30 % Löwenzahn

Die Ausstellung nimmt den Löwenzahn als botanisches, kulturelles und ästhetisches Phänomen in den Blick. Mehr als 35 Werke widmen sich der widerstandsfähigen Pflanze – und ihrer überraschend engen Verbindung zum Menschen, mit dem sie rund 30 % ihres genetischen Materials teilt.

Zwischen poetischen, politischen und ökologischen Perspektiven entfalten die Arbeiten Themen wie Anpassung, Widerstand, symbiotische Kooperation und wiederkehrende Ankunft. Einzelne Leihgaben aus den Sammlungen des Universalmuseum Joanneum ergänzen die Ausstellung.

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Vom Widerstand einer Blume

Als Blume der Ränder, Wiesen und Gärten vermittelt er eine Sprache, die Grenzen überschreitet – transkulturell, politisch und ökologisch.

In den Arbeiten der Ausstellung werden Verflechtungen zwischen Mensch, Natur und Gesellschaft sichtbar, inspiriert von Konzepten wie „entanglements“, kritischer Hybridität und ästhetischer Offenheit. Zwischen ökologischem Bewusstsein, kollektiver Fürsorge und poetischer Lebensfreude lädt 30 % Löwenzahn dazu ein, die Kraft des Langsamen, Stillen und Gemeinschaftlichen zu erkennen und neu zu bedenken.

Werke in der Ausstellung

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Iris Andraschek

Alles, was sich mischt, findet immer an Grenzen statt/Vsaka mešanica je na robu meje, 2023/2026

Für ihre Arbeit galvanisierte Iris Andraschek Pflanzen von der Pečnik-Wiese im österreichisch-slowenischen Grenzgebiet bei Eisenkappel/Železna Kapla. Diese verbindet die Künstlerin mit Zitaten aus Gesprächen, die sie u. a. mit der dort lebenden Bevölkerung führte. Aktuelle Probleme der Almlandschaft mischen sich mit Erinnerungen an den lokalen slowenischen Widerstand gegen das NS-Regime. Dieser Widerstand war nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges ein zentrales Argument für die Unabhängigkeit Österreichs und die rechtliche Gleichstellung der Sprachminderheiten. In Sprechblasen verleiht Andraschek Zeug*innen des historischen, aber auch aktuellen Widerstands eine Stimme. Wiesenpflanzen machen als regionale Kommentator*innen die ökologischen, politischen und sozialen Bezüge sichtbar.

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Suzanne Anker

When Crystals Spawn Flowers, 2024

When Crystals Spawn Flowers sind 3D-Drucke, entstanden am Montefiore Institut für Reproduktionsmedizin und Gesundheit, wo Anker sich mit Onko-Fertilität (dem Fruchtbarkeitserhalt bei Krebspatient*innen) und künstlich unterstützter Fortpflanzung auseinandersetzte. Der Prozess der In-vitro-Fertilisation wird bei Anker zur Metapher des Wiedererwachens nach dem Frost: Kristalline Formen verweisen auf das Einfrieren einzelner Eizellen, Spermien oder Embryonen, die wie Pflanzen „überwintern“ und bei Bedarf erneut zum Leben erweckt werden. Ihr Auftauen und Einsetzen gleicht einem natürlichen Wachstumszyklus, eröffnet jedoch – insbesondere im Kontext eines florierenden Marktes von IVF-Banken – zugleich ethische Fragen nach Genetik und einer marktwirtschaftlich vorangetriebenen Verlängerung von Fruchtbarkeit.

 

Mehr von Suzanne Anker in Analytische Schönheit, Neue Galerie Graz, 24.04.–04.10.2026

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Karl Blossfeldt

Aus der Serie Urformen der Kunst: Schachtelhalm, 1928; Mohnkapsel, 1928; Skabiose, 1928; Weberdistel, 1928

Karl Blossfeldt gilt als eine der zentralen Figuren einer Fotografie, die Kunst und Wissenschaft auf neuartige Weise miteinander verbunden haben. Seine fotografische Praxis war von dem Bestreben geprägt, die Gesetzmäßigkeiten der Pflanzenmorphologie sichtbar zu machen und sie als formale Typen zu ordnen. Die Fotografien folgen einer streng kontrollierten Methodik: isolierte Pflanzenteile, grauer Hintergrund, frontale Ansichten, starke Vergrößerungen und maximale Tiefenschärfe. Blossfeldt ging es um das Freilegen verborgener Strukturen, um die innere Ordnung der Natur zum Vorschein zu bringen. Aus didaktischem Material entstand so eine neue Form der Kunstfotografie, die mit Werken wie Urformen der Kunst (1928) Kunst, Design und Architektur des 20. Jahrhunderts nachhaltig prägte.

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Andrea Bowers

Chandeliers of Interconnectedness (Women Still Dream, Quote by Susan Griffin), 2023

Andrea Bowers verknüpft in ihren Lichtskulpturen Motive aus der Natur mit feministischen Denkweisen zu einem Bild ökologischer Verbundenheit. Für die Serie Chandeliers of Interconnectedness kreierte sie von der Decke schwebende Kronleuchter in Blätterform. Die Konstruktionen aus recycelten, nicht-toxischen Materialien sind von Neonlicht und Glasfragmenten durchzogen. Ihre Formen orientieren sich am Geäst und Blattwerk der Platanen, großen Laubbäumen. Entlang der geschwungenen Linien erscheinen Zitate der Philosophin Susan Griffin, einer Pionierin feministischer und ökologischer Ideen. Deren Buch The Roaring Inside Her (1978) benennt die Verflechtungen zwischen der Zerstörung der Umwelt, der Herabsetzung von Frauen und Rassismus. Bowers lädt zur Reflexion über Gleichstellung, Solidarität und nachhaltiger Verantwortung ein.

