Krieg

Am 1. September 1939 eröffnete ein deutsches Kriegsschiff, das in der Danziger Bucht lag, das Feuer auf das polnische Munitionslager. Bereits wenige Stunden später verkündete Adolf Hitler in Wehrmachtsuniform - entgegen der Tatsachen - vor dem Reichstag: „Polen hat heute Nacht zum ersten Mal auf unserem eigenen Territorium auch mit bereits regulären Soldaten geschossen. Seit 5 Uhr 45 wird jetzt zurückgeschossen!“ Damit begann der Zweite Weltkrieg. Bis Kriegsende starben rund 60 Millionen Menschen, darunter über 20.000 steirische Soldaten, an der Front. Rund 3.000 Personen in der Steiermark starben bei Luftangriffen.

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Die Steiermark als Kriegsgebiet

Nach dem Scheitern der letzten deutschen Offensive im Bereich des Plattensees startete die Rote Armee Mitte März 1945 die Gegenoffensive und rückte ab Ende März in der Südoststeiermark rasch Richtung Feldbach und im Nordosten in das Wechselgebiet und die Fischbacher Alpen vor, wobei der Vorstoß Richtung Norden verhindern sollte, dass die südlich des Semmerings stehenden deutschen Armeen den parallel dazu laufenden Angriff der sowjetischen Truppen auf Wien gefährden.

Als am 13. April an die Rote Armee der Befehl erging, nicht weiter Richtung Graz vorzurücken, kam es bis zum Ende des Krieges vor allem in den Fischbacher Alpen und im Wechselgebiet zu teilweise sehr heftigen Gefechten. Bei den Kämpfen in den letzten 41 Tagen des NS-Regimes starben mehrere Tausend Menschen, darunter rund 1.000 unbeteiligte Personen und über 2000 Soldaten der Roten Armee. In der Nacht vom 8. auf den 9. Mai 1945 marschierten die Truppen der Roten Armee in Graz ein.

Luftkrieg

Der Krieg erreichte die Steiermark in Form des Luftkriegs bereits 1944, als alliierte Flugzeuge begonnen hatten, steirische Städte gezielt anzugreifen. Die Luftangriffe richteten sich dabei vor allem gegen Verkehrsknotenpunkte der Eisenbahn sowie Industrie- und Rüstungsanlagen. Neben Graz waren vor allem die obersteirischen Industrieorte wie Knittelfeld, Zeltweg, Bruck an der Mur und Kapfenberg die Angriffsziele. Insgesamt kamen bei den alliierten Luftangriffen in der Steiermark an die 3.000 Menschen ums Leben.

Kriegswirtschaft

Durch die Einbindung der steirischen Industrie in die deutsche Kriegswirtschaft gab es bald nach dem „Anschluss“ 1938 keine Arbeitslosigkeit mehr. Die Rüstungsproduktion lief an und bis Kriegsbeginn 1939 wurden bereits 23 steirische Betriebe zu Rüstungsbetrieben erklärt. Ein Jahr später waren es 40 und 1944 schließlich 82 Betriebe. Daneben wurden aber auch steirische Handwerksbetriebe mit Aufträgen der Wehrmacht in die Rüstungsindustrie einbezogen. Mit Fortdauer des Krieges spielten dabei Zwangsarbeiter – Kriegsgefangene, Vielarbeiter und KZ-Häftlinge – eine immer wichtigere Rolle in der gelenkten Kriegswirtschaft.

Frauen an der „Heimatfront“

In der Propagandaschrift „Frauen helfen siegen“ aus dem Jahr 1941 hieß es: „Die Frau (ist) zur Mitkämpferin des Mannes geworden. Ihre weiblichen Pflichten sind die gleichen geblieben, ja als Gattin und Mutter wird Schweres von ihr gefordert, und es gibt mehr zu pflegen und zu trösten als in ruhigen Zeiten. Aber darüber hinaus ist ihr eine zusätzliche Aufgabe auferlegt: sie hat die Posten zu beziehen, von denen der Mann zum Dienst an der Waffe abberufen wurde. Auf allen Lebensgebieten, wo es an Männern fehlt, hat sie den Mann zu vertreten. Hinter dem Pflug und in der Rüstungsindustrie, in der Eisenbahn und am Postschalter, an ungezählten Orten, wo wir ihr nicht oder doch nicht in gleich schwerer Tätigkeit zu begegnen pflegten, füllt nun die Frau die Lücken, die oft weit abliegen von ihren natürlichen Neigungen und Fähigkeiten. Darin liegt die Schwere des Opfers, das die Frau im Kriegsberuf zu bringen hat.“

Kriegsgefangene

Bald nach Kriegsbeginn wurden die ersten Kriegsgefangenen in die Steiermark gebracht. Offiziere kamen in „Kriegsgefangenen-Offizierslager“ (Oflag). Sie mussten nicht arbeiten. Die einfachen Soldaten kamen in „Kriegsgefangenen-Mannschaftsstammlager“ (Stalag). Von dort aus wurden sie einzelnen Arbeitskommandos zugewiesen. Dies musste organisiert werden:

Für die Steiermark war zunächst das Stalag XVII A (Kaisersteinbruch) zuständig. Im Zuge des Afrika- und Balkanfeldzuges 1941 wurde in Wolfsberg das Stalag XVIII A und in Spittal an der Drau das Stalag XVIII B errichtet. Nun kamen die Kriegsgefangenen von dort in die Steiermark. Hier wurden sie den „L-Kommandos“ (Arbeit in der Landwirtschaft) oder „GW-Kommandos“ (Gewerbliche Wirtschaft) zugeteilt. Im September 1942 wurde das Stalag XVIII B für ein paar Monate nach Wagna bei Leibnitz verlegt. Danach wurden die steirischen Arbeitskommandos wieder dem Lager in Wolfsberg unterstellt. Bis Kriegsende waren in der Steiermark rund 100.000 Kriegsgefangene beschäftigt.