12. März 2016 / Christoph Pelzl

Weltweit einzigartiger Opferwagen

Archäologie und Münzkabinett | Gastbeiträge

1851 stieß man bei Arbeiten in Strettweg, ganz in der Nähe, wo heute der Bannhof Judenburg steht, auf einen Wagen aus Bronze, der der Wissenschaft bis heute Rätsel aufgibt. Das nicht ganz einen halben Meter hohe, einzigartige Objekt stammt aus dem 7. Jahrhundert vor Christus und dürfte wohl eine wichtige Rolle bei Opferritualen in der Hallstattkultur gespielt haben.

 

Multimediale Sammlung Joanneumsviertel Universalmuseum Joanneum/ Foto: Matthias Wimler

Multimediale Sammlung Joanneumsviertel Universalmuseum Joanneum/ Foto: Matthias Wimler

Auf dem Wagen sind diverse Figuren erkennbar: Berittene Krieger, Männer und Frauen sowie vier Menschen, die auf den kurzen Seiten einen Hirsch am Geweih führen. In der Mitte werden sie von einer weiblichen, 32 Zentimeter hohen Figur überragt, die eine Schale in ihren Händen trägt. Diese Figur dürfte wohl eine Göttin darstellen. Es wird vermutet, dass die ganze Szenerie eine Opferprozession ist, der Wagen könnte bei sogenannten Trankopfern eine Verwendung gefunden haben.

Multimediale Sammlung Joanneumsviertel Universalmuseum Joanneum/ Foto: Matthias Wimler

Multimediale Sammlung Joanneumsviertel Universalmuseum Joanneum/ Foto: Matthias Wimler

Der Kultwagen, der im Archäologiemuseum beim Schloss Eggenberg in Graz ausgestellt ist, wurde vor einigen Jahren umfassend restauriert, wobei man auch einige „Ergänzungen” entfernte, die erst nach dem Fund im 19. Jahrhundert angebracht worden sind. Im Zuge der Arbeiten stellte sich zudem heraus, dass der Wagen tatsächlich längere Zeit in Verwendung gestandensei. Der Versicherungswert des Kultwagens, der zu den faszinierendsten Funden der Hallstattkultur zu zählen ist, beläuft sich auf 50 Millionen Euro.

Ein Beitrag von Martin Gasser. Ursprünglich veröffentlicht in der Steirerkrone im Rahmen der Serie „Steirische Schätze“.

Kategorie: Archäologie und Münzkabinett | Gastbeiträge
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