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Andrea Bowers

Every Body, 2026

Für ihre Neoninstallation auf der Terrasse des Kunsthauses Graz schuf Andrea Bowers den Slogan Every Body, der Vielfalt und Selbstbestimmung feiert. Das sichtbar in den Stadtraum hineinleuchtende Blumenbouquet zeigt lokale Blumen wie Mohn, Narzissen und Krokusse. Der Slogan stammt von einem Protestschild für die Rechte von trans Kindern in Washington, D.C. Bowers betont damit ökofeministische Gleichberechtigung und die Gleichwertigkeit aller Körper, menschlicher wie nicht menschlicher. Ihre Arbeit verbindet Ökofeminismus mit Queer Ecologies – Ansätze, die aufzeigen, dass die Unterdrückung von Frauen* und die Zerstörung der Natur zusammenhängen sowie Gegensätze von „Mann/Frau“ oder „natürlich/unnatürlich“ infrage stellen. Sie kontert damit patriarchalen wie politisch (rechts)konservativen Narrativen. Bowers verweist hier zudem auf den Aktivisten und Anwalt Chase Strangio, der judikativ gegen Trumps transfeindliche Politik ankämpft.

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Viltė Bražiūnaitė & Tomas Sinkevičius

Sunflower, 2021/2023

In der Videoarbeit vloggt eine ironische Sonnenblume aus ihrem neuen Zuhause. Sie hat das überhitzte Sonnenblumenfeld mit den lästigen Käfern und Menschen gegen einen „künstlichen“ Lebensraum ausgetauscht: Statt Sonnenschein gibt es in ihrem Videotagebuch ein Selfie-Ringlicht im abgedunkelten Raum, ein Schlauchsystem ersetzt lebensnotwendiges Grundwasser. In der von Melancholie durchzogenen Arbeit verbinden Bražiūnaitė & Sinkevičius graue 3D-Animation mit farbigem Archivmaterial. Im Ausstellungsraum wird die Videoarbeit durch ein Loungemöbel aus Boxen der Lebensmittelindustrie ergänzt. Im Mix künstlicher und natürlicher Bilder wie Materialien erkunden die beiden Künstler*innen subversiv, wie lange wir Menschen uns noch vor den großen Bildschirmen in unseren Wohnzimmern gemütlich ausstrecken wollen – trotz unseres Wissens um Klimakrise und kapitalistische Ausbeutung.

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Claude Cahun

Sans Titre, 1939

Eine Notiz auf der Rückseite verrät, welche Blume Claude Cahun hier fotografierte: Hemerocallis fulva, eine gelbrote Taglilie. Ihren Namen trägt die Taglilie, weil jede ihrer Blüten nur einen einzigen Tag lang geöffnet ist. So wird sie zum Sinnbild für die Flüchtigkeit des Augenblicks. Im Gras darunter verweist ein Totenschädel aus Zucker auf den mexikanischen Totenkult, in dem Leben und Tod nicht als Gegensätze, sondern als Teile eines fortwährenden Kreislaufs verstanden werden. In der Verbindung dieser Motive spiegelt sich Cahuns künstlerisches Interesse an Übergängen und Transformationen wider. Als visionäre surrealistische Künstlerin und Schriftstellerin nutzte sie auch ihre Bildsprache, um feste Vorstellungen von Identität, Gender und Existenz grundsätzlich zu hinterfragen.

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Regula Dettwiler

Herbarium der Gefühle, 2025/2026

Regula Dettwiler lädt Menschen ein, ihr eine gepresste Blüte oder ein getrocknetes Gewächs zu schenken – verbunden mit einer Geschichte, die sie mit der Pflanze verknüpfen. Wissenschaftlich klassifiziert und sorgfältig angeordnet entsteht so ein Herbarium der Gefühle. In die rigide Ordnung der Sammlerin schreiben sich persönliche Erlebnisse und Empfindungen poetisch ein. Die Pflanzenordnung erhält somit eine soziale Dimension – oder eine psychologische – etwa wenn die getrockneten Pflanzen den sieben Basisemotionen nach dem Psychologen Paul Ekman (Freude, Trauer, Wut, Angst, Überraschung, Ekel und Verachtung) zugeordnet werden. Dettwilers Projekt spiegelt die Vielfalt der Botanik auf uns Menschen zurück und gibt den flüchtigen Augenblicken des Lebens ihren Platz im „Gefühlsspeicher“.

 

Dank an Landesgalerie Niederösterreich, Initiatorin des Herbariums der Gefühle 2025

 

Mehr zu Regula Dettwiler in Durch die Blume, Volkskundemuseum, 21.05.2026–31.01.2027

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Spencer Finch

Following 3 Bees (Zinnias), 2008; Following a Bee (Helianthus), 2023

In seiner künstlerischen Praxis arbeitete Spencer Finch in verschiedenen Medien und setzte sich dabei stets mit der Komplexität des Sehens auseinander – damit, wie wir sehen. Und wie wir wissen, was wir sehen. In dieser Serie beobachtet und zeichnet er Bienen, die wiederum Blumen sehen. Mittels GPS-Ortungstechnologie kartierte er Sonnenblumen und Zinnien in seinem Garten und verfolgt von einer Trittleiter aus Rast und Flugroute einer einzelnen Biene von Blüte zu Blüte. Finchs Zeichenprozess folgt ihr: Pausiert sie, muss auch der Künstler rasten. Im Sinne der Schriftstellerin Emily Dickinson, die Finch ebenfalls seit vielen Jahren studiert, braucht das Studium der Natur Geduld und Respekt: „Eine Blume zu sein, ist große Verantwortung.“

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Barbara Frischmuth

Gartenschere, Tagebücher (Gartenjournale)

