8. April 2015 / Ulrich Becker

Familienaufstellung: Biskuit-Büsten für das Kaiserhaus #Museale Schätze

Museum für Geschichte

Herrscherbüsten gehören normalerweise nicht zu den Lieblingsobjekten im Museumsbetrieb. Selten von herausragender Qualität, sind sie in Schlössern und Bibliotheken neben vielen anderen Einrichtungsgegenständen oft nicht mehr als Dekoration. Dieses Schicksal hat auch die hier vorgestellten Bildnisse ereilt. Fast alle sind Porträts von Angehörigen des Kaiserhauses: Maria Theresia, Franz I., Ferdinand I. und Franz Josef I.. Die Büsten dieser Persönlichkeiten haben im Depot der Kulturhistorischen Sammlung „überlebt“ und tragen dank ihrer Mythen zum Fortleben eines modernen kollektiven Gedächtnisses bei.

 

EH Johann, Wiener Porzellanmanufaktur, 1810-20, KHS, Inv.-Nr. 06064

EH Johann, Wiener Porzellanmanufaktur, 1810-20, KHS, Inv.-Nr. 06064

„Ewig sei mit Habsburgs Throne Österreichs Geschick vereint“

Büsten wie diese findet man häufig in historischen Ausstellungen. Sie sollen in erster Linie nicht als Kunstwerke, sondern als Dokumente verstanden werden, die es eher zu lesen denn zu bewundern gilt. Viel wichtiger als der künstlerische Wert ist, was sie uns über Entstehungszeit und Selbstverständnis der hier Dargestellten sagen. Die makellos wirkenden Bildwerke bestehen nicht aus Marmor, sondern aus Biskuit, einem unglasierten Porzellan, das äußerlich an weißen Marmor erinnert: der ideale Stoff für die serielle Büstenproduktion. Erfunden wurde das Biskuit in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts im französischen Vincennes, um dann überall nachgeahmt zu werden. Mit Elias Hütter (1774–1865) verfügte man an der Donau über einen Modelleur, der es mit seinen Porträtbüsten verstand, das Kaiserhaus ins rechte Licht zu rücken.

Das Kaiserhaus eingekleidet im Imperatorenmantel

Büsten, die Angehörige von Dynastien abbilden, sind einerseits idealisierend, andererseits aber auch ganz realistisch gehalten, wie es die Porträts römischer Imperatoren vorgegeben hatten. Und Römer wollten die Kaiser des „Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation“ wie auch des „Kaisertums Österreich“ weiterhin sein: Franz I., der als Gesetzgeber in altrömischer Toga und als strenger Hausvater auftritt. Sein ältester Sohn, Ferdinand I., genannt „der Gütige“, wiederum erscheint als Imperator mit Feldherrenmantel. In der Steiermark bekannter ist unter den insgesamt neun Kaiserbrüdern natürlich Erzherzog Johann, der in einem uniformartigen, engen Rock erscheint: Man möchte ihn fast für einen Privatmann halten, würde ihn nicht der Orden vom Goldenen Vlies als Angehörigen des Kaiserhauses auszeichnen. Der vorletzte, die Schlussphase der Monarchie einläutende Herrscher ist der junge Franz Joseph.

 

Ferdinand I., Wiener Porzellanmanufaktur, dat. 1835, KHS, Inv.-Nr. 0617

Ferdinand I., Wiener Porzellanmanufaktur, dat. 1835, KHS, Inv.-Nr. 0617

 

Nach dem Ende der „Kaiserlichen Porzellanmanufaktur“ im Jahre 1864 führte Joseph de Cente einen Nachfolgebetrieb in Wiener Neustadt fort, zu denen auch Modelle von Elias Hütter zählten. Zu diesen gehört auch die Büste Maria Theresias, das Medaillon des 1765 verstorbenen Gemahls Franz Stephan an der Brust tragend.

Kategorie: Museum für Geschichte
Schlagworte: Museale Schätze | Sammlungsobjekte


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