27. Mai 2016 / Marion Kirbis

Der Körper als Quelle aller Freude, allen Leids und aller Wahrheit

Kunsthaus Graz

Am Mittwoch wurde die Ausstellung Bittersüße Transformation. Alina Szapocznikow, Kateřina Vincourová und Camille Henrot im Kunsthaus Graz eröffnet. Im Mittelpunkt steht der skulpturale Dialog dreier Künstlerinnen aus unterschiedlichen Generationen über den menschlichen Körper.

In der Ausstellung Bittersüße Transformation geht es um einen vielschichtigen Dialog, der zwischen den Werken der drei Künstlerinnen Alina Szapocznikow, Kateřina Vincourová und Camille Henrot entsteht. Obwohl die Arbeiten der aus fast drei Generationen stammenden Frauen sich stark voneinander unterscheiden, lässt sich eine innere Verwandtschaft im Thema des Körpers feststellen. Dieser dient als Erfahrungs- und Repräsentationsort, an dem das Fetischhafte, die Ware, das surreale Instinktive und Intime sich im Prozess des skulpturalen Schaffens manifestiert.

Bei der Eröffnung letzten Mittwoch wies die Kuratorin Katrin Bucher Trantow auf die Wichtigkeit dieser besonderen Schau hin: „Ich bin stolz auf diese Ausstellung, weil sie einen geschichtlichen Bogen über Generationen hinweg spannt und dazu beiträgt, weiblichen Positionen in der Kunst eine Stimme zu geben.“

Kuratorin Katrin Bucher Trantow mit Künstlerin Kateřina Vincourová, 2016, Foto: Universalmuseum Joanneum/N. Lackner

Kuratorin Katrin Bucher Trantow mit Künstlerin Kateřina Vincourová, 2016, Foto: Universalmuseum Joanneum/N. Lackner

Ausgangspunkt der Ausstellung sind die Arbeiten von Alina Szapocznikow . Die 1926 geborene polnische Künstlerin, deren Werk in den Jahren nach ihrem Tod im Jahr 1973 von der Kunstgeschichte geradezu verschwiegen wurde, gilt heute als eine der bedeutendsten Bildhauerinnen der Nachkriegszeit. Die Holocaust-Überlebende setzte sich in besonders kraftvoller und energiegeladener Weise mit dem Zusammenspiel zwischen dem Bild einer surrealen Sinnlichkeit und der existenziellen Vergänglichkeit des Materials auseinander.

„Meine Geste richtet sich auf den menschlichen Körper. Jene ,absolute und erogene Zone‘, an ihre undeutlichsten und flüchtigsten Gefühle. […] Meine Arbeit ist schwierig, denn ein Gefühl, das auf sehr unmittelbare und undeutliche Weise empfunden wird, widersetzt sich häufig der Identifikation. Oft ist alles vermischt, die Situation ist mehrdeutig, und Grenzen sind verwischt. Und trotzdem versuche ich die Spuren unseres Körpers in Harz festzuhalten: Von all den Manifestationen des Flüchtigen ist der menschliche Körper die verletzlichste, die einzige Quelle aller Freude, allen Leids und aller Wahrheit.“ Alina Szapocznikow, 1972

Ihre Arbeiten beginnen mit den Werken der beiden jüngeren Künstlerinnen ein fiktives Gespräch über das Spiel der Gegensätze: Zwischen Anziehung und Abstoßung, zwischen den Geschlechtern, zwischen der schaffenden Hand der Künstlerin und den Produktionsprozessen, aber auch zwischen Eros und Thanatos (also zwischen Liebe und Tod) eröffnet sich ein Spannungsfeld der Urtriebe Lust und Sehnsucht.

Die Französin Camille Henrot (geb. 1978), die seit der Verleihung des Silbernen Löwen im Rahmen der Biennale von Venedig 2013 einem breiten Publikum bekannt ist, bringt filmische und grafische Arbeiten in diesen Dialog ein und versetzt Zuseherinnen und Zuseher in einen Taumel der Dinge, der inmitten von spirituellen, wissenschaftlichen, mythischen und historischen Erzählungen entfacht wird. Die plastischen Werke der Tschechin Kateřina Vincourová (geb. 1968) regen hingegen zum Nachdenken über die Intimität zwischen Körpern und Dingen an, deren Bedeutung sich in einer forschenden Auseinandersetzung mit der Welt der Ware offenbart. Ihre installativen Arbeiten thematisieren das eingeschriebene, vererbte und versteckte Wissen von Produkten und Dingen, denen in unserer Kultur Passivität und Objektivität zugeschrieben werden, die sie aber als Mitakteure entlarvt. Bei allen drei Künstlerinnen wird der Prozess der Transformation zu einer erotischen Quelle des Schaffens und Sehens.

Bittersüße Transformation. Alina Szapocznikow, Kateřina Vincourová und Camille Henrot
Laufzeit: 26.05.–28.08.2016
Katalogpräsentation: 28.06.2016, 18 Uhr, im Kunsthaus Graz

Mehr zu den einzelnen Künstlerinnen gibt es bald hier am Blog zu lesen!

Kategorie: Kunsthaus Graz
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