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29. April 2014 / Bernhard Samitsch

Protestnoten zur Kunsthaus-Debatte

Kulturpolitik

WIR DANKEN ALLEN, DIE IM SINNE DER KUNST IN DIESER DEBATTE FÜR DAS KUNSTHAUS GRAZ POSITION BEZIEHEN UND EINER KURZSICHTIGEN KULTURPOLITIK EINE ABSAGE ERTEILEN!

Sehr geehrter Herr Bürgermeister Mag. Nagl
sehr  geehrter Herr Kulturlandesrat Dr. Buchmann,

das Grazer Kunsthaus unter der Leitung von Peter Pakesch zählt zu den wenigen Ausstellungshäusern in Österreich, die nicht nur ein international profiliertes Programm zeigen, sondern zu den internationalen Trendsettern gezählt werden können. Pakesch und sein Team haben seit der Gründung des Kunsthauses sowohl herausragende KünstlerInnen in Einzelausstellungen gezeigt, als auch durch thematische Ausstellungen neue Perspektiven auf das aktuelle Kunstgeschehen eröffnet.

Der Blick des Kunsthauses auf die internationale Szene ist zugleich mit der Einbeziehung der lokalen  Kunst bzw. ihres Umfeldes erfolgt und hat den KünstlerInnen in Graz und der Steiermark dadurch auch internationale Aufmerksamkeit gesichert. In Zeiten der Boulevardisierung des Kunstbetriebes und der populistischen Anbiederung an den kommerziellen Mainstream hat es Pakesch verstanden, ein anspruchsvolles und zukunftsträchtiges Programm zu zeigen, welches zugleich neue Publikumsschichten für die Kunst begeistern konnte.

Wenn heute von den Medien und der Kunstkritik die Rolle der Bundesländer in der Kunst- und Museumslandschaft Österreich ganz besonders hervorgestrichen wird, dann ist das nicht zuletzt auch das Verdienst des Grazer Kunsthauses und seines Leiters. Graz hat sein hohes internationales Ansehen im Kunst- und Kulturbereich seiner Offenheit gegenüber der künstlerischen Avantgarde seit den 1960er-Jahren zu verdanken.

Mit dem steirischen herbst und dessen Kunst-, Theater-, Literatur- und Musikveranstaltungen hat sich die Stadt ein weithin bewundertes Renommee geschaffen, das darin gründet, dem Neuen eine Bresche zu schlagen und nicht einfach dem Gängigen hinterherzulaufen. Pakesch hat zunächst als Initiator des Grazer Kunstvereins und dann als Leiter des Kunsthauses maßgeblichen Anteil an dieser Grazer Erfolgsgeschichte.

Es ist auch kein Zufall, dass die von ihm zunächst als Galerist geförderten österreichischen KünstlerInnen international großen Erfolg haben, und dass er unbestritten als einer der Ersten in Österreich erkannte, welchen internationalen KünstlerInnen die Zukunft gehört und diese hierzulande auch ausstellte. Pakesch ist daher ein herausragender Garant für die internationale Anbindung der heimischen und insbesondere der Grazer Szene. Es verwundert daher umso mehr, dass seine Leistungen in der jetzt losgetretenen Diskussion verschwiegen werden.

Die Politik ist gut beraten, in Zeiten von Sparmaßnahmen und populistischer Eventkultur nicht einfach die mit der Kunst verbundenen bildungspolitischen Ansprüche aufzugeben und den rein kommerziellen Erfolg über alles andere zu stellen. Die Qualität und Berechtigung von Kunst nur mehr an Eintrittszahlen und Besucherquoten zu messen, führt letztlich zu einer Selbstaufgabe öffentlicher Kultur- und Bildungspolitik. Die Stadt Graz und das Land Steiermark, die eine junge dynamische Szene und ein aufgeschlossenes Publikum besitzen, benötigen einen zentralen institutionellen Fokus von internationaler Strahlkraft, wie ihn das Kunsthaus mit Peter Pakesch darstellt.

Karola Kraus, Direktorin mumok
und die KuratorInnen Manuela Ammer, Eva Badura-Triska, Rainer Fuchs, Matthias Michalka, Susanne Neuburger und Barbara Rüdiger
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(An Stadträtin, Kulturlandesrat und Bürgermeister)

erlauben Sie mir, Ihnen in Sachen Kunsthaus Graz meinen Protest zu übermitteln:

1. Der ausgezeichnete Ruf des Kunsthauses verdankt sich der ebenso intensiven wie auf lange Frist angelegten Aufbau- und Entwicklungsarbeit seines Leiters und seines Teams.

2. Eine Desavouierung der bisher geleisteten Arbeit durch einen 180 Grad-Schwenk in der Programmierung des Kunsthauses wird zu einem Abbruch der Kontakte, zu einem Abreißen der geknüpften Beziehungen und international aufgebauten Vertrauensverhältnisse führen.

3. An ihre Stelle nun kurzfristige Programmierungen und wechselnde Gastkuratoren und Gestalter unterschiedlichster Kompetenz einsetzen zu wollen, wäre kurzsichtig und lässt sich mit den Usancen einer qualitätsbewussten und diese Qualität über Jahre hinaus haltenden kulturellen Institution nicht vereinbaren. Nicht zum ersten Mal würde das Phantasma der kurzfristigen Steigerung der Besucherzahlen eine erfolgreiche Institution zu Grunde richten. Die Verbindung der Stadt Graz zu internationalen Positionen und Persönlichkeiten der Gegenwartskunst und -kultur würde nachhaltig beschädigt werden.

4. Der wirtschaftliche Erfolg der geplanten Neuerung ist ungewiss, der Schaden jedoch, den die Reputation der Stadt Graz als Kulturstadt nehmen wird, wird auch in Zahlen messbar sein.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Johannes Schlebrügge
Dr. Elisabeth Schlebrügge
SCHLEBRÜGGE.EDITOR
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Sehr geehrter Herr Bügermeister Mag. Siegfried Nagl,
Sehr geehrter Herr Kulturlandesrat Dr.Christian Buchmann,
Sehr geehrte Frau Kulturstadträtin Lisa Rücker,

mit grosser Bestürzung lesen wir Ihre Wortmeldungen zum Kunsthaus Graz. Das Kunsthaus Graz hat sich unter Peter Pakesch zu einer international renommierten Institution entwickelt, die mich persönlich – wie auch viele andere Kunstinteressierte aus der Schweiz – schon öfters nach Graz gelockt hat. Mit dem Kunsthaus Graz ist die Stadt – mehr als Wien notabene! – auf die Landkarte der international beachteten Schauplätze für Gegenwartskunst gerückt. Dies ist kein Zufall und liegt weniger an der spektakulären Hülle als am Inhalt, genauer an den Ausstellungen, die von Peter Pakesch seit Jahren mit viel Weitblick, Professionalität und Engagement realisiert werden.

In der Kunst ist es wie in vielen anderen Fachgebieten: Alle führen das Wort im Munde, doch es gelingt nur wenigen, den Begriff zu füllen und in diesem Bereich substanzielle überregional wahrgenommene Arbeit zu leisten. Peter Pakesch stiess schon in Basel als Leiter der Kunsthalle mit seinen Ausstellungen auf eine breite öffentliche Resonanz. In diesem Sinne hoffe ich, dass seine Leistung auch in Graz gewürdigt wird, und dass Sie als verantwortliche Politiker/innen die künstlerische Autonomie des Kunsthauses Graz weiterhin garantieren werden.

Mit freundlichen Grüssen aus Zürich

Claudia Jolles
Chefredaktorin Kunstbulletin — Die meistgelesene Kunstzeitschrift der Schweiz
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Sehr geehrter Herr BM Nagl,

mit der politischen Wortmeldung zum Kunsthaus Graz wird die Institution, die in den letzten 10 Jahren international höchst beachtet vorbildliche Arbeit gemacht hat, kulturpolitisch in einer Form in Haft genommen, die völlig inakzeptabel ist. Ein solches Vorgehen beschädigt die hervorragende Arbeit einer bedeutenden Institution und damit auch den Ruf der Stadt Graz als Kulturstandort. Aus einem gut funktionierendem Ausstellungshaus einen Event-Betrieb machen zu wollen ist der Populismus der Unkultur, einem europäischen Kulturland, wie es Österreich ist, nicht würdig!

Besten Gruß
Florian Dittrich,
U-Live, Director of Classical Productions
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Sehr geehrter Herr Bürgermeister!

Mit Ihrer Wortmeldung zum Kunsthaus Graz (Kleine Zeitung vom 26.4.) wird die Institution, die in den letzten 10 Jahren international höchst beachtet vorbildliche Arbeit gemacht hat, kulturpolitisch in einer Form in Haft genommen, die völlig inakzeptabel ist. Ein solches Vorgehen beschädigt die hervorragende Arbeit einer bedeutenden Institution und damit auch den Ruf der Stadt Graz als Kulturstandort. Aus einem gut funktionierendem Ausstellungshaus einen Event-Betrieb machen zu wollen ist der Populismus der Unkultur und einem europäischen Kulturland, wie es Österreich ist, nicht würdig.

Mit besten Grüßen,
Josef Dabernig
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Sehr geehrter Herr Dr. Nagl,

aus der Presse der vergangenen Tage habe ich von Ihrem Vorschlag/Vorhaben erfahren, das Grazer Kunsthaus künftig aus dem Universalmuseum Joanneum zu nehmen und die “Programmierung” des Hauses zweijährig extern auszuschreiben. Diese Entscheidung würde der kulturellen Reputation der Stadt Graz enorm schaden, denn ein international profiliertes Museum für zeitgenössische Kunst, einzigartig im Bundesland, verkäme auf politisches Geheiß und aus finanziellen Beweggründen zu einem profillosem Eventbetrieb. Ich bin mir sicher, dass Sie Ihr Szenario naturgemäß nicht so düster bewerten wie ich. Ich denke auch, dass Ihnen der inhaltliche Erfolg des Kunsthauses -abseits der Finanzen- wichtig ist. Dennoch halte ich den Vorschlag, wie ich ihn in der Presse entnehmen kann für einen völlig falschen Weg, mit unabwägbaren Risiken für die Glaubwürdigkeit des Kulturstandortes Graz.

Begründung: Graz hat lange für ein internationales Haus gekämpft. Nach mehrfachen Versuchen hat es im Rahmen des Kulturhauptstadtjahres 2003 geklappt. Ganz unabhängig von der Architektur des Hauses hat sich das Grazer Kunsthaus eine sehr hohe Reputation in der internationalen (und österreichischen) Kulturwelt erarbeitet. Peter Pakesch vermochte als Intendant das neue Haus “von Null an” auf die internationale Kunstlandkarte zu setzen. Eine beachtliche Leistung in einem sehr harten Geschäft. Kooperationen mit berühmten internationalen Institutionen unterstreichen die Bedeutung des Hauses. Die Stadt hat dadurch gewonnen.

“Künstler, kreative, Konzerne, (…) Grazer Universitäten (sind) gefordert, Konzepte vorzulegen. (…) Öfter wechselnde Schwerpunkte bringen mehr Dynamik und größere Neugierde der Besucher”
OB Nagl, Kleine Zeitung, 26.4.

Als “Museum für zeitgenössische Kunst” besitzt das Haus ein ganz ausgezeichnetes und scharfes Profil und ist in der Steiermark als solches einzigartig. Das Kunsthaus ist also bekannterweise kein Provinzmuseum. Ich befürchte, Ihr Vorhaben würde es aber zu einem solchen machen: Ein Haus als Container für sowohl kulturelle Ausstellungen (“Design”), kulturnnahe Veranstaltungen (“Universitäten”) als auch scheinkulturelle Zurschaustellungen (“Konzerne”), wechselweise ersonnen durch Einzelpersonen, Bildungseinrichtungen oder Firmen. Ein inhaltlicher Spagat, der jegliches Profil des Hauses unwiderruflich zerstören würde. Das Museum verkäme zu einer austauschbaren, buchbaren Event-Venue. Ob diese Dauerrochade mehr Besucher bringen würde, ist dabei völlig offen. Manche interessieren sich eben für Dieses, Manche für Jenes. Die Betreiber der jeweiligen Veranstaltungen stärken jedenfalls nicht die Identität des Hauses, sondern sind in erster Linie ihrem eigenen Auftritt verbunden, denn danach geht das Leben ja (anderswo) weiter. Graz würde zum mehr oder weniger kulturellen Durchzugsort. Seit Bestehen des Kunsthauses gibt es immer wieder lokale Forderungen, das Haus ortsgebundener bespielt sehen zu wollen. Nicht nur von politischer Seite, sondern auch von der (lokalen) Kunstszene, die sich selbst gerne öfters in Stadt und Land (re)präsentiert sähe. Umgekehrt hallt der Schrei der Politik nach mehr großen Publikumsmagneten, die sich aber nur mit großen (weil internationalen) Namen machen liessen. Stichwort: Roy Liechtenstein(!) (Vize-BM Schröck in der Kleinen Zeitung am 27.4. – Ich nehme selbstverständlich an, Frau Schröck meint nicht eine Ausstellung der beliebten Liechtenstein-Poster) Dieses Scharmützel aus lokaler Begehrlichkeit, neidischem Kalkül, Besucherzahlstatistik und öffentlichem Geld ist eine schlechte Basis für eine sachliche kulturpolitische Diskussion, die ein solches Haus verdient. Ich fürchte, daß alle Beteiligte daraus Schaden nehmen werden. Die Besucherzahlen 2012 sind für ein profiliertes Museum wenig. Daran wird man arbeiten. Mit jährlich real weniger (!) zur Verfügung stehender Mittel ist das aber schwierig. Vielleicht ist es möglich – das vermag ich persönlich nicht zu sagen. Aber ein Liechtenstein kriegt man so nur alle paar Jahre – so viel ist sicher. Personell sind die Kompetenzen vor Ort und im Haus vorhanden, das hat das Haus bewiesen – wie Sie es ja auch selbst bekunden. Ich bin mir sicher, Sie haben Verständnis für meine offenen Worte

Mit freundlichen Grüßen,
Niels Jonkhans, Wien

ehem. Partner von Sir Peter Cook und Colin Fournier (spacelab)
Co-Autor Wettbewerb und Projektleiter Architektur Kunsthaus in der ARGE Kunsthaus
…und immernoch stark mit der Stadt Graz verbunden
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Sehr geehrter Bürgermeister Nagel,
Sehr geehrter Kulturlandesrat Buchmann,
Sehr geehrte Kulturstadträtin Rücker,

wir, die Autoren [1] der international vielfach ausgezeichneten BIX Medieninstallation [2] am Kunsthaus Graz, haben mit großer Bestürzung der Presse entnommen, dass Sie planen, die Leitung des Kunsthauses Graz aus den Fittichen des Universalmuseums Joanneum herauszulösen, um der Institution durch eine turnusmäßige “Ausschreibung für die besten Programmierungskonzepte” neue Strahlkraft zu verleihen, und somit mehr Besucher in das Haus zu locken. Was sich ggf. in der Presse noch als energetisches Reformertum darstellen lässt, entpuppt sich jedoch leider schnell als kurzsichtiger Populismus: Denn der hervorragende internationale Ruf des Kunsthauses ist insbesondere der beständigen, aufeinander aufbauenden und damit weitsichtigen Arbeit des gesamten kuratorischen Teams unter der Leitung von Peter Pakesch zu verdanken. Und der “Eventkultur” entliehene betriebswirtschaftliche Konzepte, die primär auf (Besucher)Rekorden zielen, lassen sich nicht auf den Betrieb einer Institution übertragen, die den klaren Auftrag einer inhaltlichen Auseinandersetzung mit zeitgenössischen künstlerischen Positionen hat, ohne dabei die Qualität der Auseinandersetzung, dem Ruf des Hauses, und damit dem der Stadt Graz als Kulturstandort nachhaltig zu schädigen.

Wir bitten Sie deswegen, Abstand von ihren “Reformplänen” zu nehmen, und zusammen mit der Intendanz und dem Kuratorenteam des Kunsthauses nach Ansätzen zu suchen, um einen kulturell und wirtschaftlich nachhaltigen Betrieb des Kunsthauses auch in Zukunft zu ermöglichen.

Mit freundlichen Grüßen
Jan Edler (& Tim Edler)

[1] Jan & Tim Edler/ realities:united, studio for art and architecture,
http://www.realities-united.de [2] http://www.bix.at
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Sehr geehrte Damen  und Herren ,

so manche Wortmeldung des Bürgermeisters der Stadt Graz zum Kunsthaus Graz wird die Institution, die in den letzten 10 Jahren international höchst beachtet vorbildliche Arbeit gemacht hat, kulturpolitisch in einer Form in Haft genommen, die inakzeptabel ist. Ein solches Vorgehen beschädigt die hervorragende Arbeit einer bedeutenden Institution und damit auch den Ruf der Stadt Graz als Kulturstandort. Aus einem gut funktionierendem Ausstellungshaus einen Event-Betrieb machen zu wollen ist der Populismus der Unkultur, einem europäischen Kulturland, wie es Österreich ist, nicht würdig!

Mit freundlichen Grüßen
Wolfgang Köchert
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Sehr geehrte Bürgermeister Nagl!
Sehr geehrte Damen und Herren!

Mit der Wortmeldung des Bürgermeisters der Stadt Graz zum Kunsthaus Graz wird die Institution, die in den letzten 10 Jahren international höchst beachtet vorbildliche Arbeit gemacht hat, kulturpolitisch in einer Form in Haft genommen, die völlig inakzeptabel ist. Ein solches Vorgehen beschädigt die hervorragende Arbeit einer bedeutenden Institution und damit auch den Ruf der Stadt Graz als Kulturstandort. Aus einem gut funktionierendem Ausstellungshaus einen Event-Betrieb machen zu wollen ist der Populismus der Unkultur, einem europäischen Kulturland, wie es Österreich ist, nicht würdig!

Angelika Loderer
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Sehr geehrter Herr Nagl

Im vergangenen Jahrzehnt genossen wir des Öftern eine Kulturreise nach Graz. Ihr Kunsthaus war für uns stets ein Magnet. Gestatten Sie aus unserer Perspektive in der Schweiz nach vielen Kunstreisen in zahllose Länder dieser Erde den Hinweis, dass Ihre aktuellen Umwandlungsprojekte des Kunsthauses ein immenses Risiko beinhalten, den bisher beachtlichen Ruf der Stadt Graz als Kulturstandort zu schädigen. Wir sind besorgt um die Zukunft Österreichs als herausragendes Kulturland in Europa und der Welt; Ihr Kunsthaus darf nicht zum Event-Betrieb verkümmern. Wir sind besorgt.

Freundliche Grüsse
Alois Zimmermann
Rechtsanwalt und Notar, Basel
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Sehr geehrter Herr Bürgermeister Mag. Nagl,
I’m writing in response to the recent proposed changes for the Kunsthaus Graz as presented in the press.

Culture, in general, is the driving force that shapes society and functions as an educational tool to understand and relate to the world around us. A city such as Graz has thrived by investing in culture and has therefore managed to create a unique position for itself, nationally as well as internationally. By concentrating on quality and not merely on quantity, Graz has created a diverse cultural landscape that stands out for its dedication and ambitious attitude. This is one of the reasons why foreigners like myself, are challenged to apply for a director position in one of  its fine cultural institutions. Unfortunately, due to the rise of populist demands, all of these aspects are questioned and endangered. When cultural institutions are only here to serve the masses, its function as ‘an educational tool to understand and relate to the world around us’  will be replaced by the notion of  ‘entertainment’. ‘Entertainment’ in this case should be read as a familiar way of understanding. ‘Familiarity’ has become the agenda for politicians to establish themselves and if Graz will become one of the last cities to possibly join this logic, it might endanger its foreward-thinking position by becoming a generic city, without any national or internationally recognition anymore. Kunsthaus Graz has been one of the main instigators for creating a healthy, competitive and dynamic internationally art scene in Graz. If its function will be altered, the other visual arts institutions in Graz will reduce visibility. The legacy it has built over the last 10 years is remarkable.  Just like many aspects in Graz, it’s an icon of cultural heritage that can not be replaced and should be treasured.

Sincerely yours,
Krist Gruijthuijsen
Künstlerischer Leiter Grazer Kunstverein
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Sehr geehrter Herr Bürgermeister,

seit der Eröffnung des Kunsthauses 2003 wird dort ein herausragendes Ausstellungsprogramm gezeigt. Ausstellungen von KünstlerInnen wie Sol LeWitt , John Baldessari, Michelangelo Pistoletto, Diana Thater, Tatiana Trouvé – um nur einige zu nennen – oder die jetzige Ausstellung mit El Lissitzky und Ilya Kabakov machen das Kunsthaus Graz zu einer der international angesehensten Institutionen für Gegenwartskunst. ! Es wäre ein fataler Fehler aus populistischen Gründen die wichtige kulturelle Funktion dieses Hauses zu zerstören.

Mit freundlichen Grüßen
Peter Kogler
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Liebe Verantwortliche,

mit der Wortmeldung des Bürgermeisters der Stadt Graz zum Kunsthaus Graz wird die Institution, die in den letzten 10 Jahren international höchst beachtet vorbildliche Arbeit gemacht hat, kulturpolitisch in einer Form in Haft genommen, die völlig inakzeptabel ist! Ein solches Vorgehen beschädigt die hervorragende Arbeit einer bedeutenden Institution und damit auch den Ruf der Stadt Graz als Kulturstandort. Aus einem gut funktionierendem Ausstellungshaus einen Event-Betrieb machen zu wollen ist der Populismus der Unkultur, einem europäischen Kulturland, wie es Österreich ist, nicht würdig! Mit meinen eigenen Worten möchte ich mich dagegen aussprechen, mit einem erfolgreichen, wichtigen und derart gut etabliertem und gut geführtem Ausstellungshaus Experimente dieser Art zu planen!

Mit freundlichen Grüßen
LIA   //  Künstlerin
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Dear Peter,
You have my full support in this debate. I do think your cultural policy made Graz a town of cultural reference. It would be a great shame indeed, to lose this position in Austria and the world. Every effort must be made to secure the activity of these art institutions that you have directed for the last ten years. You have my, and my colleges at the Graduate School of Architecture, planning and preservation, full support. We hope very much that you will be able to move forward in thinking and planning the future of these institutions you have made world renown.

Sincerely,
Yehuda Emmanuel Safran
Director, Potlatch, Research Lab and Journal
Columbia University at the City of New York
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Sehr geehrter Herr Nagl,
mit den folgenden Zeilen beziehe ich mich auf Interviews die ich in den letzten Tagen in der Kleinen Zeitung gelesen habe. Für mich als junge Künstlerin ist die Möglichkeit im Kunsthaus Graz auszustellen ein wirklich großes Ding! So ein Raum, wie er hier durch das Programm von Peter Pakesch geboten wird fördert und fordert junge Kunst gewaltig heraus! Es ist wichtig für die Zukunft wohin sich die Kunst/Künstlerinnen entwickeln können. Es wäre wirklich bedenklich wenn so ein Freiraum nicht existieren würde! Ich freue mich sehr morgen meine Ausstellung Annäherungen an „ … bin im netz i1.1“ zu eröffnen. Es werden die verschiedensten gesellschaftlichen Schichten aufeinander treffen um über zeitgenössische Themen nachzudenken. Ich habe Zusagen z. B: von einer Sparverkäuferin die in der Nähe von Graz lebt, sowie einem Tellerwäscher aus Albanien der ebenfalls in Graz lebt bis hin zur bekannten österreichischen Galeristin Ursula Krinzinger die international tätig ist. Das schafft kein abgeschmacktes niederschwelliges Programm, sondern junge österreichische Kunst, die ihren Platz braucht! Ich lade Sie herzlich ein sich selbst ein Bild davon zu machen.

Die Eröffnung findet morgen um 19:00 im Innenhof des Grazer Kunsthauses statt!

Mit freundlichen Grüßen
Rosmarie Lukasser
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Sehr geehrter Herr Pakesch,

angesichts der von Bürgermeister Nagl losgetretenen Debatte über das Kunsthaus Graz darf ich Ihnen auf diesem Wege meine Solidarität zum Ausdruck bringen.

Ihnen ist es gelungen,
– das Kunsthaus nicht nur im europäischen Kontext, sondern global als Ausstellungshaus von höchster künstlerischer Qualität zu positionieren
– das Kunsthaus seit seiner Eröffnung als bestbesuchtes Ausstellungszentrum der Stadt Graz zu führen
– dem Kunsthaus eine Rolle als Global Player zu geben
– mit dem Kunsthaus Hunderten Künstlerinnen und Künstlern aus Europa und Übersee eine Plattform geschaffen zu haben
– mit Ihrer fachlichen Kompetenz als Intendant des Universalmuseums Joanneum zu gewährleisten, dass das Universalmuseum Joanneum in all seinen Häusern neben seinem landeskundlichen und wissenschaftlichen auch seinem künstlerischen Auftrag nachkommt.

Dafür möchte ich mich bei Ihnen bedanken.

Mit den besten Grüßen
Karl Peitler
Leiter Archäologie & Münzkabinett, Universalmuseum Joanneum
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Mit der Wortmeldung des Bürgermeisters der Stadt Graz zum Kunsthaus Graz wird die Institution, die in den letzten 10 Jahren international höchst beachtet vorbildliche Arbeit gemacht hat, kulturpolitisch in einer Form in Haft genommen, die völlig inakzeptabel ist. Ein solches Vorgehen beschädigt die hervorragende Arbeit einer bedeutenden Institution und damit auch den Ruf der Stadt Graz als Kulturstandort. Aus einem gut funktionierendem Ausstellungshaus einen Event Betrieb machen zu wollen ist der Populismus der Unkultur, einem europäischen Kulturland, wie es Österreich ist, nicht würdig!

Dino Zrnec
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Sehr geehrter Herr Bürgermeister Mag.  Nagl,

als langjährige Beraterin von Museen in Europa und weltweit, darunter der Louvre in Paris, die städtischen Museen in München sowie die Bundesmuseen in Wien, habe ich mit Interesse Ihren Vorschlag  vernommen, das Kunsthaus Graz als städtische Institution aus dem Verband Universalmuseum Joanneum auszugliedern und künftig  mit wechselndem Programm und wechselnder Intendanz zu führen. Gerade in Zeiten knapper öffentlicher  Geldmittel ist es fraglich, eine Institution aus einem erfolgreichen Kulturcluster wie dem Universalmuseum Joanneum herauszulösen. Geht doch der internationale Trend eher in die Richtung Institutionen zusammenzuführen und Personal- und Finanzreserven Ressourcen zu bündeln, um damit Nachhaltigkeit der Institutionen zu sichern. Eine Kunsthalle als alleinstehende Institution zu führen wird aller Voraussicht nach teurer und lässt potentielle Synergieeffekte ungenützt. Besuchszahlen als einziger Indikator für Erfolg sind nicht ausreichend.  Es ist übrigens international durchaus üblich, dass die Besuchszahlen der Eröffnungsjahre nicht wieder erreicht werden können. Wichtig ist die Stabilität der Besuchszahlen über einen Zeitraum von circa 5 Jahren. Zudem  sprechen auch Museen mit zeitgenössischen Programmen eher Minderheiten an. Die Besuchszahl des Kunsthauses Graz mit seinem ambitionierten Programm ist im internationalen Vergleich bezogen auf das Einzugsgebiet vergleichsweise gut. Das Kunsthaus Graz hat sich lokal, regional und international positioniert. Das geschieht nicht in zwei Jahren. Dafür braucht es gute, konsequente und innovative Arbeit sowie internationale Vernetzung. Besucherbindung durch intensiven Dialog mit dem Publikum und der Kunstszene stehen dabei an erster Stelle. Diese Arbeit braucht Zeit. Ein Kurswechsel im Inhalt und Programm würde die Aufbauarbeit der letzten Jahre zunichtemachen.  Mit wechselnder Intendanz und damit wechselndem Programm wird es unmöglich, eine klare Positionierung innerhalb der Kunst- und Kulturszene zu erreichen, die  den künftigen BesucherInnen  Orientierung gibt. Im Übrigen fällt es gerade Design Museen  (ein Vorschlag für die künftige Bespielung) besonders schwer Publikum anzuziehen.

