Paul Schad-Rossa, Eden, 1900, Mischtechnik auf Holz mit Einschubleisten, Neue Galerie Graz, UMJ. Auf der Rückseite ein dünner Ölfarbenanstrich mit Erdfarben. Foto: P.-B. Eipper

25. Dezember 2014 / Paul-Bernhard Eipper

Hinter das Bild geschaut #1

Kunst- & Naturvermittlung | Museumseinblicke | Neue Galerie mit BRUSEUM

In unserem letzten Beitrag zur Blogserie Genauer hinsehen haben wir davon berichtet wie Schwankungen der Temperatur und der Luftfeuchtigkeit Gemälde beeinflussen können. Diesmal geht es um jene Seite des Bildes, die im ersten Moment weniger interessant scheint: die Rückseite. Dort verbergen sich jedoch oft spannende historische Informationen, die es zu erhalten heißt.

Teil I: Rückseitenanstrich

Museumsbesucher/innen sehen in der Regel nur die Vorderseite von Gemälden – für Kunsthistoriker/innen bzw. Provenienzforscher/innen ist allerdings auch die Gemälderückseite oft sehr aussagekräftig, finden sich doch dort häufig Sammlerstempel oder ähnliche Zeugnisse der Geschichte eines Kunstwerks. Eine frei zugängliche Rückseite ermöglicht zwar einen schnellen Zugang zu diesen historischen Hinweisen, sie ist allerdings aus konservatorischen Gründen untragbar, weswegen es seit Jahrhunderten gängige Praxis ist, Gemälderückseiten vor Klimaschwankungen und Verschmutzungen zu schützen.

Die einfachste und archaischste Art, eine Rückseite zu schützen, ist ein Rückseitenanstrich. Diese Maßnahme wurde vor Jahrhunderten exzessiv ausgeführt, wird bisweilen aber auch heute noch praktiziert. Damit – und später mithilfe von Parkettierungen – wollte man vor allem Holztafeln vor dem Verwölben und Reißen schützen. Es zeigte sich aber, dass man mit solchen Beschichtungen nichts gegen die Bewegungen ausrichten konnte, mit denen das Holz auf Klimaschwankungen reagiert.

Rückseitenanstriche sollten heute nicht mehr angewendet werden, vor allem nicht bei textilen Bildträgern wie Leinwänden. Seit dem Mittelalter wurden Rückseitenanstriche wie vorderseitige Grundierungen schon vor dem Malprozess aufgebracht, um Tafeln gegen Verwerfungen zu schützen. Bei vielen Kunstwerken stellte sich die Frage eines rückseitigen Anstrichs nicht, vor allem, wenn sie beidseitig gestaltet wurden wie Wandelaltäre und die meisten Altarflügel. Wurden Altäre nur vorderseitig künstlerisch gestaltet, findet sich mitunter rückseitig ein Anstrich, der sowohl konservatorischen Absichten als auch ästhetischen Aspekten – etwa durch Marmorierungen – geschuldet ist.

 

Tradition des Rückseitenschutzes

War die Rückseite eines Werkes ursprünglich nicht einsehbar, wurden Rückseitenanstriche mit Sicherheit aus konservatorischen Beweggründen ausgeführt – was zeigt, dass es schon vor Jahrhunderten ein Bewusstsein für den Rückseitenschutz gab, der zur Erhaltung des Kunstwerks beitragen sollte. Im Laufe der Zeit wurden verschiedenste Mittel für den Rückseitenanstrich verwendet wie Leimfarben, Gipsgrund (mit und ohne Beimengungen), ölgebundenes Bleiweiß, ölgebundene Erdfarben, Bienenwachs, heiß aufgetragenes Leinöl, Schellack, Zinkweiß und Gips, Kreide, Schwerspat und Aluminiumsilikat.

Schon früh – etwa im 16. Jahrhundert in den Niederlanden – finden sich aber auch rückseitige Abschlüsse aus Holz, und später tauchten auch textile Hinterspannungen auf. Mehr zu den modernen Methoden des Rückseitenschutzes erfahren Sie im nächsten Beitrag!

 

Text: Paul-Bernhard Eipper

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