15. Oktober 2014 / Anna Fras

Das Museum öffnen – 3 Fragen und Antworten

Joanneum Digital | Kunsthaus Graz

Museen werden oft fälschlicherweise als Elfenbeintürme angesehen, die von einer elitären Zielgruppe für ihresgleichen konzipiert werden. Die Rufe nach DEM „offenen Museum“ tönen immer lauter durch den öffentlichen Raum. Das  LWL Museum für Kunst und Kultur in Münster greift dieses Thema in einer Blogparade auf und fragt ganz konkret nach den (subjektiven) Merkmalen eines offenen Museums:

Auch im Universalmuseum Joanneum befassen sich unsere Kolleginnen und Kollegen seit Jahren mit diesen Fragestellungen. Katrin Bucher Trantow, stellvertretende Leiterin des Kunsthauses Graz, arbeitet beispielsweise mit einem Team gerade an der Schärfung des eigenen Profils als Kunsthalle und Ort der vielseitigen Auseinandersetzung für ein breites Publikum. Ein Aspekt davon ist ein neues Konzept für den Eingangs- und Foyerbereich im Kunsthaus Graz. Katrin Bucher Trantow ist dabei unweigerlich auch mit Bedingungen und Wünschen konfrontiert, die das Kunsthaus Graz zu einem einladenden Ort für unterschiedlichste Menschen machen sollen.

 

Schnitt, Modell des Kunsthaus Graz, Ausstellungsansicht, Kultur:Stadt, 2013, Foto: UMJ/N. LacknerSchnitt, Modell des Kunsthaus Graz, Ausstellungsansicht, Kultur:Stadt, 2013, Foto: UMJ/N. Lackner

 

Was macht das Kunsthaus Graz zu einem offenen Museum?

Das Kunsthaus Graz wurde 2003 erbaut. Es ist so konzipiert, dass bereits die Architektur Niederschwelligkeit verlangt. Das Foyer sollte dementsprechend vergleichbar sein mit einem offenen Marktplatz: Es sollte sowohl als Versammlungsraum als auch als Bewegungszone funktionieren. In der Tat kommt es in diesem Konzept meiner Vorstellung von einem offenen Museum als Raum für Kunstpräsentation und -reflexion schon sehr nahe.

Trotz dieser architektonisch recht guten Voraussetzungen merken wir immer deutlicher, dass der Ruf nach einem offenen Kunsthaus stetig lauter wird und es ist notwendig, weiter in diese Richtung zu gehen sowie bereits Angelegtes zu unterstützen und auszubauen: Ab dem Jahr 2015 verlegen wir den bisherigen – etwas versteckten – Gastronomiebereich dafür auf die westliche Gebäudeseite, um so im Erdgeschoss des „Eisernen Hauses“ – dem Publikumsverkehr zugewandt – ein neugestaltetes Kunsthaus-Café mit sonnigem Gastgarten zu bieten. Die bisher bestehende, Gastronomiefläche wird damit ebenerdig als bislang vermisster Ausstellungsraum für kleinere Formate in das künstlerische Programm des Hauses integriert, der kostenlos zugänglich sein wird.

Dieser „Space05“, den wir in Anlehnung an die anderen Ausstellungsebenen so nennen, soll also bewusst nicht nur ein Ausstellungsort, sondern auch ein Schauplatz künstlerischer Produktion sein. Künstlerinnen und Künstler können dort kreativ tätig werden und gegebenenfalls auch experimentieren, scheitern oder reüssieren. Dies alles ist bewusst als Ort der Partizipation, der direkten Einbindung des Publikums in das Werk gedacht, so wie sie in der Kunstproduktion seit mehreren Generationen ein wichtiges Thema ist und nun auch zunehmend für die Institution Museum bzw. Kunsthalle gewünscht wird.

Inwieweit wird auf diese Entwicklung eingegangen?

Die Zukunft von Museen sollte keine „one-way-communication“ sein. Museen und insbesondere Kunsthallen mit Wechselausstellungen werden mit ihren Besucherinnen und Besuchern immer stärker in Dialog treten – nicht nur in der Öffentlichkeitsarbeit, sondern auch inhaltlich. In Ausstellungsprojekten wie etwa Volksgarten (2007) oder Cittadellarte (2012), aber auch bei eintägigen Events wie zuletzt dem Big Draw Graz oder in diversen Podiumsdiskussionen haben wir versucht, Dialog und Teilhabe gezielt zu fördern, aber auch als historisches Phänomen in der Entwicklung künstlerischer Positionen aufzuzeigen.

Die Mitwirkung des Publikums hat nicht zuletzt in der Kunst der letzten Jahrzehnte eine zunehmend starke Rolle gespielt, und sie ist auch ein ausgesprochener Wunsch unserer Besucherinnen und Besucher, die sehr gut wissen, was sie sehen und selbst beitragen wollen. Auch bei der aktuellen Debatte rund um die Neuausrichtung des Kunsthauses kamen diese Wünsche nach einer stärkeren Teilnahme der Bevölkerung zur Sprache. Für eine Kunsthalle, die sich mit zeitgenössischer Kunst und aktuellen Themenstellungen beschäftigt, ist sowohl die Mitgestaltung der Gesellschaft als auch die Auseinandersetzung mit ihr besonders wichtig.

 

Katrin Bucher Trantow bei einer Pressekonferenz im Kunsthaus Graz, 2011, Foto: UMJ/N. Lackner

Katrin Bucher Trantow bei einer Pressekonferenz im Kunsthaus Graz, 2011, Foto: UMJ/N. Lackner

Das Publikum sollte also selbst über das Programm entscheiden?

Es gibt einen Auftrag für eine Institution, die sich in der Ausstellungsprogrammatik offenbart, die ein Haus definiert und charakterisiert. Dieser ist wichtig und den gilt es mitunter auch gemeinsam zu erarbeiten. Ich halte es aber nicht für sinnvoll, das Programm demokratisch zu erfinden und damit eine markante Programmlinie immer wieder zu brechen. Insofern sollte nicht ein populäres Thema der Ausgangspunkt für eine Ausstellung sein, sondern das Thema sollte aus der Kunst heraus entstehen.

Ich sehe die Aufgaben von Kuratorinnen und Kuratoren darin, Themen in der Kunstproduktion zu erkennen und dann gemeinsam mit anderen Berufsgruppen die Inhalte für das Publikum möglichst gut aufzubereiten – etwa mithilfe der Ausstellungsgestaltung und einer klaren Sprache der Vermittlung. Das erleichtert den Besucherinnen und Besuchern auch, sich aktiv einzubringen. Museen sollten aber nicht zuletzt darauf achten, dass das Publikum in diesem Zusammenhang nicht für ein möglichst populäres oder politisch vermarktbares Programm instrumentalisiert wird.

Habt ihr Anregungen, Kommentare oder Wünsche? Lasst uns wissen, was für EUCH ein Museum OFFEN macht!

Was bedeutet für euch ein offenes Museum? Wie sollte ein Museum heutzutage gebaut und ausgestattet sein, um euren Bedürfnissen und Wünschen an einen Besuch gerecht zu werden? Was versprecht ihr euch von einem Museumsbesuch?

Kategorie: Joanneum Digital | Kunsthaus Graz
Schlagworte: Blogparade


Ein Gedanke zu “Das Museum öffnen – 3 Fragen und Antworten

  1. Marie

    Eine hervorragende Zusammenfassung über moderne Museen. Dies kann nicht oft genug gesagt werden, wer sich an wem orientieren soll. Anna hat hierfür die passenden Worte gefunden.

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