Figur aus der Sammlung Nicoletta Wabitsch, Foto: UMJ / N. Lackner

5. Dezember 2012 / Roswitha Orac-Stipperger

Höllisches Treiben im Advent

Volkskundemuseum

"Höllen-Treiben ist im Trend" – so titelte vor einigen Wochen eine steirische Regionalzeitung und lieferte einen umfangreichen Vorbericht über die diversen Krampusumzüge und Perchtenläufe im Bezirk. Schon im November beginnt ein regelrechter „Perchten-Tourismus“, der die schaurigen Gestalten, die heute durchwegs professionell organisiert sind, nicht nur in ihrem engeren Herkunftsbereich auftreten lässt, sondern sie quer durch Österreich zu oft rekordverdächtigen Veranstaltungen führt.

Es gibt kaum eine Bezirksstadt, in der nicht mindestens ein solcher spektakulärer Umzug in der Vorweihnachtszeit stattfindet. Selbst in Regionen, in denen diese teuflischen  Figuren noch vor wenigen Jahrzehnten vollkommen unbekannt war, toben mittlerweile  –  oft  mit massiver medialer Unterstützung – Krampusse, Perchten und allerlei Horrorgestalten unter gigantischem Einsatz von Pyrotechnik  durch die Orte. In jedem größeren Einkaufszentrum schaut im Advent eine Krampus- oder Perchtengruppe vorbei, und selbst in der Grazer Innenstadt war am ersten Adventsonntag im wahrsten Sinn des Wortes der Teufel los.

Das Corporate Design der vielen Perchten- und Krampusvereine, traditionell als „Passen“ bezeichnet, ist erstaunlich:  Ausgestattet mit einheitlichen Sweatern, T-Shirts, Baseballkappen oder Anoraks mit dem unverkennbaren Schriftzug oder Logo der Gruppe, reisen die Akteure und ihre Begleitpersonen von Auftritt zu Auftritt und erinnern mit ihrem Outfit eher an Fanclubs, Sportmannschaften oder Firmenbelegschaften.

Die Gestalt des Krampus

Doch wovon reden wir hier eigentlich? Was hat das alles mit der einzelnen Gestalt des Krampus zu tun, den wir aus Kindertagen  von Bilderbüchern oder aus skeptischer persönlicher Begegnung nur in Gesellschaft des gabenbringenden Nikolaus kennen, und der als Schokolade-, Lebkuchen- oder Zwetschkenkrampus seinen Schrecken wieder verloren hat?

 

Figur aus der Sammlung Nicoletta Wabitsch, Foto: UMJ / N. Lackner

Im Verständnis der unzähligen  Krampus- und Perchtengruppen, die im Alpenraum für die schrillen Events zuständig sind, wird nicht immer klar zwischen den Gestalten differenziert. Mitunter werden die Begriffe Percht und Krampus sogar als Synonyme für alle Arten von Fellmasken mit fratzenartigem Gesicht und Hörnern verwendet.

Aber selbst wenn der Krampus gemeint ist, heißt er nicht immer so.  Schon innerhalb der Steiermark gibt es Unterschiede. In weiten Landesteilen kennt man ihn als „Bartl“, besonders unter der Jugend ist die Verkleinerungsform „Kramperl“ geläufig.  In den westlichen Bundesländern ist er als Klaubauf bekannt. In den europäischen Ländern, teilweise auch in Kleinregionen, hat er noch viele andere Namen.

Als Gestalt des Teufels  – das personifizierte Böse, der gefallene Engel – war er schon früh ideal geeignet, um christliche Moral- und Wertvorstellungen drastisch zu untermauern. Im Lauf der Epochen wechselten die Vorstellungen der Menschen und somit auch die Darstellungen des Teufels.

 

Krampus, aus der Sammlung Nicoletta Wabitsch
Foto: UMJ / N. Lackner

Im Mittelalter überwogen abschreckende, furchterregende tierische Darstellungen, dämonische Fratzen, die selbst wieder zur Abwehr des Bösen eingesetzt  wurden, da Gleiches mit Gleichem bekämpft bzw. vertrieben werden sollte.

Nach den bizarren Tierdarstellungen des Mittelalters entwickelte sich das Teufelsbild in der Renaissance zu einem konkreten Tier weiter –  zum Ziegenbock. Vorbild dazu dürfte der griechische Gott Pan gewesen sein: ein Mischwesen zwischen Mensch und Ziegenbock. Schon eines der drei markanten  Merkmale  –  Hörner, Huf und Schwanz  – lässt  seither eine Gestalt als Teufel erkennen.

 

Satyr aus der Sammlung Nicoletta Wabitsch, Foto: UMJ / N. Lackner

Spiele im Advent

In christlichen Schauspielen, die der Vermittlung von Glaubensinhalten an die einfache Bevölkerung dienen sollten, wurden Teufelsgestalten unverzichtbar, wenn es darum ging, die Konsequenzen eines sündhaften Lebens aufzuzeigen. In den Stubenspielen, die in Steirisch Laßnitz (Bez . Murau) nach wie vor aufgeführt werden, sowie im Nikolospiel in Bad Mitterndorf lebt diese Spieltradition weiter.

 

Nikolo und Krampus, aus der Sammlung Nicoletta Wabitsch, Foto: UMJ / N. Lackner

In der Begegnung mit Kindern wird auf den Krampus als Begleiter des hl. Nikolaus in der Gegenwart zunehmend verzichtet. Höchstens ein Kettenrasseln vor der Tür ist noch gestattet. Zu groß ist die Sorge, Kinder können durch die Begegnung  traumatisiert werden. Andererseits sieht man umso mehr junge Väter mit Kleinkindern auf den  Schultern als gebannte  Zuschauer bei den lautstarken und furchterregenden Krampus- und Perchtenumzügen…

Kategorie: Volkskundemuseum
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