Als langjährige Museumsexpertin warne ich davor, einen derartigen Kurswechsel  für das Kunsthaus Graz vorzunehmen und damit  eine bewährte und international anerkannte Kulturinstitution zu gefährden.

Dr. Claudia Haas
Haas Conult
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Mit der Wortmeldung des Bürgermeisters der Stadt Graz zum Kunsthaus Graz wird die Institution, die in den letzten 10 Jahren international höchst beachtet vorbildliche Arbeit gemacht hat, kulturpolitisch in einer Form in Haft genommen, die völlig inakzeptabel ist. Ein solches Vorgehen beschädigt die hervorragende Arbeit einer bedeutenden Institution und damit auch den Ruf der Stadt Graz als Kulturstandort. Aus einem gut funktionierendem Ausstellungshaus einen Event-Betrieb machen zu wollen ist der Populismus der Unkultur, einem europäischen Kulturland, wie es Österreich ist, nicht würdig.

Eva Chytilek
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Lieber Herr Mag. Nagl,

mit großer Bestürzung habe ich vergangene Woche in der Kleinen Zeitung ihre Ideen für das Kunsthaus Graz gelesen. Es würde für mich einen großen Verlust bedeuten wenn auch dieses Haus an die Kommerzindustrie verloren geht. Ich bitte sie eindringlich nicht nur auf Besucherzahlen zu schauen, sondern sich über die hohe Qualität der im Kunsthaus gezeigten Ausstellungen bewusst zu sein. Nur diese Qualität kann Graz auch in Zukunft die heimische und Internationale Anerkennung bringen mit der die Kunststadt Graz so groß geworden ist!

Beste Grüße
Franz Riedl
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Sehr geehrter Herr Bürgermeister Nagl,

mit Ihrer Wortmeldung zum Kunsthaus Graz wird eine Institution, die in den letzten 10 Jahren international höchst beachtet vorbildliche Arbeit gemacht hat, kulturpolitisch in einer Form in Haft genommen, die völlig inakzeptabel ist. Ein solches Vorgehen beschädigt die hervorragende Arbeit einer bedeutenden Institution und damit auch den Ruf der Stadt Graz als Kulturstandort. Aus einem gut funktionierendem Ausstellungshaus einen Event-Betrieb machen zu wollen ist der Populismus der Unkultur. Die skizzierte Neuausrichtung würde die internationale Ausstrahlung der Institution gefährden. Ein Abgleiten in eine rein regionale Bedeutung des Kunsthauses wäre die Folge.

Mit freundlichen Grüssen
Madeleine Schuppli, Direktorin Aargauer Kunsthaus
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Sehr geehrter Herr Buergermeister Mag. Dr. Nagl, sehr geehrter Herr Kulturlandesrat Dr. Buchmann, habe zu  meiner grossen Verwunderung in den Zeitungen gelesen, dass geplant ist das Kunsthaus im Zweijahresrythmus neu auszuschreiben, und die Leitung dann jeweils dem Gewinner dieser Ausschreibung zu übertragen. Das erscheint mir eine sehr unsicheres und riskantes Verfahren ein Kunsthaus langfristig erfolgreich zu führen. Noch dazu ist Graz -nicht nur in Wien, sondern auch in NY- bekannt, fuer ein internationales und qualitativ hochstehendes  Programm bekannt. Es wäre sehr schade wenn  dieses,  von Peter Pakesch sehr gut und kenntnisreich geführte Haus so plötzlich einer populistischen Eventkultur geopfert würde. Ich hoffe sehr, dass diese Idee noch einmal mit allen Beteiligten diskuktiert und gründlich überdacht wird.

Hochachtungsvoll
Elfie Semotan
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Sehr geehrter Herr Bürgermeister Mag. Nagl,
als österreichisches Mitglied des International Council des Museum of Modern Art New York und des Kuratoriums der Nationalgalerie Berlin bin ich immer wieder auf das Kunsthaus Graz und seine Programmatik angesprochen worden. Ich gestehe, dass ich trotz meiner Verbundenheit gegenüber der Secession (als Präsidentin der Freunde), oft voller Bewunderung über die Landesgrenze Wien Richtung Graz geblickt habe. Umso verwunderlicher empfand ich Ihre jüngsten Überlegungen in den Medien, das Format eines der wenigen international reputierten Häuser Österreichs mit einem größeren lokalen Profil versehen und Unprofessionalität zur Programmatik des Hauses deklarieren zu wollen. Ist Ihnen das Kunsthaus Graz nicht “provinziell” genug? Glauben Sie, dass der Bevölkerung einen Dienst erwiesen wird, wenn man im Kunsthaus einen Schauplatz der immer wechselnden Kompetenz schafft? Denken Sie wirklich, dass ein ernstzunehmender Künstler oder Leihgeber sich auf so ein Experiment einlassen würde? Die Politik ist meines Erachtens nie gut beraten, wenn sie in die Freiheit der Künste eingreift. Fremdenverkehrswerbung und Kultur haben oft gemeinsame Nenner, aber nicht das gleiche Ziel. Internationale Ausstellungsprogramme werden von Vision, Professionalität und langfristiger Planung getragen. Das Kunsthaus Graz zeichnet sich über die Grenzen Österreichs hinaus mit einem exzellenten Ausstellungsprogramm aus, meine Bitte an Sie ist, dem Rechnung zu tragen.

Hochachtungsvoll,
Sylvie Liska
Präsidentin der Freunde der Secession
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Sehr geehrter Herr Mag. Nagl,

Wollen und Können sind doch zweierlei. Gegen eine Diskussion ist sicherlich nichts einzuwenden, aber wenn es in einem solchem Hauruck-Stil erfolgt, missfällt mir das sicher zu wenig Überlegte sehr. Der IIC Austria hat vor kurzem seine erste Jahrestagung und Generalversammlung im Kunsthaus Graz abgehalten. Dieser Ort ist durchaus mit Bedacht gewählt worden: der IIC Austria hat die Wienlastigkeit der Kunstszene und auch die der Konservierungs- und Restaurierungsszene zugunsten des Standortes Graz hinterfragt. Denn auch in der vermeintlichen Provinz gedeihen aufsehenerregende Dinge die beachtllich und erfrischend sind. “Never change a winning team” ist eine treffende Formulierung, für das was seit 2003 durch die Direktion Pakesch/Muchitsch geleistet wurde: das Universalmuseum Joanneum ist aus seinem Vorruhestand erwacht und seine Sammlungen sind in einer beindruckenden Art und Weise revitalsiert worden. Das ist beispielhaft! Und dafür darf man – vor allem in Graz – dankbar sein und sollte das auch einmal sagen anstatt kostbares Porzellan zu zerschlagen! Natürlich wird der IIC Austria auch seine nächste Jahrestagung am 23.3.2015 im Kunsthaus abhalten: es ist unser Zeichen, das respektable Wirken dieser Direktion zu honorieren. Auch Ihnen stünde das gut!

Graz darf sich glücklich schätzen ein solch vielfältiges und buntes Museum zu haben. Ohne das Kunsthaus ist das Segment der zeitgenössischen Kunst nicht adäquat abgedeckt. Viele engagierte Menschen arbeiten nachhaltig hinter den Kulissen an der Substanz des Hauses, damit es weithin strahlen kann. Auch das ist ein Grund, warum ich mich hier einbringe. Graz braucht mehr internationale Anregungen und Denkanstöße, und nicht weniger!

Paul-Bernhard Eipper
Präsident IIC Austria
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Sehr geehrter Herr Landeshauptmann Mag. Franz Voves,
sehr geehrter Herr Bürgermeister Mag. Siegfried Nagl,
sehr geehter Herr Landesrat Dr. Christian Buchmann,
sehr geehrte Frau Stadträtin Lisa Rücker,

mit großem Befremden haben die unterzeichnenden LeiterInnen Grazer Institutionen im Bereich zeitgenössischer Kunst die durch die Medien kolportierte kulturpolitische Debatte wahrgenommen, in deren Zentrum die Rolle und Funktion des Kunsthaus Graz steht, die jedoch weit darüber hinaus zu gehen scheint. Aus diesem Grund sehen wir uns zur folgenden Stellungnahme gezwungen. Wir ersuchen Sie höflich, aber dringend, die bemerkenswerten kulturellen Errungenschaften der letzten Jahrzehnte nicht durch vorschnelle Beschlüsse über die weitere Zukunft einer kulturellen Leitinstitution in Graz in Frage zu stellen.

Stellungnahme zur aktuellen kulturpolitischen Debatte
Vor etwas mehr als 10 Jahren hat sich die Politik der Stadt Graz für ihren Mut und ihre Entschlossenheit gefeiert, ein ungewöhnliches Gebäude für zeitgenössische Kunst realisiert zu haben, das dezidiert kein Museum werden sollte, sondern eine Art Kunsthalle, die sich der Kunst ab den 1960er Jahren widmen soll. Das Kunsthaus Graz war ein fehlender Baustein, das Flaggschiff für die reichhaltigen Aktivitäten im Bereich zeitgenössischer Kunst in Graz: mit Institutionen und Festivals wie dem Forum Stadtpark, dem Grazer Kunstverein, dem Künstlerhaus, < rotor >, dem Kulturzentrum bei den Minoriten, Camera Austria, der Diagonale, elevate Festival, steirischer herbst und eben dem Kunsthaus Graz, um nur die bekanntesten zu nennen, verfügt die Stadt angesichts ihrer Größe über eine nahezu weltweit einmalige Vielfalt an Orten, die sich der zeitgenössischen Kunst widmen. Auch städteplanerisch hat sich der gewünschte Effekt eingestellt, dass sich im Umfeld des Gebäudes ein Mikrokosmos an zeitgenössischem, urbanem Lebensgefühl entwickelt hat. Nun hat die Kulturpolitik der Stadt dieses Potenzial in den letzten 10 Jahren weitgehend verspielt. Anstatt, um Helmut Strobl zu zitieren, dort zu investieren, wo die Stadt stark ist und um die — auch touristische — Vermittlung dieses Potenzials im internationalen Städtewettbewerb zu nützen werden Budgets knapper, Leitprojekte wie der steirische herbst wurden immer wieder in Frage gestellt und sind — trotz aktueller Erhöhungen — kaufkraftbereinigt auf dem Stand der 1990er Jahre. Derzeit verfügen 8 der wichtigsten Institutionen der Stadt nicht einmal über gesicherte Budgets für 2015, ganz zu schweigen von angemessenen mehrjährigen Förderverträgen für die Jahre danach. Dennoch ist offensichtlich Geld vorhanden, um den Betrieb des Kunsthauses zu übernehmen und aus dem Verbund des Universalmuseums zu lösen. Der Wunsch, mehr Publikum dazu zu bewegen, das Kunsthaus zu besuchen, es „wachzuküssen“ wird mit stereotypen Ideen vorgetragen: mit Worthülsen wie „Impuls” und „Innovation“ wird kaschiert, dass es um das Abgesicherte, Populäre gehen soll, um „große Namen”, die die Öffentlichkeit kennt und die dieses Schon-Kennen bestätigt sehen will. Abgesehen davon, dass Öffentlichkeit und Publikum immer wieder unterschätzt werden — die „neue Dynamik“ soll sich rückwärts richten, nett anzusehen sein: Kunst als Entertainment. In der selben Weise, in der sich die Politik von den Konflikten der Gegenwart überfordert sieht — Migration, kulturelle Diversität, zunehmende soziale Ungerechtigkeit, etc. etc. — sollen diese auch keinen Platz mehr in den Ausstellungshäusern der Stadt finden. Ob die künstlerische Arbeit eines Roy Lichtenstein —ein Name, der gefallen ist — die entsprechende Form ist, in der sich unsere Gegenwart über ihren Zustand befragt, sei jedenfalls bezweifelt — ohne damit dessen Beitrag zur Kunst des 20. Jahrhunderts schmälern zu wollen. Allerdings befinden wir uns bereits im 21. Jahrhundert. Zuguterletzt werden BesucherInnenmengen, die Kunst konsumieren, mit „Aktivität“ und „Dynamik“ verwechselt. Doch ist dies alles auf Vermutungen aufgebaut: Wie meistens, erfahren die KulturproduzentInnen selbst aus der Zeitung über die „politische“ Debatte — ihre Expertise wird kaum jemals zu Rate gezogen. Fragen der Kultur und der Kunst der Gegenwart werden im Habitus der Obrigkeit besprochen, die AkteurInnen bestenfalls mit den Konsequenzen konfrontiert. Richard Kriesche hat ein Symposion zum Thema gefordert. Sicherlich ist es eine gute Idee, diese Fragen öffentlich zu besprechen. Doch handelt es sich dabei um eine Thematik, für die in Graz ohnehin kaum überschätzbares Know-How vorhanden ist. Bloß blieben und bleiben die vielen Argumente für die Wichtigkeit zeitgenössischer Kunst für das gesellschaftliche Klima, das kulturelle Milieu und die kulturelle Identität einer Stadt, so sie nicht ständig aus der Vergangenheit heraufbeschworen wird, schon bisher unberücksichtigt.
Vor mehr als drei Jahren hat sich eine Gruppe von AkteurInnen zusammengeschlossen, um ein kritisches Statement „Zur Lage der bildenden Kunst in Graz“ abzugeben. Einzig das Land Steiermark hat seitdem einen kontinuierlichen Dialog mit diesen KulturproduzentInnen geführt. Es bleibt zu hoffen, dass sich auch die Stadt Graz diesem Gespräch anschließt.

Mit freundlichen Grüßen

Reinhard Braun, Camera Austria
Sandro Droschl, Künstlerhaus KM–
Krist Gruijthuijsen, Grazer Kunstverein
Reni Hofmüller, ESC medien kunst labor
IG Kultur Steiermark
Veronica Kaup-Hasler, steirischer herbst
Astrid Kury, Akademie Graz
Margarethe Makovec, Anton Lederer, <rotor > Zentrum für zeitgenössische Kunst
Barbara Pichler, Diagonale
Heidrun Primas, Forum Stadtpark
Johannes Rauchenberger, Kulturzentrum bei den Minoriten
Eva Ursprung, Schaumbad Graz
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Sehr geehrter Herr Bürgermeister Mag. Nagl,
mit großem Befremden haben wir, der Vorstand der Vereinigung bildender KünstlerInnen Wiener Secession, aus der Presse Ihren Vorschlag vernommen, das Kunsthaus Graz in eine kurzfristig programmierte Vergnügungslandschaft zu verwandeln. Die außergewöhnlich gute Reputation des Kunsthauses macht Graz – weit über die Grenzen der Stadt und Österreichs hinaus – zu einem bedeutenden Ort für internationale zeitgenössische Kunst.

Es ist im besten Falle laienhaft zu glauben, dass ein ernst zu nehmendes Ausstellungsprogramm assoziativ, von disparaten Trägern und im Eiltempo geplant werden kann. Leihgaben renommierter KünstlerInnen sind nicht nur häufig auf Jahre hinaus verplant, sie werden auch nur Häusern anvertraut, die sich durch die Kontinuität und Qualität professioneller Arbeit ausweisen. Gleiches gilt für die Zusammenarbeit mit profilierten KünstlerInnen: Auch hier sind Vertrauen und Seriosität die wichtigste Grundlage. Wirklich ärgerlich und empörend erscheint uns jedoch Ihr offener Versuch, mit Hilfe populistischer Argumente wie Besucherzahlen oder Budgets in die Programmierung des Kunsthauses Graz einzugreifen. Zeitgenössische Kunst bedarf keiner inhaltlichen Einmischung von Seiten der Politik. Mit aller Nachdrücklichkeit möchten wir daher an Sie appellieren, die besonderen Errungenschaften des Kunsthauses Graz nicht leichtfertig aufs Spiel zu setzen, sondern stattdessen Gegenwartskunst in all ihrer Ernsthaftigkeit und Freiheit weiterhin zu fördern.

Mit freundlichen Grüßen
Herwig Kempinger
Präsident secession
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Sehr geehrter Herr Nagl,
mit großer Bestürzung und Betroffenheit haben wir Ihre Pläne, das Kunsthaus Graz aus dem Joanneum herauszulösen, zur Kenntnis genommen. Es ist mir nicht bekannt, dass ein Bürgermeister jemals unprofessionell in den Betrieb eines erfolgreichen Museums eingegriffen hat. Ich selbst habe mehrere gigantische Ausstellungen dort besucht und habe kein Verständnis, dass Sie im Kunsthaus Graz eine kulturelle Geisterbahn errichten wollen. Lassen Sie bitte die kulturellen Häuser in den Händen derer, die sie erfolgreich leiten.

Mit freundlichen Grüßen,
Christian Nagel
Galerie Nagel Draxler GbR
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Dear Mayor Nagl,
Dear State Cultural Councillor Buchmann,
Dear City Cultural Councillor Rücker,

I am writing you with regard to the recently published press articles (Kleine Zeitung 26.04 and 27.04) that found their readers far beyond the city of Graz. I am very concerned about the future of Kunsthaus Graz, a feeling I share with many professionals working in the international contemporary art community.
In the world we live in today, culture is all too often reduced to production of “events”. Such events follow each other in quick succession, leaving no time for more profound reflection and trying to catch the attention of an atomized, distracted audience, leaving no time for more profound reflection and follow-up. This cultural impoverishment usually begins with calls for making the programs of cultural institutions more “accessible”. Such patronizing demands are typically expressed by politicians and media, while claiming to represent the opinion of interested citizens.Such infantilization of citizens, who are thus reduced to passive subjects of cultural politics and no longer considered as creative participants in culture, goes hand in hand with populist calls for “success” measured in visitor figures. I strongly believe that the true success lies elsewhere, and namely in maintaining continuity. Kunsthaus Graz is a young institution that has just celebrated its 10th anniversary and it needs continuity in order to build on its remarkable achievement. The “Blue Bubble” may look frivolous but it stands for highly valuable and thought-provoking content: contemporary art at its best, presented through the continuous, internationally and nationally appreciated program of excellent exhibitions, as well as accompanying publications and public programs. In my role as the Artistic Director of the upcoming documenta 14 in Kassel and having run a major European art institution during the past ten years, I learned to appreciate time and continuity as key factors that enable us to achieve outstanding results in the field of culture. Switching Kunsthaus Graz to programming in two-year rhythm or turning it into a facility for changing events of diverse nature and quality would leave a vacuum in the cultural life of the city of Graz. It would be a loss that you cannot afford – and a great risk that can be still avoided.

Sincerely,
Adam Szymczyk
Artistic Director documenta 14
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Sehr geehrter Herr Bürgermeister Nagl,

Mit Ihrer Wortmeldung als Bürgermeisters der Stadt Graz zum Kunsthaus Graz wird die Institution, die in den letzten 10 Jahren international höchst beachtet vorbildliche Arbeit gemacht hat, kulturpolitisch in einer Form in Haft genommen, die völlig inakzeptabel ist.
Ein solches Vorgehen beschädigt die hervorragende Arbeit einer bedeutenden Institution und damit auch den Ruf der Stadt Graz als Kulturstandort. Aus einem gut funktionierendem Ausstellungshaus einen Event-Betrieb machen zu wollen ist der Populismus der Unkultur, einem europäischen Kulturland, wie es Österreich ist, nicht würdig ! Ich bitte Sie, die Meinung einer ganzen Kunst Community entsprechend zu würdigen !

Mit herzlichem Dank und respektvollen Grüßen

Dr. Martin Hatebur
Präsident Basler Kunstverein / Kunsthalle Basel
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Lieber Herr Bürgermeister,
mit ihrer Wortmeldung zum Kunsthaus Graz wird die Institution, die in den letzten 10 Jahren international höchst beachtet vorbildliche Arbeit gemacht hat, kulturpolitisch in einer Form in Haft genommen, die völlig inakzeptabel ist. Ein solches Vorgehen beschädigt die hervorragende Arbeit einer bedeutenden Institution und damit auch den Ruf der Stadt Graz als Kulturstandort. Aus einem gut funktionierendem Ausstellungshaus einen Event-Betrieb machen zu wollen ist der Populismus der Unkultur, einem europäischen Kulturland, wie es Österreich ist, nicht würdig!

Mit kontinuierlich weiterhin guten Ausstellungen erreichen Sie mehr.

Mit freundlichen Grüßen
Mag. Christine Lindinger
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Sehr geehrter Herr Bürgermeister,
als Kulturschaffender und langjähriger Wegbegleiter der Aktivitäten des Kunsthaus Graz erlaube ich mir, Sie mit aller Dringlichkeit auf die nationale und internationale Bedeutung des Kunsthaus Graz hinzuweisen. Mit ihrer öffentlichen Äußerung wird die Institution, die in den letzten 10 Jahren international höchst beachtet vorbildliche Arbeit gemacht hat, kulturpolitisch in einer Form in Haft genommen, die völlig inakzeptabel ist. Ein solches Vorgehen beschädigt die hervorragende Arbeit einer bedeutenden Institution und damit auch den Ruf der Stadt Graz als Kulturstandort. Aus einem gut funktionierendem Ausstellungshaus einen Event-Betrieb machen zu wollen ist einem europäischen Kulturland, wie es Österreich ist, nicht würdig!i

Ich darf darauf hinweisen, dass aus meiner Erfahrung an Kulturplätzen wie New York, Los Angeles, Paris, Moskau, Beijng oder Tokio bei der Nennung von Österreich sofort die Stadt Graz als Kulturzentrum angesprochen wurde. Kommen sie aus „Graz?” war die erste Frage, die mich als Wiener immer wieder überrascht hat. Das ist der Verdienst einer langjährigen Kulturpolitik, die in Österreich ihresgleichen sucht. Davon aus populistischen Erwägungen abzugehen halte ich für einen schweren politischen Fehler, der nicht nur Graz, sondern dem ganzen Land und seiner internationalen Reputation Schaden zufügt. Ich ersuche Sie daher mit Nachdruck die künstlerisch und wirtschaftlich relevante Position des Kunsthaus Graz im Reigen der Weltkunst weiter und in vollem Umfang zu fördern und auszubauen.

Mit besten Grüßen
Kurt Mayer
kurt mayer film
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Sehr geehrter Herr Bürgermeister.

Mit der Wortmeldung des Bürgermeisters der Stadt Graz zum Kunsthaus Graz wird die Institution, die in den letzten 10 Jahren international höchst beachtet vorbildliche Arbeit gemacht hat, kulturpolitisch in einer Form in Haft genommen, die völlig inakzeptabel ist. Ein solches Vorgehen beschädigt die hervorragende Arbeit einer bedeutenden Institution und damit auch den Ruf der Stadt Graz als Kulturstandort. Aus einem gut funktionierendem Ausstellungshaus einen Event-Betrieb machen zu wollen ist der Populismus der Unkultur, einem europäischen Kulturland, wie es Österreich ist, nicht würdig!

Hochachtungsvoll,
Dr. Sissi Tax, Berlin
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Lieber Herr Bürgermeister Nagl!
Die Kunst, ja, die will auch vermittelt werden. Warum steht man vor einem Andy Warhol und betrachtete daneben ein Telefon? Und nicht eine Tomatensuppe oder ein buntes Konterfei von Marylin Monroe? Warum sind die Ecken im Kunsthaus rund (sic! Herr Nagl) und Sol LeWitt schafft erstmals eine runde Mauer für eine Ausstellung? Warum gibt’s den Wirbel in der Bubble, wo hunderte Kinder sich in einem Museum wohlfühlen, weil sie mitunter tobend durchs Haus laufen? Das nennt man Vermittlung. Und gerade diese schätzen die Besucher. Warum ist die Leinwand weiß? Warum zeigt man zwei Künstler, die die Sowjetunion und Russland gegenüber stellen? Warum steht im Stiegenhaus ein Verkehrsspiegel? Richtig geraten, die Kinder wissen das. Das Vermittlungsprogramm im Kunsthaus wie im Universalmuseum Joanneum allgemein ist nicht nur cool, es ist das Beste österreichweit. Auch das sei anzumerken in ihrem Rundumschlag.

Liebevoll, Ihr Bernhard Samitsch
Betriebsratsvorsitzender Universalmuseum Joanneum
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The recent pronouncements of the Mayor of Graz concerning the Kunsthaus Graz have placed pressure on the institution – which in the last 10 years has produced exemplary work enjoying international recognition – in a way that is completely unacceptable. To proceed in this way damages the outstanding work of an important institution and thus the reputation of the City of Graz as a cultural location. To want to turn a well functioning Art Gallery into an event business is the populism of philistinism, unworthy of a great European cultural country such as Austria!

Laura Cherubini
Vicepresidente del museo MADRE, Napoli
Professore di Storia dell’Arte Contemporanea all’Accademia di Brera, Milano
Membro degli Archivi Alighiero Boetti, Mario Schifano, Fabio Mauri, Franco Angeli
Critico d’arte e Curatore
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Sehr geehrter Herr Bürgermeister Nagl,
das Kunsthaus Graz zählt mit seinem Programm und seiner Vermittlungsarbeit zu den international besten Institution. Es ist unverantwortlich das leichtfertig in Frage zu stellen.

Mit freundlichen Grüßen
Heimo Zobernig
Künstler und Professor an der Akademie der bildenden Künste in Wien
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Ich finde es langsam unerträglich, wie in dieser Stadt mit zeitgenössischer Kunst umgegangen wird! Wieviel Regionalität braucht die Politik auf Kosten der Kunst denn noch?

Leider hat die Kulturpolitik in Stadt und Land keinen Erfahrungswert aus den unerfreulichen Vorfällen der letzten Jahre gezogen! ( P. Weibel Neue Galerie)
Mit welcher Arroganz und Abgehobenheit muss man gesegnet sein, sich über Themen, von denen man weit weg ist, sich so unqualifiziert öffentlich zu äußern. Diskurs ist erwünscht, aber bitte mit Kompetenz, Fairness und Stil. Die zuständige Kulturpolitikerin, deren Aufgabe es ist und dafür ist sie eingesetzt, diesen Diskurs zu führen, so zu brüskieren, zeigt von keiner Kultur und zeigt wie unkorrekt, dilletantisch, pupulistisch und provienzell damit umgegangen wird.

artelier contemporary
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offener brief an alle kunsthausintendantInnen des landes und der stadt

das erfreuliche an der erneut eröffneten debatte um das kunsthaus graz ist, dass durch obige initiative kunst ihre insiderhürde überspringen und im feld ihres gesellschaftspolitischen bedeutungszusammenhangs ankommen konnte. ihre anregenden überlegungen und kreativen forderungen nach ‚richtigen publikumsmagneten‘, nach einer womöglichen überantwortung der führung des kunsthauses an kozerne, nach dem anspruch, massen ins kunsthaus zu bringen ohne die qualität zu senken, etc., verdienen eine vertiefende auseinandersetzung. (anmkg: erstmals unabhängig von der vorgesehenen, konsensualen, organisatorischen und finanziellen neustrukturierung des kunsthauses. ) unter der voraussetzung, dass sie den gesellschaftpolitischen anspruch von zeitgenössischen museen und ausstellungshäusern nicht in einem touristischen, sondern mit einem demokratie- und bildungspolitischen auftrag gleichsehen, möchte ich ihre anregungen aufnehmen und zum vorschlag bringen, die gunst der stunde für ein internationales symposium zu nützen. ihre zielvorstellungen im wettbewerb mit den theorien und praxen internationaler akteure aus der kunst- und kulturszene lassen sich wohl eher die professionellen grundlagen für einen allfälligen ‚relaunch‘ erwarten. dieses symposium sollte noch in diesem jahr stattfinden, bevor sich ihr interesse, sehr geschätzte kunsthausintendantInnen, anderen für die stadt wichtigeren themen zuwendet.

richard kriesche
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Wir protestieren aufs Schärfste gegen die, wie uns von den Medien übermittelt wurde offensichtlich geplante Offensive in Bezug auf die ebenso erfolgreiche wie international akzeptierte Arbeit im Kunsthaus Graz. Mit der Wortmeldung des Bürgermeisters der Stadt Graz zum Kunsthaus Graz wird die Institution, die in den letzten 10 Jahren international höchst beachtet vorbildliche Arbeit gemacht hat, kulturpolitisch in einer Form in Haft genommen, die völlig inakzeptabel ist. Ein solches Vorgehen beschädigt die hervorragende Arbeit einer bedeutenden Institution und damit auch den Ruf der Stadt Graz als Kulturstandort. Aus einem gut funktionierendem Ausstellungshaus einen Event-Betrieb machen zu wollen ist der Populismus der Unkultur, einem europäischen Kulturland, wie es Österreich ist, nicht würdig!