Barbara Frischmuth war feministische Schriftstellerin, Verfechterin für die Rechte von Minderheiten und leidenschaftliche Gärtnerin. In ihren Gartenbüchern plädierte sie für eine Pflanzen- und Tierethik und schilderte die Entwicklungen ihres Gartens als sinnliche Erfahrungswelt zwischen Gestaltung und Gestaltwandel. Sie widmete sich philosophischen, mystischen und naturwissenschaftlichen Fragen, die ihre Arbeit an und mit ihrem Garten akribisch begleiteten. Die Gartenschere, die Frischmuth dem Franz-Nabl-Institut als Vorlass übergab, ist ein Platzhalter: Sie steht für das liebgewordene Werkzeug – und dafür, mit der Umwelt in Beziehung zu treten und kritisch zu handeln: „Wo immer man einen Schnitt macht, bleibt eine Wunde, aber manchmal fördert der Schnitt auch das Wachstum.“

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Anita Fuchs

Ghillie Suit, 2025/2026

Beim Näherkommen offenbaren sich Anita Fuchs’ von der Decke hängende Wesen als tragbare Kleidungsstücke – als Hose, Jacke und Hut aus Jute, an die Gräser und Blumen in langen Büscheln genäht sind. Der Titel Ghillie Suit verweist auf Tarnanzüge, die den Körper mit der Umgebung verschmelzen lassen und in Jagd, Militär und Naturfotografie eingesetzt werden. Sie verdanken ihren Namen dem Ghillie Dhu, einem mit Blättern und Moos bekleideten Wesen der schottischen Folklore, das als Beschützer des Waldes gilt. Seit 2023 betreibt Fuchs im Wiener MuseumsQuartier eine Wildpflanzenfläche als Versuchsfeld. Die Pflanzen und Blumen für ihre wehrhaften Anzüge stammen von dort. Fuchs’ Ghillie Suits sind Wächter einer zurückkehrenden Biodiversität, bereit, für ökologische Zusammenhänge einzutreten.

 

Mehr zu Anita Fuchs in Blühende Felder, Landwirtschaftsmuseum Schloss Stainz, 09.05.–31.10.2026

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Yevhen Holubentsev

Poppy 4/Gelincik 4, 22.03.2022; Chamomille 3 / Papatya 3, 21.03.2022

Yevhen Holubentsevs Serien von Zeichnungen sind eine Art visuelles Tagebuch. Frühere Blumenzeichnungen sind in Borodjanka, einer der am stärksten von Russland bombardierten Regionen der Ukraine, entstanden – im Kriegsgebiet ohne Strom, Heizung und von der Außenwelt abgeschnitten. Zwei davon sind am Cover und im CRIP Magazine #5 erschienen. 2022 flüchtete der Künstler nach Bonn. Momentan lebt und arbeitet er in der Ateliergemeinschaft KAT18 in Köln. Seine Blumenmotive sind Gegenbilder zur allgegenwärtigen Gewalt und sind subtile Kommentare zu einer Gesellschaft, die von Krieg, Armut und der Diskriminierung von Menschen mit Behinderungen geprägt ist. In seinen aktuellen Zeichnungen reflektiert er sein Leben in Deutschland als neue Heimat. Alltagsgegenstände, Pflanzen und Menschen ergänzt er mit kyrillischen Beschriftungen. Holubentsevs Arbeiten sind Momente von Resilienz – Symbole des Ausharrens, der Hoffnung, aber auch der Verständigung.

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Sanja Iveković

Mohnfeld, 2007

Mohnfeld war eine Installation, die von Sanja Iveković als Blumenfeld auf der documenta 12 in Kassel umgesetzt wurde. Iveković verwandelte dabei den Kasseler Friedrichsplatz in ein über 6.500 m2 großes Mohnfeld. Zweimal täglich wurde das Feld mit revolutionären Liedern bespielt, gesungen von aktivistischen Frauenchören aus Kroatien und Afghanistan. Im englischsprachigen Raum symbolisiert der Klatschmohn das Gedenken an Kriegsgefallene, in (post)sozialistischen Ländern steht er für politischen Widerstand und Kampf. Der Schlafmohn wiederum verweist auf den Afghanistankrieg, der zu dieser Zeit bereits zu einer Zunahme der Opiumproduktion geführt hatte. Die Künstlerin stellte damit die unterschiedlichen politischen Bedeutungen der Mohnblume ins Zentrum.

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Anna Jermolaewa

The Penultimate, 2017

Anna Jermolaewas neun Sträuße symbolisieren jeweils eine „Farbrevolution“. Mit Farbrevolutionen sind überwiegend friedliche politische Volksaufstände gemeint, die sich meist gegen autoritäre und korrupte Regime richteten und von der Bevölkerung getragen wurden. Jeder von ihnen wurde nach einer Farbe oder einer Pflanze benannt – von den roten Nelken der Nelkenrevolution in Portugal über Rosen, Orangen, Zedern, Tulpen, Kornblumen, Safran, Jasmin bis zu Lotusblüten. Jermolaewa, selbst politisch verfolgt und 1989 aus der Sowjetunion geflüchtet, thematisiert in diesem Stillleben politische Umbrüche, den Kampf um Freiheit und die Angst von Mächtigen vor dem vom Volk ausgehenden Wandel. Der Titel The Penultimate [Der Vorletzte] deutet an, dass ein letzter Umbruch noch aussteht.

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Markus Jeschaunig

Expanded Garden, 2026

Mit Expanded Garden installiert Markus Jeschaunig eine experimentelle Klimaanlage auf der Dachterrasse des Eisernen Hauses. Pflanzen, Wasser und Holz bilden ein System, das durch Beschattung und Verdunstung kühlt. Die mehrteilige Intervention besteht aus leichten Holzlatten, an denen selbstrankende Pflanzen wachsen, während Wasser aus der Grundwasserzisterne nach dem Prinzip eines Gradierwerks einen kühlenden Effekt auf eine Sitzgruppe entfaltet. Expanded Garden versteht sich als Forschungsprototyp für klimaverantwortliches Bauen und als Treffpunkt für Austausch und Reflexion über Nachhaltigkeit bei Führungen und Workshops. Mit dem Titel bezieht sich Jeschaunig auf das Mind-Expanding-Program der avantgardistischen österreichischen Architekten-Künstlergemeinschaft Haus-Rucker-Co.

