Zweischichtige Kittung, strukturiert. Foto: P.-B. Eipper

8. Januar 2015 / Paul-Bernhard Eipper

„Schichtarbeit“

Kunst- & Naturvermittlung | Museumseinblicke | Neue Galerie mit BRUSEUM

In unserer neuen Serie “Gemälderestaurierung – Step by Step” wollen wir die Restaurierung eines Gemäldes Schritt für Schritt nachvollziehen. In den letzten beiden Teilen dieser Serie konnten wir sehen, warum Venus und Amor bedrohliche „Auflösungserscheinungen“ zeigte, wie mithilfe einer neuen Doublierung mehr Platz für die in Bedrängnis geratene Malschicht des Gemäldes geschaffen werden konnte und gleichzeitig das Bild fast wieder seine ursprüngliche Größe zurückerhalten hat. Während die bisherigen Schritte der Restaurierung von der Gemälderückseite her erfolgten, werden wir uns nun der Vorderseite zuwenden.

Kittung

Vor der Kittung werden lose Farbstellen oder aufstehende Farbschichten mit Infrarotlicht leicht erwärmt, also thermoplastisch gemacht, und mit einer erwärmbaren Heizspachtel unter Verwendung eines natürlichen Klebemittels, z. B. mit Störleim, niedergelegt.

Wenn sich Malschichten vom Untergrund lösen und verloren gehen, entstehen sogenannte „Fehlstellen“, die gewissermaßen als „Löcher“ im Gemälde erkennbar sind. Diese Stellen werden mit einem Kittmaterial (Champagnerkreide in Hasenhautleim gebunden) passgenau zur Umgebung ergänzt. Dabei ist es wesentlich, die umgebende Oberflächenstruktur genau zu imitieren. Dieser Arbeitsschritt erfolgte bei Venus und Amor in zwei unterschiedlich gefärbten Schichten. Die Kittung wurde anschließend mit dem Skalpell strukturiert, um die natürliche Alterung der Oberfläche nachzuahmen. Danach werden die Kittstellen mit Schellack abgesperrt.

 

Firnisabnahme – Zwischenfirnis – Retusche – Schlussfirnis

Vor der Firnisabnahme wird die Oberfläche zunächst trocken gereinigt. Dies erfolgt zumeist mit trockenen Latex-Schwämmen, welche während des Abreibens der Oberfläche den Schmutz an sich binden und dabei zerbröseln. Die Rückstände können abgekehrt werden.

Die nachfolgende Oberflächenreinigung ist notwendig, um den an der Oberfläche gebundenen, wässrig lösbaren Schmutz zu entfernen, damit dieser nicht bei der Firnisabnahme in kleine Risse der Malschicht eingeschwemmt wird und das Erscheinungsbild verfärbt. Sie erfolgt mit mikroporösen Schwämmen, welche nur die Oberfläche nebelfeucht benetzen. Bei starken Verschmutzungen kann dem Wasser ein nichtionisches Tensid (z. B. Marlipal 1618/25) beigegeben werden.

Ein Firnis ist nicht nur ein „Schutzanstrich“, welcher auf die Malschicht aufgetragen wird, er gibt dem Gemälde auch Tiefe und Glanz. Je nach Zusammensetzung kann der Firnis im Laufe der Zeit einen gelb-braunen Farbton annehmen, der so störend werden kann, dass eine Firnisabnahme angezeigt ist. Im Fall von Venus und Amor wurde zunächst die jüngere Firnisschicht abgenommen, während Reste der wohl originalen Firnisschicht bewahrt wurden, nicht zuletzt, weil diese in sich so stabil war, dass ihre Abnahme auch die Farbschicht beschädigt hätte. Als Orientierung bei der Abnahme dienten malerische Formen und bestehende Nähte, um störende Reinigungsgrenzen zu vermeiden. Unter ultraviolettem Licht wurde die Abnahme kontrolliert.

In einem nächsten Schritt wurde ein Zwischenfirnis aus Dammarharz in Terpentinöl aufgetragen, welcher die Vorrausetzung für die Retusche mit Öl/Harzfarben ist. Die Retusche gleicht die Kittungen farblich an die originale Umgebung an. Nach einem weiteren Dammarharz-Zwischenfirnisauftrag erfolgte die zweite Retusche. Schließlich wurde ein Schlussfirnis aufgetragen, um einen gleichmäßigen Oberflächenglanz zu erreichen. Die Gemäldeoberfläche ist nun wieder in einem stabilen und präsentierbaren Zustand. Mehr zum „Finish“ an der Rückseite und über die Wahl des passenden Zierrahmens erfahren Sie im nächsten Beitrag, der diese kleine Serie abschließen wird.

 

 

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