Mit herzlichen Grüßen
Helga und Peter Krobath
Galerie Krobath, Wien
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Wir freuen uns immer, wenn Kultur- und Museumsarbeit öffentlich diskutiert wird oder gar politische Debatten auslöst – das Museum und seine verwandten musealen Institutionen, wie es das Kunsthaus Graz ist, sollen Orte für Diskurse und kritische Öffentlichkeit sein. Allerdings bedeutet „kritische Öffentlichkeit“ auch, das vielleicht Unbequeme, das sich bisweilen nicht auf den ersten Blick als massentauglich erweist, anzusprechen, aufzuzeigen und auszustellen. Eine Umsetzung dieses Anspruches bedeutet, sich in einem internationalen Umfeld zu bewegen, die Freiheit der Wahl und der Kunst nutzen zu können, um nicht in eine regionale oder lokale Beliebigkeit abzugleiten. Was beliebt ist, ist nicht immer im Brennpunkt einer aktuellen Diskussion und ist dem erwünschten und anzustrebenden Diskurs nicht immer im ausreichenden Maß förderlich. Und so schwer es fällt, auf Hard Facts wie Besucher/innenzahlen zu verzichten, ist die Qualität einer Ausstellung(sarbeit) nicht ausschließlich an dieser Zahl festzumachen. Die Programmierung einer international anerkannten Institution, wie es das Kunsthaus Graz ist, „alle ein bis zwei Jahre auszuschreiben“, wie es die Grazer Stadtpolitik fordert, widerspricht diesem Ansinnen deutlich. Diese Absicht lässt wenig Kenntnis über die Strukturen des internationalen Ausstellungsbetriebes vermuten, denn ein professionell geführtes Haus dieses Formats verlangt Erfahrung, strategische Planungen und tragfähige Beziehungen zu den maßgeblichen Kunstschaffenden und Kunstsammlungen, ohne deren Vertrauen Ausstellungen jenen Ranges, wie es das Team des Universalmuseums Joanneum seit über 10 Jahren realisiert, undenkbar wären. Es ist bedauerlich, wenn es der Grazer Stadtpolitik nicht bewusst zu sein scheint, dass die steirische Landeshauptstadt mit dem Kunsthaus Graz über eine der wenigen österreichischen Kulturinstitutionen verfügt, deren Arbeit über die Landesgrenzen hinaus mit großem Interesse verfolgt werden. Die jüngst publizierten Pläne sind im günstigsten Fall kontraproduktiv, im schlimmsten Fall droht mit deren Realisierung der Verlust eines renommierten österreichischen Präsentationsortes für Gegenwartskunst.

Peter Assmann, Vizepräsident
Museumsbund Österreich
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Sehr geehrter Herr Bürgermeister Mag. Nagl,
mit grossem Erstaunen hören wir von der Debatte über die Zukunft des Kunsthauses Graz, gemäss der dieses unter einer neuen Trägerschaft und mit wechselnden Zwei-Jahres-Konzepten einen neuen kulturpolitischen Auftrag verfolgen soll, der auf höhere Besucherzahlen abzielt. Wir würden eine solche Umorientierung des Kunsthauses ausserordentlich bedauern. Denn das Team unter der Leitung von Peter Pakesch hat dem Haus durch ein hochstehendes, anspruchsvolles Ausstellungsprogramm internationales Renommee verschafft. Wir bitten Sie dringlich, dieses nicht aufs Spiel zu setzen, und bleiben mit Dank für Ihre Unterstützung eines international angesehenen Kulturinstituts

Mit freundlichen Grüssen
Fanni Fetzer, Direktorin Kunstmuseum Luzern
Dr. Heinz Stahlhut Sammlungskonservator Kunstmuseum Luzern
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Lieber Herr Bürgermeister Nagl!
Erschreckt habe ich den Artikel in der kleinen Zeitung gelesen und möchte auf diesem Weg meine Unterstützung für Peter Pakesch ausdrücken . Das Kunsthaus Graz genießt durch ihn und sein Team einen hervorragenden Ruf in der internationalen Kunstszene der nur anhand von  Besucherzahlen keineswegs  zu messen ist.
Volles Vertrauen in die Arbeit von Peter Pakesch!

Herzliche Grüße aus Wien
Constantin Luser
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Sehr geehrter Herr Bürgermeister Nagl,
Mit großem Bedauern muss ich feststellen (attachment), dass Sie als Politiker im Begriff stehen denselben Fehler zu machen wie sehr viele Ihrer Kollegen (die sich mit Kultur befassten) in Österreich seit 1945. Nicht die Kunst (Kultur) muss auf ein Niveau gedrückt werden, das von einem ignoranten lokalen Publikum beachtet wird, sondern umgekehrt: Sie müssen in die Bildung (und leider noch immer!) in die kulturelle Re- edukation der steirischen Bevölkerung investieren damit Sie das Kunsthaus zu Hause populärer machen. Im Ausland brauchen Sie das Kunsthaus nicht populärer zu machen (“wach zu küssen”), weil das Kunsthaus international einen exzellenten Ruf hat. Die aktuellen Ausstellungen (und die Kombination/ Kontextualisierung derselben) sind von einem unglaublich hohen Niveau, gut erklärt und zugänglich, und wären ein kultureller Glanzpunkt in jeder Metropole wie London, New York, Paris, etc. Also investieren Sie doch auch in den internationalen Kulturtourismus; da wäre einiges zu gewinnen mit dem Potential, das Sie gegenwärtig in der Hand haben. Das österreichische kulturelle Vakuum des 20. Jhdts (bedingt durch 1914, 1918, 1929, 1938, 1945, u.a.) in der REZEPTION wurde bisher kaum von der Politik beachtet. Suchen Sie das Publikum für das Kunsthaus intelligenter als mit der Vergeudung Ihrer Talente.

Hochachtungsvoll
Kurt Ryslavy 
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S.G  Damen und Herren,
2 Fragen:
1. Kann es sich Graz / Steiermark / Österreich leisten auf eine Institution wie das Kunsthaus Graz zu verzichten? (Wie viele Häuser dieser Qualität und internationalen Strahlkraft kennen Sie in Graz / Steiermark / Österreich?)

2. Würde ein Erzherzog Johann ihr Unterfangen unterstützen, welches Innovation und Forschung im Bereich der bildenden Kunst (nicht immer massentauglich) verhindert?

2 x Nein, und das wissentlich – und zugrunde gehen wir ohnehin, wenn die Erde in die Sonne stürzt – das reicht meines Erachtens.

Thomas Baumann
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Dear  Mayor Mag. Siegfried Nagl
The recent pronouncements of the Mayor of Graz concerning the Kunsthaus Graz have placed pressure on the institution – which in the last 10 years has produced exemplary work enjoying international recognition – in a way that is completely unacceptable. To proceed in this way damages the outstanding work of an important institution and thus the reputation of the City of Graz as a cultural location. To want to turn a well functioning Art Gallery into an event business is the populism of philistinism, unworthy of a great European cultural country such as Austria!

My best regards
François Roche, architect, Paris 
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Sehr geehrter Herr Bürgermeister,
erlauben Sie, dass ich mich kurz vorstelle. Ich leitete von 1977 bis 2013 das Schweizer Designunternehmen Vitra. In dieser Zeit legte ich eine Sammlung von Möbeln der Moderne an, gründete das Vitra Design Museum und engagierte eine Reihe von heute weltbekannten Architekten. So entstand der Vitra Campus in Weil am Rhein. Ich bin also mit wirtschaftlichen und kulturellen Themen vertraut und musste mir auch immer wieder die Frage stellen, ob und wie ich als Leiter des Unternehmens auf die kulturellen Tätigkeiten Einfluss nehmen sollte. Meine Einsicht ist, dass die kulturellen Tätigkeiten vom Alltag des Geschäftslebens, von den jeweiligen Stimmungslagen und Interessenskonstellationen abgekoppelt werden sollten. Das Vitra Design Museum wurde 1989 eröffnet. Der Gründungsdirektor war bis zu seiner Pensionierung für das Museum tätig, heute wird es von einem Team geleitet, das schon zu seiner Amtszeit im Museum arbeitete. So ist Kontinuität gewahrt. Damit komme ich auf die Diskussion, die um das Kunsthaus Graz geführt wird. Das Kunsthaus Graz genießt international Anerkennnung. Der Ausbau einer Museumspräsenz ist eine langfristige Aufgabe. Die Beziehung zum Publikum, die Kontakte zur Kunstszene und die internationale Vernetzung müssen etabliert und gepflegt werden. Glaubwürdigkeit und Kontinuität sind dafür notwendige Voraussetzungen. Dies ist mit wechselnder Intendanz und wechselnden Programmen nicht zu erreichen. Ich fürchte, dass die zur Diskussion stehende Ausgliederung des Kunsthauses Graz aus dem Verband des Universalmuseums Joanneum die erfolgreiche Aufbauarbeit gefährden würde. Außerdem würde ein Alleingang mit großer Wahrscheinlichkeit zu erheblichen Mehrkosten führen. In den vom Vitra Design Museum initiierten Museumskonferenzen wird in den letzten Jahren auf Grund des Kostendrucks verstärkt über Kooperationen gesprochen. Eine Ausgliederung erscheint auch angesichts dieser Erfahrungen problematisch.

Mit freundlichen Grüssen
Dr. Rolf Fehlbaum
Chairman Emeritus Vitra
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Sehr geehrte Damen und Herren,
das Kunsthaus Graz ist in seiner bestehenden Form eine der wichtigsten Kunstinstitutionen Österreichs und konnte sich über die Arbeit der Vergangenheit international sehr gut und nachhaltig positionieren. Für unsere Studierenden ist der Besuch der Ausstellungen ein wesentlicher Bestandteil ihrer künstlerischen Weiterbildung.
Die kulturpolitische Idee eines programmatischen Wechsels im Kunsthaus in der von Bürgermeister Siegfried Nagl vorgestellten Form ist inakzeptabel. Ein alle 2 Jahre wechselndes Kuratorium hätte nicht die Zeit, sich soweit mit der Situation in Graz einzulassen, um tatsächlich ein maßgeschneidertes Programm für das Kunsthaus erstellen und nachhaltig umsetzen zu können. Würde die Idee des Bürgermeisters verfolgt, droht dem Kunsthaus der Abstieg von einem hochqualitativen inhalts- und bildungsorientierten Programm zu einem konsumorientierten Kunstzirkus.

Mit besten Grüßen
Erwin Bohatsch
Abstrakte Malerei | IBK
]a[ akademie der bildenden künste wien
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sg herr mag. nagl!
ich bin sprachlos über die geschehnisse in graz und unterstütze mit aller vehemenz peter pakesch.
mit freundlichen grüßen,
mag. karin handlbauer
Galerie Mezzanin
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Sehr geehrter Herr Nagl

Wie man in den letzten Tagen aus den Zeitungen erfahren hat, haben Sie vor das Kunsthaus neu zu positionieren. Nun fühle ich mich als Mitarbeiter des Universalmuseums Joanneum/Kunsthaus dazu aufgerufen, hierzu Stellung zu nehmen.
Ich bin einer von 15 Mitarbeitern aus der Zentralwerkstatt, die unter anderem auch die Ausstellungen im Kunsthaus nach bestem Wissen und Gewissen erstellen. Da wir zum Großteil auch schon einige Jahre im Joanneum beschäftigt sind, kann ich Ihnen nur versichern, dass auch wir als Angestellte zu hundert Prozent hinter Wolfgang Muchitsch und Peter Pakesch stehen. Da unsere Tätigkeiten im Universalmuseum Joanneum auf alle Häuser aufgeteilt sind und wir dadurch im engen Kontakt mit allen anderen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen stehen, kann ich Ihnen versichern, dass auch diese absolut hinter Wolfgang Muchitsch und Peter Pakesch stehen. Wir Mitarbeiter aus der Zentralwerkstatt identifizieren uns im hohen Grade mit dem Universalmuseum Joanneum und vor allem mit dem Kunsthaus. Es erscheint nicht sinnvoll, eine funktionierende Firma/Betrieb/Institution aufzulösen. Keiner und keine der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen wäre jemals auf die Idee gekommen, sich über so etwas Gedanken zu machen. Das Joanneum ist ohne Kunsthaus einfach nicht vorstellbar!

Ettinger Markus
Mitarbeiter der Zentralwerkstatt, Universalmuseums Joanneum
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Sehr geehrter Herr Bürgermeister!
Ein Kunsthaus ist kein Gemischtwarenladen. Man kann nicht einfach die Regale umstellen, wenn einem die Performance nicht gefällt. Die Kunst braucht Zeit, Luft und Ressourcen und wird meistens erst spät erkannt. Das Kunsthaus kann also nicht wie ein Ferienkurs zweijährig ausgeschrieben werden. Wie soll da eine Linie entstehen? Zeigen Sie langen Atem!

Deine alte Freundin, Theater im Bahnhof
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Geehrter Herr Bürgermeister Siegfried Nagl!
Geehrte Frau Stadträtin Lisa Rücker!
Geehrter Herr Landeskulturreferent Christian Buchmann!

Seit einigen Tagen verfolge ich mit  großer Verwunderung eine von Ihnen angestoßene Debatte um die zukünftige organisatorische und programmatische Ausrichtung des Kunsthaus Graz, die – ich muß das leider in dieser Offenheit sagen – in ihrer Inhaltlichkeit jedem Sachverstand spottet. Würde ich Ihnen vorschlagen, die Landes- und Stadtregierung alle 2 Jahre über eine Wettbewerbsauschreibung neu zu besetzen um die Steiermark wieder fit zu bekommen, sie würden zu Recht nur ungläubig den Kopf schütteln. Und genau so würde es sich in praktisch allen Professionen verhalten. Nennen sie mir nur einen Betrieb, Konzern o.ä. , wo ein solches – von Ihnen in die Diskussion gebrachtes – Model für vernünftig erachtet werden würde und sich auch bewährt hätte.  Aber offensichtlich gehen sie davon aus, das das bei der Bevölkerung Anklang finden wird und zusätzlich von wirklich großen “Baustellen” ablenkt.
Dazu nur 2 Anmerkungen:
1. Über Kunst kann man nicht demokratisch abstimmen! Das verhält sich so, wie wenn der behandelnde Chirurg vor der Operation eines Schwerverletzten die Bevölkerung befragen würde, was und wie er den operieren solle. Hören sie also auf, populistische Almosen auf dem Rücken der Gegenwartskunst einzusammeln!

2. Das Volk hat nicht immer Recht – das sollte man sich besonders in Erinnerung rufen, wenn man in der Stadt der Volkserhebung seinem politischen Amt nachgeht. Nehmen sie vielmehr die Pflicht wahr, im Interesse der Steiermark und ihrer Bevölkerung langfristige politische Rahmenbedingungen – auch gegen die breite Masse – zu etablieren, die neben dem üblichen Eventzirkus auch eine pluralistische, kulturelle Szene ermöglicht.

Dem Intendanten Peter Pakesch ist es – zusammen mit allen MitarbeiterInnen des Joanneums – in 10-jähriger professioneller Arbeit  gelungen das Kunsthaus Graz auf der Weltkarte der Kunst zu positionieren. Das erfordert den Willen und das Können “dicke Bretter zu Bohren”, um Max Weber zu zitieren. Und damit man solche langfristigen Ziele erreichen kann, braucht es auch die nötigen politischen Rahmenbedingungen. Offensichtlich will man von politischer Seite diese dicken Bretter gegen populistisches Lametta tauschen. Geehrte Damen und Herrn! Ich fordere sie inständig auf, diese vollkommen unnötige, das nationale und internationale Ansehen des Kunsthaus Graz schädigende Diskussion zu beenden und kulturpolitisch Rückgrad zu zeigen.

Werner Reiterer

PS: Ich hatte die Gelegenheit 2007 eine Soloausstellung im Kunsthaus Graz einrichten zu dürfen und kann ihnen einerseits versichern, das diese Institution in ihrer Professionalität keinen Vergleich mit internationalen Häusern zu scheuen braucht und andererseits auch über die nötige Reputation verfügt um Künstlerkarrieren auf dem internationalen Terrain positiv anzuschieben. Und nach Ausstellungen meiner Arbeiten in Paris, Budapest, London, Moskau, Düsseldorf, Berlin, New York, Los Angelos, Kassel, Louisville, Tampa, Köln, Hannover, Rom, Cincinati, München, Amsterdam, Madrid, Bonn usw. weiß ich, wovon ich spreche.
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Sehr geehrter Herr Bürgermeister Nagl, sehr geehrte Frau Stadträtin Rücker!

Seit genau zehn Jahren genießt die Stadt Graz das große Privileg, ein Kunsthaus internationales Ranges zu besitzen: eine Institution, die zu den einflussreichsten und erfolgreichsten in Europa gehört und die zusammen mit der Wiener Kunsthalle und dem Bregenzer Kunsthaus eine wundersames österreichisches Trio für zeitgenößische Kunst bildet! Wir haben in Graz die Möglichkeit gehabt, wunderbare Ausstellungen zu besichtigen: von Sol LeWitt bis Cabrita Reis, von Vera Lutter bis Warhol, von Pistoletto zu John Baldessari. Es ist kein Produkt des Zufalles gewesen, sondern einer konsequenten und voraussehenden Planung, die von Peter Pakesch und seinem Team hervorragend ausgeführt worden ist. Profunde Kenntnisse, gute internationale Beziehungen, organisatorische Fähigkeiten sind die Voraussetzung für diesen Erfolg gewesen. Vielmehr! Es waren die brennende Leidenschaft, die unersättliche Neugier und das lebendige Interesse, die zu diesen positiven Ergebnissen geführt haben. Wollen Sie wirklich alles das zerstören? Wollen Sie wirklich das Grazer Kunsthaus “italienisieren”? Wir sprechen von einer leider uns wohl bekannter, tragischer Situation, wo die Kulturpolitik durch die Erniedrigung der Professionalität, durch politisch motivierte Stellenbesetzungen und ein permanentes “Spoil-System” geführt wird. Wo das einzige Urteilkriterium die Zahl der verkauften Eintrittskarten ist, und wo die “Eventkultur” wichtiger als das “Kultur-Produkt” geworden ist. Bitte! Lassen diese italienischen Eigenschaften weg von Graz! Und schützen Sie bitte für die Zukunft die ersten zehn unvergesslichen Jahre des Grazer Kunsthauses. Sie haben die besten Gründen, auf diese Jahre echt stolz zu sein.

Mit besten Grüßen
Marco De Michelis (Professor für Geschichte der Kunst und der Architektur, Venedig)
Paola Nicolin (Kunsthistorikerin und Kuratorin, Bocconi Universität Mailand)
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Sehr geehrter Herr Bürgermeister Nagl,
wenn sich eine Stadt wie Graz, die viel an Kultur zu bieten hat, in irgendeiner Weise im internationalen Kunstgeschehen positionieren und damit seine wichtige Stelle behalten möchte, scheint es mir unabdingbar, das Kunsthaus weiterhin entsprechend zu betreiben – zu diesem Zweck wurde es schließlich errichtet. Ein privates Unternehmen mag den einzigen Zweck an Absatzzahlen ablesen (wenngleich ich auch das bezweifle), im Kulturbereich sind diese Maßstäbe anders anzusetzen, sowie in allen anderen öffentlichen Bereichen auch. Ein Museum ist für die Menschen da, der öffentliche Kulturbetrieb sollte aber bewußt auch Strömungen zeigen, die ansonsten in der breiten Masse untergehen würden weil sie nicht laut genug sind, die aber Wegbereiter und Impulsgeber für zukünftige Generationen sein können, weil sie ungewöhliche, ungewohnte und zukunftsweisende Wege gehen. Populärkultur entsteht immer aus einstigen Subkulturen.

Mit freundlichen Grüßen,
Ulrike Königshofer
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Unendliche Dimensionen hat das Kunsthaus zu bieten. Wer sich dafür interessiert, der weiß auch, dass es drei Untergeschoße hat. Im zweiten UG, gar nicht still, weil laut werkend und doch für den getrübten Blick verborgen, meistert die Zentralwerkstätte. Es ist die Keimzelle, der aufbautechnische Rückhalt und die Garantie dafür, dass Ausstellungen nicht nur im Kunsthaus dort im Entstehen sind, sondern in allen Häusern des Universalmuseums. Wenn man sich jemals in eine Ausstellung des Joanneums gewagt hat, der weiß, was diese Leute unter der Führung von Robert Bodlos leisten. Nämlich Arbeit bis zum Umfallen. Eine Schließung dieser Substanzkraft käme einem tsunamischen Erdbeben hinsichtlich aller bereits geplanten Ausstellungen gleich. Die Zentralwerkstätte ist das logistische Zentrum unseres Hauses. Wer weiter denkt, ist ein Schelm.
Auch das sei anzumerken in ihrem Rundumschlag, lieber Herr Nagl und Herr Buchmann.
Liebevoll
Ihr Bernhard Samitsch
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Sehr geehrter Herr Bürgermeister Nagl,

die allzu offensichtlichen Hintergründe ihres medial kolportierten Plans für eine Ausgliederung des Kunsthauses Graz aus dem Universalmuseum Joanneum zur weiteren Einverleibung in die Verwaltung der Stadt Graz, erscheinen mir bezeichnend für das gegenwärtige politische Verständnis zu Kunst und Kultur:  Erstens kann ich Ihre Kritik – formuliert über den von Ihnen präsentierten Evaluierungsbericht 2011 (!), das UMJ würde zu wenige KünstlerInnen einer freien Szene in Ausstellungen des Kunsthauses einbinden, in keiner Weise nachvollziehen, da ich mich oft genug vom Gegenteil überzeugen konnte. Peter Pakesch und sein Team standen meinen Beobachtungen nach jungen aufstrebenden KünstlerInnen und deren Ideen immer äußerst offen gegenüber. Das ist keine singuläre Erfahrung, sondern kann von Ihnen gerne in anderen Protestnoten nachgelesen werden. Zweitens halte ich die Kritik an der internationalen Profilierung des Kunsthauses insofern für nicht berechtigt, da eben jene Kunstschaffenden einer lokal angesiedelten jüngeren Generation durch Ausstellungsbeteiligungen im Kunsthaus genau von dieser Ausrichtung profitieren, wobei ich es durchaus für richtig halte, den Begriff “lokal” nicht ausschließlich auf die Stadt Graz zu verwenden. Somit komme ich drittens zum selben Schluß wie viele meiner Kollegen, nämlich daß jene Kritik am Wirkungsfeld des Kunsthauses nur ein politischer Vorwand zur Demontage eines Museums mit einer bedeutenden internationalen Reputation zu sein scheint, gestützt auf neoliberale Besucherzahlenspiele, wie sie keinem Ausstellungshaus dieser Dimension würdig sind. Wenn auch ein Zeichen der Zeit: Kunst darf kein Attribut einer wirtschaftlich orientierten Gesellschaft sein, so wie auch die Wahrung von Kunst fachgerecht verhandelt werden muß, damit gesellschaftliche Metaebenen weiterhin reflektierbar gemacht werden können.

Mit freundlichen Grüßen,
Andreas Müller
muellerconcept Studio
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Mit der Wortmeldung des Bürgermeisters der Stadt Graz zum Kunsthaus Graz wird die Institution, die in den letzten 10 Jahren international höchst beachtet vorbildliche Arbeit gemacht hat, kulturpolitisch in einer Form in Haft genommen, die völlig inakzeptabel ist. Ein solches Vorgehen beschädigt die hervorragende Arbeit einer bedeutenden Institution und damit auch den Ruf der Stadt Graz als Kulturstandort. Aus einem gut funktionierendem Ausstellungshaus einen Event-Betrieb machen zu wollen ist der Populismus der Unkultur, einem europäischen Kulturland, wie es Österreich ist, nicht würdig!

Univ.Prof.-Dr.phil. Ferdinand Schmatz
Leiter des Instituts für Sprachkunst an der Universität für angewandte Kunst in Wien
Autor
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sehr geehrter herr Buergermeister Nagl!
die artikel, die seit kurzem ueber das kunsthaus graz in der kleinen zeitung zu lesen sind, lassen mir den schreck in alle glieder fahren! ein international erfolgreiches, ausgezeichnetes und in hoechstem masze angesehenes konzept “ueber nacht” (wie es den anschein hat) in frage zu stellen und gegen eine “eventkultur” austauschen bzw. ausspielen zu wollen, ist in hoechstem masze befremdlich! gerade graz hat sich seinen ruf als “ausstellungsstadt” in den letzten zehn jahren sehr hart erarbeitet und ist mittlerweile hervorragend positioniert (erst juengst wurde die jetzt in wien zu sehende herbert-collection mit der schon vor DREI(!) jahren in graz gezeigten ausstellung verglichen – die ausstellung in graz wurde einhellig als stringenter, spannender und besser bezeichnet!). qualitaet ist eben die beste form der nachhaltigkeit, die menschen im gedaechtnis bleibt und zum wiederkommen einlaedt. ich selbst, mittlerweile in wien wohnend, fahre regelmaeszig freudig nach graz, nur um die ausstellungen dort zu sehen – vor zwanzig jahren war es genau umgekehrt. ein program mit einem derartig hochkaraetigen kunstangebot abwickeln zu koennen, bedarf einer jahrelangen, intensiven und diplomatischen planung, denn erst ein ausgezeichneter ruf, den das kunsthaus besitzt, macht gewisse leihgaben moeglich und fuehrt in weiterer folge auch zu einem internationalen ausstellungsaustausch, von dem wiederum wir oesterreichische kuenstlerInnen profitieren! gerade Sie als buergermeister mueszten sich schuetzend vor diese institution stellen, die wie keine andere das “neue” bild von graz entscheidend mitpraegt und ihre qualitaet gegen populistische angriffe verteidigen! nicht nur das, ich moechte mich darueberhinaus dafuer stark machen, dasz im zuge des derartig spannenden angebotes mit dem kunsthaus als speerspitze, dem ebenfalls herausragenden grazer kunstverein, der camera austria und einer wiedererweckten halle fuer kunst (neben den zahlreichen, ebenfalls beeindruckenden kunstinitiativen) graz endlich auch eine eigene kunstakademie bekommt!
graz hat sich zu einer bemerkenswerten stadt der kunst entwickelt und ich bitte Sie herzlich, dies nicht leichtfertig aufs spiel zu setzen!

mit freundlichen grueszen,
gregor schmoll
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Sehr geehrter Herr Bürgermeister Magister Siegfried Nagl, sehr
geehrte Herren und Damen,

Mit der Wortmeldung des Bürgermeisters der Stadt Graz zum Kunsthaus Graz wird die Institution, die in den letzten 10 Jahren international höchst beachtet vorbildliche Arbeit gemacht hat, kulturpolitisch in einer Form in Haft genommen, die völlig inakzeptabel ist. Ein solches Vorgehen beschädigt die hervorragende Arbeit einer bedeutenden Institution und damit auch den Ruf der Stadt Graz als Kulturstandort. Aus einem gut funktionierendem Ausstellungshaus einen Event-Betrieb machen zu wollen ist der Populismus der Unkultur, einem europäischen Kulturland, wie es Österreich ist, nicht würdig! Ich bitte Sie deshalb die diesbezüglichen Beschüsse zurückzuziehen und die Massnahmen rückgaengig zu machen.