 

Mit Unterstützung von Institut für Architekturtechnologie, TU Graz; Botanischer Garten der Universität Graz; Abteilung für Bautechnik der HTBLVA Ortweinschule Graz; JH Naturrein Biogarten GmbH

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Claudia Larcher

Aluna BLOOM, 2026

Kann künstliche Intelligenz – wenn radikal antidiskriminierend, ökologisch und ganzheitlich gefüttert – die Welt zum Guten verändern? Claudia Larcher forscht in ihrer künstlerischen Arbeit zu Technologie und ökofeministischer Fairness – gleichberechtigten Beziehungen zwischen Mensch, Technik und Natur ohne patriarchale Ausbeutung. Für das Kunsthaus Graz hat sie Al-una, eine von ihr und Eva Fischer 2025 kreierte, feministisch geprägte KI, zu einem digitalen Ausstellungsguide weiterentwickelt. Sie programmierte Aluna unter anderem mit der Literaturliste der Ausstellung, um in zentralen Begriffen zu agieren: darunter Inklusion, Menschenrechte, zyklisches Denken, Regeneration, Sorgfalt oder Care-Arbeit. Mit ihrem Wissen tritt AIuna der Reproduktion bestehender Macht- und Genderverhältnisse entgegen und fordert einen nachhaltigen und gleichwertigen Umgang zwischen Lebewesen und Umwelt.

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Claudia Larcher

No. 2, aus der Serie Still Life 3000, 2026

In ihrer Serie Still Life 3000 lässt Claudia Larcher digitale, mit KI generierte Blumenarrangements mit der Tradition des klassischen Stilllebens in Dialog treten. Inspiriert von zwei flämischen „Blumenporträts“ des frühen 17. Jahrhunderts aus der Sammlung der Alten Galerie verbinden Larchers Neuinterpretationen die Vergangenheit mit den ökologischen, technologischen und soziopolitischen Herausforderungen der Gegenwart. Dabei werden traditionelle Vanitas-Symbole im heutigen Kontext neu belebt. So verweisen Versatzstücke unserer erdölbasierten Gegenwart, wie Blütenblätter aus vermeintlichem Kunststoff oder eine Bestäuberdrohne, einerseits auf moderne Technologie und Konsum und andererseits auf den Verlust der Artenvielfalt und den Klimawandel. Sieht so das Blumenstillleben der Zukunft aus?

 

Mehr von Claudia Larcher und Stillleben in der Alten Galerie, Graz

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Jonas Mekas

Requiem, 2019

Über drei Jahrzehnte hielt Jonas Mekas Blumen in unzähligen Formen und Farben wie sich im Wind wiegende Bäume, Wiesen und Blätter mit unterschiedlichen Kameras fest. Die Naturbilder, die er von Bildschirmen und Zeitungen abfilmte, unterbricht er in Requiem mit Aufnahmen von Krieg und Zerstörung des 20. Jahrhunderts. Einige Blumen sind typisch für die Vegetation Litauens, das er 1944 nach der sowjetischen Besatzung verlassen musste. Als Vanitas-Bilder sind sie mehr Danksagung an die Schönheit und Flüchtigkeit der Welt als Warnung. Mit Giuseppe Verdis Messa da Requiem (Totenmesse) als Soundtrack, bekräftigt sein Film das Thema des Abschieds, geht aber über Tod und Vergänglichkeit hinaus und feiert die zyklische Kraft der Natur, die fortwährend neues Leben hervorbringt.

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Joiri Minaya

Spandex installation, 2026

Joiri Minaya hinterfragt in ihren multimedialen Arbeiten Nachwirkungen von Kolonialismus und Exotismus. Ihre raumgreifende textile Installation ist mit tropischen Pflanzen bedruckt. Schon Erzherzog Johann bestellte für den neugegründeten botanischen Garten („Joanneumsgarten“) in Graz u. a. exotische Blumen wie etwa Fuchsien, die ihren Ursprung in der Dominikanischen Republik haben – ein Verweis auf die kolonialen Verflechtungen Österreich-Ungarns. Minayas Installation kann durch Portalöffnungen passiert werden und macht dadurch gesellschaftliche, politische oder kulturelle Ausgrenzungen am eigenen Körper erfahrbar. Ausschlüsse, die etwa mit der medial oft hypersexualisierten Darstellung von Frauen Latein­amerikas und der Karibik oder dem Massentourismus einhergehen. Auch Museen sind Orte, die nicht für alle gleich (leicht) zugänglich sind. Die Arbeit regt somit auch zur kritischen Reflexion der Institution selbst an.

 

In den Fotocollagen Divergences sind Frauen in Ganzkörperanzügen mit stereotypischen tropischen Mustern zu sehen, deren Posen auf Google-Suchergebnissen nach Bildern von „dominikanischen Frauen“ basieren. Minaya reflektiert damit umstrittene Konstruktionen von Weiblichkeit in Bezug auf nationale oder regionale Identität und Exotismus.

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Ryts Monet

Riserva Aurea, 2017 (2024)

Ryts Monets Blumenkompositionen entpuppen sich bei genauerer Betrachtung als doppelseitige Stillleben: aufwendig gefaltete Banknoten treten vorne als Blumenbouquet in Erscheinung und erst nach dem Blick in den Spiegel zeigen sich rückseitig die auffällig gefalteten Banknoten. Möglich wird dies durch die Blumendarstellungen auf den Geldscheinen, die als symbolische Elemente nationale Identitäten und Zugehörigkeit vermitteln sollen. Der Künstler beschäftigt sich mit der Geschichte des 20. Jahrhunderts, insbesondere mit dem Aufstieg und Fall großer Ideologien. Die von ihm versammelte Riserva Aurea, oder Goldreserve, lädt dazu ein, über die Geschichte und die Zukunft des modernen Nationalstaats und seiner Finanzsysteme nachzudenken.

