Bezirk Weiz

ADA Möbelfabrik GmbH

Karl Derler gründete um 1900 eine kleine Seilerei in Anger, welche Sohn Alois Derler im Jahre 1930 übernahm. Dieser stieg um 1950 mit zwei Mitarbeitern auf die Matratzenproduktion um. Aus diesen bescheidenen Anfängen entstand schließlich die erste steirische Matratzenfabrik.

Als im Jahre 1970 der Gründer der Firma ADA (die Firmenbezeichnung leitet sich von „Alois Derler, Anger“ ab) verstarb, beschäftigte das Unternehmen bereits 300 Arbeiter/innen und Angestellte und erzeugte Polstermöbel und Matratzen. Sohn Oskar Derler übernahm das Unternehmen und machte es zum größten Möbelhersteller Österreichs.

Industrie in Ratten

1920 begann man in Ratten und St. Kathrein/Hauenstein mit dem Abbau der Braunkohle in großem Stil sowie dem Betrieb einer Gussglashütte. Vor dieser Zeit war Ratten  so wie die anderen Ortschaften im oberen Feistritztal vorwiegend landwirtschaftlich geprägt, mit Ausnahme der Hammerwerke, die man im Raum Ratten und Rettenegg betrieb.

 

Die Gewinnung der Kohle in 1.000 m Seehöhe am Fuße der Pretulalpe erfolgte vorwiegend im Tagbaubetrieb. Das weitaus größere Vorkommen der zweiten Grube in Ratten/St. Kathrein mit der Bezeichnung „Waldheimat“ hatte eine Gesteinsüberlagerung von 180 m bis 200 m. Abgebaut wurde in beiden Gruben von 1920 bis 1960 insgesamt ca. 2 Mio. Tonnen Braunkohle.

 

Die Gußglashütte in Ratten mit einer Betriebsgrundfläche von ca. 3.800 m² war zum damaligen Zeitpunkt die erste ihrer Art in der neu gegründeten Republik Österreich nach dem 1. Weltkrieg. Die erforderlichen 1.400 Grad Celsius für die Glasschmelze wurde mittels Generatorgas – gewonnen aus der Braunkohle – erreicht. Die Jahresproduktion des erzeugten Draht- und Ornamentglases sowie der Marmorglasfliesen betrug in den produktivsten Jahren bis zu 5.000 Tonnen.

 

Um die Beförderung für Kohle und Glas im großen Ausmaß zu ermöglichen, mussten entsprechende Transportwege teilweise unter widrigsten Umständen geschaffen werden. Mit einer 4,5 km langen Materialseilbahn wurde die Kohle vom Abbaugebiet am Kogl zur Brech- und Sortieranlage nach Ratten gebracht. Die Kohle aus der Lagerstätte „Waldheimat“ förderte man über den 2,8 km langen Friedensstollen vom Muldentiefsten aus ebenfalls nach Ratten.

Den Weitertransport für Kohle und Glas übernahm die neu errichtete 18 km lange Industriebahn von Ratten nach Birkfeld und dann weiter mit der bereits bestehenden Schmalspurbahn nach Weiz. Die Kohle wurde außerdem noch mit einer 12,7 km langen Materialseilbahn von Ratten über die Fischbacher Alpen zu den Bleckmannwerken in Hönigsberg im Mürztal angeliefert.

 

Etliche Jahre beschäftigten die Feistritztaler Industriebetriebe bis zu 600 Personen, darunter viele aus den ehemaligen Kronländern der Monarchie. Mangels geeigneter Verkehrsverbindungen waren sie in Mehrparteienhäusern oder Baracken in Ratten, am Kogl und in einer Bergarbeitersiedlung einige Kilometer außerhalb des Ortes St. Kathrein/Hauenstein untergebracht.

 

Die Förderung am Kogl wurde 1928 eingestellt, die Grube „Waldheimat“ im Jahre 1960. Die Glashütte wurde ca. 1934 stillgelegt.