Hochachtungsvoll,
Roza El-Hassan dla
Künstler, Kurator
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Sehr geehrter Herr Mag. Nagl

Mit grosser Irritation hören wir von Ihrem Vorhaben, das Kunsthaus Graz neu zu positionieren. Seit der Gründung hat sich diese Institution mit eindrücklichen Ausstellungen und einem spannenden Begleitprogramm einen hervorragenden Ruf erworben. Das Kunsthaus Graz steht symbolhaft für einen innovativen und gleichzeitig nachhaltigen Umgang mit zeitgenössischer Kunst und Kultur. Die von Ihnen angedachte Neu-Positionierung in Richtung Mainstream-Ausstellungen würde diese Einzigartigkeit des Kunsthaus Graz zerstören. Besonders bedenklich erscheint uns, dass Blockbuster-Präsentationen eingefordert werden, ohne die damit verbundenen finanziellen Folgen zu benennen. Wer heute noch nach Picasso, Giacometti und Co. ruft, hat noch nicht begriffen, dass die Organisation solcher Events ein Vielfaches an jenen Kosten generiert, die beim jetzigen Betrieb anfallen. Es darf nicht sein, dass unter dem Titel einer verantwortungsbewussten Kulturpolitik derartig unseriöse und rein populistische Richtungswechsel erörtert werden.

Mit freundlichen Grüssen

Christoph Doswald
Kurator, Vorsitzender Kunst im öffentlichen Raum der Stadt Zürich

Hanspeter Hofmann
Künstler, Basel

Dorothea Strauss
Leiterin Corporate Social Responsability und Kunstsammlung, Die Mobiliar, Bern
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Sehr geehrter Herr Bürgermeister,
Mit der Wortmeldung des Bürgermeisters der Stadt Graz zum Kunsthaus Graz wird die Institution, die in den letzten 10 Jahren international höchst beachtet vorbildliche Arbeit gemacht hat, kulturpolitisch in einer Form in Haft genommen, die völlig inakzeptabel ist. Ein solches Vorgehen beschädigt die hervorragende Arbeit einer bedeutenden Institution und damit auch den Ruf der Stadt Graz als Kulturstandort. Aus einem gut funktionierendem Ausstellungshaus einen Event-Betrieb machen zu wollen ist der Populismus der Unkultur, einem europäischen Kulturland, wie es Österreich ist, nicht würdig!

Mit freundlichen Grüssen
Suzanne Stoll
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Sehr geehrter Herr Mag. Nagl,

ich schreibe Ihnen als, im wahrsten Sinne des Wortes, Betroffene: Ich arbeite seit 10 Jahren für das Kunsthaus Graz und an der Umsetzung seiner Ausstellungen und habe viele Höhen und Tiefen, die das Kunsthaus im Laufe der Jahre erlebt hat, mitgetragen. Nicht zuletzt deshalb empfinde ich tiefe Erschütterung ob der Dreistigkeit, mit der Sie unsere Arbeit und unsere Bemühungen um das Haus – und in diesem Zusammenhang nicht zuletzt um die Stadt – mit Füßen treten. Darauf, dass Ihre Argumentation (wenn man das so nennen kann) jeglicher Reflexion und ersthaften Auseinandersetzung mit den Inhalten des Kunsthauses entbehrt, möchte ich garnicht weiter eingehen – das haben bereits etliche nationale, internationale und lokale Unterstützer/innen für uns gemacht. Ich möchte Ihnen mit diesem Email nur einmal mehr mitteilen, dass das, was Sie offenbar aus reinem politischen Kalkül gerade anzetteln, tiefe Schäden hinterlässt, wie auch immer die Sache ausgehen mag. Ihre offen deklarierte Missachtung der gesellschaftlichen Bedeutung der Kunst irritiert vermutlich nur die Wenigsten; die Gleichgültigkeit, mit der Sie der Stadt Schaden zufügen, indem Sie eine Institution hinterfragen, die IHRE Stadt vor 10 Jahren dem Zweck gewidmet hat, zeitgenössische Kunst zu präsentieren (und damit dem gesamten Kulturbetrieb der Stadt eine Breitseite erteilen), lässt einen jedoch nur sprachlos zurück.
Ich hoffe, Sie wissen noch, warum Sie das tun. Noch lieber wäre es mir, Sie würden Rückgrat beweisen und sich einen schwerwiegenden Fehler eingestehen, bevor es zu spät dafür ist.

Katia Huemer
Kuratorische Assistentin, Kunsthaus Graz

(P.S.: Es ist wirklich schade, dass Sie das 10-Jahres-Fest im vergangenen September ignoriert haben, vielleicht hätten wir uns diese ganze Diskussionen erspart, wenn Sie die Begeisterung, die viele Menschen der Stadt bei diesen Feierlichkeiten für das Haus und sein Programm gezeigt haben, miterlebt hätten.)
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Sehr geehrter Herr Bürgermeister!

Im Namen des Landesverbandes Salzburger Museen und Sammlungen (82 Regionalmuseen), deren Obmann ich bin, sowie im eigenen Namen als Leiter eines Regionalmuseums, ist es mir ein Bedürfnis mich zum Thema Kunsthaus zu äußern.
Leider gibt es gerade sehr beunruhigende Meldungen darüber, dass durch einen Vorstoß Ihrerseits das Kunsthaus Graz aus dem Verband des Joanneum gerissen werden soll, um es zum offenen Veranstaltungs- und Kulturhaus zu machen, welches alle zwei Jahre eine sich ändernde, publikumswirksamere Programmierung erfahren soll. Damit erscheint mir nicht nur das Kunsthaus Graz sondern auch das Universalmuseum Joanneum stark bedroht. Die Aktivitäten im Kunsthaus finden in ganz Österreich Beachtung und sind von höchster Qualität. Daher ist es mir unverständlich, warum Sie – wie derzeit kolportiert wird – diese Institution aus dem Universalmuseum Joanneum herauslösen wollen um die Programmierung “alle ein bis zwei Jahre auszuschreiben”. Ein bedeutender Standort für Gegenwartskunst wäre damit in Gefahr. Aus einem gut funktionierenden Ausstellungshaus einen Eventbetrieb machen zu wollen erscheint mit äußerst fragwürdig. Derzeit ist das Kunsthaus Graz in besten Händen und Peter Pakesch ein Garant für hochwertige Arbeit.
Ich ersuche Sie, auf diese Maßnahme zu verzichten und das Team des Universalmuseum Joanneum weiterhin auf gewohnt hohem Niveau arbeiten zu lassen.

Alfred Huemer
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Sehr geehrter Herr Buergermeister Nagl,

ich wende mich an Sie in Unterstützung des Kunsthaus Graz. Gerade hat es sein 10-jähriges Jubiläum gefeiert. Die 10 Jahre Ausstellungsarbeit, auf die das Kunsthaus bei dieser Gelegenheit zurückblickt, ist eindrucksvoll und einzigartig.

Ich hatte die Ehre im ersten Jahr des Kunsthauses ausstellen zu dürfen. Zusammen mit dem weltbekannten Künstler Sol LeWitt hat Peter Pakesch eine sehr spannende Doppelausstellung kuratiert. Für mich war es eine große Ehre dabei zu sein, für das Kunsthaus war es eine große Ehre LeWitt ausstellen zu können. Warum willigt ein Künstler wie Sol LeWitt, der zu dieser Zeit schon sehr krank war und wusste, dass seine Tage gezählt sind, ein, in einer kleinen Stadt in Österreich auszustellen? Er hatte Angebote von jedem Museum der Welt zu jeder Zeit. Der Grund ist Pakesch, sein Team und das spannende neue Kunsthaus, in dem ein neues Programm entwickelt wird. Da wissen Künstler aller Medien und aller Bekanntheitsgrade, dass dort gute, intelligente, neue und anregende Ausstellungen gemacht werden. Sie wissen, dass den Künstlern zugehört wird und gemeinsam an der Idee Kunst gearbeitet wird. Dass es um Qualität und nicht um Quantität geht. Masse verdirbt die Kunst, ein Kunsthaus ist kein Kaufhaus. Da passiert was anderes und wenn nicht, dann ist es aus mit der Kunst.

Warum sollte sich Graz als alte Kulturstadt so ein außergewöhnliches Gebäude in die Innenstadt stellen und einen der interessantesten Intendanten der Kunstszene anstellen, wenn es der Stadt nicht um Kunst ginge? In Ihrer Analyse liegt scheint’s ein Missverständnis vor. Die Qualität der Ausstellungen und Publikationen sprechen für sich. Man kann nicht ein Kunsthaus mit zweijährig wechselnder Programmierung bespielen. Das zweite Jahr ist immer schon morgen und keiner weiß was los ist. Künstler haben keinen Kontext auf den sie schauen können und Kuratoren kennen sich nicht in die Dinge einspielen. Der wichtige Ruf des Kunsthaus Graz, den Pakesch und sein Team aufgebaut haben wird im Handumdrehen verspielt sein, wenn sie auf solche Mätzchen wie 2-jahres Programme zugehen. Sie unterschätzen was es bedeutet ein Programm zu erarbeiten und bei Künstlern und Kollegen Respekt auf zu bauen. Buergermeister sollten keine Konzepte für Kunsthäuser schreiben genauso wenig wie Künstler die Stadtkasse programmieren sollten. Es ist gut zu wissen, was man kann und wovon man die Finger lassen sollte. Wenn es nur ums Geld geht, gibt es bessere Konzepte Knete einzutreiben als die Stadt und ihre kulturelle Szene zu ruinieren. Kunst, Kommerz und Masse haben nichts miteinander zu tun. Dieses sehr unglücklich Missverständnis haben andere Häuser schon ausgelotet und die Folgen sind verheerend. Bitte überdenken Sie Ihre Idee, am besten streichen sie Sie einfach aus dem
Notizbuch.

Vera Lutter, New York
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Sehr geehrte Damen und Herren!

Trouble in der Bubble!

Ich durfte das Kunsthaus Graz bereits 2003 in seiner Bauphase begehen und kennenlernen. In den letzten 10 Jahren habe ich den Werdegang des Museums  in verschiedenen Taetigkeitsbereichen – vom damaligen Cafe Les Vipères (2003) im Erdgeschoss bis hinauf in die glaeserne Needle – als Kellner, Kuenstler und Besucher intensiv und aktiv miterlebt/verfolgt.
Ich schaetze das Kunsthaus Graz am Kai sehr. Als urbaner Reibungspunkt punktete es fuer mich von Anfang an mit seiner experimentellen Architektur und seinem mannigfaltigen Ausstellungsprogramm. Als spannender und zugleich schwieriger Ausstellungsort fuer bildende Kunst hat sich das Kunsthaus international ueber die Jahre eine herausragende Reputation erarbeitet.

Kassenschlager ohne Kasse?
Wo kein Geld in der Tasche sitzt, kann auch nicht gezaubert werden. Vielleicht sollten Sie einmal einen Gestaltungsprozess einer einzigen Ausstellung hinter den Kulissen mitverfolgen, um einen Eindruck zu bekommen, wie schwierig und kostspielig es sein kann, Kunst von anderen Museen oder aus Privatsammlungen auszuleihen oder gekonnt strategisch Faeden zu ziehen, um komplexe kuratorische Konzepte umzusetzen. Viele kritische Stimmen kennen wahrscheinlich nicht einmal das Foyer von diesem so wundersamen Haus am Lendkai 1. Das Verstaendnis von Kunst erfordert Partizipation. Es reicht nicht, Statistiken zu bewerten und aus alten Geschichtsbuechern Namen wie z.B. Roy Lichtenstein als scheinbaren Publikumsmagneten fuer das KH auszugraben.
Ich unterstuetze Herrn Peter Pakesch und sein gesamtes Team mit voller Kraft!
Zerstoerung kann schoen sein, in diesem Fall findet sie leider am falschen Platz statt.

No means no.
Clemens Hollerer
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Sehr geehrter Herr Bürgermeister Mag. Nagl,
sehr geehrter Herr Kulturlandesrat Dr. Buchmann,
The recent proposed changes for the Kunsthaus Graz as presented in the press were a real surprise for me. I’m working for more than 30 years the in the cultural sector and can’t understand nor comprehend how such a decision is made. The Kunsthaus Graz is a cultural institution known all over the world for its intelligent and consistent programming and this announcement nullifies its achievement and contribution to Graz and Austria over the years. How can such an important Kunsthaus be closed without any serious discourse or dialogue in favour of short term political sound bites. A space which creates cultural awareness within a country is critical and a political important objective in order to build up an audience for a society which is not be called in the end the passive “feedback” generation. I always thought that my roots stems from the cultural surrounding in my country and that this is the power behind my engagement here in Abu Dhabi creating and developing one of the most dynamic cultural hubs. I would instantaneously require that you respect the opinion of the cultural community – being part of a society as well -in order to sustain the diversity in your beautiful city.
For the ARTS!

Verena Formanek
Senior Manager
C/o Guggenheim Abu Dhabi Museum Project
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Einer kluge Kulturpolitik des Landes und der Stadt über Jahrzehnte ist es gelungen Graz — nicht gerade eine Metropole — nachhaltig auf der internationalen Landkarte bildender Kunst und Kultur zu verankern Es stimmt traurig, jetzt gerade aus dieser Stadt sehr provinzielle kulturpolitische Misstöne hören zu müssen.. Ein über Jahrzehnte erarbeiteter Ruf, zu dem zuletzt auch das Kunsthaus einen wichtigen Beitrag geleistet hat, wird mutwillig durch öffentliche populistische Spekulationen aufs Spiel gesetzt. Das kommt, trotz gegenteiliger Beteuerungen der Politik, selbstverständlich einer Abwertung und Diskriminierung der im Kunsthaus geleisteten seriösen Arbeit gleich.

Auf welchem Niveau sich eine angekündigte offene, demokratische Diskussion über das Kunsthaus abspielen würde, lässt sich aus bereits getroffenen öffentlichen Äußerungen politischer Proponenten erahnen. Der Vorschlag des Bürgermeister auf  Bestellung von wechselnden Unterhaltungszampanos für ein bis zwei Jahre ist so erschreckend realitätsfremd wie der Wunsch eine Kultursprecherin nach einer Roy Lichtenstein Ausstellung oder ähnlichen Highlights. Offensichtlich haben solche „Vordenker“ nicht die geringste Ahnung welche Vorlaufzeiten ernst zu nehmende Kulturveranstaltungen haben,  schon gar nicht von einer konsistenten Programmplanung oder davon was eine Roy Lichtenstein Ausstellung kosten würde. Für Letztere wäre übrigens der international bestens vernetzte Peter Pakesch einer der wenigen, der sie zu Stande bringen könnte. Glücklicherweise will er das so wenig, wie die Politikerin das Ausstellungsbudget des Kunsthauses erhöhen — dessen Architektur übrigens gerade für eine solche „klassische“ Programmatik völlig ungeeignet ist. Es sollte auch über der äußeren Attraktivität  des Kunsthauses als touristisches Fotomotiv dessen äußerst problematische innere Funktionalität nicht vergessen werden. Und, und, und . . .
Kulturpolitik über die „die Stimme des Volkes“ machen zu wollen, ist deren Bankrotterklärung. Besonders kulturpolitische Weichenstellungen müssen unter Einbeziehung von Experten gründlich vorbereitet und argumentiert werden, bevor sie einer öffentlichen Diskussion ausgesetzt werden. Die qualifizierte Öffentlichkeit gerade für die zeitgenössische Kunst ist bekanntlich sehr klein, der Spielraum für Demagogie entsprechend sehr groß. Noch ist es nicht zu spät für eine Schadensbegrenzung. Auch eine Entschuldigung bei Peter Pakesch wäre angebracht.

Edelbert Köb
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Sehr geehrter Bürgermeister Mag. Nagl,
Ich habe mit Interesse die Pressemitteilungen verfolgt die in letzter Zeit bezüglich dem Kunsthaus Graz erschienen sind. Aus europäischer Sicht hat das bisherige Programm des Kunsthauses Graz auf die kulturelle Landkarte gesetzt und so, international Bekanntheit verschafft. Mit Ihrer Wortmeldung zum Kunsthaus Graz wird die Institution, kulturpolitisch in einer Form in Haft genommen, die völlig inakzeptabel ist. Ein solches Vorgehen beschädigt die hervorragende Arbeit einer bedeutenden Institution und damit auch den Ruf der Stadt Graz als Kulturstandort. Plötzlich das Konzept eines gut funktionierendem Ausstellungshauses radikal zu ändern und daraus einen Event-Betrieb zu machen wäre nicht nur kurzsichtig, sondern höchst bedauernswert und einem europäischen Kulturland wie es Österreich ist, nicht würdig!

Freundliche Grüsse,
Iwan Wirth
Galerie Hauser & Wirth
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sehr geehrte damen und herren!

Mit der Wortmeldung des Bürgermeisters der Stadt Graz zum Kunsthaus Graz wird die Institution, die in den letzten 10 Jahren international höchst beachtet vorbildliche Arbeit gemacht hat, kulturpolitisch in einer Form in Haft genommen, die völlig inakzeptabel ist. Ein solches Vorgehen beschädigt die hervorragende Arbeit einer bedeutenden Institution und damit auch den Ruf der Stadt Graz als Kulturstandort. Aus einem gut funktionierendem Ausstellungshaus einen Event-Betrieb machen zu wollen ist der Populismus der Unkultur, einem europäischen Kulturland, wie es Österreich ist, nicht würdig!

gilbert bretterbauer
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Sehr geehrter Herr Bürgermeister,

aus den Medien haben wir von Ihren Plänen erfahren, das Kunsthaus Graz aus dem Verband des Universalmuseums Joanneum auszugliedern und neu auszurichten, dem Vernehmen nach mit wechselnder Leitung. Ihren Vorschlag, das Kunsthaus Graz den verantwortlichen Museumsfachleuten eines erfolgreichen Kulturunternehmens zu entziehen, halten wir für bedenklich. Seit seiner Gründung hat sich das Kunsthaus Graz als wichtige und spannende
Institution in der zeitgenössischen Kunst nicht nur regional, sondern auch international bestens positioniert und etabliert. Nun besteht die Gefahr, dass dieser renommierte, in einen größeren Kontext einer wissenschaftlichen Anstalt eingebundene Kulturbetrieb mit ambitionierter Programmierung, durch vorschnelle politische Entscheidungen seiner Kontinuität beraubt wird. Mit einer Ausgliederung aus dem erfolgreichen Kulturbetrieb des Universalmuseums Joanneum würde die engagierte Aufbauarbeit seit der Gründungsphase dieses Hauses zunichte gemacht. ICOM Österreich, als Nationalkomitee Teil dieser UNESCO-assoziierten internationalen Museumsorganisation, warnt daher vor einer tagespolitisch motivierten Umstrukturierung, wie sie in den Medien kolportiert wurde. Wir ersuchen um Klarstellung bzw. einen öffentlichen Diskurs zu diesem Thema. Gerne bieten wir uns dabei als fachlich orientierter Dialogpartner an und freuen uns auf Ihre Rückmeldung.

Mit freundlichen Grüßen
Dr. Danielle Spera
Präsidentin ICOM-Österreich
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Sehr geehrter Herr Bürgermeister,

es ist zu begrüßen, dass Sie sich auch mit der Kunst beschäftigen und Vorschläge für die Struktur eines Museums machen. Allerdings vermisse ich bei Ihnen die nötige Fachkenntnis und eine vehemente Zuneigung zur zeitgenössischen Kunst. Mit Ihrem Wunsch, das Kunsthaus Graz alle zwei Jahre einem profilierten Leiter zu übertragen, kann ich beim besten Willen nichts anfangen. Es erforderte einen unnötigen Aufwand, ein Gremium zu bilden, welches über den jeweiligen kurzzeitigen Leiter des Museums bestimmt.
Ihre “Grazer Lösung” würde auch international negatives Aufsehen erregen. Peter Pakesch hat mit zahlreichen Ausstellungen bewiesen, dass unter seiner Direktion das Kunsthaus Graz und somit auch das Universalmuseum Joanneum im In- und Ausland hohes Ansehen genießt. Die zeitgenössische Kunst kann und soll nichts mit dem Populismus zu schaffen haben, ansonsten der Bau eines Kunstmuseums gegen seine Zielrichtung errichtet würde. Ich habe selber erleben müssen, dass unter dem Druck einer deutschen Stadtregierung dem Direktor des dortigen Museums für Moderne Kunst ein populäres Programm aufgezwungen wurde. Also gab es keine Brus-Ausstellung, sondern eine Schau mit Fotos von Gunter Sachs. So ersuche ich Sie, Ihre Vorschläge eingehend zu überprüfen und auf die Stimmen der Kenner dieser Materie zu hören.

Mit freundlichen Grüßen
Günter Brus
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Sehr geehrter Herr Bürgermeiser Mag. Nagl,

Da mich in Basel die Kunde von einer möglichen Loslösung des Kunsthauses Graz aus dem Universalmuseum Joanneum erreicht hat, erlaube ich mir, Ihnen hierzu einige Zeilen zu schreiben.
Ich kenne Prof. Peter Pakesch von seiner “Zeit” als Direktor der Kunsthalle Basel bestens und bin mit seiner Ausstellungstätigkeit deshalb gut vetraut. Peter Pakesch hat in Basel einen hervorragenden Job gemacht, der von allen Kunstinteressierten der Stadt und auch den Behörden aufs Höchste geschätzt wurde. Er hat es verstanden, moderne Kunst einem weiten Publikum zugänglich zu machen. Dies einerseits durch die sorgfältig gestalteten und immer hervorragend dokumentierten Ausstellungen und andererseits aber auch durch seine persönliche Strahlkraft – die uns in Basel immer noch abgeht. Es ist sehr wichtig, dass die Ausstellungspolitik der bildenden Künste von privaten Trägerschaften und nicht von staatlichen Stellen getragen wird. Dies war in Basel immer eine Maxime die auch weiterhin so bestehen bleiben wird. Als Politiker im Grossen Rat des Kantons Basel-Stadt und als Mitglied der Kunstkommission (Aufsichtsrat) des Kunstmuseums Basel habe ich einen tiefen Einblick in die hiesige Kulturpolitik und setze ich mich mit Kräften dafür ein, dass sie staatsunabhängig bleibt und sich entsprechend weiterentwickeln kann.
Auch hier wurde übrigens im Rahmen der Vernehmlassung des neuen Kulturleitbildes der Stadt Basel darüber diskutiert, ob die Besucherzahlen ein Kriterium für die staatliche Unterstützung sein sollten. Dies wurde nach eingehender Diskussion klar abgelehnt und das Kulturleitbild entsprechend angepasst, dass dies nicht der Fall ist.
Ich habe also die Hoffnung, dass das Kunsthaus Graz im Rahmen des Universalmuseums Joanneum weiterhin als eine staatsunabhängige Institution seine ausgezeichnete Arbeit fortführen wird können.
Gerne stehe ich Ihnen für weitere Auskünfte zur Verfügung und danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.

Mit freundlichen Grüssen
Dr. H. Vischer
Grossrat Kanton Basel-Stadt
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Sehr geehrter Herr Bürgermeister,
sehr geehrter Herr Landesrat,

Gestatten Sie mir, mich zu den Überlegungen zu äußern, eine mögliche Neuausrichtung des „Kunsthaus Graz“ betreffend, zu denen ich in der „Kleinen Zeitung“ lese. Sie werden sich vielleicht fragen, was mich als in Frankreich und Deutschland lebenden und arbeitenden Kunstkritiker und Prorektor der Kunstakademie Düsseldorf motiviert, mich zu diesen Überlegungen zu äußern.

In Wien geboren, bin ich weiterhin österreichischer Staatsbürger und alle meine Verwandten leben, wie es auch für meine Eltern ursprünglich der Fall war, in Graz, wo ich nicht nur deshalb immer noch regelmäßig bin. Die Überlegungen über eine mögliche Neuausrichtung des „Kunsthaus Graz“, wie sie in der Presse berichtet werden, erscheinen mir als höchst gefährlich für den Fortbestand einer internationalen Präsenz des Kunst- und Museumsstandortes Graz. Das „Kunsthaus Graz“ aus dem Verband des Joanneum herauszulösen, macht aus dem Ausstellungshaus ein Haus ohne Kunstsammlung im Hintergrund, was es sehr schwierig macht, Ausstellungen auf internationalem Niveau im heutigen Museumszusammenhang des frühen 21. Jahrhunderts zu organisieren, da Leihgaben immer schwieriger zu haben sind und das ohne Leihgaben, die man selbst nach außen geben kann, nahezu unmöglich wird. Das Programm und die Verantwortlichkeit des „Kunsthaus Graz“ alle zwei Jahre neu auszuschreiben, verurteilt das Haus zu einem Schattendasein, weil die Kollegen in der internationalen Museumswelt verlässliche, vertraute und dauerhafte Verantwortliche in einem Haus brauchen, wenn sie entscheiden, ob sie wichtige Leihgaben zusagen oder nicht. Eine solche Maßnahme wäre für die internationale Präsenz des „Kunsthaus Graz“ fatal. Ich bereite derzeit eine große Ausstellung für das „Grand Palais“ in Paris vor. Bei den Überlegungen, wem man die Ausstellung zur Übernahme anbieten könnte, fiel – von Seiten der französischen Kollegen wohlgemerkt – sehr rasch der Name des „Kunsthaus Graz“, weil man auf Grund der nunmehr bereits langen und bruchlosen Aufbauarbeit mit diesem Haus das internationale Image als verlässlicher Partner und wichtiger Global Player verbindet. Maßnahmen, wie sie in der Grazer Presse kolportiert wurden, würden sofort zum Rückzug eines Kooperationsangebots von Seiten des Pariser Hauses führen, für das ich bei dieser Ausstellung tätig bin. Auf Grund meiner familiären Verbundenheit mit Graz wollte ich Ihnen diese Überlegungen zur Kenntnis bringen.

Mit vorzüglicher Hochachtung,
Prof. Dr. Robert Fleck
Kunstakademie Düsseldorf/Prorektor/Professur “Kunst und Öffentlichkeit”
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Anstelle Ihrer Polemik, die leider fehlende Kompetenz vermuten lässt – Fragen der Kunst oder die Leitung eines Museums richtig einzuschätzen –, wäre es klüger, vor allem aber um ein Vielfaches produktiver, wenn Sie sich in Ihrer Funktion als Grazer Bürgermeister Gedanken darüber machen würden, wie Sie die international aus gutem Grund hoch angesehene Arbeit des Grazer Kunsthauses, seines Leiters Peter Pakesch mit seinem Team unterstützen könnten, anstatt es in populistischer Weise derart zu desavouieren.
Michael und Sabine Kienzer
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Sehr geehrter Herr Nagl,
Mit dieser E-Mail möchten wir unsere grosse Sorge über die jüngsten Entwicklungen im Zusammenhang mit dem Kunsthaus Graz ausdrücken.
In den letzten zehn Jahren haben wir das Kunsthaus Graz zu schätzen gelernt als eine der herausragenden europäischen Institutionen für moderne und zeitgenössische Kunst. Nicht nur ein Publikum aus Graz und der Region, sondern auch ein grösseres europäisches Publikum schätzt das Programm des Kunsthauses, denn es hat ein sehr interessantes Ausstellungsprogramm und ein kompetentes Team für die Vorbereitung und Realisierung dieser Präsentationen. Vor kurzem haben wir mit dem Kunsthaus an der heutigen Lissitzky – Kabakov Ausstellung gearbeitet und waren erfreut, dort so viele professionelle und ausgezeichnete Kollegen zu finden. Auch Ilya und Emilia Kabakov, renommierte Künstler, die an Kunstprojekten auf der ganzen Welt arbeiten, waren mit dieser Zusammenarbeit mehr als zufrieden. Was alarmierend ist an den jüngsten Plänen für das Grazer Kunsthaus, ist der Vorschlag, sich auf Blockbuster zu konzentrieren. Quantität vor Qualität zu stellen hat noch nie zu einem Ausstellungsprogramm geführt, dass einen nachhaltigen Effekt für verschiedene Besuchergruppen mit sich bringt. Mit guter Kommunikation und einem zugänglichen Bildungsprogramm kann man jedoch auch für anspruchsvolle Ausstellungen die Besucheranzahlen und die Besuchsqualität vergrössern, ohne Abstriche bei der internationalen Reputation in Kauf nehmen zu müssen. Abgesehen von der Tatsache, dass Blockbuster in den meisten Fällen nicht sehr subtil und raffiniert sind, sind sie auch sehr teuer – und somit ein enormes finanzielles Risiko. Aber das ist nicht der einzige Grund, warum das Programm des Kunsthauses nicht aus Blockbustern bestehen sollte: eine reiche Vielfalt an Ausstellungen zeitgenössischer Kunst dient einem lokalen und internationalen Publikum viel besser. Wir haben sehr erfolgreich mit dem Kunsthaus in der Vergangenheit zusammengearbeitet aufgrund der Reputation und Vertrauen, das sie in den letzten zehn Jahren gebaut haben. Es ist offensichtlich, dass ein solche Reputation und Vertrauen in veränderten Umstände verschwinden sollte und deshalb ernsthaft eine zukünftige Zusammenarbeit mit dem Kunsthaus gefährden.
Wir sind überzeugt, dass Peter Pakesch und seine Mitarbeiter sehr gut in der Lage sind, genau so ein Programm zu bieten und dass die Stadt Graz stolz auf sie sein sollte.