 

Mehr von Ryts Monet in Die blühende Sprache des Geldes, Münzkabinett, 22.05.–31.10.2026

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Ryts Monet

Riserva Aurea (about revolution), 2026

Ryts Monets Blumenkompositionen entpuppen sich als doppelseitige Blumenbilder und zeigen erst nach Aufklappen des Bildes ihre Gesamtheit und Herkunft an. Die ausgewählten Banknoten zeigen Blumen, die eine symbolische Verbindung zu Revolutionen oder Bewegungen haben. Die Ikonografie des Geldes ist eines der aussagekräftigsten visuellen Mittel, um zu verstehen, wie sich eine Gesellschaft der Welt präsentiert. Es handelt sich um ein System, in dem sich Bild, kollektives Gedächtnis, Macht und symbolischer Wert gegenseitig verstärken. Innerhalb dieses visuellen Systems mag die Blume marginal erscheinen, doch sie hat politische, kulturelle und territoriale Bedeutung und spielt eine aktive Rolle bei der Gestaltung kollektiver Vorstellungswelten und Prozessen der Identitätslegitimation.

 

Mehr von Ryts Monet in Die blühende Sprache des Geldes, Münzkabinett, 22.05.–31.10.2026

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Alois Neuhold

Zwei Blumenfrauen am Herz-Ende, 2025; Blüten-Gefieder im Garten des Fühle-Vogels, 2025

In Alois Neuholds farbintensiven, reliefartigen Blumenbildern verschmelzen Malerei und plastisches Gestalten. Schicht um Schicht wachsen die farbenfrohen Blumen aus dem dunklen Bildgrund und entfalten eine intensive Leuchtkraft. Weder botanisches Interesse noch dekorative Wirkung stehen im Vordergrund, sondern die symbolische Bedeutung: Blumen und Blüten spiegeln für Neuhold inneres Geschehen wider – das Innerste, den „inneren Garten“. Hinter der vermeintlich kindlich-naiven Erscheinung verbirgt sich ein radikales Rütteln an Konventionen. Neuhold signiert seine Werke mit „Neuvalis“ in einer augenzwinkernden Hommage an den Frühromantiker Novalis. Bei diesem findet sich zum ersten Mal die blaue Blume als Symbol romantischer Sehnsucht nach mitunter kaum benennbaren Dingen.

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Agnieszka Polska

The Book of Flowers, 2024

Im Video The Book of Flowers erzählt Agnieszka Polska eine „fiktionale Geschichte unserer Beziehung zu Pflanzen“, in der Blumen und Menschen in enger Symbiose zusammenleben. Sie verwendet dafür Archivmaterialien aus den 1950er-Jahren und bearbeitet sie mit KI. Bildfluss und Geschichte werden von Charles-Marie Widors Symphonie No. 5, Toccata für Orgel begleitet. Polska unterläuft die Form des pädagogischen Dokumentarfilms und stellt Fragen nach Gender und Hybridität. Sie thematisiert dabei die Erzählung selbst, spielt mit der Verführung digitaler Technologien und deren Einfluss auf unsere Wahrnehmung. Die Ästhetik des Films fasziniert und irritiert zugleich und endet mit einer Warnung: Wir Menschen könnten Opfer unserer eigenen Erzählungen werden – „geschrumpft und gefangen – so klein wie ein Gänseblümchen“.

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Anna Ridler

Circadian Bloom, 2021–ongoing

Neue Zeiten? Circadian Bloom ist eine Blumenuhr, die untersucht, wie andere Lebewesen Zeit messen. Sie zeigt chronobiologische Pflanzen, die ihre Blüten zu festgelegten Zeiten öffnen und schließen. Bestimmte Blumen folgen einem genauen Tagesrhythmus, der an die örtlichen Gegebenheiten angepasst ist. Die Bilder der Blüten sind einzelne Fotografien und ändern sich mithilfe komplexer digitaler Technologie in Echtzeit. Verschiedene Jahreszeiten werden unterschiedliche Blumen zeigen. Ridler bezieht sich auf Carl Linnaeus’ System eines Gartens als „Blumenuhr“ – weitgehend ein Konzept, da die Uhr einer Pflanze von Geografie, Klima, Lichtverhältnissen und Jahreszeiten abhängt und nicht streng nach Plan geht. Für das Kunsthaus Graz hat Anna Ridler Circadian Bloom auch als Leuchtbuchstaben auf die BIX-Medienfassade erweitert.

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Ugo Rondinone

viertermärzzweitausenddreiundzwanzig, 2023

Ugo Rondinones kreisrunde Leinwand fängt den Blick der Betrachter*innen mit seinen hypnotischen, verschiedenfarbigen Ringen ein. Sie erinnern an das Flimmern der Nachbilder, die einem direkten Blick in die Sonne folgen können. Daneben unterstreicht Rain – einer Wolke aus Sprühfarbe entspringende, schräg von der Decke abgespannte Ketten – Rondinones minimalistischen Ausdruck und sein Interesse an Naturphänomenen. Der Künstler setzt bei der menschlichen Wahrnehmung des Naturereignisses an. Häufig reduziert er seine Beobachtung auf einfache Formen und Linien. Diese werden immer abstrakter und können schließlich als Symbole für etwas Größeres stehen – etwa für das Zusammenspiel von Natur, Mythen, Spiritualität oder gewaltige kosmische Kräfte.

