Martin Jost bei seiner Arbeit am Hummelmodell. Foto: UMJ / N. Lackner

14. August 2013 / Sabine Jammernegg

Die Natur als großes Vorbild

Gastbeiträge | Konservieren & Restaurieren

Im Universalmuseum Joanneum arbeiten Menschen in Berufen die nicht alltäglich sind. In einer Kooperation mit dem Referat Kommunikation Land Steiermark holt Sabine Jammernegg, Redakteurin des Steiermark Report und von Panther intern, diese in den nächsten Monaten vor den Vorhang. Den Anfang machen die zoologischen Präparatoren.

Martin Jost bei seiner Arbeit am Hummelmodell. Foto: UMJ / N. Lackner

Im Naturkundemuseum im Joanneumsviertel können seit März dieses Jahres wieder unzählige präparierte Tiere bewundert werden. Neben Gepard, Wolf, Bieber, Vögeln, Insekten und vielem mehr ist auch eine Gartenhummel auf einem Wiesensalbei ausgestellt, die von Martin Jost, einem der drei zoologischen Präparatoren im Universalmuseum Joanneum, nachgebaut wurde. „Über ein Jahr habe ich daran gearbeitet“, betont Jost und ergänzt, „dass viel Zeit allein schon das Beobachten in der Natur in Anspruch genommen hat.“ Mit diesem Objekt soll den Besucherinnen und Besuchern die Ko-Evolution, sprich das Teamwork zwischen Hummel und Wiesensalbei, gezeigt werden „Die Hummel weiß genau wie sie zum Nektar beim Wiesensalbei kommt. Dann fliegt mit dem Blütenstaub auf ihrem Rücken weiter und bestäubt damit andere Blumen“, erzählt Jost.

Wiesensalbei mit Hummel als Modell im Maßstab 23:1,
Foto: UMJ / U. Stockinger

Mit Geduld und Spucke fängt man manche Mucke

Handwerkliches Geschick ist für diesen Beruf jedenfalls von Vorteil, aber am wichtigsten ist Geduld. „So auf die Schnelle lässt sich ein Tier nicht präparieren und auch das ausbessern von in die Jahre gekommenen Objekten geht nicht von heute auf Morgen“, erklärt Lena Müller, die über zwei Jahre hauptsächlich Vögel für Ausstellungen und Sammlungen in ihren Händen hielt. Die verendeten Tiere stammen zum Großteil aus zoologischen Einrichtungen wie etwa dem Tierpark Herberstein oder dem Alpenzoo Innsbruck, oder von steirischen Natur- und Tierfreunden. Wobei sich nicht jedes tote Tier für die Präparation eignet, etwa wenn der Verwesungszustand schon zu weit fortgeschritten ist. Die gebürtige Deutsche Lena Müller hat ihre Präparationsausbildung in Tübingen im Landkreis Baden-Württemberg gemacht und Martin Jost, der seit 2008 in Graz ist, hat den Beruf bei seinem Vater in der ehemaligen DDR erlernt. „Das Schöne an unserem Beruf ist die Vielseitigkeit“, schwärmt Müller und Jost ergänzt: „Die Natur ist unser großes Vorbild, sie ist einfach perfekt. Mir ist bewusst, dass ich den Lebensraum nie so exakt hinter Glas erzeugen kann, wie er wirklich ist, aber ich gebe mir Mühe.“

Lena Müller bei der Arbeit, Foto: UMJ / N. Lackner

Im Dienste der Wissenschaft

Wichtig ist noch zu wissen, dass das Team Tiere nicht nur für Ausstellungen präpariert, sondern auch für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die dann in den Sammlungen auf die Objekte zugreifen können. Dafür werden die Tiere als wissenschaftliches Belegexemplar in Form eines Balges hergerichtet und so auch aufbewahrt. „Dafür ist ganz wichtig, dass sie alle gleich präpariert werden, weil nur so sieht der Experte wirklich auch eventuelle Unterschiede“, unterstreicht Müller. Ihre Werkstatt befindet sich seit Herbst 2009 im neu gestalteten Studien- und Sammlungszentrum in Andritz, das Sammlungspflege und Forschung auf zeitgemäßem Niveau ermöglicht.

Martin Unruh bei der Arbeit, Foto: UMJ / N. Lackner

Wer mehr zur Präparation wissen möchte, dem empfehlen wir den Blogbeitrag Wie kommt das Steinkitz ins Aquarium? 

Teil 2 der Serie “Museumsberufe” folgt Ende September.

Kategorie: Gastbeiträge | Konservieren & Restaurieren
Schlagworte: Arbeiten im Museum | Tierpräparation


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