Das Salesteam: Karin Miedler und Katharina Schwaberger.

8. September 2019 / Elisabeth Eder

Katharina Schwaberger im Interview

Museumsalltag

Die Sales-Leiterin des Universalmuseums Joanneum im Gespräch über berufliche Herausforderungen, maßgeschneiderte Museumsangebote und private Lieblingsdestinationen.

Katharina, du leitest den Fachbereich Sales im Joanneum. Wie schaut deine Arbeit konkret aus?
Wir arbeiten vor allem mit B2B-Partnern zusammen, also mit Wiederverkäufern in der Tourismusbranche, sowie mit lokalen Firmen im Raum Graz und der Steiermark, die unsere Angebote und Führungen verkaufen bzw. unsere Joanneumskarten-Business- und Joanneumskarten-Aktionen anbieten. Dabei bedienen wir verschiedene Verkaufssegmente: Primäres Segment sind die Tourismuspartner, Busunternehmen und Reisebüros, an die wir vor allem Führungen und Vermittlungsangebote in unseren touristisch interessanten Häusern verkaufen, sowie Online-Buchungsplattformen, über die touristische Gäste individuell buchen können – z. B. jollydays, viator.com, tiqets.com.

Im zweiten Segment arbeiten wir mit mehr als 30 Hotels zusammen. Diese Betriebe haben einen hohen Marketingwert für uns, sie legen auch unsere Drucksorten auf und verkaufen unsere Tickets. Das dritte Segment sind Unternehmen im Raum Graz, über die wir die Joanneumskarten-(Business-)Aktionen laufen lassen, welche auch von unseren Kulturpartnern wie dem steirischen herbst, der Styriarte und den Bühnen Graz angeboten werden. Seit einiger Zeit bedienen wir auch das Segment der Endkundinnen und -kunden über Formate wie „Museumspicknick im Grünen“ und „Genussreise im Museum“ und unsere Geschenkgutscheine, die wir über die „Graz Info“, Tourismusverbände und bei uns angesiedelte Gastronomie-Partner verkaufen. Außerdem sind wir in regelmäßigem Kontakt mit unseren Reisebüropartnern und nehmen an Verkaufsreisen teil. Wie man sieht, ist Sales ein vielfältiges Arbeitsfeld!

Wie gewinnt ihr neue Partner?
Teilweise über „Busreisen Steiermark“ und deren Verkaufsreisen – auf diese Weise kann man sich Zielmärkte aussuchen, die man bedienen und gewinnen möchte. Vor Kurzem waren wir zum Beispiel auf einer Verkaufsreise in Bayern und beim „Steiermark-Frühling“ in Wien. Bei solchen Gelegenheiten kann man potenzielle Partner gezielt ansprechen. Außerdem erfahren wir auch durch Gespräche mit bestehenden Kooperationspartnern wie zum Beispiel Hotels, wer aus dem Reisebürosegment bereits in Graz bucht und die Destination im Programm hat. So wird über Empfehlungsmarketing der Erstkontakt geknüpft. Teilweise vermittelt uns auch „Graz Tourismus“ einige neue Kontakte, und wir betreiben Kalt-Akquise, etwa bei Reisevermittlern, die am Nischenmarkt angesiedelt sind und Kulturreisen im Programm haben. „Graz Tourismus“ ist einer der stärksten Partner im Gruppenbereich, der uns Anfragen weiterleitet und mit dem wir auch den Bedarf an Vermittlungsprogrammen für Gruppen ermitteln. Im Zeughaus haben wir etwa gemeinsam mit dem Vermittlungsteam eine spezielle Führung zum Thema „historische Redewendungen“ konzipiert.

In welchem Bereich oder in welchem Segment arbeitest du am liebsten?
Mir macht es Spaß, neue Projekte und Angebote zusammenzustellen und an deren Entwicklung beteiligt zu sein. Auch der direkte Kontakt zu unseren Kundinnen und Kunden ist für mich sehr spannend. Verkaufsreisen sind ebenfalls interessant, besonders, wenn wir neue Geschäfte abschließen. Und auch die Zusammenarbeit mit den Hotelpartnern liegt mir am Herzen, hier gibt es gute persönliche Kontakte und einen herzlichen Austausch.

Wer arbeitet gemeinsam mit dir im Bereich Sales?
Meine Kollegin Karin Miedler und ich sind ein gutes Zweierteam, wir haben uns den recht umfangreichen Aufgabenbereich gut aufgeteilt und können immer aufeinander zählen. Bei Verkaufsaktionen im B2C-Bereich, also für Endkundinnen und -kunden, unterstützen uns auch ehrenamtliche Promotion-Mitarbeiterinnen.

Welche Ziele setzt ihr euch für das kommende Jahr?
Wir wollen mehr Besucher/innen auch über den Fachbereich Sales und unsere Kooperationen ins Museum zu holen, und natürlich wollen wir wie jedes Jahr auch eine Umsatzsteigerung erzielen. Außerdem möchten wir das „Museumpicknick“ und die „Genussreise“ weiterführen. Ob sich solche Formate wirtschaftlich rentieren, zeigt sich meist erst nach drei Jahren Anlaufzeit. Ein weiteres Ziel für 2019 ist der Ausbau unserer Angebote für Firmen und deren Mitarbeiter/innen bzw. Betriebsräte, die wir mit exklusiven Veranstaltungen ins Museum holen wollen. Auch die Kooperation und der Ausbau der Zusammenarbeit mit den „Graz Guides“ ist angedacht, und nicht zuletzt steht der Ausbau unserer B2B-Webseite am Programm. Damit wollen wir unsere Angebote für Wiederverkäufer übersichtlicher darstellen.