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Martha Rosler

Flower Fields, 1974

Flower Fields von Martha Rosler zeigt bunte Blumenfelder entlang des Highway 5 an der US-Westküste. Aus dem Auto von Rosler gefilmt, wirken die Felder zunächst wie abstrakte Farbfeldmalerei. Beim Heranzoomen werden in den Feldern jedoch gebückt arbeitende Menschen sichtbar, die Blumen für den kommerziellen Handel pflücken – oft migrantische Arbeiter*innen ohne gesicherten Aufenthaltsstatus. Bilder von Straßenblockaden der Einwanderungspolizei, weit entfernt von jeder Grenze, und einer mobilen Bankfiliale ergänzen die Filmaufnahmen. Idyllische Bilder von Palmen und einem leuchtenden Sonnenuntergang können als kritischer Kommentar zu den prekären Arbeitsbedingungen der Blumenindustrie in der Region gelesen werden. Als frühe Arbeit nimmt der Film Roslers Fokus auf soziale Ungleichheit, Klasse und Gender vorweg.

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Sonya Schönberger

Kenyan Roses for the Kingdom, 2019

Ist eine Rose immer schön? Günstige Supermarkt-Rosen stehen im Zentrum von Sonya Schönbergers Forschungs- und Kunstprojekt zur globalen Schnittblumenindustrie. Ihre Ausgangspunkte waren die Auseinandersetzung mit der ermordeten kenianischen Umweltaktivistin Joan Root sowie die kolonialen und ökologischen Verflechtungen, die Produktion und Handel im drittgrößten Blumen-Exportland Kenia bis heute prägen. Die Künstlerin verfolgt den Weg der Rose von den Farmen am Lake Naivasha bis in europäische Supermärkte. Dabei werden globale Handelsstrukturen und deren Auswirkungen auf die lokale Umwelt ebenso thematisiert wie prekäre Lebens- und Arbeitsbedingungen rund um die Plantagen. Sie untersucht die Rose als kulturelles Symbol – als Trägerin emotionaler, sozialer und historischer Bedeutungen – und stellt sie ihrer Funktion als global und billig gehandelte Massenware gegenüber.

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Nina Schuiki

Helenas Tränen, 2026

Nina Schuikis drei gläserne Gefäße stehen auf den Bodenlüftungen des Kunsthauses Graz. Angereichert mit dem ätherischen Duft der alten Heilpflanze Alant, findet hier subtil eine heilende Säuberung durch die Kraft einer seit der Antike in Europa bekannten Blütenpflanze statt. Der gelb blühende Echte Alant – Inula helenium (Helenkraut) – wuchs der Legende nach dort, wo die Tränen der Halbgöttin Helena fielen. Alant wirkt desinfizierend, besonders für die Atemwege, und benötigt zwei Jahre zur Reifung; ein Prozess der Fürsorge, der für Schuiki im Österreichischen Freilichtmuseum Stübing geschieht. Handwerkliches, pharmazeutisches und botanisches Wissen wird hier zu einer minimalistisch-poetischen Installation, in der die Institution zum heilenden Organ wird, das für das kostbare Zusammenspiel von Mensch und Umwelt insbesondere Zeit braucht.

 

Glasbläserei: Kaiserhof Glasmanufaktur, Neuberg an der Mürz. Alant-Destillation: PerfectLiving YouTube / Christian Krainz

 

Mehr zu Heilwissen und Alant im Österreichischen Freilichtmuseum Stübing

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Elfie Semotan

Fotografien

Elfie Semotan ist vor allem für ihre eigenwillige, filmische Werbe- und Modefotografie bekannt. Die hier ausgestellte Serie von Stillleben zeigt, dass sie stets auch Alltägliches für die Kamera inszenierte. Die Blumenarrangements in Vasen und Töpfen sind von ungewöhnlicher Privatheit und erzählen von ihrem unmittelbaren Umfeld ebenso wie von der Frau hinter der Kamera. Semotans Arbeiten sind Randbemerkungen zu ihren fotografischen Erkundungen, wie sie auch die Verschönerung des eigenen, flüchtigen Alltags dokumentieren. Oder wie sie selbst dazu meint: „Es war das, was da war – auch als Frau und Mutter, die zu den Randzeiten weiterarbeitet.“ Die Serie ist ein Tribut an das Leben und gleichzeitig widerständiger Akt für die eigene Individualität.

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Petr Štembera

Grafting, 1975

Grafting markiert einen radikalen Moment in der europäischen Body- und Aktionskunst. In dieser Arbeit verbindet Petr Štembera seinen eigenen Körper mit einem frisch abgeschnitten Zweig, den er an seinen Unterarm annäht und über eine Zeit lang trägt. Grafting (Pfropfen) ist eine der zentralen Methoden zur Veredlung von Bäumen, bei der man die beiden Pflanzen so miteinander verbindet, dass sie dauerhaft zusammenwachsen. Ziel ist es, die guten Eigenschaften beider Teile zu kombinieren – z. B. robuste Wurzeln und hochwertige Früchte. Štembera zeigt den realen Versuch einer biologischen Verbindung zwischen Mensch und Pflanze. Die fotografische Dokumentation dient als Beweis dieses tatsächlich vollzogenen Eingriffs, der mit den Grenzen des medizinisch Vorstellbaren spielt.

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Alexander Stern

Aus der Serie Kreisaufnahmen: Halm/ Löwenzahn, 1936-1946; Löwenzahn, 1936-1937; Kirschblüten, 1936-1946; Sonnensterne, 1936-1946

Im Zentrum von Alexander Sterns Werk stehen seine experimentellen Kreis- und Serienaufnahmen aus den 1930er-Jahren. Durch das Bewegen des Negativs während der Belichtung oder mithilfe eigens konstruierter Apparate entstehen sogenannte Magiegraphien: Fotografien, die Bewegung, Zeit und Licht in abstrakte Bildformen überführen und mit fotografischen Konventionen brechen. Als Botaniker der Universität Graz hatte er Zugang zur Mikrofotografie, die seine Bildsprache nachhaltig beeinflusste. Seine Arbeitsweise ist geprägt von technischer Neugier und wissenschaftlicher Präzision. Der Weg zu dieser künstlerischen Praxis war von Brüchen bestimmt: Nach verschiedenen beruflichen Stationen, zwei Weltkriegen und politischen Konflikten wandte er sich Mitte der 1950er-Jahre erneut der Fotografie zu.

