Ausstellungsansicht, Museum im Palais, Foto: UMJ/J. J. Kucek

12. Februar 2015 / Nina Bachler

Prunkrüstungen – vom Eisenkleid zum Festkleid

Museum für Geschichte

Ob Textilrüstung, Schuppenpanzer, Muskelpanzer oder Plattenpanzer – es gibt zahlreiche Beispiele für antike, mittelalterliche und frühneuzeitliche Rüstungen. ABER: Rüstung ist nicht gleich Rüstung! Ursprünglich diente sie natürlich als Schutzbekleidung bei kriegerischen Auseinandersetzungen. Rüstungen hatten aber auch eine andere Funktion: Wer sie trug, demonstrierte Herrschaft und Macht.

Der Kunsthistoriker Maximilian Mischinger hat sich im Zuge seiner Diplomarbeit mit dem Titel „Die Rüstung, ein eigenständiges Kunstwerk, ein Motiv und eine Metapher in den Bildkünsten“ mit Prunkrüstungen beschäftigt. Hier ein kleiner Einblick …

Statussymbol und Luxusgut

Handwerkliche Entwicklungen, Stilgeschichte und gesellschaftlicher Rang – Rüstungen ermöglichen Einblicke in die Strukturen der einzelnen Epochen. Je mehr das Rüstkleid an Bedeutung für den Krieg verlor, umso mehr stieg sein Ansehen als Statussymbol und entwickelte sich zum aufwendig verarbeiteten Luxusgut. Die Exklusivität der Rüstung verdeutlichte die gesellschaftliche Stellung ihres Trägers, der mit ihr auch antike bzw. christliche Tugenden verkörperte.

 

Prunkharnisch des Michael Witz d. J., Innsbruck um 1550, © UMJ/Landeszeughaus

Prunkharnisch des Michael Witz d. J., Innsbruck um 1550, © UMJ/Landeszeughaus

Vom Eisenkleid zum Festkleid

Hergestellt wurden Rüstungen von spezialisierten Schmieden, sogenannten „Plattnern“. In der Zeit der Renaissance zählte die Motiv-Ätzung zu ihren besonderen Kunstfertigkeiten: Mit Ätzungen, Treibarbeiten und Vergoldungstechniken zauberten die Handwerker Figuren, Ornamente sowie mythologische Motive auf prachtvolle Rüstungen und machten das einst funktionale Eisenkleid zu einem eindrucksvollen Festkleid. Beeinflusst von italienischen Strömungen, schufen bedeutende Künstler wie Albrecht Dürer neue Dekorationsmuster. Einer der wichtigsten Dekorateure war Daniel Hopfer, „dessen Vorlagen zu den wichtigsten für deutsche Rüstungen der Renaissance gehörten“, wie Mischinger festhält.

Feldherren, Fürsten und Könige …

… waren sich der ehrfurchtgebietenden Ausstrahlung der Rüstung durchaus bewusst: Der Harnisch war nicht nur zu festlichen Anlässen ein beliebtes Kleidungsstück, sondern auch ein aussagekräftiges Element in der Porträtmalerei. Herrscher ließen sich eindrucksvoll gerüstet von den einflussreichsten Malern ihrer Zeit wie Dürer, Tizian, Tintoretto oder Cranach porträtieren. Auch wenn viele der solcherart dargestellten Rüstungen heute nicht mehr erhalten sind, können sie oft aufgrund ihrer exakten Darstellung rekonstruiert werden.

Übrigens: In der Dauerausstellung des Museums im Palais sind einige der wertvollsten Rüstungs-Exemplare aus steirischem Adelsbesitz zu bestaunen!

Quelle: Maximilian Mischinger: Die Rüstung, ein eigenständiges Kunstwerk, ein Motiv und eine Metapher in den Bildkünsten. Dipl.-Arb., Univ. Graz 2014.

Kategorie: Museum für Geschichte
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