14. April 2014 / Christoph Pelzl

Natur Natur sein lassen

Schloss Trautenfels

Schloss Trautenfels widmet sich mit seiner neuen Sonderausstellung dem Thema Wald und Mensch. Ab heute bis einschließlich 31. Oktober 2015 wird dort eine vielseitige Geschichte in 100 Positionen erzählt, die uns vor Augen führt, wie tiefgreifend menschliche Bewirtschaftungsmaßnahmen natürliche Prozesse beeinflussen.

Im Mittelpunkt der Ausstellung steht der Wald, seine Entstehung und seine unterschiedlichen Funktionen. Die Schwerpunkte liegen einerseits auf der historischen Entwicklung dieser überaus komplexen Ökosysteme und andererseits auf der Nutzung von Wäldern durch den Menschen.

 

wald und mensch

Ausstellungsansicht “Wald und Mensch”, Schloss Trautenfels, Foto: UMJ/N. Lackner

 

Auf insgesamt 450 m² und aufgeteilt auf sieben Räume zeigt die Ausstellung rund 100 Objekte zum Thema Wald. Am Beginn des chronologisch strukturierten Rundgangs steht die Entstehung des Waldes aus erdgeschichtlicher Perspektive. Als Orientierungshilfe durch die Fülle der Informationen zieht sich eine Zeitleiste wie ein roter Faden durch alle Räume. Den Abschluss bilden Ausblicke auf die Zukunftsperspektiven unserer Wälder.

Nutzen für den Menschen

Archäologische Funde belegen, dass der Wald bereits frühzeitlich vom Menschen genützt wurde. Dennoch existieren auch heute noch in Österreich Gebiete mit sogenannten „Urwäldern“. Eines dieser unberührten Zonen ist das Wildnisgebiet Dürrenstein. Es liegt auf einer Fläche von 500 ha in Niederösterreich, zwischen Waidhofen an der Ybbs, Eisenerz und Mariazell. Bereits 1875 unter Schutz gestellt, wurde dem Gebiet 2003 die Kategorie I nach den Kriterien der Weltnaturschutzorganisation IUCN verliehen. Anders als in den meisten Waldgebieten Österreichs finden hier keine forstwirtschaftlichen Eingriffe statt und das oberste Ziel ist der Schutz von Wald, Lebewesen und Lebensgemeinschaften. Ohne den Einfluss von Menschen sind hier biologische Prozesse möglich, die erst durch das Wegfallen sämtlicher Regulierungsmaßnahmen in Gang kommen.

 

dürrenstein

Ausstellungsansicht “Wald und Mensch”, Natur Natur sein lassen, Schloss Trautenfels, Foto: UMJ/N. Lackner

Die Wälder des Gebietes Dürrenstein entsprechen der typischen Vegetation der Gebirge der nördlichen Kalkalpen und sind vorwiegend mit Buchen, Tannen und Fichten bewaldet. Spannend ist, wie der unberührte Lebensraum mit anderen Lebensformen interagiert: Das sogenannte Totholz, das in Wirtschaftswäldern meistens nicht vorhanden ist, bildet im Wildnisgebiet Dürrenstein die Grundlage für das Auftreten einer Vielzahl von Pilzen. Zu den mehr als 600 Pilzarten, die dort zu finden sind, zählen auch einige, die in Österreich ausschließlich dort vorkommen und hier erstmals beschrieben wurden!

 

totholz

Ausstellungsansicht, “Wald und Mensch”, Totholz, Foto: UMJ/N. Lackner

Ebenso artenreich wie die Flora ist auch die Fauna in diesem Gebiet: Von Braunbären und Luchsen über Rothirsche und Gämsen bis hin zu seltenen Arten wie dem Weißrückenspecht oder dem Alpenbock bietet das Gebiet einen geschützten Lebensraum für viele Tiere.

In Kooperation mit dem Wildnisgebiet Dürrenstein ist ein Raum in der Sonderausstellung Wald und Mensch diesem spannenden Gebiet gewidmet, das ein faszinierendes Beispiel für „Wald ohne Mensch“ darstellt – einen Naturraum, der sich selbst überlassen ist und gerade deswegen voller Leben steckt!

Kategorie: Schloss Trautenfels
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