Mehr als ein Haus

Palais Herberstein, Eingangsportal, Foto: N. Lackner/UMJ

In Zeiten ständiger Invasionsgefahr – das expandierende Osmanische Reich ist Nachbar – stehen die Zeichen auf Distanz und Abwehr. Vom 16. bis ins 19. Jahrhundert ist Graz von Bastionen italienischer Bauart umgeben, hat also Festungsstatus, was für Stadt und Land eine erhebliche finanzielle Belastung ergibt. Und wie die Stadt selbst gibt sich auch das Haus in der Stadt nach südlichem Vorbild wehrhaft: Die beiden Zugänge zur Straße, deren Dominanz ursprünglich durch keine großen Erdgeschossfenster getrübt wird, erinnern mit ihrem mächtigen Quadermauerwerk bewusst an Festungsportale bzw. Stadttore, also Eingangstypen, deren äußere Gestaltung anzeigt, dass hier nicht ungehindert Zugang gewährt wird, im Gegenteil: Solche Botschaften sind nicht nur Ausdruck trutziger Abwehrbereitschaft, die nicht von ungefähr an die Selbstbehauptung der Eliten im Streit um die einzig wahre Konfession im Lande erinnert. 

„Das Haus“ ist freilich mehr als ein Haus. Es ist eine umfangreiche, vielgestaltige bauliche Einheit innerhalb der geschlossenen historischen Stadt, die – Glücksfall genug – keine Kriegsschäden davongetragen hat. Mit ihren zahlreichen Höfen, den säumenden Hofgalerien (den so fragil wirkenden sogenannten „Pawlatschen“), massiven Arkadengängen, Korridoren und Raumfolgen ist es eher eine Stadt in der Stadt, die alles vereinigt: Prunk- und Wohnräume, eine Vielzahl von Nutzräumen für die Güterverwaltung oder Wagenremisen. Sie rückt dicht an den ansteigenden Schlossberg heran, jeden verfügbaren Winkel des unregelmäßigen Terrains ausnutzend, denn Baugrund ist teuer.

Sie signalisieren auch Modernität, die Vertrautheit mit der „Welschen Manier“, wie die gerade im Norden eingeführte italienische Renaissance auch genannt wird. Eine streng abgeschlossene Welt also, über die ein adeliger Hausherr nach Belieben befinden konnte. An dessen Stelle sind heute die geregelten Öffnungszeiten des Museums getreten.

Museum für Geschichte

Sackstraße 16
8010 Graz, Österreich
T +43-316/8017-9800
geschichte@museum-joanneum.at

 

Öffnungszeiten
10. April 2021 bis 31. Oktober 2021 Mo-So, Feiertag 10 - 18 Uhr
01. November 2021 bis 31. Dezember 2021 Di-So, Feiertag 10 - 18 Uhr
02. Jänner 2022 bis 31. Dezember 2022 Di-So, Feiertag 10 - 18 Uhr


Aufgrund der aktuellen Covid-Verordnungen ist in allen Häusern des Universalmuseums Joanneum die Teilnehmer*innenzahl bei Führungen begrenzt. Wir bitten Sie deshalb um verlässliche Voranmeldung unter +43-316/8017 9810

 

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