Widerstand

Nicht alle Menschen waren Anhänger*innen der Nationalsozialisten. Eine Vielzahl von Personen und Organisationen leistete Widerstand gegen das Regime oder gegen einzelne seiner Maßnahmen. Widerstand war das letzte Mittel, um sich gegen das Unrecht des Staates aufzulehnen. Dabei waren die Motive der Menschen unterschiedlich: ideologisch-politisch, religiös, sozial oder humanitär.

Menschen leisteten Widerstand in organisierter Form, in illegalen Gruppen oder ganz individuell. Für die Nationalsozialisten spielten die Motive keine Rolle. Sie bekämpften jede Form des Widerstands mit ihrem Verfolgungsapparat, wie z. B. der Gestapo. Sie stellten die Männer und Frauen vor NS-Gerichte oder wiesen sie in Konzentrationslager ein. Hunderte wurden hingerichtet oder in den KZs und Gefängnissen ermordet.

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Politischer Widerstand der Kommunistischen Partei

Der politisch aktive Widerstand wurde von Mitgliedern verschiedener politischer Organisationen und Parteien geleistet. Das waren in der Steiermark vor allem die „Kommunistische Partei Österreichs“. Sie verbreiteten selbst verfasste Flugblätter, schmuggelten Zeitungen ins Land, verübten Sabotageakte und Anschläge. Manche waren als Partisanen, also als bewaffnete Kämpfer, aktiv.

Allein die NS-Gerichte verurteilten in der Steiermark über 1.200 Personen wegen kommunistischer Betätigung. Mehr als 120 wurden zum Tod verurteilt. Viele kamen zudem in Konzentrationslagern um.

Individueller Widerstand

Es gab auch einzelne Männer und Frauen, die gegen den Nationalsozialismus und das NS-Regime auftraten. Sie äußerten sich kritisch gegen das System oder einzelne Maßnahmen. Was in einer demokratischen Gesellschaft ganz selbstverständlich war, wurde von den Nationalsozialisten streng verfolgt. Witze über den Führer zu erzählen, negativ über das Regime zu sprechen, den Hitlergruß zu verweigern, ausländische Radiosendungen zu hören oder die Familien von verfolgten Menschen zu unterstützen, war sehr gefährlich.

Koralm-Partisanen

Ende Mai 1944 wurde aus der Sowjetunion eine Gruppe von 23 Männern und einer Frau in das von slowenischen Partisanen befreite Gebiet von Crnomelj abgesetzt. Aufgabe dieser Gruppe war es, nach Österreich zu marschieren und dort einerseits Sabotage zu betreiben und andererseits lokale Widerstandszentren aufzubauen.

Die sogenannten Koralm-Partisanen nahmen in der Folge zahlreiche Deserteure, geflohene Zwangsarbeiter*innen und Kriegsgefangene auf, sodass sie zu Kriegsende etwa 500 Personen, darunter bis zu 20 Frauen, umfasste, die ab April 1945 Teile des Koralmgebietes kontrollierten. Ab dem 7. Mai 1945 übernahmen die „Koralm-Partisanen“ in den weststeirischen Orten die Macht. Am 12. Mai übergaben sie diese den sowjetischen Truppen.

Steirische Kampfgemeinschaft

Im Jänner 1945 gründeten mehrere Grazer*innen im Keller des Kaufhauses „Moden Müller“ in der Murgasse die „Steirische Kampfgemeinschaft“. Diese Gruppe baute bis zum Frühjahr 1945 Kontakte zu NS-Gegnern in allen großen Grazer Betrieben und im Wehrbezirkskommando auf. Aus dem Wehrbezirkskommando versorgten sie Fahnenflüchtige, die sich ihnen angeschlossen haben, mit Originaldokumenten. Im April und Mai 1945 forderte die Kampfgemeinschaft Zivilisten, Soldaten und Volkssturmmänner mit Flugblättern auf, nicht mehr an die Front zurückzukehren. Stattdessen sollten sie sich ihnen anschließen. In den letzten Tagen des Krieges verhinderte die Steirische Kampfgemeinschaft die Sprengung von Brücken über die Mur, wie von den Nationalsozialisten vorgesehen. Die Mitglieder der Gruppe besaßen Waffen. Daher übernahmen sie nach der Flucht der führenden Nationalsozialisten am 8. Mai 1945 die Aufgaben der Polizei in Graz. Sie traten mit Kriegsende auch als Abgesandte der Stadt den Offizieren der „Roten Armee“* gegenüber, um mit ihnen die Übergabe der Stadt Graz zu verhandeln.

Antifaschistische Freiheitsfront

Im Frühjahr 1942 wurde die „Antifaschistische Freiheitsbewegung Österreichs“ in Klagenfurt gegründet. Sie hatte Kontakte nach Wien, Tirol, Salzburg, Berlin, München, Slowenien und auch in die Steiermark. Ziel der Gruppe war es, alle NS-Gegner zu versammeln und für den Kampf gegen die Nationalsozialisten zu mobilisieren. Innerhalb der Freiheitsbewegung waren Steirer zum Teil führend tätig. Zwei Theologen aus der Steiermark – die Franziskanerpatres DDDr. Kapistran Pieller und Dr. Angelus Steinwender – beteiligen sich u. a. bei der Herstellung von Flugblättern. Sie wurden im Sommer 1943 verhaftet und im August 1944 vom Volksgerichtshof zum Tode verurteilt.