Heahgreifer (Hühnergreifer), Figur aus dem Faschingrennen, Foto: UMJ / Nicolas Lackner

28. Januar 2013 / Roswitha Orac-Stipperger

Fasching in der Steiermark

Volkskundemuseum

Der immer wieder als Faschingsbeginn zitierte 11.11. hatte in unseren Breiten keine Bedeutung und wurde erst nach dem 2. Weltkrieg durch Faschingsgilden nach rheinischem Vorbild propagiert. Der traditionelle Fasching in der Steiermark dauert von Dreikönig bis in die Nacht vor dem Aschermittwoch, wobei sich ein Großteil der Faschingsbräuche am letzten Wochenende vor dem Aschermittwoch abspielt.

Besondere überlieferte Faschingsbräuche

Maskenumzüge, Tanz und ausgelassene Fröhlichkeit kennzeichnen das Faschingstreiben in Stadt und Land. Manche steirischen Regionen sind für ihre besonderen überlieferten Faschingsbräuche bekannt.

Am „Damischen Montag“, dem Faschingmontag, sind im Bezirk Murau die Faschingrenner unterwegs. Die Gruppen laufen in den einzelnen Gemeinden in geraden oder ungeraden Jahren bzw. im festgelegten Abstand von mehreren Jahren. Bei diesem Kräfte raubenden Brauch von Haus zu Haus, über Wiesen und Felder, legen die Teilnehmer vom Morgengrauen bis zum streng geregelten Ende vor dem abendlichen Gebetläuten 30 und mehr Kilometer im Laufschritt zurück.

 

 

Heahgreifer (Hühnergreifer), Figur aus dem Faschingrennen, Foto: UMJ / Nicolas Lackner

Der Wegauskehrer, der Hühnergreifer, der den einst gefürchteten Hühnerhabicht oder Geier verkörpert sowie die Gruppe der Schellfaschinge mit Spitzhüten und Schellenkränzen, und der Glockfaschinge mit Kuhglocken bilden die Hauptgruppe, gefolgt von den ebenfalls verkleideten „Vetteln“. Bei jedem Haus wird ein „Radl“ oder „Kranzl“ gelaufen und die Vetteln verwickeln die Zuschauer in scherzhafte Spielhandlungen. Im Oktober 2011 wurde das Murauer Faschingrennen in die Liste des Immateriellen Kulturerbes der UNESCO aufgenommen.

 

Faschingrennen in Ranten, Bezirk Murau © Foto: Karl Pürer

Der Ausseer Fasching wird an den „Drei heiligen Faschingtagen“ – Faschingsonntag, -montag und -dienstag – zelebriert. Am Sonntag werden in den Gasthäusern die Ereignisse des vergangenen Jahres von den Einheimischen in den „Faschingbriefen“ humorvoll betrachtet. Die wohl bekanntesten Maskengestalten, die auch die meisten Zuschauer anlocken, sind die Trommelweiber und die Flinserln. Am Montag und Dienstag beherrschen der monotone Schlag der Trommeln und die einprägsame Melodie des Faschingmarsches den Markt während die in weißer Frauennachtwäsche verkleideten Männer mit ihrer Fahne durch den Ort ziehen. Am Dienstag sind es die kunstvoll mit Ornamenten aus glitzernden Pailletten und bunten Tuchflecken verzierten Flinserlgewänder, die das Ortsbild prägen. Kinder rufen den Maskengestalten Sprüche zu und bekommen dafür Nüsse und Süßigkeiten.

 

Ausseer Flinserl 70er Jahre, Foto: UMJ/ Sepp Walter

Ein in Mitteleuropa weit verbreiteter Schaubrauch ist in der Steiermark vor allem in Orten der Ost- und Weststeiermark zu finden: das Blochziehen. Ein entrindeter, geschmückter Baumstamm wird von der ledigen Dorfjugend durch den Ort gezogen. Ursprünglich fand dieser Rüge- und Scherzbrauch nur dann statt, wenn während des ganzen Faschings kein Paar geheiratet hatte. Ein verkleidetes, falsches Brautpaar im Umzug weist auf diesen Zusammenhang hin.

 

Blochziehen in der Oststeiermark 70er Jahre, Foto: UMJ/ Sepp Walter

Ein weiteres Maskenpaar hat früher jedes Blochziehen begleitet: eine Strohmaske und eine mit immergrünem Reisig verhüllte Gestalt. Heute sind diese Figuren in manchen Orten schon in Vergessenheit geraten, doch sind gerade sie wichtige Symbolgestalten im Fasching: die dürre Maske, aus Maisstroh hergestellt, verkörpert den Winter, die grüne Reisiggestalt stellte das Frühjahr, die wieder erwachende Natur dar. Dieser Gegensatz ist Inhalt vieler Faschingsbräuche. Je nach Landschaft heißt die Strohmaske im Oststeirischen „G’schalermandl“, nach den getrockneten Schalen bzw. Hüllblättern der Maiskolben, in der Weststeiermark „Laschi“. Die Reisigmaske wird als „Waldteufel“ oder einfach als „der Grüne“ bezeichnet.

 

G’schalermandl, Figur aus dem Blochziehen, Foto: UMJ/ Nicolas Lackner

Das Sauschädelstehlen war früher, als die Bauern noch selber schlachteten, vor allem in der Oststeiermark ein beliebter Streich, den man sich im Fasching in der Nachbarschaft gerne gespielt hat. Wenn es gelang, nach der Hausschlachtung den Schweinskopf unbeobachtet zu entwenden, wurde dieser geschmückt und von der verkleideten Dorfjugend von Haus zu Haus getragen. Dabei wurde zum Sauschädelball in ein Gasthaus eingeladen. In einer scherzhaften Gerichtsverhandlung vor Beginn der Tanzunterhaltung wurde dann nicht der Dieb, sondern der Besitzer des Schweinekopfes wegen mangelhafter Verwahrung zu einer Strafe, auf jeden Fall zum Bezahlen der Konsumation der Musikanten, verurteilt.

 

Sauschädelstehlen, St. Stefan im Rosental 1974, Foto: UMJ/ Sepp Walter

Fasching in Graz

Während aus den ländlichen Gemeinden und kleineren Städten der Steiermark vielfältige Faschingsbräuche überliefert sind, hat sich in der Landeshauptstadt bis weit ins 20. Jahrhundert kein typisches Faschingstreiben entwickelt. Erst seit den 1970er Jahren besteht eine Faschingsgilde, die für die jährliche Prinzenkrönung, für die Rathauserstürmung und diverse gesellschaftliche Anlässe sorgt. Ebenfalls seit 1970 findet der Faschingsumzug in Graz statt, der mittlerweile zum Höhepunkt der närrischen Zeit in Graz geworden ist.

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