Michelangelo Pistoletto, Love Difference Table, 2003-2012, Courtesy Love Difference – Artistic Movement for an InterMediterranean Politic

14. September 2012 / Katrin Bucher Trantow

Eine Stadt entsteht: Die Cittadellarte

Kunsthaus Graz

Das Tempo beschleunigt sich, die Ankunft der ersten Künstler/innen erfolgte am Montag mit dem Architekturdesignteam constructLab. Der Plan zur dialogorientierten Ausstellung ist somit (fast) fertig gedacht. Mit dem steirischen herbst wird sein prozesshaftes Wachsen, sein organisches Netzwerk und seine Form im Kunsthaus Graz und darüber hinaus öffentlich gemacht.

Im oberen Geschoss des Kunsthauses soll nach dem Grundprinzip des Co-Agierens und Co-Habitierens eine kleine Stadt entstehen: Produktions- und Industriezone führen ins Zentrum zu Marktplatz und Kino, zum Café und den Gärten, zu den Migranten am Rand, und beschreibt Wege der urbanen künstlerischen Kommunikation und Partizipation. In der Mitte steht der Ausgangspunkt der Überlegungen zur Ausstellung, der Tavolo Mediterraneo von Lovedifference aus der Cittadellarte– der Spiegeltisch, der das Meer der Mitte darstellt.

Dieser ist sowohl Treffpunkt, Diskussionsort und Reflexionsmoment der Ausstellung und bündelt die sich bewegenden Energien im Zentrum. Von dort hinaus bis in die Stadt werden die Stränge laufen, Partner entstehen über die Dauer der Ausstellung durch die Besucher/innen, durch partizipative Aktionen in der Stadt und sind teilweise bereits aus dem Netz der Akteure der äußeren Stadt gefunden. So möchte die Zeitschrift Megaphon sich mit dem panafrikanischen politisch-poetischen Journal Chimurenga verbinden, ein Lastenrad der Gruppe PUF und epluentelab wird von rebikle gestaltet und trägt das Bewusstsein eigener Möglichkeiten der Veränderung und Weiterverwendung in die Stadt. Es verbindet sich später mit einer anderen künstlerischen Initiative des steirischen herbsts und wartet auf Aufgaben, die der Stadt ein minimal verändertes Gesicht verleihen können.

Cittadellarte.Teilen und verändern handelt vom kollektiven künstlerischen Handeln, vom Eingreifen in urbane Systeme und von den Vernetz- und Übersetzbarkeiten künstlerischer Strategien. Konsequenterweise wird die Ausstellung nicht zum Display, sondern ist ein Versuch, die künstlerische Aktion selbst und nicht das Konservieren im Museum und seiner städtischen Situation zum Thema werden zu lassen.

Der Space01 wird momentan zu einer Stadt ausgebaut, Foto: N. Lackner

 

Aktives Mitgestalten der Besucherinnen und Besucher erwünscht

Langsam beginnt also das prozesshafte Leben dieser Kunststadt außerhalb der Köpfe der Planenden. In diesem Sinne harren die Projekte der Teilnahme des Publikums und werden tatsächlich erst komplett, wenn dieses sich einbringt. Dass auf ein Nehmen ein Geben folgt und die Beteiligung dann auch mit einem städtischen Freipass entlöhnt wird, ist wohl nur konsequent. Genauso wie auch das Aufbaumaterial der Ausstellung im Moment auf die erste Verwendung im Lager wartet, danach aber alle einlädt, weiterführende Projektvorschläge der Wiederverwertung in der Ausstellung zu deponieren; denn verantwortungsvolles künstlerisches Handeln, bedeutet auch zu überlegen, was danach verbleibt. Im urbanen Raum, wie auch in den Köpfen der Teilnehmenden.

 

Cittadellarte
Teilen und verändern
Eröffnung inkl. Rahmenprogramm: 29.09.2012, 13 Uhr

Laufzeit: 29.09.2012-20.01.2013
Kuratorin/Kuratoren: Katrin Bucher Trantow, Juan Esteban Sandoval
Co-Kuratorin/Co-Kurator: Katia Huemer, Paolo Naldini
Am Tag der Eröffnung hat das Kunsthaus Graz bis 20 Uhr geöffnet
Eine Koproduktion von Kunsthaus Graz und Cittadellarte, in Kooperation mit steirischer herbst

Kategorie: Kunsthaus Graz
Schlagworte: Cittadellarte


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