Welche Ideen für neue Projekte gibt es?
Es gibt viele neue Ideen und Ansätze für jedes Segment, allerdings müssen wir auf Effizienz achten: Wenn wir zu viel Neues einführen, kann es passieren, dass Bestehendes nicht mehr ausreichend bedient werden kann. Es ist eben auch eine Ressourcenfrage. Wir arbeiten im Fachbereich Sales nur zu zweit und neue Formate erfordern vor allem im ersten Entwicklungsjahr sehr viel Kraft und Energie.

Was sind die größten Herausforderungen bei deiner Arbeit?
Grundsätzlich könnten wir jeden unserer Verkaufsbereiche weiter ausbauen, aber wir müssen die Prioritäten danach setzen, was uns den größten Umsatz bringt. Das ist oft schwierig, da wir natürlich alle Segmente ausbauen möchten!

Euer Ziel ist es, Faktoren abzubauen, die als Hemmschwellen rund um die Teilhabe an kulturellen Angeboten wahrgenommen werden – welche Faktoren sind das und wie baut man diese ab?
Wir konzipieren zu diesem Zweck Führungen, die ein breiteres Publikum ansprechen bzw. die für touristische Gäste interessant sein könnten, wie die „Redewendungen-Führungen“ im Zeughaus. Auch die Kombination von Kultur mit Kulinarik lockt sehr viele Leute ins Museum, die „Genussreise“ und das „Museumspicknick“ sind außerdem beliebte Geschenke. Wir merken, dass das Erlebnis im Museum bei den Besucherinnen und Besuchern im Vordergrund steht – und solche Erlebnisse versuchen wir zu ermöglichen.

Nehmen solche Angebote hauptsächlich Leute wahr, die sonst eher selten ins Museum kommen?
Menschen, die eher selten ins Museum gehen, werden oft von museumsaffinen Angehörigen oder Freunden mit einem speziellen Angebot beschenkt. Touristisch gesehen wissen wir, dass Personen, die im Alltag wenig Interesse an Museen haben, im Rahmen von Kurzurlauben in einer anderen Stadt kulturelle Angebote sehr wohl nutzen. Für uns stellt sich darüber hinaus die Frage, wie man die Grazer/innen oder Steirer/innen dazu bringt, zu uns ins Museum zu kommen, und über welche Angebote das funktioniert. Formate wie die „Genussreise“ und das „Museumspicknick“ sind sehr gut dafür geeignet.

Nutzt du solche Angebote auch privat?
Es ist wichtig, dass wir gut über die Ausstellungen Bescheid wissen, damit wir sie auch verkaufen können und wissen, für welche Interessensgruppe welche Schau ideal ist. Deswegen schließen Karin und ich uns häufig Führungen an. Privat findet man mich derzeit eher im Kindermuseum FRida & FreD, weil sich meine jüngere, vierjährige Tochter noch nicht für alle Ausstellungen im Joanneum begeistern kann. (lacht) Bei unseren Picknick-Veranstaltungen waren die Kinder natürlich mit dabei und hatten großen Spaß!

Wie lange bist du schon im UMJ tätig und wie bist du bei uns gelandet?
Ich arbeite seit Februar 2016 für das Universalmuseum Joanneum. Nach der AHS habe ich das Tourismuskolleg in Bad Gleichenberg absolviert und bin danach nach Wien gegangen. Dort habe ich für vier Jahre für die Hotelkette Marriott im Gruppen- und Bankett-Sales gearbeitet. Danach war ich dreieinhalb Jahre in Barcelona und habe dort im Tourismusbereich als Market Manager für ein Onlinebuchungsportal spezialisiert auf Luxus- und Designhotels gearbeitet.

Vermisst du die Zeit in Barcelona?
Meine Zeit in Barcelona war eine tolle Erfahrung, die ich nicht missen möchte. Ich durfte dort interessante Bekanntschaften machen, eine andere Kultur, andere Bräuche, Sitten und Gepflogenheiten kennenlernen. Für mich war aber immer klar, dass ich dort nicht alt werde, sondern irgendwann nach Österreich zurückkomme.

Packt dich manchmal trotzdem noch das Fernweh?
Ja, ich verreise sehr gerne. Mit unseren Kindern planen wir momentan eher Reisen innerhalb Österreichs oder ins nahe Ausland. Die Heimat bietet ja auch ganz viel Schönes – tolle Seen und Wandergebiete. Ich bin immer schon gerne gereist und werde das auch hoffentlich bis ins hohe Alter tun.

Wohin ist die letzte Reise gegangen?
Die letzte Reise war ein Kurzurlaub. Wir haben ein verlängertes Wochenende in Zell am See verbracht, waren dort ein bisschen wandern und haben Freunde besucht. Die letzte größere Reise war ein Sommerurlaub in Griechenland.

Was steht in deiner Freizeit am Plan?
Natürlich plant man die Freizeit nach seinen Kindern. Wir unternehmen viel, treffen am Wochenende Freunde und Familie. Oft stehen auch Feiern und Feste am Programm – also es ist immer viel los. Und wenn es die Zeit erlaubt, mache ich als Ausgleich zum Berufsalltag gerne Yoga und Pilates.

Wie sieht dein perfektes Wochenende aus?
Ein ausgedehntes Frühstück mit der Familie genießen, danach einen Ausflug ins Grüne planen – ganz oben auf der Liste steht eine kleine Radtour, diverse Motorikparks oder das steirische Weingebiet.

Picknick im Park oder Frühstück im Bett? Picknick im Park.
Paris oder Barcelona? Barcelona.
Wandern in den Bergen oder Sonnen am Strand? Beides.
Nachthemd oder Pyjama? Im Winter Pyjama.

Kategorie: Museumsalltag
Schlagworte: Arbeiten im Museum | Interview


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