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Thomas Stimm

KÄFER, 2018; KÄFER (gelb), 2018; KÄFER (orange), 2018; KÄFER (weiß), 2018; KÄFER (Feuerwanze), 2018; ROSENKÄFER, 2018, KNOSPE, 2026

Thomas Stimms Löwenzahnskulpturen begrüßen am Hauptbahnhof Graz und im Foyer des Kunsthauses Graz die Besucher*innen. Auch mit seiner Serie KÄFER thematisiert der Künstler das Kleinste im Größeren. Er isoliert Insekten oder Kleinstformen der Natur. Stimm gießt sie etwa aus Aluminium oder schnitzt sie aus PU und bemalt sie in poppigen Farben. Damit lotet er die Schwelle zwischen Realität und Kunstobjekt, zwischen Natur und Kultur aus. Statt der bloßen Form eines Wesens rücken nun Wachstum, Lebendigkeit und Beziehung zum Menschen in den Fokus. In diesem Sinne ist seine Arbeit ein fortlaufender Dialog zwischen dem Sichtbaren und dem Wahrnehmbaren.  Inspiriert von Comics und Pop-Art widmet er seine Aufmerksamkeit dem Alltäglichen, dem Nebensächlichen und verbindet in seiner Formensprache Opulenz, Humor und Widerstandskraft.

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Michael Stusser

Garden (University of California, Santa Cruz), 1971

Garden ist eine künstlerische Annäherung an den Gärtnerphilosophen Alan Chadwick, dessen biodynamische (ganzheitlich-naturverbundene) Gartenlehre und Anleitung zu strenger gärtnerischer Arbeit die Entwicklung ökologischer Lebensformen in Kalifornien maßgeblich prägte. Chadwick, ursprünglich britischer Schauspieler, war von Rudolf Steiner unterrichtet worden. Steiners Anthroposophie versteht Natur und Menschen als von geistigen Kräften durchdrungen und bildet die Grundlage für die biodynamische Landwirtschaft. Auf Einladung der University of California unterrichtete Chadwick Studierende und verwandelte einen kargen Hügel in einen „magisch“ blühenden Garten. Michael Stusser arbeitete als Student in diesem Garten mit und erlebte Chadwicks ganzheitlichen Gartenunterricht. Im Film, der die sinnliche Dimension des Gartens betont, trägt der Mitstudent Norman O. Brown sein Gedicht My Georgics vor. Darin betrachtet er Arbeit, poetische Kontemplation, Mensch und Natur als Einheit.

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Neja Tomšič

The Missing Pieces, 2026

Neja Tomšič interessiert sich für Geschichten, die in Objekten oder in der Vegetation verborgen liegen. In dieser Installation widmet sie sich den ambivalent rezipierten „Aleksandrinken“: Frauen, die Ende des 19. Jahrhunderts von Slowenien nach Alexandria migrierten, um als Ammen zu arbeiten. Dort pflanzten die Frauen eine Radicchio-Pflanze ihrer Heimat an, die Gorizia-Rose. Tomšič transformiert die Blätter dieser Pflanze in Reliefs, die wiederum fehlende Teile des antiken Altars in Ptuj ergänzen. Auf dem Altar sind kultische Frauendarstellungen zu sehen: Die Nutrices Augustae („Erhabene Nährmütter“) wurden als Göttinnen und Beschützerinnen von Familien und Kindern verehrt. Die Künstlerin bringt auf diese Weise vergessene Geschichten und Frauen zum Vorschein und räumt ihnen Platz ein. 

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Dirck Van Rijswijk

Perlmutt-Einlegearbeit, Mitte/Ende 17. Jahrhundert

Van Rijswijk (1596–1679) fertigte Einlegearbeiten aus Perlmutt an. Das hier gezeigte signierte Exemplar befindet sich in der Sammlung des Universalmuseums Joanneum. Die Blumenmosaiken bestehen aus vorgeschnittenen, mit der Radiernadel gravierten Elementen aus Perlmutt, Koralle und Bein. Sie sind in dunkle Holztafeln eingelegt. Ihre Komposition folgt den Regeln zeitgenössischer niederländischer Prunkstillleben. Die Arbeit entstand in einer Zeit intensiver globaler Handelsbeziehungen und Ausbeutungen. Über die Niederländische Ostindien-Kompanie gelangten ab 1602 ostasiatische Luxusgüter wie Lackarbeiten und Perlmuttobjekte nach Europa und lieferten künstlerische Impulse. Naturmaterialien wurden aus den kolonial besetzten Gebieten gehandelt und verkauft. In Europa waren sie begehrte Objekte für Kunstkammern.

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Anna Zemánková

Ohne Titel, circa frühe 1960er-Jahre

Fantastische Pflanzen und hybride Wesen – die Blumendarstellungen der Autodidaktin Anna Zemánková werden für ihre sinnlich-erotische wie meditativ-traumähnliche Bildsprache geschätzt. Zémanková arbeitete als Zahnärztin in Prag, bis sie sich Ende der 1950er-Jahre im Nachgang einer schweren Depression intensiv der Malerei zuwandte. In frühmorgendlichen Malsessions erschuf sie ihr eigenes botanisches Universum mit einer imaginativen Biologie, die auch das Keimen, Welken und die Fortpflanzung der von ihr erdachten Flora einschloss. Nach ihren eigenen Worten züchtete sie „Blumen, die nirgendwo sonst wachsen“. Auch abstrahierte Hinweise auf gegensätzlich gedachte Frauenfiguren – zwischen Liebhaberin und Mutter – lassen sich finden.

