Hochzeitspokal, Augsburg, um 1570 Meister: Hans Schebel († 1571) Silber gegossen, vergoldet, emailliert, getrieben, ziseliert, geätzt, graviert Foto: Universalmuseum Joanneum

4. März 2015 / Astrid Aschacher

Happy Purim! #MusealeSchätze

Museum für Geschichte

Zeitnah zum morgigen Purimfest stellt uns Astrid Aschacher einen Hochzeitspokal aus dem Museum im Palais vor. Der Beitrag erscheint im Rahmen unserer Blogserie Museale Schätze.

Hochzeitspokal, Augsburg um 1570

Morgen ist Purim, das Fest zur Erinnerung an die Rettung der Juden in Persien. Seinen Ursprung hat Purim im 5. Jahrhundert vor Christus, der Zeit der persischen Diaspora. An diesem Tag gedenken die Juden auf der ganzen Welt der Königin Esther, die das jüdische Volk vor der Vernichtung durch den  Regierungsbeamten Haman bewahrte.

Dieser Mythos fand seinen Weg auf ein Stück aus unserer Kulturhistorischen Sammlung: den Hochzeitspokal für Maria von Bayern und Karl II. von Innerösterreich. Die Darstellung steht für tugendhaftes Verhalten, zu dem die Braut eine bildhafte Anleitung erhalten sollte.  Zudem zeugt die Abbildung am Pokal von der tiefen Religiosität Marias.

Sieht nicht nach Tugend aus?

Auf dem Motiv sieht man Esther, die ohne Aufforderung vor ihren Mann – den Perserkönig Ahasver (Xerxes) – tritt. Eine lebensgefährliche Tat: Solches Verhalten zog zu dieser Zeit die Hinrichtung nach sich. Der König berührte Esther jedoch als Zeichen der Gnade mit dem Zepter und forderte sie auf, ihr Anliegen vorzutragen. Diese lud ihn gemeinsam mit dem obersten Minister Haman zu einem Gastmahl am selben Abend ein.

Listiges Abendessen

Der dargestellten Szene vorangegangen war eine Intrige Hamans, der sich von Esthers Ziehvater Mordechai beleidigt fühlte: Der eitle und selbstsüchtige Haman verlangte von all seinen Dienern nämlich einen Kniefall, wenn sie vor ihn traten. Mordechai weigerte sich, woraufhin Haman aus Rache beschloss, sämtliche Juden im Persischen Reich töten zu lassen. Der Zeitpunkt dafür, der 13. Adar, wurde per Los – (davon leitet sich das Wort Purim ab, das „Lose“ in der Mehrzahl bedeutet) – bestimmt. Mit der Einladung zum Abendessen wollte Esther Haman von seinem grausamen Vorhaben abhalten. Im Zuge des Abendessens gelang es Esther, die Intrige Hamans aufzudecken und dessen Sturz herbeizuführen. Die Rettung des jüdischen Volkes erfolgte durch ein Dekret des Königs, der den Juden das Recht zusprach, sich gegen diejenigen zu verteidigen, die sie vernichten wollten.

Die Darstellung auf dem Hochzeitspokal wurde nach einem Kupferstich von Philipp Galle (1537–1612) gefertigt, der wiederum auf einer Zeichnung Martin van Heemskers (1498–1574) beruht.

Kategorie: Museum für Geschichte
Schlagworte: Museale Schätze | Sammlungsobjekte


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