Thermografie des Renaissance Fensters, © Mudri Messtechnik

28. Januar 2015 / Paul Schuster

Renaissance-Trakt entdeckt

Forschung | Schloss Eggenberg

Aktuelle Bauforschungen in Schloss Eggenberg führten zur Entdeckung eines reich dekorierten und seit Jahrhunderten vermauerten Fensters aus dem 16. Jahrhundert. Dieser Fund gibt erstmals Hinweise auf das Aussehen des Renaissanceschlosses Eggenberg vor dem Umbau zur fürstlichen Residenz.

Zum Einsatz kam dabei die Infrarotthermografie, ein für die Erforschung historischer Gebäude völlig neues Messverfahren. Wärmebilder ermöglichen dabei einen Blick unter jüngere Putzschichten und erlauben die punktgenaue Verortung von Architekturdetails. Mit dieser neuen Technologie steht ein substanzschonendes Instrument für Fragen der Bauforschung zur Verfügung.

 

Im Rahmen eines Pilotprojekts in Kooperation mit der Firma Mudri Messtechnik wurden im vergangenen Jahr erste Befundungen der Schlossmauern mittels Infrarotthermografie durchgeführt, wobei überraschend viele neue Erkenntnisse zur Baugeschichte des UNESCO-Weltkulturerbes gewonnen wurden.

Unsichtbares sichtbar machen

Vor allem im Frühling und im Herbst, wenn der Temperaturunterschied zwischen Umgebung und Bausubstanz besonders groß ist, machen Aufnahmen mit der Wärmebildkamera unsichtbare Strukturen in den verputzten Mauern sichtbar. Sand-, Ziegel- oder Bruchstein zeichnen sich dabei ebenso ab wie Baunähte, Balken bzw. Balkenlöcher, veränderte Geschosshöhen oder Kaminzüge – Informationen, die bisher eher zufällig ans Tageslicht kamen oder nur durch direkte und zerstörende Eingriffe in die Gebäudesubstanz zu gewinnen waren. Die neuen Erkenntnisse eröffnen auf dem Gebiet der Bauforschung unerwartet viele neue Möglichkeiten.

 

Fenster in die Vergangenheit

An einem Wärmebild besonders deutlich zu erkennen waren die Umrisse eines dreibogigen Fensters im zweiten Stock des Arkadenganges von Schloss Eggenberg. Sondierungen brachten einen mit Akanthuslaub und geflügelten Engelsköpfen dekorierten Sandsteinrahmen zutage. Ähnliche gekuppelte Renaissance-Triforen mit zwei eingestellten Säulen finden sich an Schloss Radmannsdorf in Weiz (1555/65) bzw. in Schloss Thannhausen (vor 1585). Bisher existierten keine Hinweise darauf, dass das spätmittelalterliche Stammschloss der Eggenberger auch in der Renaissance nochmals ausgebaut und verändert wurde. Die Baugeschichte des Hauses muss diesbezüglich also korrigiert werden. Die Entdeckung des Fensters erlaubt zum ersten Mal einen Blick auf das Stammschloss der Eggenberger in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts, in dem Hans Ulrich von Eggenberg (1568-1634) aufwuchs und das er später als kaiserlicher Statthalter ab 1625 zur barocken Residenz ausbauen ließ, so wie wir sie heute noch kennen. Große Teile dieses alten Schlosses wurden dabei in die neue Vierflügelanlage integriert, Geschosse verändert, Fassaden neu verputzt sowie alte Portale und Fenster vermauert.

 

Freigelegte Fenster, © Schloss Eggenberg, Universalmuseum Joanneum

Freigelegte Fenster, © Schloss Eggenberg, Universalmuseum Joanneum

Bauforschung bringt Licht ins Dunkel

Die Erforschung der wechselvollen Baugeschichte seit 1460, die Rekonstruktion ursprünglicher Treppen- und Wegführungen und die Enträtselung der barocken Raumnutzungskonzepte tragen wesentlich zum Verständnis der ehemaligen fürstlichen Residenz bei. Bau- und Funktionsgeschichte sind daher zentrale Themen der aktuellen Forschungsprojekte in Schloss Eggenberg.

Die aktuellen Freilegungen sind noch bis Frühling 2015 sichtbar und für Besucher/innen des Schlosses zugänglich (2. OG, gegenüber der gotischen Kapelle).

 

Führung zu den aktuellen Freilegungen
mit Paul Schuster

Freitag, 30. Jänner, 14 Uhr
Treffpunkt: Schloss Eggenberg, Innenhof
Teilnahme frei (Parkeintritt 2 €), keine Anmeldung erforderlich

Kategorie: Forschung | Schloss Eggenberg
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