Mehr als ein Haus

„Das Haus“ ist freilich mehr als ein Haus. Es ist eine umfangreiche, vielgestaltige bauliche Einheit innerhalb der geschlossenen historischen Stadt, die – Glücksfall genug – keine Kriegsschäden davongetragen hat. Mit ihren zahlreichen Höfen, den säumenden Hofgalerien (den so fragil wirkenden sogenannten „Pawlatschen“), massiven Arkadengängen, Korridoren und Raumfolgen ist es eher eine Stadt in der Stadt, die alles vereinigt: Prunk- und Wohnräume, eine Vielzahl von Nutzräumen für die Güterverwaltung oder Wagenremisen. Sie rückt dicht an den ansteigenden Schlossberg heran, jeden verfügbaren Winkel des unregelmäßigen Terrains ausnutzend, denn Baugrund ist teuer.

Eingangsportal Gesamt, Foto: N. Lackner/UMJ

In Zeiten ständiger Invasionsgefahr – das expandierende Osmanische Reich ist Nachbar – stehen die Zeichen auf Distanz und Abwehr. Vom 16. bis ins 19. Jahrhundert ist Graz von Bastionen italienischer Bauart umgeben, hat also Festungsstatus, was für Stadt und Land eine erhebliche finanzielle Belastung ergibt. Und wie die Stadt selbst gibt sich auch das Haus in der Stadt nach südlichem Vorbild wehrhaft: Die beiden Zugänge zur Straße, deren Dominanz ursprünglich durch keine großen Erdgeschossfenster getrübt wird, erinnern mit ihrem mächtigen Quadermauerwerk bewusst an Festungsportale bzw. Stadttore, also Eingangstypen, deren äußere Gestaltung anzeigt, dass hier nicht ungehindert Zugang gewährt wird, im Gegenteil: Solche Botschaften sind nicht nur Ausdruck trutziger Abwehrbereitschaft, die nicht von ungefähr an die Selbstbehauptung der Eliten im Streit um die einzig wahre Konfession im Lande erinnert. 

Sie signalisieren auch Modernität, die Vertrautheit mit der „Welschen Manier“, wie die gerade im Norden eingeführte italienische Renaissance auch genannt wird. Eine streng abgeschlossene Welt also, über die ein adeliger Hausherr nach Belieben befinden konnte. An dessen Stelle sind heute die geregelten Öffnungszeiten des Museums getreten.

Wussten Sie schon?

Wie wechselhaft die Geschichte des Hauses war?



1878–1885 wurde das Palais an das k. k. Landes- und Schwurgericht sowie an das Landtafel- und Grundbuchamt vermietet. Die Familie Herberstein hatte hier ihre Güterdirektion eingerichtet. 1939/40 ging das Palais in den Besitz des Landes bzw. „Reichsgaus“ Steiermark über.

mehr...

Museum für Geschichte

Sackstraße 16
8010 Graz, Österreich
T +43-316/8017-9800
geschichte@museum-joanneum.at

 

Öffnungszeiten
Mi-So, Feiertag 10 - 17 Uhr

 

10. Juni

24. bis 25. Dezember
31. Dezember