Schmuckteller mit Büste eines jungen Arabers; Wien, Fa. Friedrich Goldscheider, Ende des 19. Jahrhunderts, Universalmuseum Joanneum/Museum im Palais

28. März 2015 / Ulrich Becker

Dem Orient ins Gesicht geschaut: Ein Schmuckteller der Wiener Firma Goldscheider #MusealeSchätze

Museum für Geschichte

Mit der Veranstaltungsreihe "Objektsalon" gewährt die Kulturhistorische Sammlung des Universalmuseums Joanneum einen einzigartigen Blick in die Vielfalt ihrer Bestände abseits der Dauerausstellung im Museum im Palais. In Form von Salongesprächen werden unbekannte Kostbarkeiten sowie ausgefallene und skurrile Objekte vorgestellt. Den Anfang des „Objekt-Salons“ machte eine der jüngsten Neuerwerbungen: ein prächtiger Schmuckteller der berühmten Wiener Firma Friedrich Goldscheider.

 

Für Friedrich Goldscheider haben renommierte Bildhauer gearbeitet, so auch der in Wien und Paris geschulte Arthur Strasser (1854-1927), der sich nach einer Ägyptenreise (1892) zum vielgefragten Spezialisten für orientalische Volkstypen entwickelte. Auch die Grazer Büste dürfte durch diese Erfahrung angeregt worden sein.

„Ein Zeugnis für Orientmode und Orientklischees im Europa der Gründerzeit“,

so beschreibt Ulrich Becker, Sammlungskurator der Kulturhistorischen Sammlung im Museum im Palais, jenen Zierteller, der im Jahre 1885 in der Wiener „Goldscheider’schen Porzellan Manufactur und Majolica-Fabrik“ hergestellt worden ist. Die Mitte des Tellers ist mit der Büste eines jungen Arabers geschmückt, dessen naturgetreue Darstellung eine Vorstellung des Lebens im fernen Orient inmitten belebter Basare vermittelt. Der Künstler dürfte fasziniert gewesen sein von der Vielfalt dieser nordafrikanischen und arabischen Märkte, doch er hielt sich trotz alledem bei der Formgebung des Tellers an europäische Besonderheiten der Kunstgeschichte: Die runde Form des Schmucktellers lässt an die italienische Renaissancekeramik denken, und die schmuckvolle Verzierung (Palmettendekor) des Tellerrandes erinnert an das Nachleben des Klassizismus.

Eine Begegnung mit der orientalischen Welt abseits der Paläste

Die Welt des Orients hat auf das bürgerliche Leben des 19. Jahrhundert eine besondere Faszination ausgeübt: Als „Orientalismus“ bezeichnen wir diese Darstellung und Verwendung nah- und fernöstlicher Motive, welche besonders für Künstler in England und Frankreich sowie später auch in Deutschland und Österreich von großem Interesse waren. In der Sammlung der Neuen Galerie Graz beispielsweise befinden sich Werke des bedeutendsten österreichischen Orientmalers, Leopold Carl Müller (1834–1892).

Klischee oder Realität?

Arabische Paläste, Städte, Märkte, Landschaften, islamische Würdenträger und Haremsdamen, Karawanen und Straßenhändler – unsere Vorstellung vom Orient ist geprägt von diesen Darstellungen. Nicht immer entsprechen sie jedoch der Realität – vielmehr sind sie Fantasieprodukte, die Sensationsbedürfnis und Abenteuerlust in uns hervorrufen.

Kategorie: Museum für Geschichte
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