28. Mai 2015 / Theresa Wakonig

Kaffee verbindet

Museum für Geschichte

Im Rahmen der diesjährigen Triest-Tage oder „Giornate Triestine“ zeigt das Café Regner in Seckau die Ausstellung Außerhalb von Graz/fuori da Graz: Kaffeehäuser von Triest. Sie wird heute um 16 Uhr eröffnet. Prominenter Eröffnungsgast ist der Schriftsteller Veit Heinichen, dessen Kriminalromane am Schauplatz Triest spielen. Die Exponate sind einerseits Fotografien von Martin Behr, andererseits historische Aufnahmen der Kaffeehauskultur in Triest. Früher und heute gleich ist die Liebe zum Kaffee.

 

Postkarte v. Triest

Postkarte v. Triest, Piazza grande

Am 25. Juli 1959 lief das Schiff „Vegaland“ beladen mit 2.000 Tonnen Kaffee im Hafen von Triest ein. Es brachte die erste Fracht, die vom Istituto Brasiliero do Café aufgrund eines Abkommens versandt wurde. Damit begann der Aufstieg Triests zu einem führenden Zentrum des europäischen Kaffeehandels. Die ortsansässigen Röstereien, wie jene des langjährigen Bürgermeisters Illy, machen gute Geschäfte im Export, und die Triestinerinnen und Triestiner lieben den Kaffee.

Ein Stadtrundgang in Triest führt von einem Café zum nächsten – die Stadt gleicht einem südlichen Ringstraßen-Wien. Viele Kaffeehäuser sind so geschichtsträchtig wie andere Sehenswürdigkeiten – sie waren Treffpunkte für Künstler, Geschäftsleute und Intellektuelle.

Das erste Eis in der Stadt

Das Caffè Tommaseo ist das älteste Kaffeehaus von Triest; seit 1830 werden hier Getränke ausgeschenkt. Im Revolutionsjahr 1848 war es Treffpunkt der Patrioten, die Triest als italienische Stadt sahen und den Anschluss an das Haus Piemont diskutierten, das auf dem Weg war, Italien in einem Nationalstaat zu vereinen. Eine weitere Besonderheit des Tommaseo ist, dass es als erstes Café in Triest Speiseeis verkaufte.

Das Caffè degli Specchi („Café der Spiegel“) liegt auf dem zentralen Platz von Triest: der Piazza dell’Unità d’Italia. Schon morgens wird hier Kaffee serviert, aber auch alkoholische Getränke wie Grappa oder Aperol „Sprizz“ gönnen sich die Gäste am Vormittag. Dazu gibt es jede Menge Mehlspeisen. Eine davon ist grenzüberschreitend bekannt: die Gubana oder Putize, der Preßnitz oder Reindling – vier Namen für den gleichen Kuchen aus Friaul, Krain, Triest und Kärnten. Das Caffè degli Specchi ist stets gut besucht: von Jugendlichen, Senioren, Geschäftsleuten und Touristen.

Frischer Wind nach dem Krieg

Nach dem Zweiten Weltkrieg hat sich das Kaffeehaus verändert. Wegen der Besatzung durch die anglo-amerikanischen Alliierten waren dort vorübergehend Flaggen der Royal Navy zu sehen. Auch das Caffè Stella Polare ist ein historischer Schauplatz. Die Stuck-Arbeiten aus der österreichisch-ungarischen Monarchie sind noch teilweise erhalten. Das Kaffeehaus war viele Jahre ein beliebter Ort für Einheimische und Reisende. Am Ende des Zweiten Weltkrieges wurde es zu einem Tanzsaal.

Wie diese Cafés heute aussehen und was dort vor vielen Jahren passierte, könnt ihr in der Ausstellung Außerhalb von Graz/fuori da Graz: Die Kaffeehäuser von Triest vergleichen, die bis 17. August in der Café Konditorei Regner in Seckau zu sehen ist.

Kategorie: Museum für Geschichte
Schlagworte:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Benutzen Sie diese HTML Tags und Attribute:

<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>