Ausstellungsansicht Zero Gravity mit Neil Armstrongs Raumanzug und den Silver Clouds (1966) von Andy Warhol / Foto: Peter Kogler

23. September 2019 / Katrin Bucher Trantow

Zero Gravity

Kunsthaus Graz

Wer derzeit noch unterwegs ist und die letzten Spätsommertage im Norden verbringt, dem sei eine besondere Ausstellung in München ans Herz gelegt, die Peter Koglers Signatur ebenso trägt wie die aktuelle Ausstellung im Kunsthaus Graz. Mitte Juli habe ich sie mit meiner Tochter besucht…

Zero Gravity in der von Sabine Adler als Treffpunkt von Wissenschaft und Kunst geleiten Eres Stiftung in München behandelt das gesellschaftliche Phänomen der Mondlandung 1969 und ist eine Ausstellung die im direkten Austausch mit dem Künstler entstand. Sie bringt dieses prägende Medienereignis in Form einer Zusammenschau aus Kunst, Design und Musik mit Quellen aus der Politik sowie wissenschaftlichen und technischen Instrumentarien so sinnlich und brillant vernetzt zusammen, dass die hochkarätige Ausstellung zu einer Wunderkammer eines Zeitraumes zwischen Protest, Utopie und Popkultur wird.

Raumansicht Zero Gravity mit Michelangelo Pistoletto / Foto: Katrin Bucher Trantow

Unweit des auratischen Raumanzugs von Neil Armstrong hören wir die eindringliche Stimme Kennedys, die am 12. September 1962 den USA verspricht, die erste Nation auf dem Mond zu sein. Mit eindringlichen Quellen schafft es die Ausstellung, historische Gegebenheiten wie den Hintergrund der Kubakrise und die gegenseitigen Schmähungen des Kalten Krieges bzw. den Wettlauf zwischen USA und UdSSR spürbar werden zu lassen: Propagandabilder der russischen Kosmonauten, Zeitungsberichte über den berühmten Hund Laika oder Mode à la Barbarella verweben sich mit künstlerischen Imaginationen wie den pneumatischen Architekturen von Coop Himmelblau, den Raum öffnenden Spiegelarbeiten von Michelangelo Pistoletto, den fantastischen künstlerischen Verschmelzungen von Architektur, Skulptur und Medienapparat des Österreichers Walter Pichler oder die Überlegungen zu Schwerelosigkeit in John Baldessaris konzeptueller Fotografie.

Zero Gravity, Walter Pichler / Foto: Katrin Bucher Trantow

Ganz besonders aber führen uns Peter Koglers verspiegelte und mit Op-artigen Linien durchzogene Raumgestaltung in die Zusammenschau ein, indem sie ein Gefühl des Schwindels evoziert und dabei von der Schwerelosigkeit und Endlosigkeit des Alls ebenso körperlich berichtet wie von einer technologischen Hochstimmung, die die Jahre jenes Aufbruchs prägten. Konsequent setzen sich diese Assoziationen und Gefühle mit der Musik der Schallplatten fort, die auf dem 1960 entworfenen „Wandregal 606“ zum Auflegen bereitstehen: So etwa David Bowies Space Oddity oder Werke von Komponisten wie John Cage und György Ligeti, deren klangliche Beschäftigung mit unendlichen Räumen sich in unserem verzogenen Selbst in Koglers morphenden Linien spiegeln.

Raumansicht Zero Gravity, COOP HIMMELBLAU/Foto: Katrin Bucher Tranotw

Mit: Ant Farm, Galina Balaschowa, Thomas Bayrle, Martha Boto, Lygia Clark, Attila Csörgő, Siegfried Ebeling, Stano Filko, Dan Flavin, Richard Buckminster Fuller, Gregor Hildebrandt, Anna Jermolaewa, Lukas Kindermann, Peter Kogler, Annie Leibovitz, Sonia Leimer, Sol LeWitt, Otto Muehl, Lowell Nesbitt, Nam June Paik, Walter Pichler, Michelangelo Pistoletto, Sigmar Polke, Wolf D. Prix / COOP HIMMELB(L)AU, Robert Rauschenberg, Fred Sandback, Hans Schabus, Richard Serra, Mark Wallinger, Andy Warhol, Lawrence Weiner

 

Informationen zur Ausstellung:

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog. Zu sehen in der Eres Stiftung bis 30. November 2019.

www.eres-stiftung.de

Kategorie: Kunsthaus Graz
Schlagworte: Peter Kogler


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