„Seemäuse“ (Embryonen von Katzenhaien) im Fischwelten-Aquarium, Foto: Gerwin Gretschel

4. September 2014 / Christoph Pelzl

Hai-Nachwuchs in den „Fischwelten“

Naturkundemuseum

Ein Beitrag von Gerwin Gretschel, Lehrbeauftragter am Institut für Zoologie der Karl-Franzens-Universität Graz und Geschäftsführer der Meeresschule Pula.

Der Meeresbiologe Gerwin Gretschel hat Katzenhai-Eier aus der kroatischen Adria nach Graz gebracht. In der Ausstellung Fischwelten können Sie die jungen Haie in ihren Eikapseln bewundern – und wenn alles gut geht, gibt es schon bald Hai-Nachwuchs im Museum!

Katzenhaie sind relativ häufige Grundhaie. Ihre Eikapseln befestigen sie an verschiedenen Strukturen, die gut vom Wasser beströmt werden – wie etwa an Hornkorallen, aber fatalerweise auch an Stellnetzen, die zum Fischfang eingesetzt werden. Viele Kleinfischer versenken sie in Küstennähe, wo sie wie meterhohe Netzvorhänge für einige Stunden am Meeresboden stehen. An der Basis mit Bleigewichten und am oberen Rand mit Styroporkugeln versehen, bleiben die Netze in einer aufrechten Position. Einige Fische verfangen sich im Vorbeiziehen in den Netzmaschen. Katzenhaie erleiden ebenfalls sehr oft dieses Schicksal. Sie sind nachtaktiv und gelangen auf der Suche nach Nahrung in Bodennähe oft an diese Stellnetze.

 

Trächtige Tiere, die sich im Netz nicht verfangen, nutzen diese Stellnetze als scheinbar ideale Strukturen, um ihre Eikapseln daran zu befestigen. Am nächsten Tag zieht der Fischer das Netz an Bord. Die Eikapseln sind lästiger Beifang, der aus dem Netz gelöst und wieder ins Meer geworfen wird. Die Embryonen können sich nicht weiterentwickeln und der Laich stirbt schnell ab.

Der Weg ins Museum

Ich arbeite in Pula an meiner Meeresschule und habe häufig Kontakt mit den lokalen Fischern. Bei Gesprächen mit ihnen erfahre ich immer wieder spannende und nützliche Informationen über das Meer und dessen Zustand. Zuletzt gab mir ein Fischer eine Hand voll Katzenhaieier, da er wusste, dass ich mich für alles interessiere, was aus dem Meer kommt. Diese Eier sind nun im Aquarium der Ausstellung Fischwelten im Naturkundemuseum zu bewundern. Man kann die jungen Haie bereits in den durchscheinenden Kapseln beobachten – dabei sieht man, wie sie sich winden und ständig bewegen. Sie lassen auf diese Weise das Wasser in den Eiern zirkulieren, um so zu Sauerstoff zu gelangen.

Einige Tiere sind bereits voll entwickelt: Man kann die Augen, eine leichte Punktzeichnung auf der Haut und die einzelnen Flossen entdecken. Andere Tiere brauchen für ihre Entwicklung wohl noch viele Wochen. Das kann man daran erkennen, dass der Dottersack mit der Nahrung noch sehr groß und die Embryonen, die am Dottersack hängen, noch sehr klein sind. Ich hoffe, dass ich die Tiere durchbringen kann und sie noch in der Ausstellung schlüpfen werden. Ich werde dann versuchen, sie in einem kleinen Netzbeutel im Aquarium – geschützt vor den anderen Tieren – mit geeignetem Futter aufzuziehen. Wenn die Tiere überleben und eine sichere Größe von einigen Zentimetern erreicht haben, werden sie an die Adria transportiert und in die abenteuerliche Freiheit entlassen.

 

„Seemäuse“ (Katzenhaigelege im Fischweltenaquarium) im Fischwelten-Aquarium, Foto: Gerwin Gretschel

„Seemäuse“ (Katzenhaigelege im Fischweltenaquarium) im Fischwelten-Aquarium, Foto: Gerwin Gretschel

„Seemäuse“ (Embryonen von Katzenhaien) im Fischwelten-Aquarium, Foto: Gerwin Gretschel

„Seemäuse“ (Embryonen von Katzenhaien) im Fischwelten-Aquarium, Foto: Gerwin Gretschel

 Die Katzenhaie

Katzenhaie sind eine große Familie der Grundhaie, die weltweit in den kühlen bis warmen Meeren vorkommen. Lediglich in den Polarmeeren fehlen sie. Ihren deutschen Namen verdanken sie großen Augen, die mit ihren länglichen Pupillen an Katzenaugen erinnern. Allen Arten ist gemeinsam, dass sie Eier legen. Sie können über einen Meter lang werden und ein Alter von bis zu 15 Jahren erreichen.

Die Haut ist mit kleinen, harten Zähnchen besetzt und fühlt sich wie Sandpapier an. Die Nahrung besteht aus langsamen Krebs- und Weichtieren sowie kleinen Fischen, die auf dem Meeresgrund leben. Mithilfe Tausender Elektrosensoren an seiner Schnauze und einem gut entwickelten Geruchssinn kann der Katzenhai auch bei schlechter Sicht seine Beute aufspüren. Mit den Sensoren kann er das elektromagnetische Feld von Tieren fühlen.

Bei der Paarung schlingen sich die beiden Partner umeinander. Das Männchen führt dabei eine seiner zwei röhrenförmig umgewandelten Bauchflossen in die Geschlechtsöffnung des Weibchens ein und spritzt sein Sperma hinein. Einige Wochen später legt das Weibchen 18–20 Eier. Diese befinden sich in hornigen, gelblichen Kapseln, den sogenannten “Seemäusen”. Während der Entwicklungszeit von 5 bis 11 Monaten macht der Embryo manchmal Schwimmbewegungen, um frisches Wasser durch die durchlässigen Wände zu pumpen. Beim Schlüpfen ist der Hai etwa 10 cm lang und trägt noch die Überreste seines Dottersacks. Mit einer Länge von 45 bis 50 cm wird der junge Hai schließlich geschlechtsreif.

Kategorie: Naturkundemuseum
Schlagworte: Biowissenschaften | Fischwelten


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