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Sedimentierte Zeit, Seelilie

Pentacrinus subangularis [KH1] (MILLER, 1821); Seelilie in Tonstein, Fundort: Metzingen in Deutschland; ca. 180 Millionen Jahre (Jura)

Vor über 180 Millionen Jahren wurde diese Seelilie (lat. Seirocrinus subangularis) zu einem Fossil. Die zahlreichen Arme, die sich wie ein Fächer im Wasser entfalteten, um Nahrung aus der Strömung zu filtern, erinnern an Pflanzenranken, Blütenblätter und ornamentale Muster. Doch anders als auch ihr Name vermuten lässt, handelte es sich nicht um eine Pflanze, sondern um ein Tier, verwandt mit Seeigeln und Seesternen. Ihr Körper erinnert an eine Blume, ihre heutige Form ist Gestein. Viele ihrer Verwandten produzierten einst den Kalkstein unserer Alpen. Das Fossil macht verschiedene Zeitlichkeiten sichtbar: die Lebenszeit der Seelilie, die geologische Dauer ihrer Fossilwerdung und unsere aktuelle Betrachtung. Als paläontologisches Objekt ermöglicht sie Erkenntnisse über vergangene Lebensräume und über die lange Zeit der Evolution.

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Torgitter

17. Jahrhundert, aus Mariapfarr in Salzburg

Das geschmiedete Torgitter aus dem 17. Jahrhundert ist ein Produkt meisterhafter Handwerkskunst, die Funktion und Ornament miteinander verbindet. Es schützt und grenzt ab, erlaubt aber zugleich einen Blick auf das Dahinterliegende. Das Gitter spiegelt sowohl das Sicherheitsbedürfnis seines Auftraggebers wider als auch seinen Wunsch nach Repräsentation: Als kostbares Werk ist es Ausdruck von Wohlstand und Kunstsinn. Das florale Muster bildet nicht naturgetreu nach, sondern folgt rhythmischer Wiederholung und einer klaren formalen Ordnung. So entsteht ein filigranes Gefüge aus Schutzmechanismen, Transparenz und künstlerischer Gestaltung.

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Rosa Luxemburg

Herbarien, 1914–1918

Die im heutigen Polen geborene Rosa Luxemburg war eine marxistische Theoretikerin, Revolutionärin und zentrale Figur der sozialistischen Bewegung des frühen 20. Jahrhunderts. Aufgrund ihres Antimilitarismus und Engagements gegen den Ersten Weltkrieg wurde sie mehrfach inhaftiert. Während der Haft arbeitete Rosa Luxemburg nicht nur an politischen Schriften, sondern folgte auch einer Leidenschaft ihrer Jugend: Sie wollte ursprünglich Botanikerin werden und legte umfangreiche Herbarien an. An die Pflanzen gelangte sie durch Blumensträuße, die ihr Freund*innen zuschickten. In den Herbarbelegen und begleitenden Korrespondenzen spiegeln sich der analytische Blick und die Genauigkeit wider, die Luxemburg auch als politische Denkerin auszeichneten.

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Wolfram Hannig

Pflanzen eines Weltreisenden: Sandgetrocknete Pflanzen in Gläsern

Die Pflanzensammlung von Wolfram Hannig (1923–2009) ist das Ergebnis jahrzehntelanger Reisen und einer sehr persönlichen wie aufwendigen Sammelpraxis. Hannig, Zahnarzt in Schladming, reiste meist am Landweg per Auto durch Afrika, Asien, Südamerika, Europa und in die Antarktis. Von dort brachte er Blühpflanzen mit, die er in Sand trocknete und sie anschließend in eigens angefertigten Glasgefäßen im ganzen Haus samt Ordination präsentierte. Ein Glas mit Seidelbast trägt den Vermerk: „Jetzt alle Daphne-Arten!“ – ein Hinweis auf seine Freude über die erlangte Vollständigkeit. Hannig war ein begeisterter Sammler, den die Freude an Form, Farbe und Vielfalt sowie das Sammeln als ästhetische Praxis leiteten. Seine Sammlung folgt jedoch keiner wissenschaftlichen Methodik im botanischen Sinn.

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Rokoko-Uhr

Porzellanuhr, Mitte 19. Jahrhundert in Wien

Auf dem reich verzierten Uhrengehäuse sind Blumen und Blüten nicht naturgetreu wiedergegeben, sondern als Träger*innen von Dynamik, Rhythmus und Wachstum frei interpretiert. Dargestellt sind vier Jahreszeiten, die als gestalterisches Element eher Genuss und Lebensfreude ausstrahlen als Vergänglichkeit und den Lauf der Zeit. Carpe diem!, scheint diese Uhr zu mahnen: Nimm dir Zeit, genieße sie – und miss sie nicht nur. Die Gestalter*innen der Uhr sind unbekannt. Ihre fein ausgearbeiteten Blüten und die sorgfältig gestalteten Übergänge zwischen Ornament und Konstruktion verraten jedoch großes handwerkliches Können. Im 19. Jahrhundert waren dekorative Blumenmotive äußerst beliebt und man griff vielfach auf vergangene Kunstepochen zurück: hier auf den verspielten Rokoko-Stil.

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Feldpostbriefe

Handgeschriebene Feldpostbriefe, viele davon mit gemalten oder gepressten Blumen aus dem Balkan verziert, erzählen von der Liebesgeschichte zwischen dem Frontsoldaten Karl Kraft und der Wildonerin Christine Frühwirth. 1942 erhält Christine den ersten Brief des ihr unbekannten Karl, der sich einen Briefwechsel mit einem „Mädel aus der Heimat“ wünschte, um Freude wie Sorgen aus der Ferne zu teilen. Insgesamt 416 Briefe entdeckte der Sozialhistoriker Joachim Hainzl Jahrzehnte später auf einem Grazer Flohmarkt. Die Blumen fungieren als Liebesgeste, Ausdruck menschlicher Verbindung und Zeichen ästhetischen Widerstands. Karls letzter Brief erreicht Christine im Februar 1945, wenige Tage vor seinem Tod in Kroatien.

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