17. Bezirk PUNTIGAM

Puntigam, das ist:

 

Ein Familienname.
Do neulich, do sitz ma in da Eden und reden, der Gießhübel, der Puntigam und i …“, Gerhard Bronner/Helmut Qualtinger, „Der Papa wird’s schon richten …“, in „Rhapsodie in Halbstark“

 

Es gibt den Hans Puntigam als Protagonisten im Roman von Gerald Szyszkowitz „Puntigam oder Die Kunst des Vergessens“, dessen Handlung im Süden von Graz spielt. Szyszkowitz versucht mit diesem Roman, „die Nebelschleier über der österreichischen Vergangenheit zu durchstoßen … und junge Leute zu ein paar lästigen Fragen an ihre Eltern und Großeltern anzuregen.“ (Frankfurter Allgemeine Zeitung)

 

Schließlich ist Puntigam der Name einer alten Fuhrmannsherberge südlich von Graz, die nach 1800 zu einem beliebten Zielort sonntäglicher Landpartien wurde. Bis 1938 war das Gebiet Teil der Gemeinde Feldkirchen. Danach wurde es Teil des Großbezirkes Graz-Südwest. Ab 1945 gehörte es zu Straßgang, bis Puntigam 1988 zum eigenen Stadtbezirk wurde.

Handkolorierte Karte (Ausschnitt Bereich Puntigam-Straßgang), 1869

An der Straße nach dem Süden

 

Kaiser Karl VI. ließ in wirtschaftlich und militärstrategisch wichtige Regionen seines Reichs ein System von (Kommerzial-)Straßen anlegen. Eine davon verlief von Wien über den Semmering nach Graz und über Puntigam weiter nach Ljubljana/Laibach und an den Adriahafen Triest/Trieste. Eröffnung 1728.

Die Südbahn

 

Mehr als hundert Jahre später nahm die Südbahn (mit Station in Puntigam) als mitteleuropäische Transversale diese Direktion.

Der Süden lockt: Gelati

 

In Puntigam begann es mit dem Temmel-Eis.

Im Zentrum: die Brauerei

 

1838 begründete Franz Knabl bei dem alten Gasthof eine Brauerei, die bald von der Industrialisierung erfasst wurde. Zur Wasserentnahme diente eine „kristallklare Quelle“ unterhalb des Fabriksareals, der das Werk möglicherweise seinen Standort verdankte. 1893 mit der Südbahn Wien-Graz-Triest verbunden, wurde der Betrieb vollends zur Großbrauerei. 1943 fusionierten die Brauerei mit jener in Reininghaus. Heute wird in Puntigam das beste Heiniken-Bier gebraut und zwar eine Million Hektoliter im Jahr (Quelle: Kleine Zeitung 1. 11. 2019).

 

Die Brauerei Puntigam expandierte um 1900 zu einem Großbetrieb. Die Freiwllige Feuerwehr war nicht nur eine innerbetriebliche Notwendigkeit, sondern konnte mit ihrer mitgliedsstarken Kapelle auch in der neu errichteten Brauhausrestauration aufspiele.

Musikkapelle Puntigam

 

Die Brauerei Puntigam expandierte um 1900 zu einem Großbetrieb. Die Freiwllige Feuerwehr war nicht nur eine innerbetriebliche Notwendigkeit, sondern konnte mit ihrer mitgliedsstarken Kapelle auch in der neu errichteten Brauhausrestauration aufspiele.

Junior Fahrradwerke Graz-Puntigam

Straßennamensschild „Brüder-Renner-Weg“

 

Die Artistenfamilie Renner leistete einen wichtigen Beitrag zur Luftfahrtgeschichte Österreichs. Die jungen Brüder Alexander (1892-1966) und Anatol (1890-1982) Renner betrieben mit ihrem Vater Franz Luftattraktionen. 1906 stieg ihr Prallluftschiff „Estaric“ vom Trabrennplatz während der Grazer Messe auf. Das technisch interessante jedoch einfache Luftschiff wurde durch einen Puchmotor betrieben. Großen Erfolg hatte die Vorführung der „Renner Buben“ 1909 im Wiener Prater (Rotunde) vor Kaiser Franz Josef.

Straßennamensschild „Carlonegasse“

 

Die Carlones waren eine berühmte weitverzweigte italienisch-schweizerische Künstlerfamilie aus dem Tessin. In der Steiermark wirkte vor allem Joachim (Graz: Mariahilf, Minoritenkloster, Minoritensaal, 1691) und Sebastian Carlone (Vollender des Mausoleums von Erzherzog Karl II. in der Basilika von Seckau, 1589-1617).

Straßennamensschild „Jarlweg“

 

Möglicherweise ist der Weg benannt nach dem Bildhauer Otto Jarl, der 1909 das originale Major-Hackher-Denkmal auf dem Schloßberg schuf. 1941 eingeschmolzen, wurde 1965 eine freie Nachschöpfung von Wilhelm Gösser enthüllt

Straßennamensschild „Pratogasse“

 

Katharina Pratobevera, geb. Polt, wieder verehelicht von Scheiger (1818-1897) wurde als Schriftstellerin unter dem Pseudonym Katharina Prato bekannt. Wegen eines Magenleidens ihres ersten Mannes begann sie bekömmliche Speisen zuzubereiten. Nach seinem Tode sammelte sie diese in dem Kochbuch „Die süddeutsche Küche“ (Erstausgabe 1858). „Die große Prato“ wurde zum Bestseller, zigmal aufgelegt, verbessert und erweitert. Prato verfasste auch das erste „Haushaltsbuch Österreichs“, Sie gründete den Verein „Grazer Volksküche“, ein Mädchenarbeiterheim sowie einige Kindergärten.

Das Murkraftwerk

Museum für Geschichte

Sackstraße 16
8010 Graz, Österreich
T +43-316/8017-9800
geschichte@museum-joanneum.at

 

Öffnungszeiten
Mi-So, Feiertag 10 - 17 Uhr

 

26. Oktober
8. Dezember

24. bis 25. Dezember