datiert 1519, Tempera auf Papier, 43 cm x 28,4 cm, Vermächtnis Richard Knabl, Graz 1874 Foto: © NTK 2012 Univ.Prof. DI Dr. M. Schreiner, Normallicht

18. Oktober 2012 / Helga Hensle-Wlasak

Das Totenbildnis Kaiser Maximilians I.: Neue wissenschaftliche Erkenntnisse

Konservieren & Restaurieren

Das eindrucksvolle Totenbildnis Kaiser Maximilians I. kann derzeit in einer vielbeachteten Ausstellung in der Albertina in Wien bewundert werden. Es kam im Jahr 1874 als Vermächtnis des Pfarrers Richard Knabl in die damalige Landesbildergalerie und gehört nunmehr zu den wichtigsten Sammlungsobjekten der Alten Galerie im Schloss Eggenberg.

 Totenbildnis Kaiser Maximilians I., Anonymer Meister (Monogrammist A. A. ?),
datiert 1519, Tempera auf Papier, 43 cm x 28,4 cm, Vermächtnis Richard Knabl, Graz 1874
Foto: © NTK 2012 Univ.Prof. DI Dr. M. Schreiner, Normallicht

Es vermittelt auf ergreifende Weise das Aussehen des toten Kaisers, der im Jänner 1519 im Alter von 60 Jahren in der Burg von Wels gestorben ist. Die krankhafte Auszehrung der Gesichtszüge und die Beschränkung auf wenige, klar voneinander abgesetzte Farben steigern den Gesamteindruck des Porträts ins Dramatische.

Leihgabe für Ausstellung in der Albertina

Das von einem anonymen Künstler geschaffene Totenbildnis in der Alten Galerie ist das erste bekannte Beispiel dieses Porträttyps und in der Folge weitere Male kopiert worden. Derzeit zählt es zu den prominentesten Leihgaben der Ausstellung Kaiser Maximilian I. (1459–1519) und die Kunst der Dürerzeit in der Albertina in Wien. Sowohl Albertina-Direktor Klaus Albrecht Schröder als auch Claudia Schmied, Bundesministerin für Unterricht, Kunst und Kultur, haben in ihren Eröffnungsreden die Bedeutung des Totenporträts für die laufende Ausstellung hervorgehoben. Es setzt den erschütternden Schlusspunkt in einer langen Reihe von aussagekräftigen Porträts: Maximilian hat sich werbewirksam von den besten Künstlern seiner Zeit wie Albrecht Dürer, Bernhard Strigel oder Hans Burgkmair d. Ä. nicht nur als triumphaler Staatsmann sondern auch als familiärer Privatmann darstellen lassen.

Am Ende seines Lebens zeigte Maximilian jedoch eine große Demut vor dem Tod. Dem Totenbildnis liegt wohl konkret der Wunsch des Kaisers zugrunde, dem Vergessen zu entrinnen. Noch ganz dem spätmittelalterlichen christlichen Gedankengut verpflichtet, hat Maximilian die Ars moriendi, die Kunst des Sterbens, zelebriert. Er gab zum Beispiel Anweisungen, seinen Leichnam zu geißeln und ohne alle herrschaftlichen Würdenzeichen zu bestatten.

Neue wissenschaftliche Erkenntnisse

Die Leihgabe nach Wien bringt der Alten Galerie nicht nur Ansehen als eine der bedeutendsten Sammlungen des Landes, sondern auch neue Erkenntnisse zum Objekt. Die Albertina hat dankenswerterweise naturwissenschaftliche Untersuchungen durch Herrn Manfred Schreiner, Ordinarius für Farbenlehre und Farbenchemie an der Akademie der Bildenden Künste in Wien, beauftragt, deren Ergebnisse von Gernot Mayererstmals im Katalog publiziert werden (Kaiser Maximilian I. und die Kunst der Dürerzeit, herausgegeben von Eva Michel und Maria Luise Sternath, Prestel Verlag, München London New York, 2012, Kat. Nr. 127, S. 380–383). Alle fotografischen, strahlentechnischen und materialorientierten Untersuchungen wurden zerstörungsfrei durchgeführt, d. h. es wurden keine Proben am Original entnommen oder andere Veränderungen vorgenommen.

Totenbildnis Kaiser Maximilians I. (wie Abb. 1)
Foto: © NTK 2012 Univ.Prof. DI Dr. M. Schreiner, UV-Fluoreszenzaufnahme

Aus der älteren Literatur war bereits bekannt, dass es eine Malschicht mit floralen Musterungen im Bereich des Bahrtuches gegeben hat. Als wichtigste Erkenntnis der UV-Fluoreszenz- bzw. Röntgenaufnahme konnte nunmehr festgestellt werden, dass das Tuch ursprünglich wahrscheinlich mit einem gelben Brokatmuster auf blauem Grund gestaltet war. Erst später, vermutlich nach 1555, ist das Tuch mit Schwarz übermalt und das goldgelbe Kreuz aufgelegt worden. Die sorgfältige Unterzeichnung, die in der Infrarot-Reflektografie nachgewiesen werden konnte, sowie die Verwendung von wertvollen Pigmenten wie Ultramarin mit Azurit sprechen laut Mayer eher für ein offizielles Gedächtnisbild als für ein privates Erinnerungsbild. Die Buchstaben A. A. neben dem Kreuz deutet er als erzherzoglichen Titel („Archidux Austriae“) und nicht als Künstlermonogramm.

Die Ausstellung Kaiser Maximilian I. und die Kunst der Dürerzeit in der Albertina in Wien ist noch bis 6. Jänner 2013 geöffnet.

Kategorie: Konservieren & Restaurieren
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