 

Quelle: Johann Friesenbichler, Industrie in Ratten

 

Äxte, Sicheln und Buschmesser - Die Anfänge der Knill Gruppe

Mosdorfer wurde 1712 erstmals als Klingenschmiede in Weiz erwähnt. Zur damaligen Zeit exportierte man bereits einen Großteil der Jahresproduktion an Säbeln und Klingen ins Ausland. Als Friedrich Knill 1929 eine Tochter des Moritz Mosdorfer heiratete, begann die Ära der Familie Knill.
Ab 1945 wurden Hacken und Buschmesser produziert, bereits 1949 erhielt Friedrich Knill den Auftrag für Freileitungsarmaturen bei der Errichtung der 220-kV-Leitung Kaprun-Ernsthofen.

 

Im Jahr 1974 übernimmt dessen Sohn Gunther Knill die Geschäftsführung der Mosdorfer GmbH und baut das Einzelunternehmen zu einer international bedeutenden Firmengruppe auf.

Auf der 1. Oststeirischen Handwerker-Ausstellung in Gleisdorf 1907

Das Grazer Volksblatt berichtete von der feierlichen Eröffnung im Beisein des K.k. Statthalters von Steiermark Manfred Graf Clary und Aldringen (Protektor) und des steiermärkischen Landeshauptmannes Edmund Graf Attems: „Der freundliche Markt Gleisdorf war gestern (Anm.: 04. August 1907) der Schauplatz einer schönen Festfeier, die dem heimischen Gewerbe galt. Die Häuser prangten im Festschmucke von zahlreichen Fahnen, Pöllersalven leiteten den Eröffnungstag der ersten oststeirischen Handwerkerausstellung ein. Die Ehrenjungfrauen versammelten sich in dem mit der Kaiserbüste und prächtigen Blattpflanzen geschmückten Ausstellungssaal.“

 

Der Gleisdorfer Bürgermeister Alois Grogger verwies in seiner Festrede auf die „1. Mürztaler Handwerker-Ausstellung“ in Kindberg 1906, die dieser Schau leuchtendes Vorbild war, „um das Selbstbewusstsein und Leistungsfähigkeit des Handwerks zu dokumentieren“. Er vermeldete stolz, dass die Gleisdorfer Ausstellung „von 151 Handwerkern beschickt sei, die ihre eigenen Erzeugnisse ausstellen, dazu kommen 21 Betriebsanlagen für gewerbliche Erzeugnisse und die Ausstellung für Gewerbeförderung und Wohltätigkeitseinrichtungen, zusammen 240 Aussteller“.

 

In der Ausstellung nach Klassen vertreten waren das Metall-, Holz-, Textil-, Papier-, Leder-, sowie Nahrungs-und Genussmittelgewerbe, ebenso wie das chemische Gewerbe. Eine eigene Gruppe bildete die Ausstellung von Maschinen, Werkzeugen und Betriebserfordernisse für Handwerker. Zudem wurden vollständige Maschinenwerkstätten für Bäcker, Buchbinder, Selcher, Schlosser, Schmiede, Steinmetze, Tischler und Wagner gezeigt. Es beteiligten sich auch Arbeiter-Wohlfahrtseinrichtungen, die Wanderausstellung des steiermärkischen Gewerbeförderungsinstitutes Graz (Modelle und Fotografien) sowie Sachverständige für Unfallverhütung und Gewerbehygiene.

 

Als „besonders anregend“ wurde die Ausstellung des kulturhistorischen und Kunstgewerbemuseums Graz hervorgehoben, „die Abbildungen der steirischen Wohnräume im Kunstgewerbemuseum enthält, ferner verschiedene Abbildungen von Stickereien, Eisen- und Holzarbeiten aus der Vorbildersammlung des Museums“.

 

Erzeugnisse der gewerblichen Fortbildungsschulen Gleisdorf, Weiz, Birkfeld, Fürstenfeld, Feldbach, Hartberg sowie der „Korbflechterschule“ Gleichenberg rundeten das Bild in der Halle ab.

 

Im Freien waren Wirtschaften, Belustigungen und die „Grazer Rodelbahn“ zu finden.

 

Quelle: Grazer Volksblatt vom 05.08.1907, Seite 3f

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