In der Needle des Kunsthauses, Foto: UMJ

8. Juni 2012 / Anna Scharinger

Museum und Menschen zusammenbringen

Kunst- & Naturvermittlung

Warum spricht mich ein Werk oder eine Künstlerin, ein Künstler besonders an? Aus welchem Grund irritiert mich ein anderes Werk umso mehr? Wieso lässt mich ein bestimmtes Objekt und dessen Geschichte nicht mehr los? Und warum sind bestimmte Gegenstände eigentlich im Museum und andere wiederum nicht?


Bei einem Ausstellungsbesuch tauchen immer wieder viele Fragen auf, die sich oft nicht so schnell beantworten lassen. Von diesen und weiteren Fragestellungen gehen auch wir in unserer täglichen Vermittlungsarbeit aus, wenn wir uns einer neuen Ausstellung oder Thematik annähern.

Immer im Blickfeld haben wir dabei die unterschiedlichsten Faktoren, die die Vermittlungsarbeit im Museum beeinflussen können und auch sollen. Diese sind beispielsweise die subjektive Betrachtungsweise der Menschen, die zu uns kommen, und auf der anderen Seite die im Museum kontextualisierten und ausgestellten Inhalte und Themen. Wir verstehen uns in diesem Zusammenspiel als Schnittstelle zwischen Museum und Besucher/in, an der wir versuchen, die jeweiligen Interessen beider Seiten zusammenzuführen.

Mit unserer Vermittlungsarbeit im Museum wollen wir keine eindeutigen Wahrheiten schaffen, sondern vielmehr einen bestimmen Standpunkt sichtbar machen, der wiederum vielfältige Interpretations- und Betrachtungsweisen zulässt. Fragen spielen in diesem Prozess eine zentrale Rolle, da nur durch sie der Mehrdeutigkeit von Dingen und Themen nachgespürt werden kann.

Miteinander sprechen und aktiv werden

Unsere dialogischen Rundgänge durch die unterschiedlichen Ausstellungen des Universalmuseums Joanneum bilden für diese Auseinandersetzungen die Basis, indem sie einen Rahmen für individuelle Fragenstellungen und Diskussionen bieten. Neben dieser grundlegenden Vermittlungsform runden vertiefende Programme und Veranstaltungen, bei denen auf die unterschiedlichen Lebensrealitäten, Persönlichkeiten, Erfahrungen und auch Emotionen der Besucher/innen eingegangen wird, unser Angebot ab.
Spezialführungen,erlebnis- und handlungsorientierte Workshops für Kinder und Jugendliche oder die ganze Familie sowie offene Werkstätten und Ateliers bieten eine ideale Atmosphäre, in der die Lust an Inhalten geweckt, Interesse gefördert, Fragen gestellt, Neugierde gestillt und vor allem auch eine aktive Auseinandersetzung mit musealen, künstlerischen, natur- und kulturhistorisch relevanten Inhalten möglich wird. Diverse Spezialveranstaltungen wie Aktionstage für Schulen oder Studierende, Kinderfeste, Gespräche mit Fachleuten, aber selbstverständlich auch für unterschiedliche Zielgruppen entwickelte Audioguides und Apps bieten eine spannende Ergänzung zum Ausstellungsbesuch.

Audioguides für die ganze Familie, Foto: UMJ

Kunst und Kultur besser verstehen – Vermittlung leichter zugänglich machen

Um diese Auseinandersetzung noch aktiver zu fördern und anzuregen, haben wir im April und Mai eine Vermittlungsoffensive am Universalmuseum Joanneum gestartet, mit der wir unsere Türen noch weiter für alle Interessierten öffneten, indem wir vielseitige und kostenfreie Möglichkeiten zur vertiefenden Auseinandersetzung mit den Ausstellungsinhalten angeboten haben. Alle Fixführungen sowie Kinder- und Familienworkshops konnten an allen Samstagen in diesem Zeitraum gratis genutzt werden.