Mit freundlichen Grüssen,
Direktion und Kuratoren Van Abbemuseum
Charles Esche – Director
Ulrike Erbslöh – Deputy Director
Christiane Berndes – Head of Collections and Curator
Diana Franssen – Head of Research and Curator
Annie Fletcher – Curator
Nick Aikens – Curator
Willem Jan Renders – Curator
Steven ten Thije – project leader L’Internationale and Curator
Antoine Derksen – Head of Production and Presentation
Daniel Neugebauer – Head of Marketing, Mediation and Fundraising
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Sehr geehrter Herr Bürgermeister:
Ihnen ist etwas zu viel Kultur in der Kulturhauptstadt — gütig
zu uns Überdrehten, daß Sie gegensteuern wollen. Obs dem Land — und
Ihnen! — wirklich nutzen wird?

Ihr ergebenster nicht-ÖVP-Wähler
Oswald Wiener
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Mit der Wortmeldung des Bürgermeisters der Stadt Graz zum Kunsthaus Graz wird die Institution, die in den letzten 10 Jahren international höchst beachtet vorbildliche Arbeit gemacht hat, kulturpolitisch in einer Form in Haft genommen, die völlig inakzeptabel ist. Ein solches Vorgehen beschädigt die hervorragende Arbeit einer bedeutenden Institution und damit auch den Ruf der Stadt Graz als Kulturstandort. Aus einem gut funktionierendem Ausstellungshaus einen Event-Betrieb machen zu wollen ist der Populismus der Unkultur, einem europäischen Kulturland, wie es Österreich ist, nicht würdig!

Albert Oehlen
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Sehr geehrte Frau Rücker, sehr geehrter Herr Nagl und Herr Dr. Buchmann,
Ich habe mit Verwunderung von der Idee gelesen, alle zwei Jahre ein ganz neues Programm mit neuen Kuratoren für das Kunsthaus Graz auszuschreiben – wenn ich die Meldung in der “Kleinen Zeitung” richtig verstehe.
Ich durfte im “Friendly Alien”  2011 eine grosse Ausstellung zeigen, die “Gimel-Welt”, die in der Vorbereitung drei Jahre gebraucht hat. In dieser Zeit wurde ich von Peter Pakesch, Adam Budak und Katia Huemer auf eine Weise begleitet, die ungeheuer produktiv und wunderbar professionell war. Die inhaltliche wie ausstellungstechnische Zusammenarbeit war die bestmögliche und hat es damit auch mir als Künstlerin ermöglicht, meinerseits mein Bestes zu geben. Wir hatten sehr viele Besucher, sehr viel Presse, und bis heute bekomme ich positive Rückmeldungen. Ich bin immer wieder erstaunt, wie viele Menschen die Ausstellung gesehen oder zumindest über sie gelesen haben. Es enstand ein sehr schöner Katalog, den ebenfalls sehr viele Menschen kennen oder auch gekauft haben. Mit dem Kunsthaus Graz hat Graz eine in jeder Hinsicht internationale Institution, die weit über die Besucher der Stadt selbst hinaus Publikum anzieht.

Ich denke, dass das Kunsthaus Graz seine Aufgabe hervorragend erfüllt: Kunst zu ermöglichen, die es ohne die Initiative des Kunsthauses Graz nicht gäbe; anderseits bereits wichtige bereits existierende Kunst auszustellen und durch Publikationen zu kontextualisieren, die sowohl das grosse Publikum anspricht wie auch den Experten neue Blicke ermöglicht. Alle zwei Jahre ein ganz neues Team aufzustellen, würde bedeuten, diese gründliche und ernsthafte Arbeitsweise unmöglich zu machen, auf der die Ausstellungen basieren; ausserdem bedeutet es, alle gewachsenen Strukturen, die reibungslosen Abläufe in so einem grossen Haus zu durchbrechen. Diese Idee bildet für mich die Struktur einer der der unzähligen Biennalen oder Kunstmessen ab, die rund um den Globus stattfinden und schnell zusammengewürfelt werden, ohne dass nachhaltige lokale Bezüge möglich sind, da sowohl  die KünstlerInnen wie die KuratorInnen nicht länger als ein paar Monate wirklich vor Ort arbeiten. Es hat für mich das Programm des Kunsthauses ausgezeichnet, neben der Ausstellung sehr wichtiger, internationaler Positionen immer wieder auch projektweise lokale Bezüge zu ermöglichen, die in direktem Kontakt mit den anderen Sammlungen des Universalmuseums Joanneums stehen. Meiner Ansicht nach würde der neue Plan dem  Kunsthaus Graz seine Identität, sein Schwergewicht, sein Ansehen als einer der wichtigsten Institutionen im deutschsprachigen Raum nehmen und es zu einem austauschbaren Ort machen.

Mit freundlichen Grüssen,
Antje Majewski
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Sehr geehrtes Joanneum, sehr geehrter Herr Pakesch,

ich bin ganz Ihrer Ansicht, dass mit der Wortmeldung von Bürgermeister Nagel die Institution, die in den letzten 10 Jahren international höchst beachtet vorbildliche Arbeit gemacht hat, kulturpolitisch in einer Form in Haft genommen wird, die völlig inakzeptabel ist. Ein solches Vorgehen beschädigt die hervorragende Arbeit einer bedeutenden Institution und damit auch den Ruf der Stadt Graz als Kulturstandort. Aus einem gut funktionierendem Ausstellungshaus einen Event-Betrieb machen zu wollen ist der Populismus der Unkultur, einem europäischen Kulturland, wie es Österreich ist, nicht würdig!

Mit freundlichen Grüßen
Franz Josef Czernin, Schriftsteller, Träger des Landeskulturpreises Steiermark für Literatur.
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Gegen den Vorschlag von Herrn Bürgermeister Nagl, aus dem international
renommierten Kunsthaus Graz – aus welchen Gründen auch immer – einen
Event-Betrieb zu machen, muss ich auf das Ausdrücklichste protestieren !!
Die Stadt Graz hatte anlässlich des europ. Kulturhauptstadtjahr 2003 nach
langen Standortüberlegungen endlich den jetzigen Platz festgelegt und mit
der Architektur von Cook/Fournier einen landmark gesetzt, um diesen mit den
dafür gebührenden Inhalten zu füllen. Es ist ganz einfach unpackbar weil
unprofessionell, wenn andere, als die bisher gezeigten, weit über die
Grenzen Österreichs geschätzen und wahrgenommenen, qualitativ hochwertigen
Ausstellungen zur zeitgenössischen Kunst in dieses Haus einziehen.

Viktor Bucher
projektraum viktor bucher
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Sehr geehrter Herr Bürgermeister Mag. Nagl,
I am writing to express my full support to Peter Pakesch in his struggle to save the Kunsthaus from the appetites of the Philistines. Regrettably, it appears that you and those currently at the top of the political power structure in Graz are still failing to understand the unique intellectual, cultural and artistic significance of the museum. Even during the design process, when the project, still in its infancy, was starting to draw international attention and to receive a considerable amount of praise as an innovative piece of architecture, the city’s decision makers already attempted to cut its wings. Even though the building was within budget, the city asked, in the interest of economy, if its characteristic double-curvature skin could be reduced to a system of flat cladding panels (“gerade Plexiglas” was the term used). It was only when I pointed out that such a decision, if it were to be imposed, would instantly expose the city to international ridicule that the city reluctantly backed off.

Yet, ten years later, you are planning, once again, to flatten the Kunsthaus. You pay no attention to the fact that Peter Pakesch, in his decade as Director of the Kunsthaus, has succeeded in achieving for the museum a unique position as one of the most respected institutions on the international art scene, as evidenced by the considerable amount of respect and support he is now receiving from his peers all over the world for his determination to save the Kunsthaus.

Having recently been president of the jury on the international design completion for the new M+ museum in Hong Kong, I am very much aware of the courage it takes to create an art institution in a city that is known more for its commercial greed rather than for its cultural ambitions: it would be a scandal if the Graz Museum, which Peter Pakesch has succeeded in putting on the world map of high profile museums, were to have its wings cut off in the interests of commerce and a pathetic ideology of populism that, in a city as culturally sophisticated as Graz, is an insult to the intelligence of the population. You will be ridiculed if you persist in implementing your plans and the city of Graz, which I dearly love, will be perceived internationally, because of the myopia of its miserable banana republic government, as nothing more than a banal provincial town. In the name of art, culture and basic intelligence, I trust that you fulfil your duties as maire with more respect for the fundamental rights of the population in your care.
Yours sincerely,
Professor Colin Fournier,
Co-author, in partnership with Professor Sir Peter Cook, of the Graz Kunsthaus.
Hong Kong, 03.05.2014
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Mit der Wortmeldung des Bürgermeisters der Stadt Graz zum Kunsthaus Graz wird die Institution, die in den letzten 10 Jahren international höchst beachtet vorbildliche Arbeit gemacht hat, kulturpolitisch in einer Form in Haft genommen, die völlig inakzeptabel ist. Ein solches Vorgehen beschädigt die hervorragende Arbeit einer bedeutenden Institution und damit auch den Ruf der Stadt Graz als Kulturstandort. Aus einem gut funktionierendem Ausstellungshaus einen Event Betrieb machen zu wollen ist der Populismus der Unkultur, einem europäischen Kulturland, wie es Österreich ist, nicht würdig.

Barbara Oeggl
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Sehr geehrter Herr Bürgermeister,
mit Erstaunen habe ich von Ihrem Ansinnen gehört, das Kunsthaus Graz in eine Event-Burg zu verwandeln. Es verwundert mich immer wieder, dass Politiker nicht den Rat von Künstlern einholen, das ist so als würde eine Klinik ohne ärztliche Expertise gebaut oder umfunktioniert werden. Es gibt in Österreich vier neue Bauten für die Gegenwartskunst, Museum der Moderne Salzburg, Kunsthaus Bregenz, Lentos Linz und Kunsthaus Graz. Eine Umwandlung eines dieser Häuser in einen kurzlebigen Veranstaltungsort wäre ein fatales Signal nicht nur für ganz Österreich, sondern weit über die Landesgrenzen hinaus. Sie können ganz sicher sein, dass ein derartiges Vorgehen in der internationalen Presse ein unrühmliches Licht auf die ehemalige Kulturhauptstadt werfen würde. Wir österreichischen KünstlerInnen sind ohnedies mit einer stark auf Wien bezogenen Kulturpolitik konfrontiert und können es uns nicht leisten, auf einen so wichtigen, und für die Gegenwartskunst konzipierten Kunstraum zu verzichten. Auch Graz kann es sich nicht leisten, auf wichtige nationale und internationale KünstlerInnen zu verzichten. Wir KünstlerInnen planen Ausstellungen ein bis zwei Jahre im Voraus, ihr Vorschlag würde also bedeuten, dass im zwei Jahresrhythmus die neuen Leiter jeweils das Programm ihrer Vorgänger erledigen dürfen. Klingt nicht sehr erfolgversprechend und ich bezweifle dass sich hierfür qualifizierte Kräfte finden ließen – aber irgend jemand findet sich ja bekanntlich immer. Dazu glaube ich, dass der Zenit der Eventkultur schon seit einiger Zeit überschritten ist und eine Übersättigung der Spaß- und Unterhaltungsgesellschaft zu beobachten ist. Seit geraumer Zeit haben sich, aufgrund der immer knapper werdenden öffentlichen Mittel, die meisten Ausstellungshäuser ohnehin diversen „Konzernen“ und Sponsoren gegenüber geöffnet, um deren Veranstaltungen den Rahmen der internationalen Gegenwartskunst zu bieten. Dieser Rahmen eines seriös und auf hohem Niveau geführten Kunsthauses ist durchaus gewünscht und wird geschätzt. Mit anderen Worten – die wollen auch in kein Veranstaltungszentrum! Nach 40 Jahren im Ausstellungsbetrieb kann ich Ihnen nur den Rat geben die Qualitäten ihrer Stadt zu schätzen und zu schützen und nicht an eine schnelllebige Event-Kultur preiszugeben. Graz hat bisher einen hervorragenden Ruf in der Gegenwartskunst – gefährden Sie ihn nicht!

Hans Weigand
Künstler
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Mit der Wortmeldung des Bürgermeisters der Stadt Graz zum Kunsthaus Graz wird die Institution, die in den letzten 10 Jahren international höchst beachtet vorbildliche Arbeit gemacht hat, kulturpolitisch in einer Form in Haft genommen, die völlig inakzeptabel ist. Ein solches Vorgehen beschädigt die hervorragende Arbeit einer bedeutenden Institution und damit auch den Ruf der Stadt Graz als Kulturstandort. Aus einem gut funktionierendem Ausstellungshaus einen Event-Betrieb machen zu wollen ist der Populismus der Unkultur, einem europäischen Kulturland, wie es Österreich ist, nicht würdig!

MFG
Evelyn Loschy
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Sehr geehrter Herr Bürgermeister!
Nach der erfolgreichen Neuorganisation des Joanneums, dessen Kernstück das Kunsthaus darstellt, habe ich am 26.4. in der Kleinen Zeitung mit Verwunderung von der Idee gelesen dieses internationale Juwel wieder herauszubrechen. Alles für eine Erhöhung der Besucherzahlen, Alles gegen eine Provinzialisierung bzw. Trivialisierung!

Mit freundlichem Gruß
Karl Crailsheim
DEKANAT DER NATURWISSENSCHAFTLICHEN FAKULTÄT
Karl Franzens Universität
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Sehr geehrter Herr Bürgermeister, sehr geehrte Frau Kulturstadträtin, sehr geehrter Herr Kulturlandesrat,
die kulturpolitische Instrumentalisierung des Kunsthauses Graz wie sie in den steirischen Medien zu lesen ist, verkennt die Wichtigkeit von Kunst und Kultur in der Demokratie. Sie braucht Orte wie das Kunsthaus Graz, das frei ist von Zugriffen und Einflussnahmen. Denn nur dann kann Kunst und Kultur ermöglicht werden – und zwar eine Kunst und Kultur, die nicht von unserer ökonomisierten Zeit bestimmt wird, sondern selbst unsere Zeit bestimmt. Dafür bedarf es auch die programmatische Handschrift und Verantwortung eines leitenden Direktors. Die Berichterstattung in den Medien ist nicht zuletzt deshalb auch nicht nachvollziehbar, da das Ausstellungsprogramm des Kunsthauses Graz seit vielen Jahren international eine sehr hohe Reputation genießt. Das konnte ich während meiner langjährigen Tätigkeit als Direktorin des Kölnischen Kunstvereins und im Zusammenhang mit meiner internationaler Tägigkeit als freier Kuratorin und der damit verbundenen Außenansicht feststellen. In seiner breit angelegten Programmatik – erste große Einzelausstellung von international viel beachteten Künstlern in Österreich (Cerith Wyn Evans, Michel Majerus, Romuals Hazoumé, u.a.), interessante Zusammenarbeit mit internationalen Ausstellungshäusern, wie dem MUMOK in Wien (John Baldessari), ungewöhnliche Konstellationen von international etablierten Künstlern und Künstlerinnen wie aktuell El Lissitzky und Ilya Kabakov, die einen neuen Blick auf die moderne und zeitgenössische Kunst ermöglichen, hat sich das Kunsthaus Graz ein unverwechselbares Profil
innerhalb der ansonsten sehr homogen österreichischen und internationalen Museumslandschaft erarbeitet. Dies hat sicherlich wesentlich auch zu Stärkung des Standortes Graz beigetragen.

Mit freundlichen Grüßen
Kathrin Rhomberg
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Sehr geehrte Herr Bürgermeister,
aus den Medien habe ich mit großen Erstaunen erfahren, dass Sie eine Ausgliederung des Kunsthauses Graz aus dem Universalmuseum Joanneum öffentlich durchdenken.
Nicht nur als eine im zeitgenössischen Kunstbereich arbeitende Projektmanagerin und Wissenschaftlerin, hat mich diese Überlegung sehr verwundert. Das Kunsthaus in eine charakterlose Hülle für eine alle zwei Jahre wechselnde Programmierung umzufunktionieren, erscheint mir äußerst problematisch. Dies würde nicht nur die Konzeption eines stringentes Programmes verhindern, sondern ist schlichtweg nicht mit der Realität eines seriös arbeitendes Ausstellungshauses zu vereinen. Darüber hinaus ist es umso bedenklicher, die Ausschreibung des Programmes auch für Konzerne zugänglich zu machen. Dies würde nicht nur eine kontinuierliche Arbeit von Experten vereiteln, sondern das Kunsthaus würde auch jegliche Objektivität und Glaubwürdigkeit einbüßen. Die Qualität des Programms an Besucherzahlen zu messen, zeugt vom Unverständnisses des Bildungsauftrags, das das Kunsthaus Graz verfolgt. Und selbst, es ist unseriös die Besucherzahlen aus dem Jahr 2003 mit denen aus 2013 zu vergleichen, da es hier vielmehr um Nachhaltigkeit sowie um Bildung geht und nicht um Blockbuster und einmalige Events. Veranstaltungen und oberflächliche Unterhaltung haben nichts gemein mit einem qualitativ hochwertigen Kunstprogramm, wie es das Kunsthaus Graz (derzeit noch) anbietet. Das Renommee des Kunsthauses und seine Funktion als Plattform und Reflexionsraum für nationale und internationale Kunst würde mit einer Ausgliederung, wie Sie es vorschlagen, mit einem Schlag zerstört werden. Das über Jahre aufgebaute Profil sowie die immer wiederkehrenden BesucherInnen (und die gibt es!) würden ebenso verloren gehen. Abgesehen davon ist der Synergieeffekt, den das Kunsthaus Graz mit den anderen Institutionen des Universalmuseums Joanneum eingeht, sowohl auf finanzieller als auch personaltechnischer Ebene vorteilhaft und würde durch eine Ausgliederung zerstört werden. Ich bitte Sie daher, Herr Mag. Nagl, Ihre Pläne für das Kunsthaus Graz beiseite zu schieben.
Beste Grüße,
Dr. Karin Mihatsch
(researcher und project manager / Graz, Paris)
Paris, 4.5.2014
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Dear Mayor Mag. Siegfried Nagl
I would like to join the protest against intended change of artistic status of Kunsthaus Graz. I, as an internationally active artist and university(UMPRUM-Academy of Arts Architecture and Design) professor in Prague, Czech republic, always considered Kunsthaus Graz internationally recognized artistic institution that is setting standards in international cultural context. I personally don’t live in Austria, but having many friends among Austrian artists, gallerists and curators and having several exhibitions of my own in Austria (including Graz), I would like to express my disagreement  with intended „transformation“ of Kunsthaus Graz.

Best regards
Prof. Jiri David, Prag
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Das Grazer Kunsthaus aus dem Verband des Joanneums herauszureissen und zu offenen Veranstaltungs-und Kulturhaus zu machen, ist, im Sinne von Qualitaet und nachhaltig denkender Gesellschaftsentwicklung und Wertung nach Zahlen, eine mehr als bedenkliche Forderung!

Astrid Rauch
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Sehr geehrte Damen und Herren,
die letzten Überlegungen des Oberbürgermeisters der Stadt Graz, das prestigeträchtige Kunsthaus vom Universalmuseum zu trennen, haben mich doch etwas überrascht. Als Universitätslehrer in Berlin, Kurator verschiedener Kunstausstellungen (New York, Prag, Frankfurt/Main, Wien etc.) und designierter Generaldirektor der Nationalgalerie in Prag habe ich stets die Aktivitäten des Grazer Kunsthauses als höchst attraktiv, durchdacht und international anerkannt betrachtet. Damit hat sich in meinen Augen das langjährige Konzept vom Intendant Herrn Peter Pakesch sehr wohl bewiesen. Und solche gut funktionierende Struktur auf einmal ändern zu wollen, ja sogar zu vernichten, wäre nicht nur ein großer Verlust für die Identität der Stadt Graz, ja sogar des ganzen Kunst- und Kulturlandes Österreich, sondern auch eine unwiderrufliche Schwächung der internationalen Museumslandschaft, wo eben Graz bis heute eine völlig verdiente hervorgehobene Stellung einnimmt. Dieses Konzept schlagartig kaputt zu machen wäre unter solchen Tatsachen nicht recht zu fertigen, und müsste nur als Versagen der kommunalen Politik gedeutet werden. Dennoch hoffe ich sehr und bin davon überzeugt, dass dieser Gedanke nicht umgesetzt werden wird und wir in Graz nach wie vor innovative und bahnbrechende Kunstausstellungen besuchen können werden.

Mit freundlichen Grüßen,
PD Dr. Jiri Fajt
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Herr Bürgermeister,
vor 10 Jahren hat die Stadt Graz dieses Gebäude mit großem Stolz eröffnet. Seit 10 Jahren arbeitet ein engagiertes und höchst kompetentes Team mit äußerstem Einsatz daran, dieses nicht ganz einfache Gebäude entsprechend dem Auftrag zu bespielen. In diesen 10 Jahren ist es gelungen das Kunsthaus Graz international zu positionieren und das Renommée der Stadt Graz auf dem Gebiet der zeitgenössischen Kunst in die Welt zu tragen. Im Laufe dieser 10 Jahre haben vielbeachtete Ausstellungen hier stattgefunden, junge KünstlerInnen konnten sich durch die herausfordernde Aufgabe, sich mit diesen neuen und ungewohnten Raumsituationen auseinanderzusetzen, eindrucksvoll erproben, etablierte KünstlerInnen konnten ihre Virtuosität exemplarisch vorführen, KuratorInnen konnten völlig neue Erfahrungsräume schaffen, VermittlerInnen konnten innovative Konzepte erarbeiten. Wie kann es sein, dass sie, der sie das Kunsthaus kaum je besuchten, nun neue Ideen entwickeln, ohne es der Mühe wert zu finden mit den Beteiligten, die hier 10 Jahre lang für die Stadt Graz und ihr Ansehen gearbeitet haben, auch nur ein Wort zu sprechen. Was ist das für ein Stil, was für ein miserables Benehmen? Ist das ihr Verständnis vom ersten Bürger der Stadt?

fassungslos
Michaela Leutzendorff Pakesch
Kulturverein Meierhof Kornberg
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Sehr geehrter Herr Nagl,
mit Entsetzen lese ich in der Grazer Kleinen Zeitung von Ihren Vorschlägen zur Umgestaltung des Kunsthaus Graz. Das Kunsthaus Graz ist Bestandteil des Universalmuseums Johanneum und als solches einer der internationalen Anziehungspunkte für die Stadt Graz. Zu einem Universalmuseum, wie es übrigens auch eines in Darmstadt gibt, gehört die systematische Präsentation der gesamten Kultur der Menschheitsgeschichte bin von den ersten Faustkeilen in der Repolusthöhle bis hin zu den letzten aktuellsten und gefragtesten künstlerischen Positionen des 21. Jahrhunderts. Dies war der erklärte Wille von Erzherzog Karl Johann. Er schrieb in die Gründungsurkunde des Museums: „ zur Geistesbildung der steiermärkischen Jugend, zur Erweiterung der Kenntnisse, Belebung des Fleißes und Industrie der Bewohner Steiermarks“. Ich finde zu diesem Weitblick sollte sich auch ein Bürgermeister des 21. Jahrhunderts verpflichtet fühlen.  Wenn Sie das Kunsthaus Graz aus der Idee eines Universalmuseums herausschneiden wollen, dann zerstören Sie die wunderbare Vision eines weit in die Zukunft blickenden barocken Landesherren. Ich komme nicht nach Graz wegen dem Kürbiskernöl oder dem schönen Uhrenturm auf dem Schloss, sondern ausschließlich wegen dem Kunsthaus Graz. Die Vorschläge, die Sie zur Neugestaltung des Hauses unterbreiten, sind anfängerhaft und schlicht und einfach inkompetent. Das kann Ihnen jeder bestätigen, der sich nur ein bisschen innerhalb des Kunstfeldes auskennt. Peter Pakesch macht eine außerordentlich hervorragende Arbeit in Graz als Generalintendant des Johanneums und Sie sollten froh sein, dass Sie eine so international renommierte Person in Ihrer Stadt haben. Bitte hören Sie mit diesen populistischen und wirklich undurchdachten Ideen auf. Sie blamieren sich nur selbst damit.

Mit herzlichen Grüßen

Prof. Dr. Hans Dieter Huber
Staatliche Akademie der bildenden Künste Stuttgart
Lehrstuhl für Kunstgeschichte der Gegenwart, Ästhetik und Kunsttheorie
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Sehr geehrter Herr Bürgermeister,
ist es wieder so weit, dass der Schlamm von einst die Kunstszene zu verschmutzen beginnt? Bitte Herr Bürgermeister, lassen Sie sich nicht in die Irre führen! Wollen Sie den Ruf unserer Stadt aufs Spiel setzen? Pakesch hat seine Sache gut gemacht.

Mit freundlichen Grüßen,
Alfred Kolleritsch
manuskripte-Literaturzeitschrift
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Stellungnahme des Präsidiums des Kuratoriums des Universalmuseums Joanneum
zur Kunsthausdebatte

Angesichts der von Teilen der Grazer Stadtpolitik kommunizierten Vorschläge, das Kunsthaus Graz aus dem Verband des Universalmuseums Joanneum herauszulösen und wechselnden Verwendungen zuzuführen, bringt das unterzeichnete Präsidium des Kuratorium des Joanneums seine Sorge zum Ausdruck, dass mit solchen Vorhaben der Ruf des Kunsthauses Graz sowohl in der Kunstwelt als auch beim Publikum gefährdet wird. Seit 2003 wurde an diesem Haus ein weit über die Grenzen der Steiermark und Österreichs hinaus reichendes Image aufgebaut. Die Ausstellungen, die seit nunmehr 11 Jahren im Kunsthaus Graz präsentiert werden, haben regelmäßig Werke anerkannter Gegenwartskünstler/innen nach Graz gebracht. Sie wurden nicht nur von der Fachkritik, sondern auch von rund 870.000 Besucherinnen und Besuchern mit Interesse aufgenommen. Mit den Schulen in Graz und der Steiermark wurden im Laufe der Jahre Kooperationen und Vermittlungsprogramme entwickelt, die von Pädagoginnen und Pädagogen geschätzt werden und bei der jungen Generation für Zuspruch sorgen. Diese popularisierenden Tätigkeiten sind eine besondere Marke des Hauses. Sie entsprechen auch den Ideen des Gründers des Joanneums, Erzherzog Johanns. Solche Leistungen brauchen langfristige Planung und Pflege internationaler Kontakte zu Kunstschaffenden, Sammlungen und weiteren Partnern. In diesem Zusammenhang machen die Unterzeichneten auf Vereinbarungen des Kunsthauses mit Kooperationspartnern aufmerksam, die zum Teil bereits für kommende Jahre bestehen. Die Arbeit des Kunsthauses Graz wird unter Leitung von Intendant Peter Pakesch und Direktor Wolfgang Muchitsch von einem Stab engagierter Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter getragen. Als beratendes Organ, das von der Steiermärkischen Landesregierung berufen ist, steht das Kuratorium des Joanneums jederzeit für einen konstruktiven Dialog über die Entwicklung des Hauses zur Verfügung.

