 regionalhistorisch bedeutsame Fotografien aus der Kindberger Ortschronik, die der Künstler Hubert Pilch (1893–1974) hand- und maschinschriftlich erstellt hat. Auch auf den umfassenden Nachlass des Kinderberger Amateurfotografen und Sammlers Franz F. Seidl sind wir aufmerksam gemacht worden.

Foto: Alexander Schein, 2016

Foto: Alexander Schein, 2016

„Die Ordnung und Erschließung des Archivs ermöglicht seit 2010 auch eine gezielte Nutzung der Fotobestände. Derzeit sind bereits etwa 5000 unserer Fotopositive erfasst“, berichtet Alexander Schein, der für den Aufbau des Stadtarchivs Kindberg verantwortlich ist.

Die fotografischen Bestände der ehemaligen Gemeinden Allerheiligen im Mürztal und Mürzhofen konnten ebenso wie mehrere Vereinsarchive und Privatkonvolute in die Obhut des Stadtarchivs Kindberg übernommen werden. Darunter befinden sich auch einige Porträts dort ansässiger Persönlichkeiten um 1900 aus den Ateliers der lokalen Fotografen Cornelius Pap in Kindberg, Josef Ressel in Fochnitz bei Stanz und Hanns Winkler in St. Marein im Mürztal.

Unbekannter Fotograf, „Preis-Langsam-Wettfahren“ des Arbeiterradfahrvereins Kindberg, Nachlass Franz F. Seidl, 05. 10. 1902.

Unbekannter Fotograf, „Preis-Langsam-Wettfahren“ des Arbeiterradfahrvereins Kindberg, Nachlass Franz F. Seidl, 05. 10. 1902.

Auf den Spuren von Cornelius Pap – ein ungarischer „Wanderfotograf“ in Kindberg

Recherchiert von Christian Müllner, Postkarten- und Fotosammler aus Kindberg

Cornelius Pap wurde am 29.09.1852 in Lébény – Szt. – Miklos im Bezirk Mosony/Wiselburg in Ungarn geboren. Über seine Jugend- und Lehrjahre sind uns bisweilen keine Informationen überliefert. Am 26. April 1880 heiratete er in Feldkirch/Vorarlberg die ebenfalls aus Ungarn stammende Hermine Hajek. Das Ehepaar hatte insgesamt vier Kinder, wobei der älteste Sohn Ferdinand (1881) sowie Tochter Kornelia (1882) in Bludenz zur Welt kamen. Ob Cornelius Pap schon um 1880 in Vorarlberg ein eigenes fotografisches Atelier betrieben hat, ist nicht belegt.

Cornelius Pap (Kindberg), Carte cabinet, „Emerich Kwaćik / Bau- und Galanteriespengler / Kindberg“ (Stempel auf RS), Nachlass Franz F. Seidl, um 1900.

Cornelius Pap (Kindberg), Carte cabinet, „Emerich Kwaćik / Bau- und Galanteriespengler / Kindberg“ (Stempel auf RS), Nachlass Franz F. Seidl, um 1900.

Sein Weg nach Kindberg führte ihn über St. Johann im Pongau (um 1885), Schladming (hier wurden auch die Söhne Maximilian 1886 und Hermann 1890 geboren) und Bischofshofen (Atelier von 1894 bis 1896).

Als Fotograf ist Cornelius Pap in Kindberg erstmals 1889 nachweisbar. Eine Gruppenaufnahme von den Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Kindberg zu ihrem 20-jährigen Bestandsjubiläum bezeugt zumindest, dass er in diesem Jahr zumindest zeitweise in Kindberg fotografisch tätig war. Nach einem erfolglosen Ansuchen auf Aufnahme in den Heimatverband Kindberg im Jahre 1901 erfolgte diese schließlich 1907.

Cornelius Pap verdiente sein Geld sich hauptsächlich mit Porträtfotografie, von 1899 bis 1906 tritt er auch als Fotograf und Verleger von Postkarten mit Ansichten aus dem Raum Mürztal auf.

Postkarte „Gruss aus Kindberg“, um 1911, ohne Angabe des Fotografen bzw. Verlegers, Privatsammlung Christian Müllner. Am Haus (linker Bildrand) ist über dem vergitterten linken Fenster ein Schild angebracht: „Cornelius Pap Fotograf“. Links neben der Eingangstür ist ein Schaukasten mit Fotografien zu erkennen. Familie Pap war mit Atelier und Wohnung im Haus mit der Conscriptionsnummer 49, heute Hauptstraße 68, eingemietet.

Postkarte „Gruss aus Kindberg“, um 1911, ohne Angabe des Fotografen bzw. Verlegers, Privatsammlung Christian Müllner.
Am Haus (linker Bildrand) ist über dem vergitterten linken Fenster ein Schild angebracht: „Cornelius Pap Fotograf“. Links neben der Eingangstür ist ein Schaukasten mit Fotografien zu erkennen.
Familie Pap war mit Atelier und Wohnung im Haus mit der Conscriptionsnummer 49, heute Hauptstraße 68, eingemietet.

Im Amtskalender von Salzburg in den Jahren 1911 bis 1918 wird Cornelius Pap als Fotograf in St. Johann im Pongau geführt. Er verstirbt 1936. Sein Sohn Ferdinand übernahm bereits im Jahre 1910 das väterliche Atelier in Kindberg, welches dieser bis 1922 betrieb, ehe er nach Kitzbühel verzog. Ferdinand Pap verlegte ca. 50 Ansichtskarten mit Motiven aus dem Raum Kindberg, auf denen allesamt der Name des Autors in der Schreibweise „Papp“ angeführt ist.

Kategorie: Museum für Geschichte
Schlagworte: Landesaufnahme | Multimediale Sammlungen


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