Das Diagramm vor der Teilentnahme; Foto: Eva Kreissl

16. August 2014 / Eva Kreissl

Statistik mit Gewicht

Volkskundemuseum

Mittlerweile wissen wir ja, dass das Bekenntnis „Ich glaube nur an Statistiken, die ich selbst gefälscht habe“ nicht von Winston Churchill stammt. In der Ausstellung Aberglauben –Aberwissen musste das Volkskundemuseum nun aber seine Statistik zu den abergläubischen Zeichen und Ritualen tatsächlich für einige Zeit fälschen.

In der Ausstellung wird nämlich das Publikum aufgefordert, für eine statistische Erhebung über den eigenen Umgang mit dem Aberglauben Auskunft zu geben. Bei der Kasse erhält man dazu ein Säckchen mit 20 Ein-Cent-Münzen und kann damit 20 abergläubische, nichtdingliche Praktiken bewerten, indem man die Münzen in beschriftete Plexiglassäulen einwirft und damit angeben kann: „Glaube ich“, „Glaube ich nicht“ oder „Kenne ich nicht“. Gefragt wird etwa nach dem Wäscheaufhängen in den Raunächten, was hinter Schluckauf stecken mag oder ob man dreimal auf Holz klopft, um etwas nicht zu verschreien. Bis Ende der Ausstellung soll daraus ein dreidimensionales Diagramm aus Glücksmünzen entstehen, das ein recht zuverlässiges Bild über die kleinen „Abergläubischkeiten“ des Alltags vermittelt.

 

Nur: Das Museum hat nicht mit einer so großen Begeisterung seiner Besucherinnen und Besucher gerechnet und auch nicht mit den gewaltigen Sprüngen, mit denen manche Antworten vom arithmetischen Mittel abweichen. So glauben fast alle daran, dass Sternschnuppen Wünsche erfüllen oder dass es hilft, jemandem die Daumen zu halten. Hingegen glaubt fast niemand an die Unheil bringende schwarze Katze oder an eine verlässliche Prognose beim Auszupfen der Blütenblätter von Margeriten oder Gänseblümchen auf die Frage „Er liebt mich – Er liebt mich nicht“.

 

Ursula Grilnauer, Nikolaus Vodopivec und Karl Stering (v.l) beim Rückzählen der Münzen; Foto: Eva Kreissl

Ursula Grilnauer, Nikolaus Vodopivec und Karl Stering (v.l) beim Rückzählen der Münzen; Foto: Eva Kreissl

 

Da bei der Halbzeit der Ausstellung bereits manche Säulen randvoll mit Glücksmünzen gefüllt waren, sich in anderen zum Teil aber nicht einmal 20 Cent befanden, wurden nun die Spitzen des Säulendiagramms abgetragen und sorgfältig gezählt. Genaugenommen wurde das Diagramm dadurch gefälscht, doch optisch ist eine annähernde Relation der Antworten nach wie vor abzulesen. Nach Ende der Ausstellung werden die entnommenen Münzen wieder zum Ergebnis dazugerechnet, das sich aus etwa 200.000 Münzen ergibt. Das korrekte Gesamtergebnis wird ab Dezember auf der Webseite des Museums präsentiert. Dazu wird aber dann ein Zählautomat zu Hilfe genommen, der mehrmals in der Bank aufgesucht werden muss. Immerhin wiegt das erwartete Endergebnis 460 Kilogramm.

 

Da kommen Dagobert Duck-Gefühle auf…Doch nach dem Zählen werden die Münzen wieder an die Besucherinnen und Besucher ausgegeben. Foto: Eva Kreissl

Da kommen Dagobert Duck-Gefühle auf…Doch nach dem Zählen werden die Münzen wieder an die Besucherinnen und Besucher ausgegeben.
Foto: Eva Kreissl

Kategorie: Volkskundemuseum
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