10. April 2015 / Nina Bachler

HyperAmerika – Wenn reale Lebensumstände in den Hintergrund schillernder Motive geraten

Kunsthaus Graz

Die aktuelle Ausstellung HyperAmerika im Kunsthaus Graz stellt zwei Kunstrichtungen gegenüber, die in den 1970er-Jahren in den USA aufeinandertrafen und sich der amerikanischen Landschaft widmen: Hyperrealismus in der Malerei und die Fotografie des New Topographic Movement. Passend zum Themenschwerpunkt 2015 richtet die Ausstellung ihren Blick auf den Begriff der amerikanischen Landschaft in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts und zeigt, wie das Land künstlerisch verherrlicht wurde.

 

Installationsansicht, Ed Rusha, The Back of Hollywood, 1977, Foto: UMJ/N. Lackner

Installationsansicht, Ed Rusha, The Back of Hollywood, 1977, Foto: UMJ/N. Lackner

Die Ausstellung versucht zu verdeutlichen, wie verwandt und doch unterschiedlich die Positionen der beiden Kunstrichtungen sind. Die Werke der Malerei des amerikanischen Hyperrealismus entwickelten sich als Gegenstück zur abstrakten Kunst und erscheinen emotions- und bedeutungslos. Die Gemälde der Hyperrealisten sind keine Kopien von Fotos, sondern Bekenntnisse einer Zeit, in der die USA mit ihren jungen Idealen das alte Europa überstrahlten. Die glänzenden Oberflächen, die den amerikanischen Traum in Form von Freiheit, Chancengleichheit und Erfolg vermitteln, haben Vorrang vor dem Motiv selbst. Mit dem wichtigen Hilfsmittel der Fotografie, der ab den 1970er-Jahren ein höherer Stellenwert zukam, versuchten die Hyperrealisten die Übersteigerung einer Realität zu begreifen und gleichzeitig die Wirklichkeitsbehauptungen der Fotografie infrage zu stellen.

 

Der Blick auf das Alltägliche und Banale

Im Gegensatz zum Hyperrealismus wendet The New Topographic Movement, eine zeitgleich aufkommende Stilrichtung der Fotografie, den Blick auf das Alltägliche und Banale und vermisst in umfangreichen Serien die amerikanische Landschaft. Industrieanlagen, Autos, Straßen oder Siedlungen – in den 1970er-Jahren beziehen sich die Fotorealisten auf den “American Way of Life” und zeigen mit ihren Werken die dadurch entstandenen Möglichkeiten, Illusionen und Enttäuschungen, die das Land bereithält. Don Eddy beispielsweise zeigt mit seinem hyperrealistischen Werk Untitled (Volkswagen) den Erfolg des VW-Käfers als deutschen Exportschlager in den USA.

Mit der Darstellung faszinierender Perfektion, Spiegelungen, Schatten und Unschärfen würdigt Don Eddy den „Beetle“ und vermittelt den Betrachtenden genau jenes Bild von Freiheit und Unabhängigkeit, das sich in der Geschichte der USA, als Land der scheinbar grenzenlosen Möglichkeiten, widerspiegelt: einsteigen, losfahren, genießen und in die Weite der amerikanischen Landschaft eintauchen. Eine wunderbare Idee!

Von Ed Ruscha, Lewis Baltz, Ralph Goings bis hin zu Don Eddy, John Baeder sowie Richard McLean und vielen anderen: Die Unterschiede und Gemeinsamkeiten der beiden Strömungen werden in der Ausstellung HyperAmerika anhand von Gemälden amerikanischer Hyperrealisten und Fotografien einiger New Topographics gezeigt.

 

Kunsthaus Graz, Space01, Lendkai 1, 8020 Graz
Laufzeit: 10.04.-30.08.2015, Di-So, 10-17 Uhr

 

Kategorie: Kunsthaus Graz
Schlagworte: Hyper Amerika | Hyperrealismus


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