Damenschuhe China, 18. Jhd, Leihgeber: Leder & Schuhmuseum, Graz

29. August 2013 / Christoph Pelzl

Der Lotosschuh erzählt seine Geschichte

Museum für Geschichte

Die Ausstellung Ihr Auftritt. Schuhe mit Geschichten im Museum im Palais (12.04.2013–12.01.2014) präsentiert eine Vielzahl von Schuhen aus unterschiedlichen Epochen, Regionen der Welt und für verschiedenste Zwecke.

Schuhe signalisieren Rang und Würde ihres Trägers. Form, Farbe, Material und Ausarbeitung spielen eine wichtige Rolle. Sie dienen bestimmten Zwecken und werden speziell angefertigt oder sind einfach ein modisches Accessoire. Doch Schuhe sind nicht nur unsere täglichen Begleiter, sondern erzählen auch Geschichten: Lustige und kuriose, aber auch tragische und geheimnisvolle Ereignisse verbinden die Träger/innen mit ihrem Schuhwerk. Diese wollen wir niemanden vorenthalten und erzählen in einer Serie auf unserem Museumsblog regelmäßig die besten „Schuhe-Geschichten“.

 

Damenschuhe, China, 18. Jhd,
Leihgeber: Leder & Schuhmuseum, Graz

 

Dieser Lotosschuh misst in der Länge nur 9,5 cm – für eine erwachsene Frau viel zu klein, für den „Goldenen Lotos“ aber zu groß: Das angestrebte Maß betrug nur 7,5 cm, das entspricht ungefähr der Schuhgröße 17! Um dieses Ideal zu erreichen, wurden den Mädchen zwischen dem 3. und 8. Lebensjahr in einer äußerst schmerzhaften Prozedur vier Zehen unter dem Fuß festgebunden: Je kleiner der Fuß, desto größer waren die Heiratschancen.

Zu Frauen herangewachsen, konnten sie allerdings nicht mehr gehen, sondern nur noch trippeln. Das entsprach zum einen dem Schönheitsideal, zum anderen war es Ausdruck des Frauenbildes: Nicht stolz und selbstbewusst hatte eine Frau zu sein, sondern demütig, abhängig und dienend.

Nach Gründung der Volksrepublik China 1949 wurde diese Praxis unter Mao Zedong endgültig verboten, vermutlich, weil die Regierung die „Gleichberechtigung“ der Frau verlangte und Arbeitskräfte benötigte.

Was uns interessiert: Welche Geschichten erzählen Ihre Schuhe? Teilen Sie diese doch mit unseren Leserinnen und Lesern und schicken diese einfach an: anna.fras@museum-joanneum.at

Bisher in dieser Serie erschienen:
Wie schnell gehen Sie? – Schuhe mit Geschichten

Kategorie: Museum für Geschichte
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