Was zeichnet eine spätmittelalterliche Burg aus?

Eine spätmittelalterliche Burg, die auch als Herrschersitz dient, vereint vor allem zwei Eigenschaften: Wehrhaftigkeit und repräsentatives Aussehen. Im Mittelalter wird die Notwendigkeit der Verteidigung stark betont. Dies drückt sich in festen, abweisend wirkenden Mauern aus. Auffällige, außen wie innen angebrachte Wappen stehen für die Legitimität der Herrschaft.

 

Dementsprechend bietet die im 15. Jahrhundert unter Friedrich III. und Maximilian I. ausgebaute Grazer Burg einen eher schlichten Anblick. Der Bauprozess verläuft ökonomisch: Im Osten wird die Stadtmauer einbezogen. Nirgendwo gibt es eine prächtige Schaufront, eine facciata, um Gäste und Untertanen zu beeindrucken. Der sparsame Baudekor ist im Stil der Spätgotik gehalten, wie sie in Österreich überall auftritt. Wiederkehrend findet sich die „Urhebermarke“ Friedrichs III.: die Buchstabenfolge „AEIOU“. Die Hauptwirkung der Burg geht von der kompakten, durch vergleichsweise wenige Fenster aufgelockerten Baumasse aus. Dank einer brückenartigen Verbindung bildet sie mit der ehemaligen Hofkirche St. Ägyd, dem heutigen Dom, eine stadtbeherrschende Anlage.

 

Im Inneren der Burg finden sich Räume mit hohem Anspruch, technisch wie künstlerisch: die netzgewölbte Burgkapelle Friedrichs III. und die berühmte Doppelwendeltreppe Maximilians I.

Interview: DI Markus Zechner, Architekt und Bauforscher Video: Walter Schaidinger 2020/10/09, Graz

Bauen heißt auch Abbrechen: Fragmente der Grazer Burg

Wenn ein Gebäude verändert wird, verschwindet im Regelfall die große Masse der Steine und Ziegel. Portalrahmen und Bögen, Gewölberippen oder Wappen dagegen werden wenigsten teilweise geborgen. Im Laufe der Baugeschichte der Grazer Burg wurden Teile der Anlage niedergelegt. Die erhaltenen Architekturfragmente aus Gotik und Renaissance belegen den hohen Standard der höfischen Baukultur in der Steiermark.

Museum für Geschichte

Sackstraße 16
8010 Graz, Österreich
T +43-316/8017-9800
geschichte@museum-joanneum.at

 

Öffnungszeiten
10. April 2021 bis 31. Oktober 2021 Mo-So, Feiertag 10 - 18 Uhr
01. November 2021 bis 31. Dezember 2021 Mi-So, Feiertag 10 - 17 Uhr

Aufgrund der aktuellen Covid-Verordnungen ist in allen Häusern des Universalmuseums Joanneum die Teilnehmer*innenzahl bei Führungen begrenzt. Wir bitten Sie deshalb um verlässliche Voranmeldung unter +43-316/8017 9810

 

1. November 2021

24. bis 25. Dezember 2021