Wie werden die Städte befestigt?

Bereits im Mittelalter sind Städte hierzulande durch Mauern geschützt. Die Verbreitung von Feuerwaffen erfordert aber neue Verteidigungskonzepte. So werden ab dem 16. Jahrhundert die mittelalterlichen Stadtmauern adaptiert und erweitert: Nach italienischem Vorbild werden Gräben, fünf bis sieben Meter unter dem Normalniveau, um die Städte gezogen. Von diesen aus ragen Bastionen (Bollwerke) 10 bis 14 Meter in die Höhe. Kurtinen (gerade Wälle) verbinden die Basteien miteinander. Teilweise werden zum Schutz der Kurtinen eigene Bauwerke (Ravelins) vorgelagert, um den neuen waffentechnischen Standards zu entsprechen. Der Zugang der Menschen wird über Tore gesteuert. Wo möglich, wird die Topografie genutzt, werden Flüsse, Erhöhungen oder Felsen in die Befestung einbezogen.

 

Die Errichtung einer solchen Befestigungsanlage ist kostspielig und braucht einen finanzkräftigen Auftraggeber: Nicht nur die Materialien, auch den Festungsbaumeister und die Handwerker gilt es zu bezahlen, die als Experten Jahre mit dem Bau einer Festung zubringen.

Eine mittelalterliche Ringmauer. Hartberg

In Hartberg entstehen im 12. Jahrhundert eine Burg und ein Markt. In der zweiten Hälfte des Jahrhunderts wird mit der Befestigung der Stadt begonnen. Eine für das Mittelalter typische Ringmauer wird angelegt. Entlang der gesamten Grenze hin zu Ungarn werden in dieser Zeit Sicherungs- und Wehrmaßnahmen gesetzt, es entstehen Rittersitze und Burgen. Hartbergs Befestigungsanlage wird im Laufe des Mittelalters und der Neuzeit immer wieder auf die Probe gestellt. Ein Umbau im Stil des italienischen Bastionensystems erfolgt aber nicht.

Fürstenfeld

Fürstenfeld verfügt bereits im Mittelalter über eine Mauer mit sechs Türmen. Im späten 15. Jahrhundert wird die Stadt durch ungarische Truppen belagert und in Brand geschossen. Im 16. Jahrhundert plündern osmanische Streifscharen ihre Umgebung. Für den Ausbau der Festung wird die Topografie genutzt: Fürstenfeld liegt auf einer steil abfallenden Terrasse und ist daher gegen Nordosten hin geschützt. Die flach gegen Ungarn gelegene Seite muss hingegen stark befestigt und zusätzlich durch einen Graben gesichert werden. Die bereits bestehende Pfeilburg wird in den neuen Festungsgürtel einbezogen. Die mittelalterliche Ringmauer wird mit modernen Basteien versehen, die Stadttore durch Türme verstärkt. Anfang des 17. Jahrhunderts plündern Haiducken die Stadt und legen sie in Brand. Große Umbauten oder Erweiterungen der Festung erfolgen aber nicht mehr.

Gabriele Jedliczka, Leiterin Museum Pfeilburg, Fürstenfeld, beschreibt die Charakteristika und den Bau der neuzeitlichen Befestigung am Bespiel der Stadt. Video: Walter Schaidinger, 2020/8/27, Fürstenfeld

Festungsanlage Radkersburg

Radkersburg wird im 12. Jahrhundert als Grenzfeste und Sperre gegen Ungarn angelegt und als solche mit Mauern, Toren und Türmen befestigt. In der Neuzeit wird die Befestigung adaptiert. Anders als heute, wird Radkersburg im 16. Jahrhundert auch im Norden von der Mur umflossen und weist dadurch eine Insellage auf. Sicherheitstechnisch ist dies ideal. Zwischen der Mur und der Stadt wird ein Bastionensystem nach italienischer Manier errichtet. Ungelöst bleibt die Frage nach der Sicherung der Burg, die auf der anderen Seite des Flusses liegt. Bereits im 17. Jahrhundert beginnt die Anlage zu verfallen und muss mehrfach nachgebessert werden. Für eine Sicherung der Burg gibt es Pläne, diese werden aber nicht realisiert.

Museum für Geschichte

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01. November 2021 bis 31. Dezember 2021 Di-So, Feiertag 10 - 18 Uhr
02. Jänner 2022 bis 31. Dezember 2022 Di-So, Feiertag 10 - 18 Uhr


Aufgrund der aktuellen Covid-Verordnungen ist in allen Häusern des Universalmuseums Joanneum die Teilnehmer*innenzahl bei Führungen begrenzt. Wir bitten Sie deshalb um verlässliche Voranmeldung unter +43-316/8017 9810

 

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