Die freigelegten Fragmente einer gemalten Wanddekorationen geben uns einen Eindruck darüber, wie bunt die Innenräume des alten Eggenberger Schlosses im späten Mittelalter waren. Zu sehen am Tag des Denkmals, Foto: UMJ/ N. Lackner

25. September 2014 / Paul Schuster

Heritage matters!

Forschung | Schloss Eggenberg

Ein Denkmal ist viel mehr als eine Statue im Brunnen oder eine in Stein gemeißelte Inschrift, die an ein historisches Ereignis erinnert. Denkmäler können etwas Außergewöhnliches: Sie öffnen Türen in die Vergangenheit und machen Geschichte auf einzigartige Weise fassbar.

Egal ob Kirchen, Schlösser oder Burgruinen, einzelne Kunstwerke, Bücher oder Partituren, Parks, Industrieanlagen oder ganze Altstädte – Denkmäler sind von Menschen geschaffene bewegliche und unbewegliche Gegenstände, die für uns Menschen der Gegenwart unerschöpfliche Wissensspeicher darstellen.

Denkmäler sind übrigens auch die einzig wirklich funktionierenden Zeitmaschinen, die nicht nur Geschichte erlebbar machen, sie bringen uns auch in direkten Kontakt mit jenen Menschen, die vor langer Zeit mit einem Denkmal verbunden waren. Schließlich sind es die Auftraggeber/innen, Eigentümer/innen oder Bewohner/innen, die einem Objekt Bedeutung gaben und damit bestimmte Zwecke verfolgten. Denkmäler erzählen uns also unsere eigene Geschichte und jede Generation, die sich auf sie einlässt, erlebt sie anders.

Das wunderbare an der Zeitmaschine „Denkmal“ ist außerdem, dass jeder Mensch über seine individuelle Reiseroute in die Vergangenheit entscheiden kann. In einem Denkmal steckt viel: Kunstgeschichte, Kulturgeschichte, Alltagskultur, Technikgeschichte, historische Handwerkstechniken, Sozialgeschichte und vieles mehr… Das macht Denkmäler besonders schützenwert, schließlich können wir nicht in vollem Umfang erahnen, was sie unseren Kindern einmal bedeuten und erzählen werden.

Am 28. September feiert Österreich sein kulturelles Erbe: Der Tag des Denkmals ist der österreichische Beitrag zur europäischen Initiative des European Heritage Day und die einzige Großveranstaltung für das materielle Kulturerbe in Österreich. Immer am letzten Sonntag im September stehen besonders viele Denkmale gratis für den Besuch offen – heuer an über 290 Orten unter dem Motto <Illusion>.

Logo, Tag des Denkmals 2014, © Tag des Denkmals

Logo, Tag des Denkmals 2014, © Tag des Denkmals

Schloss Eggenberg und der Tag des Denkmals

Auch wir in Schloss Eggenberg lassen diese Gelegenheit natürlich nicht aus und sind wie immer am Tag des Denkmals mit dabei, als UNESCO Welterbe ist das sozusagen Ehrensache. Als Kuratorinnen und Kuratoren ist es ja unser täglicher Job, die Geschichte und das Außergewöhnliche dieses Hauses sowie die Faszination, die für uns davon ausgeht, so zu erzählen, dass jede Besucherin und jeder Besucher seinen persönlichen Zugang zu Schloss Eggenberg findet und im besten Fall unsere Begeisterung dafür teilt.

Manchmal steckt man bis zu den Knien in Geschichte. Hier bei der Entdeckung des barocken Gartenpflasters, Foto: UMJ

Manchmal steckt man bis zu den Knien in Geschichte. Hier bei der Entdeckung des barocken Gartenpflasters, Foto: UMJ

Ein Denkmal wie Schloss Eggenberg birgt naturgemäß unendlich viele Reiserouten durch seine über 550-jährige Geschichte. Am kommenden Tag des Denkmals widmen wir uns der „Illusion vom perfekten Neubau“ und suchen das „Schloss im Schloss“. Eggenberg erscheint nämlich nur auf den ersten Blick als einheitliche Anlage des Barock. Beim Neubau nach 1625 wurden jedoch große Teile eines älteren Schlosses Eggenberg geschickt umbaut und weiterverwendet. Eine gotische Kapelle, vermauerte Portale und mittelalterliche Fassaden enthüllen eine wechselvolle Baugeschichte. Seit den 1970er-Jahren arbeiten Wisseschafterinnen und Wissenschafter an der Entschlüsselung dieser wenig bekannten Vergangenheit des Hauses. Die beiden Themenführungen am Tag des Denkmals machen Forschungsgeschichte hautnah erlebbar und präsentieren spannende neue Forschungsergebnisse.

Die freigelegten Fragmente einer gemalten Wanddekorationen geben uns einen Eindruck darüber, wie bunt die Innenräume des alten Eggenberger Schlosses im späten Mittelalter waren. Zu sehen am Tag des Denkmals, Foto: UMJ/ N. Lackner

Die freigelegten Fragmente einer gemalten Wanddekorationen geben uns einen Eindruck darüber, wie bunt die Innenräume des alten Eggenberger Schlosses im späten Mittelalter waren. Zu sehen am Tag des Denkmals,
Foto: UMJ / N. Lackner

 

Informationen und Details zum Programm

Datum: Sonntag, 28. September, 10-17 Uhr, Eintritt frei
Schloss Eggenberg
Multimedialen Sammlungen

Kategorie: Forschung | Schloss Eggenberg
Schlagworte: Denkmal | Weltkulturerbe


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