Das Präsidium des Kuratoriums
Kurt Jungwirth, Präsident
Franz Harnoncourt-Unverzagt, Vizepräsident
Alfred Stingl, Vizepräsident
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Sehr geehrter Herr Bürgermeister Mag. Nagl,
sehr  geehrter Herr Kulturlandesrat Dr. Buchmann,
die Diskussion um die Zukunft des Kunsthaus Graz nehmen wir mit Irritation, wenn nicht Bestürzung wahr. In Zeiten einer allgemeinen Tendenz zur Popularisierung von Kunst und Kultur und einer unheiligen Allianz zwischen kommerziellen und kulturpolitischen Interessen ist es von enormer Wichtigkeit, das Kunsthaus Graz in seiner aktuellen Profilierung zu erhalten. Ein grundsätzliches Problem des Umgangs mit Institutionen moderner und zeitgenössischer Kunst besteht darin, dass ihre Profile zunehmend unscharf werden und ihr Gründungsauftrag in den Hintergrund gerät. Eine Institution wie das Kunsthaus Graz sollte für ein breites Spektrum an Kunstformen stehen dürfen, bekannte wie noch nicht etablierte Ansätze der Moderne und Gegenwartskunst präsentieren und Disziplinen übergreifend und gegebenenfalls auch experimentell vorgehen. Sie sollte sich als Forum begreifen dürfen, das dem Aspekt der künstlerischen Produktion eine ähnlich große Bedeutung beimisst wie der Präsentation und der Reflexion von Kunst und Kultur. Sie sollte den Stellenwert einer fundierten Recherche schätzen und der Vielfalt künstlerischer Medien gemäß innovative Formate des Ausstellens entwickeln können. Populäre Formate, die lediglich aufgreifen, was bereits flächendeckend durchgesetzt ist, widersprechen dem Profil einer öffentlichen, dem internationalen Kunstdiskurs verpflichteten Institution. Peter Pakesch und sein Team haben in den vergangenen Jahren hervorragende Arbeit geleistet, das Augenmerk auf jene Positionen und Tendenzen zu richten, die jenseits des Mainstream von Wichtigkeit sind und die den Blick des Publikums auf das Potenzial von Kunst und Kultur als Seismografen der Gegenwart wie Vergangenheit schärfen. Den Auftrag der Institution und das ihr implizite Bildungskapital kurzfristigen Strategien zur vermeintlichen Effizienzmaximierung zu opfern, wäre ein Armutszeugnis für die Stadt Graz und ein fatales Signal für die Kulturszene Österreichs.

Nicolaus Schafhausen, Direktor Kunsthalle Wien
Vanessa Joan Müller, Dramaturgin Kunsthalle Wien
und die Kuratoren Lucas Gehrmann und Luca Lo Pinto
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Peter Pakesch leistet mit seinem Team seit vielen Jahren eine hervorragende Arbeit für die Stadt Graz und für Österreich. Eine internationale Programmierung, die auch überregional in den Medien und beim Publikum Anklang finden ist für den Kulturstandort Graz von großer Bedeutung – und das hat Peter Pakesch mit seiner Arbeit als Direktor unter Beweis gestellt. Eine Herauslösung des Kunsthauses Graz aus dem Verband des Universalmuseum  Jonanneum bedeutet sicherlich auch eine Kostensteigerung, die in Jahren mit sinkenden Kulturbudgets auch aus  ökonomischer Sicht bedenklich ist. Grundsätzlich ist  eine zweijährig wechselnde Intendanz im Kunst- und Kulturbetrieb nicht vorstellbar. International anerkannte Kulturarbeit erfordert exzellente Kontakte zu Künstler, Kuratoren und Institutionen, braucht eine langfristige Planung und eine strategische Führung. Das alles hat Peter Pakesch in den letzten Jahren konsequent umgesetzt.

Sabine Haag
Generaldirektorin Kunsthistorisches Museum Wien
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Dear Mayor Nagl,
Dear State Cultural Councillor Buchmann,
Dear City Cultural Councillor Rücker,

As a former, long-term curator of the Kunsthaus Graz (2003-2010), I am particularly concerned about the Kunsthaus’ future as well as its legacy. As someone who participated in introducing Kunsthaus’ identity from the beginning and who invested a great deal of passion, energy and knowledge in developing Kunsthaus as, literally, a home for art, I observe with sadness as well as with an embarrassment the very recent developments that will put into jeopardy the reputation of the Kunsthaus as a world reknown and acknowledged institution of art, ideas and culture.  Prestige, sophistication and high quality, along with a diversity of programing and flexibility of approach have always identified a successful art institution such as Tate Modern in London, MoMA in NYC or MUMOK in Vienna. Without a doubt, Kunsthaus Graz – with its profound, local attachment and its international visibility – can be listed within this exciting group of leading museums. Within a relatively short time of the last decade, Kunsthaus Graz as a newcomer to the institutional scene of contemporary art, managed to achieve an outstanding and respected position on both local and international levels as one of the most important institutions within the field of contemporary art and culture in general – an institution of a unique nature, enhanced by a cutting-edge contemporary architecture and identified as an integral part of a larger museological complex, the Universalmuseum Joanneum. It is a hard labour of professional team, successfully led by Peter Pakesch, which elevated Kunsthaus to a high rank of major art institutions in the world, presenting the most outstanding achievements of contemporary art and opened to multidiciplinary discourse on art, as well as design, culture and science. The experimental, globally famous and already iconic architecture has been and it does continue conditioning and influencing the Kunsthaus’ programing which includes exhibitions of site-specific and space-responsive art, ground-breaking exhibition displays as well as discursive, educational programs that unfold the theoretical background of contemporary art production.   The affiliation within the structure of the Universalmuseum Joanneum has shaped the identity of the Kunsthaus Graz right from the beginning – Kunsthaus Graz as an institution which perceives contemporary art as yet another expression of human creativity and knowledge, alongside scientific and artistic achievements of older times and cultures, in a close dialogue with disciplines and fields of cultural production. Numerous exhibitions and artistic projects from Kunsthaus’ over 10-year old program may serve as examples of this attempt to consider the language of contemporary art as a tool to describe and interpret a culture at large, within the rich collections of other Universalmuseum Joanneum’s departments and multiple contexts, brought in by such encyclopedic museological structure. Kunsthaus Graz as a department of Universalmuseum Joanneum occupies a very particular and priviledged position which other contemporary art institutions might only dream of. The Hirshhorn Museum and Sculpture Garden in Washington DC as a part of the Smithsonian Institution – the world’s largest museum – where I had an honour to work after terminating my affiliation at the Kunsthaus Graz – might be but a one of the very few institutions of a comparable status and similar structure. Seperating the Kunsthaus from its mother-institutional affiliation would inevitably limit the possibilities of immediate framing and contextualisation of contemporary art. It would cause a damage to Kunsthaus’ already established identity as an institution which goes far beyond the contemporary art, performing an ambition to present and define human creativity and knowledge at large. My nearly 20 years long experience within the field of curatorial practice proves that only careful, rigorous and precise planning within a considerably long period of time and under a strong and convincing leadership guarantee continuity, coherence and  a successful implementation of a powerful and thoughtful vision. Introducing two-year programming would expose the Kunsthaus to fragmentation and randomness, eventually causing a loss of any identity whatsoever in favor of accidental, short-lived ideas and temporary, insignificant events. Such solution would  downgrade Kunsthaus’ role as an institution, able to develop its own valuable audience whose definition is not conditioned by the numbers and statistics but rather by an ability to response, identify, contribute and participate. Kunsthaus’ exhibitions, such as for example „Volksgarten. The Politics of Belonging“ addressed the issues of a local audience in a very direct and straighforward way, acting as an homage to the community and the social fabric of a site where „Friendly Alien“ landed over 10 years ago.  Engagement instead of ignorance had always been performed as Kunsthaus’ strategy in approaching a local audience, as well as in reaching the audience far beyond the borders of a region or a country. Graz and the Kunsthaus became extremely important cultural destinations, sites of pilgrimages of an international audience, fascinated by Kunsthaus’ ambitious program where such ground-breaking exhibition projects as „Painting Real. Warhol, Wool, Newman“ or „Screening Real. Conner, Lockhart, Warhol“ aimed at rewriting the reception of contemporary art and as such, in a pioneeric way, were able to set up the paradigms for new visions and understanding of art history. Kunsthaus proposes ambitious and thoughtful programs for which art is perceived as a language which helps us to understand the world around us; it provides us with a vocabulary to describe and to experience the reality in its fullest expression and appearance. Art is a long-term process, unfolding in front of its audience, provoking a change, remaining memorable, challenging too, guaranteeing a long lasting-effect and strong impact. Kunsthaus is a vehicle of thus understood artistic and cultural production. Numerous positive responses, coming from individuals as well as from communities, from professionals as well as from the members of a regular audience are clear evidence of Kunsthaus’ recognition and strong position. This is the real measure of a true success, not the misleading statistics and attendance numbers that falsly reflect the institution’s condition and its presumed „popularity“. Quantity is a regressive factor; an ideologically dubious ambition… On the contrary, quality is the Kunsthaus’ absolute priority, executed by a high profile, far-reaching programming and innovative, educational methodologies. Entertainment and events, based upon easily accessible and digestible, pseudo-cultural proposals and short-term profits represent dramatically opposite forms of experience: driven by populist demands, these are singular, temporary moments of shallow intoxication, often without  a memory or any chance for sustainability. Attracting the masses, they are illusions of success, short moments of euphoria, dying rapidly without a trace or long-term significance. Reducing Kunsthaus’ program to such passive experience which the proposed restructuring suggests would negate all previous outstanding achievements of the Kunsthaus’ impressive biography and destroy its image for good. Let’s not allow this process to continue. Kunsthaus is proud to cherish a devoted audience, and it is exactly here – in a recognition of and by such a precious and attentive community– where Kunsthaus’ real success lies. The local audience deserves the Kunsthaus and the mutual respect is a necessary ingredient of this cohabitation. The international audience is looking at the Kunsthaus with a constantly growing interest and curiosity. Kunsthaus is a laboratory of crossdiciplinary ideas that shape the future and its cultural identity. Let’s not undermine this role and Kunsthaus’ position. Together, let’s facilitate the continuation of this success instead of putting it in a jeopardy by such desperate and short-sighted ideas as those expressed in the recent articles of „Kleine Zeitung“.

Sincerely Yours,
Adam Budak, Washington D.C.
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L’Art est créativité, donc prise de risques. Que, une fois de plus, les Politiques veuillent s’approprier un monument ou un symbole n’est pas nouveau mais que vous estimiez ambitieux de réguler la programmation de ce lieu d’inventivité qu’est le Kunsthaus – d’abord par sa structure architecturale, ensuite dans sa programmation – s’apparente à une invasion du champ culturel par les Barons de la Politique. Ne tombez pas dans le piège de la facilité en transformant ce lieu de culture en supermarché de la consommation. Vos récents prédécesseurs, eux, ont levé les barrières. Ne vous agenouillez pas devant les marchands, sauvegardez au contraire le blason d’ouverture d’esprit et de courage intellectuel dont votre ville a le droit d’être fière.

Alphonse Drouan, ehemaliger Leiter des franz. Kulturinstitut Graz
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Sehr geehrter Bürgermeister Mag Siegfried Nagl,
Sehr geehrter Kulturlandesrat Dr. Christian Buschmann,
Sehr geehrte Stadträtin Lisa Rücker,

Mit großer Irritation habe ich zur Kenntnis nehmen müssen, dass Sie planen, das Kunsthaus Graz neu und publikumswirksamer zu positionieren, indem Sie es aus der Leitung des Universalmuseum Joanneum herauslösen, und es künftig über die Stadt mit Hilfe wechselnder Expertenteams selbst betreiben wollen. Ein solcher Vorgang wäre nicht nur im deutschsprachigen Raum einmalig, er würde auch in hohem Maße das bislang ausgezeichnete Ansehen Österreichs als Kulturnation schwer beschädigen. Das Kunsthaus Graz hat unter seinem Leiter Peter Pakesch in dem vergangenen Jahrzehnt ein klares, international wahrgenommenes Profil entwickelt und in hohem Maße zum Ruf der Stadt als weltoffener, auf Diskurshöhe argumentierender Kulturort beigetragen. Mit Ausstellungen u.a. zu Baldessari, Kippenberger, Cerith Wyn Evans oder Tatiana Trouvé hat das Haus wichtige Akzente gesetzt. Mit Themenausstellungen wie „Human Conditions“, „Catch Me“ oder „Die Vermessung der Welt“ hat das Kunsthaus darüber hinaus gezeigt, wie gesellschaftliche relevante Themen künstlerisch intelligent reflektiert und weitergedacht werden können. Die Entwicklung einer solchen Programmatik benötigt Kontinuität und eine klare kuratorische Handschrift. Diese wäre nicht mehr erkennbar, sollten Sie Ihr Modell durchsetzen, die Programmierung des Hauses jeweils für zwei Jahre als Wettbewerb auszuschreiben. Damit würde das Kunsthaus Graz zur x-beliebigen Abspielstätte für schnell gestrickte sogenannte Publikumsevents, ohne innere Verbindlichkeit. Als Institution mit einem ständig wechselnden „mission statement“ und einer von oben verordneten Attraktivitätseffizienz, die sich offensichtlich vorrangig an „Einschaltquoten“ bemisst, wäre das Kunsthaus Graz dann wenig mehr als ein ausschließlich wirtschaftlichen Kriterien verpflichteter privater „Kunstveranstalter“, ähnlich wie jede Konzertagentur. Das kann nicht in Ihrem Interesse und schon gar nicht im Interesse der kulturell so profilierten Stadt Graz sein.

Mit freundlichen Grüßen

Prof. Dr. Stephan Berg
Intendant Kunstmuseum Bonn
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Sehr geehrter Bürgermeister Mag. Nagl,
Sehr geehrter Kulturlandesrat Dr. Buschmann,

Mit der Wortmeldung des Bürgermeisters der Stadt Graz zum Kunsthaus Graz wird die Institution, die in den letzten 10 Jahren international höchst beachtet vorbildliche Arbeit gemacht hat, kulturpolitisch in einer Form in Haft genommen, die völlig inakzeptabel ist. Ein solches Vorgehen beschädigt die hervorragende Arbeit einer bedeutenden Institution und damit auch den Ruf der Stadt Graz als Kulturstandort. Aus einem gut funktionierendem Ausstellungshaus einen Event-Betrieb machen zu wollen ist der Populismus der Unkultur, einem europäischen Kulturland, wie es Österreich ist, nicht würdig! Dem kann ich mich nur anschließen und hoffen, dass die angedachte Neuprogrammierung des Hauses in der verkündeten Form keine Alternative sein wird.

Mfg,
Dr. Roswitha Schuller
visual artist, researcher, Wien / Essen
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Sehr geehrter Herr Landeshauptmann Mag. Franz Voves,
sehr geehrter Herr Bürgermeister Mag. Siegfried Nagl,
sehr geehter Herr Landesrat Dr. Christian Buchmann,
sehr geehrte Frau Stadträtin Lisa Rücker,

Mit ermüdeter Verwunderung stelle ich fest, dass sich Graz, immerhin einst Kulturhauptstadt genannt, sich die Blöße gibt, an Hand von Besucherzahlen oder Betriebskosten darüber zu entscheiden, ob Kunst und Kultur von Weltrang stattfinden darf oder nicht. Kunst zu ökonomisieren ist zutiefst provinziell. Zeitgenössische Kunst und Kultur bedarf einer Auseinandersetzung und ist keine Partylaune, so wie Sie es vor haben. Gerade Kunst und Kultur ist der Nährboden für die Zukunft, für die Jugend in unserem Land und darf keine Gaudistätte einer oder mehreren Parteien sein. Das Kunsthaus Graz hat sich in den letzten Jahren international einen Namen erworben, damit Graz erst auf dieser Stufe stehen kann, und das ist alleine das Verdienst der intelligenten und sensiblen Führung durch die Leitung Pakesch. Gerade letztens habe ich mit großer Begeisterung die Ausstellung Kabakov genossen, die sicher auch kulturpolitisch von prägnanter Dominanz ist. Wenn man den Medien glauben schenken darf, so ist Ihrer Idee zu Grunde eine Idee des Scheiterns . Was wäre jetzt gescheitert? Die Entscheidung der Politik für das Kunsthaus ? Nein. Ein Scheitern der Idee für eine kulturelle Auseinandersetzung mit der Gegenwart. Denken Sie nach.

Sepp Schellhorn Für NEOS
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Dear Mayor Mag. Siegfried Nagl,

It is an easy mistake to assume that an arts institution is failing when its value is not economically self-evident. Modest returns can too quickly be mistaken for public indifference or worse still elitism. We forget that the enriching effects such an institution has on society are not always directly measurable but more often trickle down gradually in unexpected, but profound ways. In the 10 years since it opened its doors, the Kunsthaus Graz has maintained a coherent and challenging program that has had a significant impact on our contemporary cultural landscape. Questioning its cultural relevance is not just a baseless position but also retrograde.

Sincerely,
Andrés Ramírez Gaviria
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Sehr geeherter Bürgermeister Mag. Siegfried Nagl,

das Kunsthaus Graz spielt eine wichtige Rolle im internationalen Kunstbetrieb und hat in der jüngsten Vergangenheit wichtige Ausstellungen ausgerichtet. An der „Strahlkraft“ die weit über die Landesgrenzen hinausreicht, mangelt es keinesfalls. Das Team des Joanneums hat in den letzten Jahren professionelle Arbeit geleistet und wird in der Szene dafür geschätzt. Der populistische Diskurs um Besucherzahlen lässt hingegen nicht auf Expertise im Kunstbereich schliessen. Es ist das falsche Verständnis vom Zweck von Kulturförderung, wenn diese als Investition betrachtet wird, die auf einen – wie auch immer messbaren – grösstmöglichen Erfolg ausgerichtet ist. Subventionen sind dafür da, um eigenständige und neue Positionen zu fördern, die noch nicht auf breite Publikumsresonanz hoffen dürfen. Natürlich sind Kulturinstitutionen wichtige Standortfaktoren, aber es ist nicht ihr Zweck. Dass diese kurzgegriffene Logik ernsthaft diskutiert werden muss, ist ärgerlich.

Mit freundlichem Gruss,
Urs Meile & Karin Seiz
Galerie Urs Meile, Beijing-Lucerne
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Sehr geehrter Herr Bürgermeister Mag. Nagl,

der Hintergrund, warum ich mich zu Wort melde, ist eine Kooperation von Styrian Summer Art, deren Obfrau ich bin, mit dem Kunsthaus. Gemeinsam werden im Sommer mehrtägige Kinderkunstcamps organisiert und durchgeführt. Der Erfolg dieser Kinderkunstcamps basiert auf dem Engagement, der wertschätzenden und kompetenten Zusammenarbeit sowie der Identifikation der Leitung und der MitarbeiterInnen mit dem Kunsthaus. Wie sollen sich diese Qualitäten weiterhin entfalten, wovon viele Betriebe der Wirtschaft nur träumen können, wenn alle zwei Jahren neue „Ausstellungsmacher und Ausstellungsmacherinnen“ das Sagen haben? Wer überprüft und wer garantiert, ob nicht „art“fremde Betriebe, die Zuschläge bekommen? Mir fallen ad hoc einige ein, die sich sehr gerne mit Kunst in Szene setzen. Wie verlockend wird es sein, einen Zweijahresvertrag an potente GeldgeberInnen zu vergeben und dann beim Programm „in die Knie“ gehen zu müssen, damit es in die jeweilige Unternehmenskultur passt? Sehen wir dann noch beispielsweise eine feine, gut vermittelte Romuald Hazoumé-Ausstellung, die sich mit hochaktuellen, gesellschaftskritischen Themen auseinandersetzt? Oder staunen wir dann noch über die großangelegten Skulpturen des Michael Kienzer? Wir stehen noch ganz am Anfang, die breite Bevölkerung für Gegenwartskunst zu interessieren. Ich bin überzeugt, dass Schulen in Zusammenarbeit mit Museen, Kunsthäusern hier  viel bewirken  werden. Es wird in einigen Jahren selbstverständlich sein, Kunsthäuser und Kunsthallen zu besuchen, und sich auf das dort Gezeigte kritisch einzulassen. Aber das braucht Zeit, Kontinuität und Mut. Gerade das Kunsthaus zeichnet sich durch seine Offenheit zum jungen Publikum und seinem ernsthaften Bildungsauftrag aus. Ich bitte Sie, von den Plänen, das Kunsthaus „wachzuküssen“, Abstand zu nehmen. Um neue Wege zu gehen, gibt es andere Methoden. Es muss unter Einbeziehung der Beteiligten, mit den jeweiligen Expertisen, von statten gehen. Wenn es gelingt die Mitwirkenden entsprechend ihrer Kompetenzen in diesen Prozess einzubeziehen, Bereiche neu zu gewichten und auszubauen, dann wird Veränderung stattfinden, die von allen getragen wird.

Schöne Grüße von Michaela Zingerle
STYRIAN SUMMER ART
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sehr geehrter herr bürgermeister!

im gestrigen “standard” las ich einen artikel über das kunsthaus graz. und daß sie anregungen gemacht haben, den dortigen betrieb mehr in richtung “event-kultur” zu lenken. ich halte das für ein vorgehen in die völlig falsche richtung! seit jahren sind die hochinteressanten ausstellungen im kunsthaus für mich ein grund, regelmäßig nach graz zu kommen. die liebe zur kunst, das interesse für kunst und die beschäftigung mit kunst mag vielleicht nicht unbedingt zu den hervorstechendsten pflichten eines bürgermeisters gehören, aber er sollte dann auch lieber die finger von dingen lassen, von denen er wenig ahnung hat! es DARF nicht immer nur das geld, die kosten/einnahmen-frage entscheidend sein: das grazer kunsthaus ist eine absolut einmalige institution, ein juwel, dessentwegen viele leute -auch aus dem ausland- extra nach graz kommen und es wäre ein JAMMER, ja geradezu eine KATASTROPHE, daraus nun einen ort der volksbelustigung drechseln zu wollen! davon haben wir weißgott schon genug!!! graz würde einen nicht wieder gutzumachenden schaden nehmen, wenn ihm dieser fixpunkt aller kunstliebhaber genommen würde!
bitte lieber schuster, bleib bei deinem leisten!

mit freundlichen grüßen
elly förster-streffleur
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Sehr geehrter Herr Bürgermeister,
sehr geehrter Herr Landesrat,
sehr geehrte Frau Stadträtin,
sehr geehrte Damen und Herren!

Ich möchte als Schulleiter der NMS Graz-St.Johann zum Ausdruck bringen, wie wertvoll und wichtig das Kunsthaus und die gesamten Einrichtungen des Landesmuseums Joaneum in den letzten Jahren für unsere Schule geworden sind. Seit einigen Jahren bestellen alle unsere Kinder die Museumsschulkarte, die wir sehr gerne benützen, um den Kindern einen anderen pädagogisch wertvollen Unterricht anbieten zu können. Unsere LehrerInnen nehmen immer wieder an verschiedenen Workshops teil und berichten, wie engagiert die Damen und Herren arbeiten und somit unsere Schülerinnen und Schüler motivieren können. Wir haben auch seit einigen Jahren einen eigenen Museumstag, wo alle Klassen in den vier Jahren eine Vielfalt an Museum und Kultureinrichtungen präsentiert werden. Es wäre sehr schade, wenn wir alle diese Einrichtungen, die zu einem pädagogisch wertvollen Unterricht gehören, nicht mehr in Anspruch nehmen können. Unseren Kindern möglichst viel an Museumseinrichtungen bieten zu können, macht sich ja auch für die Zukunft, wenn die Kinder erwachsen sind und zu interessierten und regelmäßigen Museumsbesuchern werden sollen, bezahlbar. Im Namen all meiner Kolleginnen und Kollegen , Schülerinnen und Schüler spreche ich mich für die Erhaltung des Kunsthauses in dieser bestehenden Form aus.

Mit freundlichen Grüßen
Walter Wurm, Leiter der NMS Graz-St.Johann
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Sehr geehrter Herr Bürgermeister

Seit Jahren verfolge ich das spannende Ausstellungsprogramm des Kunsthauses Graz mit grossem Interesse. Aus internationaler Sicht gehört das Kunsthaus Graz zu den führenden Häusern, die Gegenwartskunst einem breiteren Publikum vermitteln. Es ist mir unverständlich, wie man ein solches „Erfolgskonzept“ zu zerstören plant mit einer oberflächlichen und nicht nachhaltigen Event-Kultur. Ich möchte Sie bitten, von diesen unverständlichen Konzeptänderungen abzusehen und Ihre volle Unterstützung dem bestehenden und bewährten Team zu gewähren.

Mit freundlichen Grüssen
Dr. Bernhard Mendes Bürgi, Direktor | Kunstmuseum Basel
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Sehr geehrter Herr Bürgermeister, Sehr geehrte Damen und Herren,

das Kunsthaus Graz sollte mit derselben Mannschaft weitergeführt werden. Womit will man international ebensoviel Beachtung finden? Bei populistischer Lähmung winkt am Schluss das Rollstuhlwagerl. Ist der Ruf erst ruiniert, lebt sichs in Graz ganz ungeniert. Die plötzliche Schlechtbehandlung des Kunsthauses ist wohl schon eines der Events, die später im Haus gezeigt werden sollen. Die Stadt Graz sollte ihren kulturpolitischen Ehrgeiz nicht wegwerfen, sondern steigern.

Jürg Laederach, Schriftsteller Basel / Schweiz
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Sehr geehrter Herr Bürgermeister, sehr geehrter Herr Mag. Nagl,

bitte erlauben Sie mir, zu der öffentlichen Diskussion über die Zukunft des Kunsthaus Graz und Ihren Vorschlag, die Programmierung durch die Stadt übernehmen zu lassen, Stellung zu nehmen. Seit über 30 Jahren arbeite ich in Salzburg wie in Paris im Bereich der zeitgenössischen Kunst und bin dadurch mit der zeitgenössischen Kunstszene sehr vertraut. Im Sinne des Kulturstandortes Graz und Österreich ist es mir ein großes Anliegen von den geplanten Maßnahmen zur Belebung des Kunsthauses abzuraten. In der Wahrnehmung der Fachszene leistet Peter Pakesch mit seiner Programmatik einen qualitativ hochwertigen Beitrag zum öffentlichen Kunstdiskurs, der international wahrgenommen und respektiert wird. Es gibt in Österreich nicht viele Institutionen, die auf so hohem Niveau arbeiten – ich denke hier an Ausstellungen mit international renommierten Künstlern wie Ilya und Emilia Kabakov, die nächste Woche in Grand Palais in Paris eine Ausstellung eröffnen werden, die auf größte Aufmerksamkeit stoßen wird (mit Werken, die Peter Pakesch bereits zuvor im Kunsthaus Graz präsentiert hatte!), Katharina Grosse oder Heimo Zobernig – um nur einige zu nennen. Die Vermittlung von zeitgenössischer Kunst an das breite Publikum und erwünschte Steigerung der Besucherzahlen ist zeitintensiv und erfordert viel Einfühlungsvermögen und Kontinuität. Es wäre aus meiner Sicht der falsche Ansatz, diese komplexe Fragestellung durch Abstriche an der Qualität des Hauses zugunsten von wechselnden, populären Ausstellungen zu lösen. Vielmehr bin ich davon überzeugt, dass auch Laienpublikum mit fachkundigen Marketing- und Kommunikationsmaßnahmen geworben werden können. Für die konstruktive Entwicklung des Grazer Kunsthauses wünsche ich Ihnen und Peter Pakesch viel Erfolg.

