25. März 2015 / Theresa Wakonig

Danke für die Grazer Altstadt, Hubert Hoffmann!

Neue Galerie mit BRUSEUM

Morgen Donnerstag (26. März) wird in der Neuen Galerie Graz die Ausstellung Hubert Hoffmann. Alle Architektur ist Raumkunst eröffnet. Kurator Peter Peer erzählt dem Museumsblog Wissenswertes über den Architekten, Bauhaus-Schüler und Städteplaner Hubert Hoffmann und sein Schaffen in Graz.


Hubert Hoffmann und Ignaz Gallowitsch (Planer), Hochspannungshalle der Fakultät für Elektrotechnik, TU-Graz, Inffeldgasse (Ausschnitt), Fertigstellung 1972, Foto: Neue Galerie Graz

Hubert Hoffmann und Ignaz Gallowitsch (Planer), Hochspannungshalle der Fakultät für Elektrotechnik, TU-Graz, Inffeldgasse (Ausschnitt), Fertigstellung 1972, Foto: Neue Galerie Graz

 

Das Bauhaus war eine Kunstschule – spiegelt sich das in Hoffmans Architektur wider?
Das Bauhaus war eine Hochschule, die Architektur und Kunst als große Einheit gesehen hat, und die in Zusammenhang mit den großen modernistischen Strömungen zu Beginn des 20. Jahrhunderts stand. Natürlich spiegelt sich dieses moderne Denken in der Architektur wider, aber was das Bauhaus eigentlich schaffen wollte, war eine Architektur, die dem menschlichen Maß angemessen ist. Denn man muss sich vorstellen: Die Architektur in dieser Zeit war noch sehr stark vom Historismus des 19. Jahrhunderts geprägt, also einem Stil mit sehr viel Ornament und Verzierungen. Diese Bauwerke haben eine starke Ausdruckskraft besessen und die Staatsgewalt repräsentiert. Und das wollte man zurücknehmen. Man wollte Architektur schaffen, die in ihrer Auffassung und in ihren Dimensionen dem modernen Menschen entspricht und seinem Wohlbefinden und seiner geistigen und körperlichen Erbauung dient. Die moderne Architektur war damals allerdings noch in einem Versuchsstadium. Nicht alles, was man gebaut hat, hat damals schon so funktioniert, wie man es sich vorgestellt hat.

Hoffmann hat 40 Jahre lang in Graz gelebt – gibt es hier Gebäude, die an ihn erinnern?
Hoffmann hat die Idee des verdichteten Flachbaus vertreten: Man hat versucht, in mehrstöckigen Wohnanlagen mit einer bestimmten diagonalen Anordnung der einzelnen Geschosse ein Fleckchen Grün und eine gewisse Privatsphäre für jede Wohnung zu gewinnen, aber trotzdem auf engem Raum relativ viel Wohnraum zu schaffen. Hoffmann hat in Graz nicht durch große Bauten Aufsehen erregt, er war vielmehr Städtebauer, dort liegt seine Bedeutung.

Er hat mit anderen gemeinsam eine wichtige Leistung erbracht: Er war Befürworter des Plabutschtunnels. Die Trasse der Pyhrnautobahn hätte eigentlich durch den Westen von Graz verlaufen sollen, mitten durch das Stadtgebiet von Eggenberg, Wetzelsdorf und Straßgang. Der Tunnel war eine große städteplanerische Leistung. In der Ausstellung sieht man auch Hoffmanns Entwürfe für die Gestaltung des Murufers; die Unterführung bei der Hauptbrücke mit der Kastner-Garage ist ein Teil dieser Idee.

Hoffmann hat sich sehr für den Erhalt der Altstadt eingesetzt. Es war geplant, dass in Graz an bestimmten Stellen, zum Beispiel am Tummelplatz, Hochhäuser gebaut werden. Hoffmann hat seine Ohren gespitzt und das mitbekommen und hat diese Dinge zu verhindern gewusst. Dadurch hat er sich zum Teil sehr unbeliebt gemacht, aber er hat dazu beigetragen, dass Graz heute UNESCO-Welterbe ist.

Hoffmann als „Landwirt“ in Graz, 1970er-JahreFoto: Privatbesitz

Hoffmann als „Landwirt“ in Graz, 1970er-Jahre Foto: Privatbesitz

 

Wie ist die Ausstellung aufgebaut?
Die Ausstellung ist in drei Teile gegliedert: Der erste Teil beschäftigt sich mit Hoffmann und dem Bauhaus. Da sieht man Arbeiten aus seiner Bauhaus-Zeit wie Vorkurs-Arbeiten und Entwürfe für Werbegrafiken, aber auch Werke der Bauhaus-Meister aus unserer Sammlung werden zu sehen sein. Im zweiten Bereich geht es um Hoffmann als Architekt und Städteplaner, von den 1930er- bis in die 1950er-Jahre, wo Entwürfe von Häusern und Mobiliar dargestellt sind. Man wird aber auch seine theoretischen Schriften sehen: Das Werk „Die gegliederte und aufgelockerte Stadt“ wird in Ausschnitten gezeigt werden, außerdem eine städtebauliche Analyse der Stadt Dessau. Der dritte Teil der Ausstellung betrifft Hubert Hoffmann und sein Schaffen in Graz.

Spielt der Nationalsozialismus in der Ausstellung eine Rolle?
Aus den Quellen kann man sehen, dass Hoffmann ein sehr regimekritischer Mensch war, der sich auch in widerständlerischen Gruppen bewegt hat. Er war zwei Jahre lang eingezogen, wurde dann aber aufgrund seiner Fertigkeiten als Architekt in Planstäbe kommandiert, wo er wieder aufgebaut, renoviert und städteplanerische Aufgaben übernommen hat.

Hoffmann hat in großen Städten wie Berlin gelebt – warum war Graz attraktiv für ihn?
Hoffmann sagte in einem Interview, dass das Klima in Berlin Ende der 50er-Jahre für Architekten von einem sehr gewinnorientierten Denken geprägt war. Hoffmann ist mit den Leuten dort übers Kreuz geraten und hat gesehen, dass seine Karriere in Berlin nicht sehr aussichtsreich war. Er hat sich dann für die Stelle als Ordinarius an der TU Graz beworben und erhielt die Professur.

War Hubert Hoffmann ein international bekannter Architekt?
Ich würde sagen, dass er kein berühmter Architekt war, sondern vielmehr einem Insiderkreis von Architekten bekannt war. Roland Rainer, mit dem er zusammengearbeitet hat, war zum Beispiel viel bekannter als er. Er ist den Grazer Architekten bekannt, denn viele sind durch seine Schule gegangen, aber die Jüngeren kennen ihn namentlich kaum mehr. Er ist nicht durch große Bauten aufgefallen, sondern hat Siedlungen und Wohnhäuser geplant und war Städteplaner in einigen Gemeinden in der Steiermark. Das war seine Aufgabe: Er war Leiter des Instituts für Städtebau und Landesplanung, und hat in dieser Funktion sehr stark gewirkt.

 

Hubert Hoffmann. Alle Architektur ist Raumkunst
Neue Galerie Graz, Joanneumsviertel, 8010 Graz
Laufzeit: 27. März bis 07. Juni 2015

Hubert Hoffmann, "Entwurf für „Roley–Plex“-Prospekt", 1933 Sammlung Neue Galerie Graz, Universalmuseum Joanneum

Hubert Hoffmann, “Entwurf für „Roley–Plex“-Prospekt”, 1933; Sammlung Neue Galerie Graz

 

Kategorie: Neue Galerie mit BRUSEUM
Schlagworte: Hubert Hoffmann


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