12. Bezirk ANDRITZ

Der heutige Bezirk umfasst die ehemaligen Katastralgemeinden Ober- und Unter-Andritz, St. Veit-Stattegg, Schattleiten und Weinitzen. Wortgeschichtlich leitet sich Andritz (Endritz) vom altslawischen je(n)dru (= stark, schnell) bzw. jendriza (= rasch fließender Bach) ab. Gabriach (Gabraw), der alte Name von St. Veit, stammt vom slawischen gaber, was Weißbuche (gabrovje = Weißbuchenwald), bedeutet. Weinitzen weist auf das slawische Wort vinica (= Weingarten) hin.

 

„Graz ist charaktervoll, herb und kräftig …, wie es der Stadt vor dem Gebirge ansteht.“

Hanns Koren

 

Und Andritz ist der Teil der Stadt, der vor dem Gebirge steht.

Schloss und Kirche St. Gotthard (heute St. Veiter Schlössl)

 

Das Schloss gehörte dem Stift St. Lambrecht. 1808 wurde die Schlosskapelle von einem Grafen Wildenstein zum allgemeinen Ärger abgebrochen, da sie dessen Aussicht störte.

Rudolf von Stadeck: der handgreifliche Minnesänger

 

Der Minnesänger („minne“ bedeutete nicht zuletzt auch die Liebe aus der Ferne und ohne Erfüllung) Rudolf von Stadeck ist zwischen 1230 und 1261 urkundlich bezeugt. Er entstammte einer weitverzweigten und begüterten Familie. Der „Meister des Grundstocks“ hat ihn in der „Großen Heidelberger Liederhandschrift“ (Codex Manesse, ca. 1300–ca. 1340) abgebildet. Dass der ritterliche Minnesänger, wie im Falle Rudolfs, seine Dame mit Gewalt am Fortgehen hindert und dabei sogar handgreiflich wird, anstatt von ihr für seine Dienste belohnt zu werden, ist einmalig. Vielleicht hat sich der Maler von einem Lied des Stadeckers anregen lassen, in dem er über die Angebetete klagt, die sein Werben nicht belohnt.

An heiligen, heilenden und anderen Wassern

„Ulrichsbrunn mit der obern Andritz“

 

Graf Ulrich von Gösting war mit einer „tückischen“ Krankheit aus türkischer Kriegsgefangenschaft zurückgekehrt. Eines Tages auf der Jagd überraschte ihn ein böser Anfall. Er trank aus einer nahen Quelle und war geheilt. Ein neues Quellheiligtum war geboren: Ulrichsbrunn.

„Der Andritzursprung bei Gratz“

 

Die Karstquelle entwickelte sich zu einem dermaßen beliebten Ausflugsziel, dass sie im Jahre 1830 sogar von Kaiser Franz I. besucht wurde. Eine Gedenktafel weist darauf hin.

Die Rielmühle

 

Urkundlich belegt ist die Mühle bereits im Jahre 1363. Der Komplex umfasst ein Wohnhaus mit spätgotischem Kern, ein Wirtschaftsgebäude und die eigentliche Mühle, die in den letzten Jahren immer wieder als „Kunstmühle“ verschiedene Ausstellungen zeigte.

Badefreuden an der Mur

Stukitzbad

 

1932 gab der Schöckelbach der Anna Stukitz den Anstoß, ein Freibad (Andritzer Reichsstraße 25) zu errichten.

Puntigamer-Jausenstation bei der Straßenbahn-Endstation

 

Seit 1903 ist das Zentrum von Graz mit dem Ortszentrum (Unter-)Andritz durch die Straßenbahn verbunden.

Zwischen Grazerstraße und Schöckelbachweg

Maschinenfabrik Andritz

 

Der aus Ungarn stammende Josef Körösi (1811–1868) begann 1852 bei der Trummermühle eine Maschinenfabrik zu errichten. Damit begann der Aufstieg von „Andritz“ zu einem weltweit tätigen Unternehmen.

Die Papierfabrik Arland

 

Aus einer Papiermühle entstand 1834 eine Papierfabrik, die als immer größer werdendes Unternehmen 1913 zu einer Aktiengesellschaft wurde. 1939 erwarb die Industriellenfamilie Arland die Aktien. Nach der endgültigen Stilllegung des Werks 1990 wurden die Arlandgründe verbaut.

Mauthaus (Andritzer Maut) „Spinatwachter“

 

Bis 1938 wurde an den Grazer Stadtgrenzen bei den sogenannten Linienämtern Maut eingehoben. Die Zöllner wurden aufgrund ihrer grünen Uniform wenig liebevoll „Spinatwachter“ genannt. Obwohl die Gebühren mäßig waren und für die Bewohner/ innen der Nachbargemeinden ein Nachlass vorgesehen war, blieb diese Art der Abgaben ein ewiges Ärgernis für alle, die Graz mit einem Fahrzeug oder mit Waren betraten.

Straßennamensschild „Grazer Straße“

 

Wenn die Andritzer/innen vor 1938 in die nahe große Stadt gingen, so führte sie ihr Weg durch die Grazer Straße. Auch nach der Eingemeindung blieb der Straßenname erhalten. „GroßGraz“ hatte zwar die umliegenden Ortschaften verschluckt, nicht aber das Ortsbewusstsein der Bevölkerung: Andritz wehrte sich mit Erfolg gegen die Umbenennung der Straße.

Ginzkeygasse Titelseite von „Harschi Bratschis Luftballon“

 

Franz Karl Ginzkey (1871–1963), Sohn eines sudetendeutschen Berufsoffiziers der k. u. k. Kriegsmarine, Schriftsteller, Lyriker, Kinderbuchautor („Hatschi Bratschis Luftballon“).

„Situationselastisch“ oder Stationen seines Lebens: kaiserlicher Offizier, ab 1914 im Kriegspressequartier, 1920 frühpensioniert, 1934 im ständestaatlichen Beirat der Dollfuß-Diktatur, schon vor dem Hitler-Einmarsch illegaler Nazi, bis 1945 gefeierter linientreuer Schriftsteller, 1954 Kulturpreis der Stadt Wien, drei Jahre später Goldenes Ehrenzeichen der Republik, 1963 Ehrengrab.

Straßennamensschild „Nordberggasse“

 

Der Grazer Physiker Willi Nordberg (1930–1976) gilt als Begründer der Wettersatelliten. Bahnbrechend waren seine Arbeiten über die Beobachtung der Erde und ihre Veränderungen mithilfe der Satellitenfernerkundung. Nordberg, der bei der NASA wirkte, war Autor zahlreicher Veröffentlichungen sowie Träger höchster Auszeichnungen amerikanischer und internationaler Institutionen

Straßennamensschild „Mexikoweg“

 

Benannt nach der „Mexiko-Siedlung“. Mexiko protestierte 1938 als einziger Staat formell gegen den „Anschluss“ Österreichs an Hitler-Deutschland.

Museum für Geschichte

Sackstraße 16
8010 Graz, Österreich
T +43-316/8017-9800
geschichte@museum-joanneum.at

 

Öffnungszeiten
01. Jänner 2020 bis 09. April 2021 Mi-So, Feiertag 10 - 17 Uhr
10. April 2021 bis 31. Oktober 2021 Mo-So, Feiertag 10 - 18 Uhr
01. November 2021 bis 31. Dezember 2021 Mi-So, Feiertag 10 - 17 Uhr

 

26. Oktober 2020
8. Dezember 2020
5. April 2021
1. November 2021

24. bis 25. Dezember 2020
1. Jänner 2021
16. Februar 2021
24. bis 25. Dezember 2021