Mit freundlichen Grüßen
Thaddaeus Ropac
GALERIE THADDAEUS ROPAC
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Sehr geehrter Herr Bürgermeister Mag Siegfried Nagl,

mit grosser Verwunderung höre ich von Ihrer Idee, das Kunsthaus Graz aus dem Universalmuseum Joanneum herauslösen zu wollen. Ziel sei es, mehr Publikum zu erreichen. Das Kunsthaus Graz hat sich mit dem Programm der letzten elf Jahre unter Peter Pakesch etabliert und international in der Kunstszene grosse Anerkennung gewonnen. Von diesem exzellenten Ruf des künstlerischen Programms profitiert die Stadt Graz erheblich. Wieviele Leute in den Kunstmetropolen weltweit von New York, Los Angeles, Paris oder Hongkong kennen Graz erst mit und durch das anspruchsvolle und doch breit gefächerte Programm im Kunsthaus Graz?! Das Kunsthaus Graz trägt zur Internationalisierung Ihrer Stadt bei, dabei stellt es der Grazer Bevölkerung höchstrangige Künstlerinnen und Künstler unter aktuellen gesellschaftspolitischen Fragestellungen vor. Die Hülle des “Friendly Aliens” ist ikonisch, allerdings braucht auch diese Hülle Inhalte. Auf eine Programmatik, die sich nur kontinuierlich erarbeiten und vermitteln lässt, zu verzichten, ist kurzsichtig und gefährlich. In einer Zeit, in der es mehr Orte für die Kunst gibt als je zuvor, können nur Häuser mit einem klaren Profil bestehen. Mit einer wechselnden Programmierung in kurzen Intervallen würde das Haus seines Profils beraubt und in der Masse von grösseren und kleineren Biennale-Events mit Festivalcharakter untergehen. Es ist mir unverständlich, wie es möglich ist, den so herausragenden Ruf des Kunsthauses Graz leichtfertig aufs Spiel zu setzen. Für inhaltlich herausragende Projekte und internationale Kooperationen braucht es lange Vorbereitungszeiten. Wechselnde Programmierungen im Turnus von wenigen Jahren haben angesichts der Grösse und Architektur des Hauses keinen Sinn und lassen das Haus zu einer inhaltsleeren Hülle verkommen, die künftig keinerlei städtische Identifikation mehr zulässt. Höhere Besucherzahlen zu fordern, nachdem der Neuigkeitswert des Kunsthauses Graz naturgemäss abgenommen hat, ist einfach, aber nicht fair. Die Vorstellung, in kurzen Abständen immer wieder neue Programmierungen einzuführen und damit das Haus erneut mit einem Neuigkeitswert auszustatten, greift sehr kurz, denn eine solche Idee geht nur auf Kosten ernsthafter inhaltlicher Arbeit. Ganz zu schweigen davon, dass scheinbar Ihrerseits geträumte Projekte wie eine Ausstellung mit Roy Lichtenstein in einer solchen Konstellation nicht möglich wären. Gerade solche Ausstellungen bedingen lange Vorbereitungszeiten und internes Know-How, das nur von einem eingespielten Team wie dasjenige rund um Peter Pakesch geschultert werden können. Neue kulturpolitische Ideen sind per se immer gut und wichtig, allerdings darf die Bürgerin und der Bürger erwartern, fordern und wünschen, dass sie mit mehr Kenntnis von strukturellen und organisatorischen Parametern entwickelt werden. Der “Friendly Alien” wäre mit einer Umsetzung Ihrer Idee schnell ohne Inhalt und Profil, die wesentliche Bestandteile für die Identifikation mit dem Haus und seiner Geschichte vor Ort bilden, international und vor Ort im wahrsten Sinne eine glänzende Hülle und mehr nicht. Das kann kein kulturpolitisches Interesse sein.

Mit freundlichen Grüssen
Christina Végh
Direktorin Bonner Kunstverein
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Sehr geehrter Herr Bürgermeister Mag. Nagl!
DIALOG STATT KONFLIKT

Aus naheliegenden Gründen melde ich mich als Vertreter einer kleinen Grazer Kulturinstitution in der plötzlich mit ungeheurer Vehemenz losgetretenen Debatte um die Zukunft des Grazer Kunsthauses und den Beitrag, den Bürgermeister Mag. Nagl dazu abgegeben hat, zu Wort und schlage einen mündlichen, öffentlichen und nicht durch Zeitlauf und  persönliche Strategie definierten Dialog vor. Ich will meinen Brief und seinen Inhalt – die Vorstellung unserer neuen Museumsleiterin am Museum der Wahrnehmung MUWA – den ich gestern, am Montag 5. Mai 2014, an Bürgermeister Mag. Nagl abgeschickt habe, dazu verwenden, ihn heute um Zustimmung zu diesem Vorschlag zu bitten. Ganz im Sinne des Schreibens des  ehemaligen Kurators am Kunsthaus, Adam Budak, hat Kunsthausleiter Pakesch in den letzten zehn Jahren international höchst beachtete vorbildliche Arbeit geleistet. Ich schließe mich auch dem  vereinzelt geäußerten Wunsch nach einem persönlichen Zusammentreffen der Debattenteilnehmer an und  lehne jede auf Konflikt abzielende Erklärung im Diskurs um den Wert des Kulturhauses ab. Gleiches gilt für die zweijährigen Wahl eines Leiters aus Gründen des musealen Verständnisses.

Hochachtungsvoll,
Werner Wolf, Kurator des Museums der Wahrnehmung MUWA
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Sehr geehrter Herr Mag. Nagl,

seit Helmut Strobl die Grazer Kulturpolitik verlassen hat, hat die Grazer ÖVP keinerlei Bezug mehr zu Kunst und Kultur. Sie selbst haben dies in den vergangenen Jahren oft genug bewiesen. Offenbar reicht der kulturpolitische Horizont gerade bis zu Bauernbundball und Aufsteirern … Lassen Sie wenigstens das Grazer Kunsthaus wie es ist, und setzen Sie nicht wie so oft unsere Stadt dem nationalen und internationalen Gespött aus.

Mit freundlichen Grüßen
Mag. Wolfgang J. Fink, Autor, Graz
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Sehr geehrter Herr Mag. Nagl,

es gelingt Ihnen als Bürgermeister trotz Ihres meist freundlichen Lächelns immer wieder mich heftig zu erschrecken: einmal ist es die Staustufe Puntigam, der von Puntigam bis zur Augartenbrücke alles Grün an der Mur geopfert werden soll – meiner Meinung nach, damit sich die Stadt die Kosten für einen notwendigen Kanalanschluss spart. Ein anderes Mal ist es die “Murgondel”, die in der Mur nun eine Autobahn sieht, auf der sich mittig Seilbahnständer von Norden nach Süden führend montieren ließen und jetzt ist es eben das Kunsthaus, das Sie – im O-Ton der Pressemeldung – “wachküssen” möchten. Zwischen diesen großen Brocken stoße ich außerdem auf die zahllosen Stolpersteine eines überhastet initiierten Neubaus von Wohnungen, der allerdings in einer Stadt, die lernen konnte, was Architektur kann, an Banalität nicht zu überbieten ist. Dazu sollten die Nichtgrazer vielleicht wissen, dass Sie aus einer Kaufmannsfamilie der Innenstadt kommen. Bevor Sie plötzlich – nach meinem Informationsstand mangels anderer BewerberInnen – in der Kommunalpolitik gelandet sind, waren Sie durchaus agil und zielstrebig für die Interessen der Grazer Innenstadt Kaufleute engagiert. Wie mir scheint, ist es Ihnen jedoch nicht möglich, obwohl Sie in die Verlängerung einer zweiten Legislaturperiode gingen, über den Tellerrand zu schauen und anstelle einer Klientelpolitik eine Politik im Interesse aller StadtbewohnerInnen zu verfolgen. Also fordere ich Sie auf – bitte treten Sie zurück, bevor Sie als Diskonter der Stadt Graz noch mehr Unheil anrichten können.

Mit freundlichen Grüßen
Lore Rieper, Aktion Spielbus Graz
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Dear Mayor Nagl,

We have recently read about your focus on increasing attendance at the Kunsthaus Graz. While this may be a concern of yours let it be absolutely clear that for many in the international art world, ourselves included, the critical importance of quality programming at the Kunsthaus Graz is substantially more important. Far too many public art institutions around the world have in recent years given in to this illusionary notion of broad appeal, and in such pursuit they have, by necessity, sacrificed programatic integrity. As a result, art has suffered, public education has suffered, and the reputations of the institutions themselves have suffered. For many years now Peter Pakesch has undertaken a program that is respected around the globe. His has been a program that challenges the minds’ of visitors; opens ideas on contemporary curatorial practice; furthers the influence of important artists; and leads the way for other museums. It stands as a beacon throughout the art world and draws visitors, ourselves again included, to your fine city. And by implication the quality of the programming at your Kunsthaus has for years reflected favorably on the city of Graz itself. It would be a shame and a disservice to your city were you to undermine these achievements.

Respectfully,
Ethan Wagner and Thea Westreich Wagner
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Sg, Herr Bürgermeister,
mit Bedauern hab ich die Diskussion rund um das Kunsthaus gelesen. Ich möchte hier festhalten, dass das Kunsthaus in den letzten Jahren  für unsere SchülerInnen ein toller, sichterweiternder Partner in Sachen Kunst war. Wir haben ein Extrafach IBF(Interessens- Begabungsförderung) am Nachmittag ins Leben gerufen, um mit unseren SchülerInnen in Ausstellungen gehen zu können. Regelmäßig besuchen wir auch das Kunsthaus. Auch waren alle workshops dort sehr sehr toll!!!!

Mit freundlichen Grüßen
Dir. Beate Tiefenbacher-Gaminger, VS BerlinerRing
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Sehr geehrter Herr Bürgermeister Nagl,

der Bericht im ‚Standard‘ online vom 4.Mai 2014 irritiert mich und ich erlaube mir daher, Ihnen und einem kleinen Kreis zu schreiben, den ich in der Sache angesprochen wähne.

Geld und Geist – wer hätte nicht gerne beides; jeden Euro müssen heute verantwortungsvolle Gemeinwesen genau auf ihre Wirkung hin bedenken. Dennoch lässt sich Kultur nicht direkt mit Geldwerten ausdrücken. Aus der Distanz erscheint mir als Raumoekonom die Debatte in Graz über die ‘blaue Blase’ eher verkürzt. Gewiss: jeder Stadt tut es gut, periodisch über ihre Errungenschaften selbstkritisch nachzudenken. Dazu gehört in meiner Erfahrung eine umgreifendere Analyse: man stellt ja auch nicht die Rolle der Pyramiden in Gizeh in Frage oder jene des Eiffelturms, weil zu wenig Besucher in das Objekt hinein gelangen. Man kann und sollte vielmehr das Kunsthaus in Graz als Versuch beurteilen, mit Hilfe von Stararchitekten neue oder mehr Aufmerksamkeit auf einen Standort zu lenken, als es davor möglich war. Vom sogenannten ‚Bilbao-Effekt‘ versprechen sich zahllose Standorte rund um den Globus neue Impulse. Ist dies in Graz mit dem Kunsthaus nach über zehn Jahren entsprechend gelungen? Als Raumwissenschaftler wählt man zur Abwägung dieser Frage die Methode der ¨räumlichen Inzidenzanalyse’. Diese Methode würde im Falle des Kunsthauses in Graz folgendes fragen:

  • Wie funktioniert das Haus für den Standort Graz und für das Bundesland Steiermark?
  • Woher kommt das Geld für Investition und Betrieb?
  • Wohin fliessen letztlich diese Mittel wiederum?
  • Wieviel bleibt von der ganzen ‘Veranstaltung Kunsthaus Graz’ vor Ort hängen?
  • Welche weiteren Nutzen stiftet dieses Werk – und für wen?
  • Fachlich gesprochen untersucht man drei zusammen hängende Wirkungsebenen:
    • die Ebene der Geldflüsse,
    • der bereitgestellten Leistungen sowie
    • weiterer Nutzenarten, wie Aufmerksamkeit, Umweltbelastung oder Veränderungen von Immobilienwerten.

Diese drei ‘Inzidenzebenen’ unterscheidet man auch räumlich, das heißt man fragt: woher und wohin? Das Ergebnis kann ich für Graz nicht vorweg nehmen. Die Medienberichterstattung lässt bei mir aber zwei Schlüsse zu: Erstens kann der Nutzen des Hauses nicht alleine durch die gezählten Eintritte gewertet werden und zweitens ist eine umfassendere Betrachtung angebracht – also eine räumliche Inzidenzanalyse. Stadtentwicklungspolitik nutzt solche Bewertungsmethoden, um periodisch über die Wirkungen eigener Leistung der Vergangenheit Rechenschaft abzulegen. Mich würde es freuen, einer derartige Debatte auch bald in den Medien verfolgen zu können.

Mit freundlichen Grüßen
Alain Thierstein, Lehrstuhl für Raumentwicklung, TU München
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Sehr geehrte Damen und Herren,

Kunst darf nie lizensiert werden und sollte niemals zu einer populistischen Spielstätte verkommen, nur um mehr Frequenz zu erzielen. Es MUSS in der häufigen Zeit öffentliche Räumlichkeiten geben, in der auch Kunst präsentiert wird, die einen intellektuellen Background im Vorfeld benötigt , um die daraus resultierenden Ergebnisse verstehen zu können. Das sollte im 21. Jahrhundert wohl mehr als einleuchtend und klar sein. Ansonsten nehme ich mir hier das Recht darauf zu verweisen, dass man möglicherweise Kunstgeschichte lernen sollte und sich besonders mit dem vorherigen Jahrhundert befassen sollte. Kunst kann und soll nicht immer leichte Kost sein. Das Kunsthaus selbst dient als eine ebensolche Präsentationsplattform und unterlieget dem Auftrag der Bildung, des Weiterdenkens und dem Näherbringen von vielleicht  (für den Durchschnittsmenschen wohl bemerkt) nicht so bekannten und gängigen Ausformungen. Es soll als eine Bereicherung dienen. Es ist fest in die Joaneumsreihe eingegliedert und sollte das auch weiterhin bleiben, da es neben den anderen Häusern einen wichtigen Standpunkt der Kunst (Moderne) vertritt und ohne ihm würde ein wesentlicher, wichtiger Teil unter den Häusern fehlen. Zudem ist es in einer Stadt wie Graz wohl mehr als klar, dass keine so hohe Frequenz wie in Wien erzielt werden kann. Einerseits wohnen hier andere Menschen, mit einem anderen Denken, es gibt weniger Touristenfrequenz und anderseits ist die Stadt eben auch um eineiiges kleiner und keine Bundeshauptstadt… Somit fällt ein Vergleich mit wiener Ausstellungshäusern logischer Weise von Vornherein flach. In  Zeiten wie diesen rühmen sich Politiker immer mit dem Schaffen von Arbeitsplätzen. Da frage ich mich aber hierbei, was das sein soll? Das Kunsthaus wird von Mitarbeitern betreut, die seine jetzige Erscheinungsform erst ermöglichen.  Es sind Menschen mit Familie, die ihren Job brauchen und vor allem lieben und ihn mit viel Herzblut erledigen und ausführen. Meiner Meinung nach, sollte das auch so bleiben, da diese Institution  von den besten Händen betreut wird und die Satt Graz nicht die Arbeitslosen von morgen schaffen sollte, sondern den Menschen ihren Job vielmehr sichern sollte.
Danke für die zur Kenntnisnahme und das hoffentlich richtige Handeln,

Desirée Wilhelm
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Sehr geehrter Herr Bürgermeister Nagl!

Ein Haus von internationaler Strahlkraft nützt der heimischen Szene und inspiriert lokale KünstlerInnen. Weitsichtige Kulturpolitik weiß das und lässt sich nicht von Eventitis leiten. Weitsichtige Kulturpolitik schafft Rahmenbedingungen, damit sich ein diverses Bild zeitgenössischer Kultur entfalten kann, mischt sich aber nicht in kuratorische Belange. Schon gar, wenn es sich um eines der wenigen Häuser in Österreich handelt, das auch großartige Mid-Career-Shows steirischer und österreichischer KünstlerInnen zeigt.

Empört,
Ruth Anderwald + Leonhard Grond
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Dear Sir,

We have been very often impressed and inspired by the program of the Kunsthaus Graz over the last few years. It was addressing the most vivid issues of artistic, cultural and social life through carefully elaborated and theoretically developed projects that were highly important contributions to global art and culture. From our perspective, the Kunsthaus Graz was also an important institution for production of knowledge and excellence in expertise. We believe it was also a place of creation of unique cultural experience as well as of intercultural dialogue and exchange. Due to this unusual dynamics the Kunsthaus Graz, as a part of the Universalmuseum Joanneum, has become one of the most important player on the global art scene. It is difficult to imagine that such an excellent institution would not serve equally well to the citizens of Graz and the Province of Styria. Especially, that because of its program Kunsthaus Graz and Universalmuseum Joanneum bring international recognition to the city making it an important site on the European cultural map, For all these reasons, we would like to express our deepest concern about the plans to separate the Kunsthaus from the Universalmuseum Joanneum. At the current stage of the globalized art world, where interconnecting and consolidating are the most effective strategies of operation, such separation would obviously mean the marginalization of the Kunsthaus. We would like also to express our support to Peter Pakesch and the team of the Universalmuseum Joanneum as we believe that the highest values of European Culture are independence of cultural institutions from political agenda, possibility of long-term and responsible programming, professional engagement in developing art in service to local and global public. Furthermore, we also believe that cultural institutions provide service to the whole communities – both to those who visit them and to those who for any reasons do not do that, And it is not only because they create a chance for all, but rather because they create effects, events and situations that influence social life in totality. This is why they should be protected from expectations of populist programming that would bring crowds to them. The Muzeum Sztuki closely collaborates with the Universalmuseum Joanneum within a framework of TRANSL0CAL Network of European Museums. In our activities we are focused on modern and contemporary art and the excellent program of the Kunsthaus was one of crucial reasons we were so eager to become a partner of the Universalmuseum and its team. We hope to develop joint programs on modern and contemporary art that could be shared with the public of Graz, Lodz and other cities.

Yours sincerely,
Jaroslav Suchan, Director
and the team of Muzeum Sztuki Lodz
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Sehr geehrter Herr Bürgermeister Mag. Nagl,
sehr  geehrter Herr Kulturlandesrat Dr. Buchmann,
sehr geehrte Frau Kulturstadträtin Lisa Rücker,

Seit seiner Erröffnung ist das Kunsthaus Graz zu einer der wichtigsten Institutionen im Bereich der zeitgenössischen Kunst  in dieser Region geworden und es hat, meiner Meinung nach, nicht nur die künstlerische und museale Szene von Graz verwandelt sondern auch das urbane und kulturelle  Bild der Stadt auf eine höhere Ebene gebracht. Für  die kroatische künstlerische Gemeinschaft und für  das, an  Kultur interessierte Publikum ist es zu einem der beliebtesten und meist besuchten Häuser geworden.  Jedes neue Projekt des Kunsthauses wurde in  der kroatischen Őffentlichkeit diskutiert und  mit grossem Interesse in den Medien verfolgt. Von vielen herausragenden, interessanten und wichtigen Projekten, die vom Kunsthaus in denletzten Jahren organisiert und präsentiert wurden, möchte ich bei dieser Gelegenheit besonders die letzte Ausstellung –  El Lissitzky und Kabakov als ein höchst wertvolles Projekt hervorheben. Wir sind alle froh,  dass wir die Gelegenheit  haben, nur 150 Kilometer  von Zagreb entfernt,  solche „Weltklasse“ Ausstellung besuchen zu können. Zwischen Graz und Zagreb gibt es seit Jahrzenten regen künstlerischen Austausch auf dem Gebiet zeitgenössischer Kunst. Graz war sehr oft wichtiger Ort für die  professionelle Entwicklung vieler kroatischer Künstler, da sie oft in Graz Ideen realisieren konnten, für die sie in ihrer Heimat keine Unterstützung fanden. In diesem Sinne  besonders wichtig waren die Trigon Ausstellungen und der Steirische Herbst. Ich möchte auch bei dieser Gelegenheit noch erwähnen, dass wir in den letzten Jahren  intensiv mit Kollegeinnen und Kollegen aus Museum Joanneum, besonders mit Herrn Peter Pakesch an einigen gemeinsamen Projekten zu arbeiten begonnen haben. Eine dieser Kooperationen wird gerade im Rahmen des von EU fonds finanzierten Projektes durchgeführt. Das Projekt Baunet wurde von unserem Museum initiert und es handelt sich um das architektonische und künstlerische Erbe des Bauhauses in unseren Ländern. Am Joanneum wird zur Zeit intensiv das Leben und Schaffen des Architekten und Stadtplaners  Hubert Hoffman  erforscht. Viele Umbrüche in der kroatischen Geschichte, besonders  in den letzten zwanzig Jahren, haben uns gelehrt, wie schwierig und wie langsam  gesellschaftliche Institutionen ins  Leben gerufen werden können nachdem  sie leichtfertig und inkompetent  geschlossen, umgewandelt oder mit schlechter Führung auf ein niedriges Niveau gebracht wurden. Kulturelle Institutionen brauchen für ihre Entwicklung noch mehr Zeit, da Resultate im kulturellem Bereich erst nach vielen Jahren kontinuierlicher Arbeit sichtbar werden! Aus allen diesen Gründen  bin ich der Meinung, dass eine kurzichtige und populistische Entscheidung, wie es die Herauslosung des Kunsthauses aus dem Universalmuseum Joanneum wäre,  die erfolgreiche Fortsetzung der Arbeit dieser international bedeutender Institution ernsthaft gefährden würde.

Snježana Pintarić, 
Direktorin Museum für zeitgenössische Kunst Zagreb
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Dear Mayor Mag. Siegfried Nagl,

The Kunsthaus Graz plays a critical role in the international art community. So it was with some dismay that I recently learned that its future operation has been put into question. While it is both healthy and useful to periodically review the function of cultural institutions, it is important to consider the cultural context within which these investigations occur. The Kunsthaus is a vitally important part of the Universalmuseum Joanneum – a necessary contemporary reflection for the historical art collections of the city. That critical role cannot only be measured through attendance figures. The impact and influence of the institution resonate in ways that cannot be so directly calibrated. At a time when popular culture and the entertainment industry overwhelm the cultural landscape it is especially important that enlightened governments support alternative institutions that offer valuable viewpoints. I strongly urge you to support the Kunsthaus in continuing its progressive program and important work.

Sincerely,
Terry Winters
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Sehr geehrte Damen und Herren,

das Kunsthaus Graz ist mir als international tätigen Kurator als herausragenden Institution, die seit 10 Jahren höchst beachtet Arbeit leistet, bekannt. Mit der medial verbreiteten Wortmeldung des Bürgermeisters der Stadt Graz zum Kunsthaus Graz wird die Institution in einer Weise dargestellt die mir bedenklich erscheint. Ich möchte zu bedenken geben dass ein solches Vorgehen nicht nur dem Image dieser Institution, sondern auch dem Ruf der Stadt Graz als Kulturstandort schaden kann.

Mit freundlichen Grüßen
Mario Codognato
Chefkurator, 21er-Haus
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Sehr geehrter Herr Bürgermeister Nagl,

ihr Vorhaben, das Kunsthaus Graz aus dem Verband des Universalmuseums herauszulösen und als Spielfläche für die Kreativwirtschaft zu entwickeln, hat – wie bereits den bisherigen Reaktionen zu entnehmen – zu einer erheblichen Rufschädigung geführt. Und dies zurecht. Kunst wird durch eine Anlehnung an wirtschaftliche Nutzzusammenhänge keineswegs attraktiver, auch nicht für das Publikum. Sie wird lediglich messbarer. Taxonometrie ist daher nicht nur die Ursache für ihr Vorhaben, sondern soll wohl auch ihre Wirkung sein. Ein solches Vorhaben übersieht jedoch, dass Kunst einen Freiraum benötigt, der gesellschaftlich nur dann gewinnbringend ist, wenn er sich gewöhnlicher Gewinnrechnungen entzieht. Das Kunsthaus Graz ist ein solcher Ort und auch in diesem Sinne gewidmet.

Ich bin persönlich durch den steirischen herbst, mein Studium und mein Wirken in Ihrer Stadt geprägt. Ich fühle mich heute noch als ihr Botschafter, bin stolz an diesem Ort eines offenen und aufs Neue gerichteten Kunstverständnisses gelebt, studiert und gearbeitet zu haben. Sollten sie ihre Idee in die Tat umsetzen und lange erstrittene Errungenschaften an krude Verwertungszusammenhänge ausliefern, dann wird dieses Bild zutiefst brüchig.

Thomas D. Trummer
Kunsthalle Mainz, Direktor
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Sehr geehrter Herr Bürgermeister,

ein jeder gibt den Wert sich selbst, und mit dem Kunsthaus haben die Grazer vor 10 Jahren genau das gemacht. Die Investitionen in diesen Aufsehen erregenden Bau wie in die vielbeachteten künstlerischen Programme haben sich seither doch wirklich gut entwickelt, das zeigt die Österreich-weite und internationale Wertschätzung, die das Kunsthaus Graz heute genießt. Jetzt sind Sie drauf und dran, dieses “Investment” allein schon mit unbedachten Äußerungen zu ruinieren (Achtung, das sind viele Millionen, die Sie da auf dem Gewissen hätten!). Viele – auch wesentlich größere – Städte hätten gerne einen so attraktiven, sinnlichen und intelligenten Image-Träger. Sie sollten sich am Kunsthaus und seinen Aktivitäten erfreuen und diese Plattform aktiv nutzen! Verständnis werden Sie finden mit Forderungen nach einer lebendigen Arbeit am Mission Statement des Kunsthauses, mit einem Wunsch nach Einbingung in Diskussionen über Programmierung, Besucherzahlen, Leitbild und Organisatorisches, zumal als Haupt-Financier und in Verantwortung für Steuergelder. Dagegen wird auch in diesem Forum niemand etwas einzuwenden haben. Aber diese absurden Ideen (alle zwei Jahre die Museumsleitung austauschen, das gibt es auf der ganzen Welt nicht) zeugen höchstens von fehlender Kompetenz in Ihrem Team. Das haben Sie wohl nicht gewollt, gerade das macht aber so vielen Autoren in diesem Forum die größten Sorgen. Kommen Sie doch mit dem gesamten Gemeinderat heuer ein- zwei mal ins Kunsthaus. Das steigert die Besucherzahlen um 0,2% – ein Schritt in die richtige Richtung, und erhöht das Verständnis für eines der größten Assets in Ihrer Stadt.

Christian Meyer, Direktor Arnold Schönberg Center
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Sehr geehrter Herr Bürgermeister Nagl

Sie wollen viel mehr Bewegung und Besucher im Kunsthaus Graz? Neue Impulse? Sind Sie sicher, dass Kunst das bringt, was Sie wünschen? Sollte man nicht überlegen, dass Kunsthaus in ein Outlet zu verwandeln? Das wären doch neue Impulse, oder? Das würde doch jeden ansprechen. Graz hat das Glück, ein international anerkanntes, hervorragend bespieltes Kunsthaus zu haben, um das es beneidet wird. Wollen Sie dieses Privileg behalten, so wäre es besser, Programm und Inhalt hochqualifizierten Fachleuten wie Peter Pakesch zu überlassen. Und öfter hingehen. Eine mediale und populistische Diskussion wird nur großen Schaden anrichten.

Franz Seilern
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Sehr geehrter Herr Bürgermeister Mag Siegfried Nagl,
sehr  geehrter Herr Kulturlandesrat Dr. Buchmann,

das Kunsthaus in Graz unter der Leitung von Peter Pakesch und seinem Team ist aus internationaler Sicht eines der renommiertesten und anerkanntesten Ausstellungshäuser in Österreich. Hier finden früh innovative und ihrer Zeit vorauseilende Ausstellungen statt, die wichtige Zeichen in der internationalen Kunstszene setzen. Nur durch das Kunsthaus Graz und insbesondere der weitsichtigen und klugen Entscheidungen seines Leiters Peter Pakesch, der es vermag ein international hoch angesehenes Programm in die Steiermark zu bringen und es dabei schafft, die nationale Kunstszene vorbildlich einzubinden und ihr damit eine Sichtbarkeit auf der internationalen Bühne zu bieten. Diese Form der kulturellen Praxis kann gerade im Land Österreich nicht hoch genug eingeschätzt werden. Es ist sehr schwer und dauert Jahrzehnte, ein derartiges Renommee aufzubauen, um so einfacher ist es leider, Institutionen aus kurzsichtigen politischen Gesichtsgründen heraus zu zerstören. Mit der Wortmeldung des Bürgermeisters der Stadt Graz zum Kunsthaus Graz wird die Institution, die in den letzten 10 Jahren international höchst beachtet vorbildliche Arbeit gemacht hat, kulturpolitisch in einer Form in Haft genommen, die völlig inakzeptabel ist. Ein solches Vorgehen beschädigt die hervorragende Arbeit einer bedeutenden Institution und damit auch den Ruf der Stadt Graz als Kulturstandort. Aus einem gut funktionierendem Ausstellungshaus einen Event-Betrieb machen zu wollen ist der Populismus der Unkultur, einem europäischen Kulturland, wie es Österreich ist, nicht würdig!

