Blaue Holzbiene (Xylocopa violacea), Foto: Universalmuseum Joanneum/Anna Gasperl

17. September 2015 / Christoph Pelzl

Summ, summ, summ herum …

Kunst- & Naturvermittlung | Naturkundemuseum

… kleine und große Wildbienen unterwegs!

 

Ob im heimischen Garten, am Balkon oder im Park: Wo Blüten sind, da summt es emsig. Doch manche dieser Blütenbesucher sehen ganz anders aus als die allseits bekannten Honigbienen und Hummeln. Je nach Nahrungs- und Nistplatzangebot sowie Jahreszeit können wir in Österreich laut Global 2000 rund 700 Wildbienenarten beobachten.

 

Der wesentlichste Unterschied zwischen Honigbienen und Wildbienen ist, dass Wildbienen keinen Honig machen. Dennoch sind sie sehr nützlich, denn Hummeln und Co bestäuben viele unserer Obst- und Gemüsepflanzen.

Von summenden Insekten fühlen wir uns leicht bedroht. Tatsächlich können aber nur Honigbienen, Hummeln und andere große Wildbienen überhaupt durch unsere Haut stechen. Die sozialen Bienen wie Honigbiene und Hummel verteidigen ihre Brut zwar, jedoch nur bei starker Bedrohung – wie zum Beispiel aggressivem Herumstochern im Nest. Einzeln im Sandkasten oder in einem Blumentopf brütenden Wildbienen fehlt dieser Instinkt völlig, sie sind also nicht gefährlich.

 

Frühlings-Seidenbiene (Colletes cunicularius), Foto: Aiwok CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons.

Frühlings-Seidenbiene (Colletes cunicularius), Foto: Aiwok CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons.

 

Schon ab Februar sind die ersten Hummelköniginnen unterwegs. Sie können sogar bei Schneefall und Temperaturen unter 0 °C nach Nahrung suchen. Dabei hilft ihnen zum einen ihre dichte Behaarung, zum anderen ihr körpereigenes Frostschutzmittel (Glyzerin). Honigbienen können ab ca. 8 °C ausfliegen und nach Nahrung suchen.

 

Rote Mauerbiene (Osmia bicornis) im Frühling, Foto: Universalmuseum Joanneum/Anna Gasperl

Rote Mauerbiene (Osmia bicornis) im Frühling, Foto: Universalmuseum Joanneum/Anna Gasperl

 

Die erste Nahrung finden Hummeln aber nicht auf der Wiese, sondern in den Bäumen. Die männlichen Salweiden(Salix caprea) locken mit auffallend gelbem Blütenstaub, die weiblichen mit herrlich duftendem Nektar. Diese wichtige Beziehung zwischen flauschigen Palmkätzchen und „pelzigen Brummern“ konnten sich die Besucherinnen und Besucher des Naturkundemuseums beim ersten Schauplatz Natur am Ostermontag genauer anschauen. Außerdem hatten wir Besuch vom Hummelnest, vom Imker und von Zoologen der Uni Graz. Erstaunlich war beispielsweise, wie bunt die Pollenhöschen von Bienen sein können.

 

Männliches Kätzchen der Salweide (Salix caprea) links, weibliches Kätzchen rechts. Foto: Universalmuseum Joanneum/Anna Gasperl

Männliches Kätzchen der Salweide (Salix caprea) links, weibliches Kätzchen rechts. Foto: Universalmuseum Joanneum/Anna Gasperl

 

Frisch gestärkt können die Hummelköniginnen mit dem Nestbau und der Brut beginnen. Ab März und April gibt es neben den Hummeln weitere große und kleine Brummer zu entdecken. Viele Wildbienen leben einzeln – in diesem Fall ist jedes Weibchen eine Königin! Es kümmert sich um Nistplatz und Nahrung für die Brut. Wildbienen brüten zum Beispiel in markhaltigen Stängeln von Brombeeren (Maskenbienen), in Totholz (Holzbienen), in Erdnestern (Erdhummeln, Sandbienen) oder Schneckenhäusern (Mauerbienen). Als Nistmaterial werden unterschiedlichste Materialien verwendet, darunter Pflanzenfasern (Wollbienen), Blätter (Blattschneiderbienen) und Sand (Sandbienen).

 

 

 

Wer die großen und kleinen Brummer in den Garten locken möchte, sollte daher besser nicht zu penibel aufräumen. Wilde Ecken mit Brombeeren, Löwenzahn, Klee, Taubnesseln oder Lupinen wirken besonders einladend. Ein Kasten mit Küchenkräutern, insbesondere Thymian, Bohnenkraut und Lavendel sowie Ringelblumen, Glockenblumen oder Löwenmäulchen lockt kleine und große Wildbienen auch auf den heimischen Balkon. Laut Global 2000 ist nahezu jede zweite heimische Art gefährdet. Wer Nahrung und Nistplätze zur Verfügung stellt, leistet damit einen wichtigen Beitrag zum (Über-)Leben unserer Wildbienen.

 

 

Nähere Informationen zu Wildbienenarten und ihrer Lebensweise gibt am 15. Oktober beim Symposium Über das Wesen der Bienen am Infostand der Naturvermittlung im Kunsthaus Graz.

Kategorie: Kunst- & Naturvermittlung | Naturkundemuseum
Schlagworte: Bienen | Open House


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