Welche Funktion erfüllen Zeughäuser?

Zeughäuser entstehen in der Frühen Neuzeit als spezieller Gebäudetypus: Ihr Sinn besteht allein darin, Kriegsgerät möglichst effizient unter maximaler Ausnützung von Raum und Tageslicht unterzubringen. Auf Regalen und Stellagen lagern Harnische, Gewehre und Pistolen, Blank- und Stangenwaffen. Schwere Waffen werden im Erdgeschoss deponiert. Ein repräsentatives Äußeres sind nicht vorgesehen.

 

Das wichtigste Zeughaus, weil „Ausrüstungszentrale“ im Südosten des habsburgischen Reiches, ist das heutige Landeszeughaus in Graz. Von hier aus werden die Zeughäuser in der Region und die Militärgrenze versorgt. Fast jede Stadt, Klosteranlage und Festung besitzt Räume zur Lagerung von Waffen, die von den Verantwortlichen erworben werden. Im Fall erhalten sie zusätzliches Kriegsmaterial aus Graz. Zu solchen „privaten“ Rüstkammern kommen die Zeughäuser in Fürstenfeld, Marburg/Maribor, Pettau/Ptuj oder Varaždin. Sie sind Dependancen des Zeughauses in Graz und werden von dort ausgestattet. Der Waffentransport von Graz zum Zielort erfolgt so weit wie möglich auf dem Wasserweg. Zu Land werden „Heerwägen“ von Ochsen oder Pferden gezogen. Zeitaufwendig ist beides. So benötigen Geschütze für die 130 Kilometer von Graz nach Varaždin etwa eine Woche. Gewehre oder Stangenwaffen sind rund drei Tage lang unterwegs.

Das Landeszeughaus in Graz

Das Landeszeughaus wird Mitte des 17. Jahrhunderts als fünfgeschossiger Zweckbau mit funktionaler hölzerner Inneneinrichtung erbaut. Zur Baugeschichte ist einiges bekannt: Insgesamt 107 namentlich genannte Handwerker, Fuhrleute, Flößer und Taglöhner teilen sich die 13.738 Gulden 1 Schilling und 21 Pfennig, die im Laufe der Errichtung des Zeughauses als Löhne ausbezahlt werden. Als das Zeughaus endlich fertiggestellt ist, hat man 26 Klafter Stein für den Unterbau, 598.600 Mauerziegel, 56.600 Dachziegel, 350 Hohlziegel, 4.500 Schindeln und 1.836 Bodenbretter neben 5.700 Pflasterziegeln verlegt. Umgerechnet rund 433.000 Liter Kalk werden als Bindemittel eingesetzt. 94.600 Nägel und 764 Klampfen halten die Baumaterialien zusammen. 1.997 Fuhren Sand werden verbraucht, 1.139 Fuhren Schutt weggebracht. Aus 4.720 gemainen Latten und 75 Truchen Latten entstehen Wandverkleidungen.

Das Zeughaus in Bad Radkersburg

Radkersburg hat eine wichtige Funktion als Stapelplatz für Munition und Proviant, um im Kriegsfall steirische Truppen in Westungarn und dem heutigen Slowenien zu versorgen. Ein in der Stadt existierendes Proviant- und Zeughaus wird zu klein, weshalb die Landstände im späten 16. Jahrhundert zwei Häuser in Radkersburg kaufen und umbauen lassen. Das neue Zeughaus in der heutigen Emmenstraße hat ein relativ kleines Waffenlager, dessen Bestände im Bedarfsfall mit Waffen aus Graz erweitert werden. Im angeschlossenen Provianthaus können 9.000 Viertel Getreide gelagert werden, die als Nachschub für die Militärgrenze dienen. Die Ausstattung umfasst auch eine Backstube und zwei Handmühlen. Der Transport der Nachschubgüter erfolgt von Graz aus in erster Linie über die Mur, während untersteirische Adelige das von ihnen verkaufte Getreide am Landweg direkt nach Radkersburg bringen.

Das Zeughaus in Varaždin

Seit dem frühen 16. Jahrhundert ist Varaždin die militärische Schaltzentrale für die „Windische Militärgrenze“. Das Grenzzeughaus Varaždin findet sich in direkter Nachbarschaft zur Burg. Es wird im 16. Jahrhundert – zeitgleich mit der Umgestaltung der gotischen Burg zu einer Festung – errichtet. Das Gebäude mit zwei Obergeschossen dient in erster Linie zur Zwischenlagerung der aus Graz geschickten Waffen. Im Erdgeschoss stehen die Geschütze sowie Harnische, im 1. Stock lagern die Blankwaffen und Stangenwaffen. Das 2. Stockwerk dient zur Verwahrung von Getreide. Burg und Zeughaus gehören ab dem 16. Jahrhundert der Adelsfamilie Erdödy, die aber beide der Steiermark zur Nutzung überlassen.

Museum für Geschichte

Sackstraße 16
8010 Graz, Österreich
T +43-316/8017-9800
geschichte@museum-joanneum.at

 

Öffnungszeiten
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01. November 2021 bis 31. Dezember 2021 Di-So, Feiertag 10 - 18 Uhr
02. Jänner 2022 bis 31. Dezember 2022 Di-So, Feiertag 10 - 18 Uhr


Aufgrund der aktuellen Covid-Verordnungen ist in allen Häusern des Universalmuseums Joanneum die Teilnehmer*innenzahl bei Führungen begrenzt. Wir bitten Sie deshalb um verlässliche Voranmeldung unter +43-316/8017 9810

 

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