Mit freundlichen Grüßen,
Bettina Steinbrügge
Direktorin Kunstverein in Hamburg
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Sehr geehrter Herr Bügermeister Mag. Siegfried Nagl,
Sehr geehrter Herr Kulturlandesrat Dr.Christian Buchmann,
Sehr geehrte Frau Kulturstadträtin Lisa Rücker,

mit der Wortmeldung des Bürgermeisters der Stadt Graz zum Kunsthaus Graz wird die Institution, die in den letzten 10 Jahren international höchst beachtet vorbildliche Arbeit gemacht hat, kulturpolitisch in einer Form in Haft genommen, die völlig inakzeptabel ist. Ein solches Vorgehen beschädigt die hervorragende Arbeit einer bedeutenden Institution und damit auch den Ruf der Stadt Graz als Kulturstandort. Aus einem gut funktionierendem Ausstellungshaus einen Event-Betrieb machen zu wollen ist der Populismus der Unkultur, einem europäischen Kulturland, wie es Österreich ist, nicht würdig!

Besten Gruß
Marie-Rose Kahane
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Blockbuster Ausstellungen, die 150.000 bis 200.000 Besucher anziehen sind in Graz wirtschaftlich einfach nicht machbar. Erst ab diesen Besucherzahlen, verbunden mit höheren Eintrittspreisen, wären die Aufwendungen der öffentlichen Hand in den Griff zu bekommen.

Wenn bei einem „Kunstklassiker“ wie Andy Warhol nur rund 40.000 Besucher zu motivieren waren, wird bei Ausstellungskosten von ca. 1 Mio. € jeder Eintritt mit mehr als 20 € subventioniert. Daher müssten deutlich höhere Ausstellungsbudgets bereitgestellt werden, die schwer mit einer eventuellen Umwegrentabilität begründbar sind. Was bleibt dann aber für aktuelle Kunstströmungen, Österreichische und Junge Kunst übrig? „Etablierte Kunst“ war auch einmal Avantgarde. Diese in einem Frühstadium zu präsentieren bzw. Vergessenes wieder aufzuspüren ist die wesentliche Aufgabe des Kunsthauses. Dass damit nicht unbedingt Massen angelockt werden ist erklärlich aber auch zu verschmerzen. Man muss zur Kenntnis nehmen, dass Graz international gesehen keine große Stadt ist, mit wenig Tourismus. Trotzdem gibt es ein gewaltiges Kulturangebot sowie international bekannte Festivals wie Styriarte oder Steirischer Herbst. Bei diesen ist glücklicherweise bis heute noch niemand auf die Idee gekommen daraus massen-taugliche Events zu machen.

Arch. DI Hermann Eisenköck
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Sehr geehrter Herr Bürgermeister Mag. Siegfried Nagl,
Sehr geehrter Herr Kulturlandesrat Dr. Christian Buchmann,
Sehr geehrte Frau Kulturstadträtin Lisa Rücker!

Wenn die Stadt Graz auf etwas wirklich stolz sein kann, dann ist es die Tatsache, dass sie sich seit einem halben Jahrhundert als Ort einer diskursiven und produktiven Auseinandersetzung mit zeitgenössischer Kunst etabliert hat – sei es auf dem Gebiet der bildenden Kunst, der Literatur oder der Musik. Die URANIA hat diesen Prozess über dieJahre hinweg, beobachtend, kommentierend und vermittelnd begleitet. Mit der Gründung des Kunsthauses wurde nicht nur ein Zeichen im öffentlichen Raum Graz gesetzt, sondern auch ein neuer Boden für diese Auseinandersetzung geschaffen, der bis heute nichts von seiner Strahlkraft verloren hat. Diese Strahlkraft sollte allerdings nicht mit Quotentauglichkeit verwechselt werden. Kulturelle Vermittlungsarbeit, jenseits einer populistischen stromlinienförmigen Unterhaltungsindustrie, ist ein länger dauernder oft schwieriger Weg, den das Team des Kunsthauses seit über zehn Jahren sehr erfolgreich beschreitet. Eine verständnisfördernde Vermittlung künstlerischer Standpunkte ist gerade dort von Nöten, wo es – wie oft bei zeitgenössischer Kunst – um außergewöhnliche, sperrige, uneinheitliche Positionen geht. Diese Vermittlung kann nicht früh genug einsetzen. Dass gerade die so wichtige schulische Vermittlungsarbeit des Kunsthauses in der laufenden Debatte ins Negative verkehrt und geschmäht wird, hat mich persönlich sehr betroffen gemacht. Zeigt sich darin doch deutlich wie kurzsichtig und oberflächlich einzelne Argumente sind. Die Schülerinnen und Schüler von heute sind die Museumsbesucherinnen und –besucher von morgen. Und was die Schule nicht leistet, muss die Erwachsenenbildung später mühsam nachholen. Ein Herauslösen des Kunsthauses aus der neu aufgestellten und erfolgreichen Museumsarchitektur „Joanneum“ wird sich nicht nur inhaltlich, imagemäßig und organisatorisch recht bald als Fehler herausstellen, sondern auch deutliche Mehrkosten verursachen, die die Stadt Graz dann nur den jeweiligen temporären Nutzern übertragen kann.

Ich bin aber voller Hoffnung, dass der losgetretene Diskurs produktive und innovative intellektuelle Prozesse initiieren wird, die auch in weitere Folge unseren Stolz auf Graz vermehren werden.

UD Dr. Hannes D. Galter, URANIA-Direktor
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Wie man ein Kunsthaus zur Diskussion stellen kann.

So wie es Bürgermeister Nagl gerne macht, hat er wieder aus der Hüfte geschossen. Wäre er ein Cowboy, so gäbe es jetzt einen Toten. Natürlich aber verwendet unser Bürgermeister keine scharfe Munition. Er schießt mit Platzpatronen, weil er gerne Aufmerksamkeit erregt. Und weil er gerne laut nachdenkt. Auch wenn es Bürgermeister Nagl gelungen ist, mit seinem lauten Nachdenken zum Kunsthaus aufzufallen, zeigt es doch, dass ihm der Schaden, den man mit unausgereiften Ankündigungen anrichten kann, gleichgültig ist. Diese Aktion zeigt letztlich auch die grundlegende Skepsis des Bürgermeisters gegenüber Einrichtungen zeitgenössischer Kunst, wie schon in der Diskussion über das Forum Stadtpark deutlich wurde. Ein Bürgermeister einer Kulturstadt muss sich nicht persönlich mit zeitgenössischer Kunst identifizieren, aber er sollte ein Gespür für die Bedeutung von Kunst in ihrer Vielfalt für Graz und seine internationale Positionierung aufbringen. Es könnte sogar eine echte kulturpolitische Diskussion sein, wenn man nicht nur ein Interview absetzt und der Stadt etwas Diffuses ausrichtet. Eine Diskussion über die Rolle des Hauses für Graz oder über die diversen Missverständnisse rund um das Haus. Über Kultur und ihren gesellschaftlichen Wert, über Kosten und Nutzen von zeitgenössischer bildender Kunst und Medienkunst. Über die Messbarkeit von Erfolg und die Erwartungen an die Marktfähigkeit von Kunst. Über Potenziale, über Versäumnisse und über Gelungenes. Man kann auch darüber diskutieren, ob „wir“, die Stadt, uns dieses Kunsthaus (noch) leisten wollen? Über Vieles kann diskutiert werden sowie über BesucherInnenzahlen, Ausstellungsinhalte und Zielsetzungen. Aber man darf sich vor allem wünschen: diskutieren wir, und zwar auf Augenhöhe! Dass das, wie man nun sehen kann, von Bürgermeister Nagl verweigert wird, zeugt von Unkultur und von Respektlosigkeit gegenüber den Interessierten genau so wie von Ignoranz gegenüber den direkt Betroffenen. Erlebt man hinter den Kulissen die absolute Gesprächsverweigerung mit dem Intendanten, dann wird der Sinn der Naglschen Intervention wirklich fragwürdig. Das ist ein Stil, der von Abwertung gegenüber der Leitung und den MitarbeiterInnen des Hauses getragen ist. Was also war der Zweck, eine Diskussion derart populistisch vom Zaun zu brechen? Ging es dem Bürgermeister der Kulturstadt Graz vielleicht gar nicht um das Kunsthaus oder die zeitgenössische Kunst oder etwa den Intendanten Peter Pakesch? Ablenkungsmanöver sind bekannter Weise beliebte politische Mittel des Siegfried Nagl. Oder handelt es sich womöglich um die mehr oder weniger bewusste Inszenierung einer Neiddebatte? Wenn es um Budgets geht, ist das Auseinanderdividieren ein probates Mittel. Was auch immer des Bürgermeisters Absicht war, es ist ihm gelungen, dass die Debatte über das Grazer Kunsthaus nur mehr in Schwarz und Weiß geführt werden kann. Dafür oder dagegen. Wer glaubt, das Kunsthaus der öffentlichen Meinung simpel als zu teuer oder zu wenig populär ausliefern zu müssen, ignoriert den einzigartigen Wert von Kunst und Kultur in einer Kulturstadt Graz, die weit mehr Bedeutung aus ihrer kulturellen Aktivität und Vielfalt zieht, als dem Bürgermeister vielleicht lieb ist.

Lisa Rücker
Stadträtin für Kultur, Umwelt und Gesundheit
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Dear Mr. Nagl,

the Kunsthaus Graz has long been an internationally acclaimed center for Contemporary Art. The list of exhibitions they’ve executed have been important for Art History. I myself had a retrospective show there in collaboration with MUMOK, Vienna. They are doing exemplary work. I urge you to change nothing.

Respectfully yours,
John Baldessari
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Sehr geehrter Bürgermeister Nagl,

wie viele meiner Kolleg/innen habe auch ich die Diskussionen, die sich in den letzten Wochen rund um das Kunsthaus Graz entwickelt haben, mit Bestürzung verfolgt. Die Debatte um die Programmierung und die Inhalte des Grazer Kunsthauses wurde über die Medien und ohne Einbeziehung der Beteiligten gestartet und damit wurde die Arbeit einer Institution, die erfolgreich und – auch das muss man sagen – auftragsgemäß zeitgenössische Kunst in Graz präsentiert, auf Schlagworte reduziert und in Misskredit gebracht. Die Vermittlung zeitgenössischer Kunst ist, unabhängig vom Medium, ein unglaublich spannender, dynamischer, aber durchaus auch schwieriger Bereich. Wir alle arbeiten, um für unser Publikum Möglichkeiten der Begegnung und Auseinandersetzung zu schaffen, aber dieses Publikum kann nicht nur mit großen und bekannten Namen beglückt werden – die übrigens auch im Kunsthaus Graz immer wieder prominent vertreten sind und waren. Eine solche Verengung ist eine Verarmung, es muss eine Vielzahl künstlerischer Positionen sichtbar bleiben, auch die unbekannten, auch die unbequemen, auch die, für die man ein Publikum erst langsam aufbauen muss. Ein Ausstellungsbetrieb unter regelmäßig wechselnder Leitung und mit statistischen Publikumserwartungen beraubt sich dagegen selbst der Möglichkeiten für nachhaltige Arbeit. Natürlich kann man die Diskussionen über die Rahmenbedingungen geförderter Institutionen führen, sie sind auch für alle Kunst- und Kulturschaffenden ein unabdingbarer Teil der Auseinandersetzung mit der eigenen Arbeit und mit der Öffentlichkeit. Aber diese Diskurse sind komplex und darüber die Programmprofile zu definieren ist gefährlich. Ich schließe mich also den vielen Appellen an, die Errungenschaften des Kunsthauses und seine Möglichkeiten für einen differenzierten und nachhaltigen Ausstellungsbetrieb nicht aufs Spiel zu setzen und die Diskussion in inhaltsorientierter Weise zu führen.

Mit freundlichen Grüßen,
Barbara Pichler, Festivalleitung Diagonale, Festival des österreichischen Films
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Sehr geehrter Herr Buergermeister Nagl!

Ich arbeite viel und intensiv mit Mitarbeitern des Joanneums, auch des Kunsthauses. Ich kann mit absoluter Überzeugung Ihnen zusichern, dass sie höchst professionell arbeiten. Auch im kreativen Bereich. Autonomie und Kreativität sind gegenseitige Aspekte des selben Unterfangens. Das Kunsthaus in Händen von Aussenseitern zu lassen, wäre sehr unratsam und auch gefährlich. Als Engländer in Österreich bin ich immer wieder von der Top-Qualität dieses Museums sehr überzeugt – kurz gesagt:

Leave the museum in the hands of those best able to run it!
Ich bedanke mich und verbleibe,
Andrew J. Horsfield, M.A. (Cantab.)
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Ich halte das spektakuläre Programm des Kunsthauses für ziemlich gut.
Ich halte das spekulative Programm des Bürgermeisters für ziemlich schlecht.

Ferdinand Penker
Künstler
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Sehr geehrte Damen und Herren,

Mit Beunruhigung habe ich letzte Woche von der angestossenen Debatte zur Neupositionierung des Kunsthauses Graz erfahren. Ich schließe mich hiermit den Protesten der Direktion des Kunsthauses Graz an und warne vor unqualifizierten und unbedachten Schritten, die ein hervorragendes, umsichtig geführtes und anspruchsvoll programmiertes Haus in ein kulturelles Ödland verwandeln würden. Herausragende Kulturarbeit braucht Unabhängigkeit von Politik und Firmeninteressen.
Mit prophetischen Grüßen
Patricia Grzonka
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Der Verein BÖKWE- STMK (Berufsverband österreichischer Kunst- und Werkerzieher) blickt auf 60 Jahre sehr erfolgreiche Vereinstätigkeit in Sachen Künstlerischer Bildung in ganz Österreich zurück. Betroffen hat uns die Presseaussendung über die angedachte Neuausrichtung des Grazer Kunsthauses gemacht, vor allem wegen der hochwertigen Kunstvermittlung und unserer positiven Kooperation mit Intendant Peter Pakesch. Mit ihm  gab es monatelange Verhandlungen um bestimmte Konditionen für den BÖKWE- STMK, sowie gemeinsame Entwicklung von Ideen für den „Schule schaut Museum Tag“. Als eine der Leitungsorgane habe ich meinen Zugang zu Herrn Pakesch rückblickend in das Jahr 1986. In diesem Jahr gründete der Ausstellungskurator Peter Pakesch gemeinsam mit dem Kulturpolitiker Helmut Strobl den Grazer Kunstverein, dessen künstlerischer Leiter er bis in das Jahr 1988 war. Ich zähle zu den ersten Mitgliedern dieses Vereins in unserer Stadt, da die Auseinandersetzung der Inhalte auf Gegenwartskunst ausgerichtet ist und bis heute ein sehr erfolgreiches internationales Ansehen hat. Das Kulturjahr 2003 hat Graz einen außerordentlichen Erfolg gebracht, dieser muss aber ständig erneuert werden. Es bedarf vieler Überlegungen und Entscheidungen und auch Mitdenken und Unterstützung eines Vereines wie des BÖKWE- STMK  dem es immer ein sehr großes Anliegen war und ist unsere uns anvertraute Jugend in das aktuelle Kunstgeschehen einzubinden. Frau Dr. Franziska Pirstinger und ich, MMag. Heidrun Melbinger-Wess haben auf Grund des Vereinsgesetzes 2002 unter Anpassung der Vereinsstatuten unsere Tätigkeit auf Grundlage der neuen Statuten das Vereinsreferat mit Frau Mag. Andrea Stütz 28.6.2006 übernommen und sind bis zum heutigen Tage verantwortlich. Eine unsrer ersten Initiativen war das Ersuchen um freien Zugang in alle Einrichtungen des Landesmuseum Joanneum (so hieß es damals). Unser Ansprechpartner war Herr Peter Pakesch. Die Begründung dieser Bitte beruhte  auf der Tatsache, dass alle unsere Kolleginnen und Kollegen Multiplikationsfaktoren darstellen und wir uns durch den freien Zugang ein gesteigertes Interesse für die eigene Weiterbildung und damit verbunden eine effiziente Kunstvermittlung für die Jugend erwarten, vor allem für  zeitgenössische Kunst. Die Verhandlungsgespräche ergaben eine Kompromisslösung, gegen Vorweis der BÖKWE-Card wurde eine Ermäßigung gewährt. Inzwischen kam es zur Umbenennung in Universalmuseum Joanneum. Allen PädagogInnen werden hervorragende Führungen über das Team der Kunst- und Kulturvermittlung kostenlos angeboten, es erscheint ein monatlicher Schulnewsletter, es gibt eine Schulcard, interessante Vermittlungs-Programme werden herausgebracht, ein umfassender Newsletter informiert über die zahlreichen Aktivitäten. Vom BÖKWE – STMK  werden diese Informationen ebenso auf der Homepage veröffentlicht. Eine partnerschaftliche Zusammenarbeit entstand unter dem Titel:  „Schule schaut Kunst“ wobei Österreich weite Aktionstage, meistens März, vorbereitet wurden und werden. Gemeinsam mit BÖKWE arbeitet das Vermittlungsteam des Universalmuseum Joanneum bereits an Fortsetzungen und Intensivierungen des Austausches zwischen Schule und Museum, Partnerschaften entstanden von Wien bis Vorarlberg. Auch der Landesschulrat Steiermark hat in der monatlich erscheinenden Zeitschrift: „Schule“, eine Spalte, für Informationen bezogen auf das Universalmuseum Joanneum, eingeblendet. Aus dieser Niederschrift ist ersichtlich, dass unsere Gespräche, das Verhandeln zwischen den Interessensfeldern unseres Vereins mit dem Intendanten Peter Pakesch und seinen Überlegungen sehr gut in der Arbeit mit der Jugend angenommen wurden. Die wichtigste Aufgabe liegt in der Vermittlung der Begeisterungsfähigkeit bei der Jugend. In der Kulturzeitung: „80“ hat Landesrat Mag. Michael Schickhofer unter dem Titel: Eine pädagogische Kulturänderung ist notwendig“ erkannt, das Motto heißt: „Begegnen- Begeistern- Bilden“: Dieser Aussage schließen wir uns an, unsere Bemühungen für die Jugend unserer Stadt, unseres Landes waren nur mit den Überlegungen des Intendanten des Universalmuseums Joanneum, Peter Pakesch, durchführbar. Eine Überlegung wäre noch hinzuzufügen:  Wenn Graz eine Akademie für Bildende Künste hätte, was ja schon im Gespräch war und jetzt im März 2014, wieder ins Gespräch gebracht wird, würde sich die  Situation entspannen. Sich mit Kunst zu identifizieren braucht Kompetenz und Engagement welche mit Leistung verbunden ist. Eine Ausbildungsstätte könnte zur allgemeinen Sichtbarkeit führen.

Mag Mag. Heidrun Melbinger Wess
Leitungsorgan des Berufsverbandes Österreichischer Kunst und Werkerzieher_innen, Landesgruppe Steiermark

Dr. Pirstinger Franziska, BÖKWE STMK
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Es ist ja beruhigend, dass die Stadtregierung die Verwendung von Steuergeldern genau beobachtet und auch tätig wird, wenn sie Handlungsbedarf sieht. Man würde sich das von Regierungen ja öfter wünschen. Ob aber gerade beim Kunsthaus der größte Handlungsbedarf besteht? Die ersten zehn Jahre waren ja eine gute Mischung aus etablierten Namen – Sol LeWitt, Maria Lassnig, Ai Weiwei und Franz West – und neu zu Entdeckendem. Aktuelle Kunst polarisiert doch praktisch immer, was eine stetige Abfolge von Blockbusterausstellungen unmöglich macht. Wäre also toll, wenn die Stadtregierung abseits von Wahlkampfparolen Interesse am kulturellen Leben der Stadt zeigt. Wäre weniger toll, wenn die Aktivitäten nur maskieren sollen, dass man ein zentrales Aushängeschild der Stadt einem Konzern andienen will …
Heinrich Kopetz
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Weiner, Lawrence
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Mayor Mag. Siegfried Nagl,

I am writing to register my opposition to the proposed plans to separate the Kunsthaus Graz to from the UMJ.
Contrary to what has been claimed in you recent review, I believe the museum has flourished over the past 10 years under the direction of Peter Packesh to become an important and acclaimed exhibition space for international contemporary art; hosting many curatorially significant exhibitions – including several collaborations with other international museums – affirming its standing in this culturally rich destination. I strongly oppose the pressures being exerted upon the museum to become a City-led establishment and believe that a lack of independent Directorship and the suggested revisions to the programming structure would be hugely detrimental to continuing ambition of this renowned institution.

Sincerely,
Jay Jopling
White Cube, London
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Juliet

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Mit der Wortmeldung des Bürgermeisters der Stadt Graz zum Kunsthaus Graz wird die Institution, die in den letzten 10 Jahren international höchst beachtet vorbildliche Arbeit gemacht hat, kulturpolitisch in einer Form in Haft genommen, die völlig inakzeptabel ist. Ein solches Vorgehen beschädigt die hervorragende Arbeit einer bedeutenden Institution und damit auch den Ruf der Stadt Graz als Kulturstandort. Aus einem gut funktionierendem Ausstellungshaus einen Event Betrieb machen zu wollen ist der Populismus der Unkultur, einem europäischen Kulturland, wie es Österreich ist, nicht würdig!

Drago Persic
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Juliet_01_________________________________________________________________________________________

Sehr geehrter Herr Nagl,

Ihren Wortmeldungen in der Grazer Kleinen Zeitung zufolge, wollen Sie das Kunsthaus Graz aus dem Verband des Joanneums herauslösen, und es zu einem offenen Veranstaltungs- und Kulturhaus machen. Da gerade das Kunsthaus Graz in den letzten 10 Jahren international höchst beachtet vorbildliche Arbeit gemacht hat, scheint mir dieses Vorgehen völlig inakzeptabel. Aus meiner bisherigen künstlerischen Ausstellungstätigkeit kann ich mit Sicherheit sagen, dass Peter Pakesch und seine Kuratoren und Kuratorinnen im Kunsthaus Graz eine hervorragende Arbeit geleistet haben und die Ausgliederung ein großer Verlust für den Kulturstandort Graz als auch Österreich bedeuten würde. Das Kunsthaus Graz ist ein internationaler Begriff geworden. Aus einem gut funktionierendem Ausstellungshaus einen Event Betrieb machen zu wollen ist der Populismus der Unkultur und einem europäischen Kulturland nicht würdig!

Mit den besten Grüßen
Franz Kapfer
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Sehr geehrter Herr Mag. Nagl,

mit Ihrer Wortmeldung zum Kunsthaus Graz wird die Institution, die in den letzten 10 Jahren international höchst vorbildliche Arbeit geleistet hat, kulturpolitisch in einer Form in Haft genommen, die inakzeptabel ist. Ein solches Vorgehen beschädigt die hervorragende Arbeit einer bedeutenden Institution und vor allem auch den Ruf der Stadt Graz als Kulturstandort. Ich schließe mich all jenen an, die dagegen sind, dass aus dem Kunsthaus Graz ein populistischer Event Betrieb gemacht wird.
Mit freundlichen Grüßen,
Sabine Friesz
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The recent pronouncements of the Mayor of Graz concerning the Kunsthaus Graz have placed pressure on the institution ­ which in the last 10 years has produced exemplary work enjoying international recognition ­ in a way that is completely unacceptable. To proceed in this way damages the outstanding work of an important institution and thus the reputation of the City of Graz as a cultural location. To want to turn a well functioning Art Gallery into an event business is the populism of philistinism, unworthy of a great European cultural country such as Austria!

Please do not hesitate to contact me in case you need any further assistance.

PCR Studio / João Martins
Pedro Cabrita Reis
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Sehr geehrter Bürgermeister Mag. Siegfried Nagl,

mit Ihrer Wortmeldung zum Kunsthaus Graz wird die Institution, die in den letzten 10 Jahren international höchst beachtet vorbildliche Arbeit gemacht hat, kulturpolitisch in einer Form in Haft genommen, die völlig inakzeptabel ist. Ein solches Vorgehen beschädigt die hervorragende Arbeit einer bedeutenden Institution und damit auch den Ruf der Stadt Graz als Kulturstandort. Aus einem gut funktionierendem Ausstellungshaus einen Event Betrieb machen zu wollen ist der Populismus der Unkultur, einem europäischen Kulturland, wie es Österreich ist, nicht würdig!

Mit der Hoffnung auf eine Rückbesinnung auf die Bedeutung des Kunsthauses Graz.
Grafikum / Studio für Gestaltung
Julia Juriga-Lamut / Marion Mayr
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Sehr geehrter Herr Bürgermeister,

mit Ihrer Wortmeldung zum Kunsthaus Graz in der „Kleinen Zeitung“ im April wird die Institution, die in den letzten 10 Jahren international höchst beachtet vorbildliche Arbeit geleistet hat, kulturpolitisch in einer Form in Haft genommen, die völlig inakzeptabel ist. Ein solches Vorgehen beschädigt die hervorragende Arbeit einer bedeutenden Institution und damit auch den Ruf der Stadt Graz als Kulturstandort. Aus einem gut funktionierendem Ausstellungshaus einen Event-Betrieb machen zu wollen ist der Populismus der Unkultur, und einem europäischen Kulturland, wie es Österreich ist, nicht würdig!

Mit freundlichen Grüßen
Univ. Doz. Dr. Dieter Bogner
bogner.cc KG
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Sehr geehrter Herr Bürgermeister!
Sehr geehrte Damen und Herren!

Als Kunsterzieherin und Vielnutzerin des Grazer Kunsthauses möchte ich zur Diskussion über das Kunsthaus folgende Wahrnehmung teilen. Als wir vor 11 Jahren erstmals das für die Stadt Graz langersehnte Kunsthaus betraten, spürten wir, dass die Stadt Graz mit der Eröffnung des Kunsthauses größer, weitsichtiger und weltoffener geworden ist. Rund um das Kunsthaus entwickelte sich mit der Stadt eine lebendige, innovative Szene. Die Kulturhauptstadt Europas 2003 wollte weg von ihrem provinziellem Gehabe. Das Kunsthaus Graz hat bisher eindrücklich bewiesen, dass es kein Provinzmuseum, sondern ein international anschlussfähiges Haus mit anspruchsvollem Programm ist. Dieses grenzt sich von rein populistischem, kommerziellem Eventanspruch ab und erhebt definitiv Bildungsansprüche. Mitten in Graz wird international anschlussfähige Kunst gezeigt! Einem engagierten, freundlichen und zudem für Anregungen offenen Team des Grazer Kunsthauses ist es stets gelungen, dieses Programm meinem jungen studentischen Publikum zu vermitteln und die Hemmschwellen bezüglich Begegnung mit aktueller Gegenwartskunst abzubauen. Internationale Kolleg_innen beneiden die Steirischen Lehrer_innen, um die Vielfalt und Pluralität der Grazer Kunst- und Kulturszene. Diskussionen und Denkanstöße sind immer zu begrüßen, solange sie nicht in populistische Abschaffungsschreie münden. Wie in jeder Einrichtung gibt es selbstverständlich auch im Kunsthaus Verbesserungspotential. Sicher ist jedoch zu bedenken und festzuhalten: Investition in Kunst und Kultur trägt soziale Zinsen und ist zudem visionär und nachhaltig. Es gilt daher für uns alle, darüber nachzudenken, wie man die Grazer motiviert, stolzer auf ihre kulturellen Einrichtungen zu sein und die Bewohner_innen auch dazu bewegt, ihr Kunsthaus sowie die vielschichtige Szene immer wieder zu besuchen.

Dr. Pirstinger Franziska
Kompetenzzentrum Kunst – Kreativität – Kommunikation
Kirchliche Pädagogische Hochschule Graz

Kategorie: Kulturpolitik
Schlagworte: BIX-Medienfassade | Betriebsrat | Kunsthausdebatte


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