16. November 2020 / Barbara Steiner

Harter Lockdown – und was kommt danach?

Kunsthaus Graz

Es gibt keinen Zweifel: Momentan ist der Lockdown notwendig, schaut man sich Infektionszahlen und die Auslastung der Krankenhäuser an. Doch frage ich mich: Was kommt danach?

Nun gibt es wieder massive Ausgangsbeschränkungen. Nicht nur „Freizeiteinrichtungen“ wie Museen, Theater, Kinos, sondern auch Shoppingzentren müssen schließen. Und ja, es tat weh zu sehen, dass sich Zigtausende, wie etwa letzte Woche bei der Eröffnung eines Möbelhauses im Flachgau, unkontrollierbar versammeln durften, aber Kultureinrichtungen mit ausgefeilten Hygiene- und Einlasskonzepten geschlossen wurden. Es ist müßig, sich zu fragen, ob es wirklich so weit hat kommen müssen. Es gibt keinen Zweifel: Momentan ist der Lockdown notwendig, schaut man sich Infektionszahlen und die Auslastung der Krankenhäuser an. Doch frage ich mich: Was kommt danach? Folgt auf die nächste Lockerung der nächste Exzess, der nächste Lockdown …?

Eine Skala von 1 bis 10

Ein kleines Gedankenexperiment: Auf einer Skala von 1 bis 10, welchen Stellenwert nehmen Kunst und Kultur ein? Ich würde sagen, sie stehen ganz am Ende. Kunst und ihre Institutionen in die Kategorie „Freizeiteinrichtungen“ einzusortieren, unterschätzt nicht nur ihre gesellschaftliche Dimension – es ist für die Beteiligten bitter, die sich in der Regel mit großem persönlichen Engagement für Kunst und Kultur einsetzen.

© Oliver Ressler

In den meisten Fällen ist es mehr als „ein Job“. Der zweite Lockdown wird sich in diesem Bereich weitaus verheerender auswirken als der erste, auch wenn es glücklicherweise einige staatliche Unterstützung gibt. Doch das ist keine Perspektive für die Zukunft. Nachdem man im Kulturbereich begonnen hatte, sich auf das „neue Normal“ einzustellen und Konzepte im Umgang mit der Pandemie zu finden, viele Ideen gefunden und viel Energie investiert wurde, um den Zugang zu Ausstellungen, Konzerten, Theateraufführungen, Filmvorführungen zu ermöglichen, folgte die Enttäuschung: ein weicher Lockdown ohne Kunst und Kultur.

On ‒ Off

Ein von mir wertgeschätzter Kollege, Martin Fritz, hat es vor Kurzem so formuliert: „Die Erfahrung der letzten Monate hat gezeigt, dass Kunstinstitutionen gerade in unsicheren und krisenhaften Zeiten die Rolle der qualitätsvollsten und verantwortungsvollsten, auch achtsamsten öffentlichen Räume spielen könnten.“ Könnten – wenn man sie künftig lassen wird. In den nächsten Wochen und Monaten wird sich zeigen, ob es überhaupt eine Perspektive für den Kulturbereich gibt. In einer gemeinsamen Erklärung der Berliner Theater wurde es so formuliert: „Ein Betrieb im On/Off-Modus macht insbesondere ohne längerfristige Vorankündigung die Planung und Arbeit unmöglich.“ Es geht nun nicht darum, Shoppingzentren, Restaurants und Cafés gegen Kunst und Kultur ausspielen zu wollen, aber es braucht für alle Perspektiven, was nach dem harten Lockdown passieren wird. Es müssen vor allem in den Zeiten, in denen die Ansteckungszahlen sich wieder auf einem niedrigen Niveau einpendeln, Richtlinien entwickelt werden, die nachvollziehbar machen, wann für wen Maßnahmen gelockert oder verschärft werden. Basierend auf einer Analyse, die aufzeigt, wo die Ansteckungen tatsächlich stattfinden.

 

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