Foto: Flickr, Ecsite Executive Office

14. Juni 2016 / Anna Fras

Primaten, Menschen und die Technik

Forschung | Kulturpolitik | Kunst- & Naturvermittlung

Am Samstag hielt der Biologe, Verhaltensforscher und Professor Dr. Frans de Waal die zweite Keynote der Ecsite-Konferenz ab. Im Gegensatz zur vorhergehenden Keynote von Dr. Elisabeth Rasekoala erzählte er von seinen Erkenntnissen aus der Tierforschung.

Die zweite Keynote verlief in vielerlei Hinsicht anders, als die von Elizabeth Rasekoala am Vortag. Der in Amerika lebende Niederländer Frans de Waal musste aufgrund technischer Probleme erstmal auf den Beginn der Keynote warten. Sichtlich bemüht, die Zeit sinnvoll zu füllen, wurde der Professor ausführlich von den ModeratorInnen vorgestellt. Am Ende übernahm van de Waal aber einfach selbst das Zepter und begann ohne Bildschirmpräsentation zu erzählen. Humor half ihm dabei, gekonnt mit der ungeplanten Situation umzugehen: „Is Austria not ready for the Mac?“

Von Johanna Wöß

Schon seit Jahren erforscht Frans de Waal wie Primaten untereinander kommunizieren und fand viel Erstaunliches heraus:

„We are not the only ones with face recognition.“

Doch auch in Amerika gäbe es viel Forschungspotential auf diesem Gebiet, denn “the American election is SO interesting for the primatologists!“ Mit einem Video– die Technik funktionierte mittlerweile einwandfrei – demonstrierte der Forscher die Ergebnisse an einem Versuch mit Affen.

Probleme lösen

Ja, auch Primaten streiten. Und ja, auch Primaten versöhnen sich nach einer Auseinandersetzung wieder miteinander. Heute, so erzählt er, kommt bei Wissenschaftern Erstaunen auf, wenn Tierarten diese Verhaltensmuster nicht aufweisen. Denn: “If you’re fighting with somebody, you might need to make up with them to solve the problem”.
Um die Aussage, wie ähnlich wir Primaten in vielerlei Hinsicht sind, zu unterstreichen, fand de Waal die passenden Worte:

“You are technically all apes – large primates without tails”

Emphatie

Warum wir alle Emotionen zeigen können? Weil wir Menschen mit Spiegelneuronen ausgestattet sind. Auch in der Tierwelt treten Empathie und Mitgefühl auf. Hunde gähnen, wenn ihre Besitzer gähnen und in der Welt der Primaten umarmt eine Affenmutter ihr schreiendes Baby, um dieses zu beruhigen.

Foto: Flickr, Ecsite Executive Office

Foto: Flickr, Ecsite Executive Office

Mit viel Witz, Bildern und Videos gab Frans de Waal Einblicke in sein Forschungsgebiet und begeisterte sein Publikum mit zahlreichen Beispielen aus der Praxis. “You have to put the communication, behaviour and reactions of animals on the same level with human communication, behaviour and reactions.” Denn so außergewöhnliche Lebewesen sind wir Menschen eigentlich nicht – auch wenn wir felsenfest davon überzeugt sind.

Mehr?

Mehr über die Ecsite 2016 in Graz gibt es auf unserem Blog.

Kategorie: Forschung | Kulturpolitik | Kunst- & Naturvermittlung
Schlagworte: Ecsite 2016


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