29. November 2014 / Martina Edler

Von böhmischen Dudelsäcken und unbekannten Engelsliedern

Volkskundemuseum

Am 10. Dezember ist es wieder soweit: In der Antoniuskirche des Volkskundemuseums erklingen – wie schon seit 1916 – die beliebten Hirten- und Krippenlieder. Seit 2008 ist Zuzana Ronck mit der musikalischen Leitung dieser einzigartigen Konzertreihe betraut. Martina Edler hat die gebürtige Tschechin und Initiatorin des internationalen Jugend-Festivals Classics in Styria im Zuge der Proben getroffen und einen kleinen Einblick in das diesjährige Programm sowie in die Arbeit mit jungen Menschen bekommen. 

ME: Sie leiten heuer zum siebenten Mal die „Hirten- und Krippenlieder“ in der Antoniuskirche. Wann hatten die ersten Proben für die heurigen Aufführungen schon begonnen?

ZR: Wir haben bereits im September begonnen. Da waren alle noch frisch erholt von den Ferien, und vor allem waren die schulischen Belastungen bei den Jugendlichen noch gering.

ME: Die Veranstaltungsreihe ist sehr traditionsreich und geht bis auf das Jahr 1916 zurück. Wie geht es Ihnen mit so viel historischer Gewichtigkeit?
ZR: Das große Interesse an der Geschichte und Tradition brachte ich im Vorhinein mit, und dadurch war mir auch die Verantwortung für diese Veranstaltungsreihe bewusst.

ME: Mit Ihrer musikalischen Leitung hat ein schöner Gedanke Einzug genommen: der Blick über die Landesgrenzen. In den vergangenen Jahren haben wir abwechselnd Liedgut aus anderen Bundes- und Nachbarländern gehört. So waren u. a. Lieder aus Italien, Slowenien, Bayern und der Schweiz zu hören. Wie reagierte das Publikum auf diese neue Idee?
ZR: Das Publikum nahm es mit Interesse an. Man lernt dadurch tradierte Werke anderer Regionen schätzen und kennen.

ME: Und welche musikalische Landschaft dürfen wir heuer kennenlernen?
ZR: Heuer werfen wir einen Blick zum nördlichen Nachbarn und werden zwei Weisen aus Böhmen und Mähren hören.

ME: Das heißt: Für Sie ein besonderes Jahr – mit Liedern aus der eigenen Heimat?
ZR: Gerade deshalb war es keine leichte Wahl, weil ich musikalisch sehr mit meiner Heimat verbunden bin und das reichhaltige Liedgut kenne. Zu hören sein wird das alte, recht unbekannte Engellied „V půlnoční hodinu“, das ich erst heuer im Sommer kennengelernt habe. Weiters erklingt ein Menuett für Dudelsack und Violine. Der Dudelsack hat in Böhmen eine lange Tradition.

ME: Sie arbeiten mit jungen Menschen, von Schuleinsteigern bis zu Studierenden. Da kommen doch sicher viele unterschiedliche Bedürfnisse ins Spiel?
ZR: Ob Kleinkind oder Erwachsener – es geht immer um einen achtsamen Umgang mit meinem Gegenüber und um die große Freude an der Vermittlung, am gemeinsamen aktiven musikalischen Tun.

ME: Auch ist zu beobachten, dass im Kinder- und Jugendchor des Konservatoriums viele Nationalitäten vertreten sind – wir zählten in den vergangen Jahren 26 verschiedene Herkunftsländer, aus denen die Kinder und Jugendlichen ursprünglich stammen. Ist dieser Faktor eine zusätzliche Herausforderung?
ZR: Heuer sind es Kinder und Jugendliche, die familiären Bezug zur 11 verschiedenen Nationen haben. Nicht alle von ihnen haben einen Bezug zur Religion. Hier sind  große Sensibilität, Respekt und auch Erklärungen angebracht. Die Aussprache der Texte des traditionellen Liedgutes ist immer eine Herausforderung für sich. Da helfen unsere Steirerkinder kräftig mit!

ME: Haben die jungen Musikerinnen und Musiker Ihrer Meinung nach eine nachhaltige Beziehung zu den Krippenliederveranstaltungen und generell zum Volkskundemuseum sowie zum Universalmuseum Joanneum entwickelt?
ZR: Die Nachhaltigkeit ist eindeutig gelungen. Bereits bei der ersten Probe im Herbst warten alle schon gespannt, was am Programm steht und freuen sich, wenn sie das eine oder andere Lied bereits kennen. Zum reichhaltigen Angebot des Joanneums bzw. des Volkskundemuseums konnten zahlreiche Kinder in den letzten Jahren eine sehr gute Beziehung aufbauen.

ME: Das Publikum dankte Ihren Einsatz in den letzten Jahren mit steigenden Publikumszahlen und gewaltigem Applaus. Man spürt, dass Sie mit ganzem Herzen dabei sind – die besten Vorzeichen für einen langen gemeinsamen Weg. Passt für Sie die menschliche Zusammenarbeit?
ZR: Es ist eine wunderbare menschliche Zusammenarbeit zwischen dem Volkskundemuseum, dem Johann-Joseph-Fux Konservatorium des Landes Steiermark und dem Steirischen Volksliedwerk. Es verbindet uns das gemeinsame Interesse am guten Gelingen unserer Krippenlieder in der Antoniuskirche, und das ist gut so.

ME: Danke für das Interview und viel Erfolg für die weitere Probenarbeit!

 MUSIKALISCHE KOSTPROBEN VON 2013!

Zuzana Ronck, Foto: Furgler, 2014

Zuzana Ronck, Foto: Furgler, 2014

 

Kurzbiografie Zuzana Ronck

Geboren in Tschechien, Künstlerische Diplome für Chorleitung und Orchesterdirigieren an der Kunstuniversität Graz, Doktoratstudium im Bereich der Katholischen&Evangelischen Kirchenmusik, seit 1986 am Johann-Joseph-Fux Konservatorium des Landes Steiermark in Graz tätig, Initiatorin des Jugend Festivals “Classics in Styria” und des Chorfestivals “Styria canora”, Vorstandsmitglied des Steirischen Volksliedwerkes und des Steirischen Chorverbandes.

 
Alle Termine 2014 auf einen Blick:
Mittwoch, 10., Freitag, 12., Sonntag, 14. Dezember 2014
Beginn jeweils um 19 Uhr in der Antoniuskirche
Paulustorgasse 13, 8010 Graz

Nähere Informationen:
  T: +43-316/8017-9899 und -9878 sowie auf:
Kartenvorverkauf: ab 1. Dezember 2014, Mo.-Fr. von 8-14 Uhr im Infopoint des Volkskundemuseums, keine Kartenreservierungen möglich!
An den Veranstaltungstagen sind Restkarten bis 19 Uhr erhältlich.

Kategorie: Volkskundemuseum
Schlagworte: Hirten- und Krippenlieder


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