Foto: Flickr, Ecsite Executive Office

17. Juni 2016 / Anna Fras

Der spannende Abschluss der Ecsite 2016

Forschung | Kulturpolitik | Kunst- & Naturvermittlung

Hunderte Besucherinnen und Besucher nutzten den letzten Tag der Ecsite 2016 zur Weiterbildung und zum Netzwerken.

Von Anna Holzhacker, Johanna Wöß, Julia Czipoth, Marion Kirbis und Tobias Kapsamer

Neben der aufschlussreichen Keynote von Frans de Waal ging es am Samstag ein weiteres Mal um die Zukunft von Museen und Science Centern.

The Magic of Science and the Science of Magic

In diesem Vortrag zeigten Hélder Ferreira vom Centro Ciencia Viva de Lagos in Portugal, Lukasz Bury vom Copernicus Science Center in Warschau und John Downey vom Balthazar Science Center in Skövde, Schweden „wissenschaftliche“ Zaubertricks. Mit einfachen Mitteln wie Schnüren, Büroklammern, oder Spielkarten „verzauberten“ sie das Publikum. Applaus wurde jedoch ausdrücklich untersagt, da es sich „doch nur um Tricks“ handle. In diesem Sinne erklärten sie auch alle Tricks und zeigten die wissenschaftlichen Felder auf, die sie erst möglich machen. In der anschließenden Diskussion formulierten sie eine wichtige Analogie zur Wissenschaft:

„Die Natur selbst ist eine Zaubrerin, die mit ihren Wundern und Tricks die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler – dieses Mal in der Rolle der Betrachtenden – erstaunt.“

Diese versuchen durch genaues Observieren die Geheimnisse zu lüften, die Ihnen geboten werden.

Refugees and Immigrants: what’s our role?

Zahlreiche Expertinnen und Experten beschäftigten sich in diesem Panel mit einer sehr aktuellen Herausforderung für Museen und Science Center und versuchten Antworten auf eine zentrale Frage zu finden: Welche Rolle können diese Einrichtungen in gemeinsamen Zusammenleben und der Integration spielen?

Bojan Markicevic (Atelier des Jours à Venir, Paris), Joe Hastings (Explora Museum, Albuquerque), Melanie Wunsch (Neanderthalmuseum Mettmann), Phil Loring (Norsk Teknisk Museum, Oslo) und Iris Ott (Naturhistorisches Museum, Wien) stellten ihre Institution vor und präsentierten ihre Strategien. Es zeigte sich, dass viele sich schwer taten, ein Statement zur gemeinsamen Vision und ihre Grundwerte zu formulieren. Museen sollten jedoch eine Rolle des Ortes zum gemeinsamen Austausch und zur Zusammenkunft der Kulturen übernehmen, und fremde Kulturen präsentieren, um möglichen Vorurteilen keine Chance zu lassen. Markicevic, der als Kind aus der belagerten Stadt Sarajevo fliehen musste, fasste die Diskussion bewegend zusammen. Er äußerte sich durchaus kritisch und verdeutlichte, dass der Flüchtende in einem neuen Land Prioritäten setzen müssten, zu denen in erster Linie nicht der Kontaktaufbau zu Museen gehöre. Nichts desto trotz teilten alle die Meinung, dass Museen sich im Sinne des Bildungsauftrags ausführlicher mit der Flüchtlingsthematik beschäftigen sollten.

Four ways of making science understandable

Der Titel war sicher mitunter Grund dafür, dass sich rund 30 Personen samstags um 12:00h in der Halle 1b eingefunden haben. Wer möchte nicht gerne Wissenschaft verstehen?

Branislav Sitár, Physiker und ehemaliger Vize-Vorsitzender des CERN in Genf, begann die Session mit einem Vortrag über das CERN und seine größte Entdeckung: das Higgs Boson. Am 4. Juli 2012 bestätigte sich die beinahe 50 Jahre alte Theorie zu Existenz des Higgs Boson, was „für den Menschen kein großer Schritt ist, für die Wissenschaft aber etwas ganz Besonderes“, wie er selbst sagte. Das CERN hört natürlich nicht auf zu forschen, und so wurden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer auch zum aktuellen Geschehen in Genf informiert. Nach einem etwa einstündigen Vortrag, der alle erstaunt über die Möglichkeiten der Physik zurücklies, wurde in Kleingruppen erarbeitet, wie man die eben gelernten Informationen am besten für die Öffentlichkeit aufbereiten kann.

In die Gruppen: social media, newspaper, science festival und specialized newspaper eingeteilt, entwickelten die Anwesenden Konzepte, die nochmals der ganzen Gruppe vorgestellt wurden. Als Fachmann auf diesem Gebiet hörte Branislav Sitár aufmerksam zu und beschloss den Tag mit einem:

„You would all get an A from me for your ideas and presentation.”

International staff development

Die Arbeitsverhältnisse und -bedingungen sind je nach Land verschieden. Darum wurde im Panel „International Staff Development“ besprochen, wie man Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für ein komplett neues Projekt gewinnen kann. Expertinnen und Experten aus internationalen Science Centern teilten ihre Erfahrungen und Ratschläge mit dem Publikum.

Foto: Flickr, Ecsite Executive Office

Foto: Flickr, Ecsite Executive Office

Abdulaziz AlHegelan baute gemeinsam mit seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern innerhalb neun Monaten ein Science Center in Mishkat, Saudi Arabien auf. Um die Angestellten zum Englisch lernen zu motivieren, schrieb er finanzielle Belohnungen für die erfolgreiche Absolvierung der Zertifikate aus. Für ihn ist das Science Center ein Weg der Welt zu zeigen, dass Saudi Arabien jung und neu wirken kann.
„Jordanierinnen und Jordanier sind sehr ernste Menschen und setzen sich nicht auf den Boden, um mit Kindern zu spielen“, erklärte Sawsan Dalaq eines ihrer Probleme im Children’s Museum Jordan. In Jordanien seien Science Center nach wie vor unüblich und neu und die Menschen müssten erst überredet werden, sich mit Wissenschaft zu beschäftigen. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter lernen im Zuge von Workshops und Teambuildingaktivtäten Englisch und werden als Praktikanten zu anderen Science Centern geschickt, um ihre Fähigkeiten zu verbessern.
Kooperation und Miteinander sind vor allem zwischen Bildungseinrichtungen wichtig, da sowohl Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, als auch Besucherinnen und Besucher von guter Zusammenarbeit profitieren – darin waren sich alle Anwesenden einig.

Bei der offiziellen Abschlusszeremonie sprachen noch einmal alle Veranstalter zu den Besucherinnen und Besuchern der Ecsite 2016 und bedankten sich für die hervorragende Zusammenarbeit. Da die Ecsite im nächsten Jahr in Porto zu Gast sein wird, stellte ein Videoartist den Ort in Portugal mit einer emotional geladenen Videoaktion vor. Nach der traditionellen Übergabe der Ecsite-Glocke wurde die Bühne kurzerhand zur Tanzfläche umfunktioniert. Weiter getanzt wurde am Abend bei der Abschiedsparty im Kunsthaus Graz, bei der noch ein letztes Mal genetzwerkt und gefeiert wurde. See you next year in Porto!

Kategorie: Forschung | Kulturpolitik | Kunst- & Naturvermittlung
Schlagworte: Ecsite 2016


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