Was sind Tabore und wie werden aus Kirchen Wehrkirchen?

In den mittelalterlichen Burgen gibt es den Bergfried als letzte Zufluchtsstätte. Ähnlich besitzen etliche steirische Orte sogenannte Tabore, um der lokalen Bevölkerung zumindest kurzfristig Schutz zu bieten. Der Begriff Tabor bezeichnet eine frühneuzeitliche Wehranlage aus Mauern, Wohnräumen, Speichern und Ställen. Tabore werden innerhalb der Orte, im Regelfall um die Kirchen oder am Rande der eigentlichen Siedlung erbaut. In die bereits bestehenden baulichen Anlagen integriert, müssen relativ wenige zusätzliche Mauern oder Gebäude errichtet werden. In der östlichen Steiermark sind Tabore in Fehring, Feldbach, Kirchberg an der Raab, Straden und Weiz bekannt.

Im Spätmittelalter und der Neuzeit werden in der Grenzregion, besonders entlang der Invasionsrouten der Osmanen, Kirchen zum Teil der Wehrarchitektur. Bestehende Gotteshäuser werden adaptiert und ergänzt, so auch in der Steiermark. Bei früheren Einfällen der Osmanen zeigte sich, dass unbefestigte Kirchen meist zuerst angegriffen werden. Die darin Zuflucht suchenden Menschen kamen dabei um. Aus diesem Grund verbietet die „Kreidfeuerordnung“ vom 15. Mai 1557 die Flucht in Kirchen ausdrücklich. Ausgenommen sind solche, die mit starken Mauern und Türmen umgeben sind. Viele Gotteshäuser sind von Friedhöfen und Mauern umgeben, die nun befestigt werden. Man versieht die Mauern mit Schießscharten, an den Ecken werden Wehrtürme hochgezogen, fallweise ein Wassergraben angelegt. Der Eingang erfolgt von nun an über robuste Tore und Portale. Ziel ist es, den Menschen aus der Umgebung bei einem Überfall kurzzeitig Schutz zu bieten. Für längerfristige Belagerungen sind die Kirchen nicht ausgelegt.

Tabor in Feldbach

Feldbach wird im 15. Jahrhundert im Zuge der „Baumkircherfehde“ (ein Aufstand von steirischen Adeligen gegen Kaiser Friedrich III.) angegriffen. Aus diesem Grund wird kurz darauf ein Tabor mit Mauer und Wehrgängen, Wassergraben und Türmen um die Pfarrkirche St. Leonhard angelegt. An der Innenseite entstehen elf zwei- bis dreigeschossige Häuschen („Gaden“) mit einer Fläche von rund 30 und 60 m2. Als 1605 die Haiducken in die Steiermark einfallen, wird zwar der Markt Feldbach zerstört, der Tabor aber nicht eingenommen.

Tabor in Fehring

Ähnlich wie in Feldbach entsteht auch in Fehring eine Wehranlage rund um die Pfarrkirche St. Josef als Folgewirkung der „Baumkircherfehde“. In Feldbach werden zeitgleich mit der Entstehung des Tabors Häuschen an die Mauer angebaut. Dies geschieht in Fehring erst im frühen 17. Jahrhundert. Im unregelmäßigen Sechseck angeordnet, werden die kleinen Häuser an der Südseite durch einen Graben geschützt. An der Nord- und Ostseite schützt sie der natürliche Abhang jener Terrasse, auf der die Kirche St. Josef steht. Sicherheit bieten zudem die 1615 gebauten Eckbasteien sowie das Torgebäude mit Zugbrücke an der Südseite. Im 18. Jahrhundert verliert der Fehringer Tabor seine Wehrfunktion. Erhalten bleiben nur das Torhaus, ein Rundturm und einige Mauerreste.

Tabor in Weiz

Die St. Thomaskirche auf dem Weizer Tabor ist das älteste erhaltene Bauwerk und zugleich das Wahrzeichen der Stadt. Weil sich Überfälle aus den osmanisch besetzten Gebieten mehren, errichtet man im 16. Jahrhundert rund um das Gotteshaus einen Tabor mit Toranlage, Türmen, Ringmauer und Graben. Geblieben ist davon wenig, denn schon am Ende des 17. Jahrhunderts wird die komplette Wehranlage abgetragen und durch Wohnhäuser ersetzt.

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