Für all jene, die den Museumsbesuch lieber alleine genießen, aber auf ergänzende Informationen trotzdem nicht verzichten wollen, gab es das Angebot, sich den Audioguide im Museum im Palais, Landeszeughaus, Kunsthaus Graz, Joanneumsviertel und Archäologiemuseum kostenlos auszuleihen. Schon im April, dem ersten Monat, stieß die Vermittlungsoffensive auf große Resonanz: Rund 3000 Besucher/innen haben die Gelegenheit genutzt, die Museen und Ausstellungen – entweder durch personelle oder mediale Vermittlung im Rahmen der Offensive – (neu) kennenzulernen oder bestimmte Objekte in einem anderen Licht zu betrachten.

Kunstvermittlung im Museum im Palais, Foto: UMJ

Bei rund 100.000 Kindern, Erwachsenen sowie Seniorinnen und Senioren, die jährlich an den unterschiedlichsten personellen Vermittlungsprogrammen an den Standorten des Universalmuseums Joanneum teilnehmen, wird nicht nur das große Interesse an einer vertiefenden Auseinandersetzung mit Inhalten deutlich, sondern es zeigt sich auch einmal mehr die zentrale Bedeutung der Vermittlungsarbeit am Museum und die hohe Relevanz eines aktiven Austausches, der Interaktion und des Zusammenspiels von Museum und Besucher/in.

Besucher/innen-Forschung – „Sehen wir uns wieder?“

Da immer mehr Besucher/innen unsere Programme nutzen und die Zahl der Joanneums-Jahreskarten erfreulicherweise stetig ansteigt, wollten wir es im vergangenen Jahr genau wissen und haben die Jahreskarten-Besitzer/innen gefragt: „Wo liegen die speziellen Bedürfnisse und Wünsche unserer Museumsnutzer/innen?“ Diese Umfrage im Sommer 2011 lieferte uns wichtige Informationen, beispielsweise über die Prioritäten beim Museumsbesuch oder ob eine Ausstellung lieber allein oder in Begleitung besucht wird und welche Erwartungen generell an unsere Angebote gestellt werden.

Neben langjährigen Erfahrungswerten, dem regelmäßigen Besucher/innen-Feedback sowie internen Rückmeldungen von Kolleginnen und Kollegen bilden die Auswertungen solcher Befragungen die Basis dafür, wie wir unsere Programme und Angebote stetig weiterentwickeln und optimal auf die unterschiedlichen Bedürfnisse abstimmen.

Museum gemeinsam erleben – die neue Familien-Joanneumskarte

Einige der Ergebnisse dieser Befragung sind in den letzten Monaten in die Gestaltung der neuen Familien-Joanneumskarte eingeflossen, die wir nun seit 15. Mai mit einem erweiterten Leistungspaket anbieten. So beziehen sich die Veränderungen der Familien-Jahreskarte zum einen auf formelle Rahmenbedingungen, die einem zeitgemäßen Verständnis von Familie stärker entsprechen, vor allem aber auch auf eine Ausdehnung des Leistungsspektrums, bis hin zu inhaltlichen Angeboten.

Um in Zukunft auch Familien mit älteren Kindern bzw. Jugendlichen mit der Jahreskarte zu begünstigen, haben wir die Altersgrenze der eingetragenen Kinder von 14 auf 18 Jahre erhöht. So wird die Jahreskarte gewissermaßen mit den Kindern „älter“ und bietet diesen noch länger alle Vorteile und Vergünstigungen rund um den freien Museumsbesuch. Bei der Jahreskarte definiert sich „Familie“ nun auch nicht mehr nur über die Kernfamilie von Eltern und Kindern, sondern bietet auch Raum für andere Konstellationen und Kombinationen. So können z. B. auch Großeltern mit ihren Enkelkindern oder Tanten und Onkeln mit Nichten und Neffen von der neuen Familien-Jahreskarte profitieren.

Jahreskarten gibt es für alle Altersgruppen, Foto: UMJ

Uns ist es darüber hinaus auch ein großes Anliegen, dass wir neben dem freien Eintritt in die Ausstellungen und den angesprochenen verbesserten Rahmenbedingungen vor allem zur vertiefenden Auseinandersetzung mit dem Museum selbst und seinen Inhalten anregen. Darum haben wir im Leistungspaket der neuen Familien-Jahreskarte alle regelmäßig stattfindenden Vermittlungsreihen für Kinder und Familien inkludiert. Bei bis zu 100 kostenfreien Vermittlungs-Workshops im Jahr hat nun die gesamte Familie die Möglichkeit, ihr Museum aktiv zu erleben und kennenzulernen.