Lager

Im Nationalsozialismus waren Lager ein selbstverständlicher Bestandteil der Orts- und Stadtbilder. Sie waren zentrale Orte der Ausbeutung von Arbeitskräften, der Unterdrückung und des Terrors. Sie waren aber auch Orte der nationalsozialistischen Erziehung und Bildung.

Auch die Steiermark war ein Land der Lager. Neben Außenlagern von Konzentrationslagern gab es hier Kriegsgefangenenlager, Zwangsarbeitslager, Umsiedlerlager, Reichsarbeitsdienstlager sowie HJ- und BDM-Lager. Zahlreiche von den Nationalsozialisten benutzte Lagerstandorte gab es seit dem Ersten Weltkrieg. Viele wurden neu errichtet. Manche der Lager wurden nach dem Ende des NS-Regimes weiter genutzt. Nicht selten entstanden dort später Wohnsiedlungen. Straßenbezeichnungen wie z. B. Lagerstraße erinnern an die Vergangenheit dieser Orte.

Bildinformationen

Konzentrationslager

Ab 1941 wurden in der Steiermark acht Konzentrationslager errichtet. Sie dienten vor allem der Ausbeutung der Arbeitskraft der Häftlinge. Zwei davon waren Außenlager des Frauenkonzentrationslagers Ravensbrück. Die übrigen sechs gehörten zum KZ Mauthausen.

„Jugendlager“

Die Mitglieder von Hitlerjugend und dem Bund Deutscher Mädel wurden unter anderem in Sommerlagern geschult. Auf dem Programm standen Sport als Wehrertüchtigung und weltanschaulicher Unterricht. Aufmärsche, Umzüge und Appelle dienten dazu, die Wichtigkeit der Gemeinschaft zu betonen. An diese prägenden Gemeinschaftserfahrungen erinnerten sich später viele Menschen, obwohl diese Lager auf die Erziehung der Jugendlichen im Sinne der NS-Ideologie abzielten.

Reichsarbeitsdienst – RAD-Lager

1938 wurde in Kobenz bei Knittelfeld für den Bau der Straße nach Knittelfeld ein Reichsarbeitsdienstlager (RAD-Lager) errichtet. Junge Männer leisteten im Rahmen des Reichsarbeitsdienstes ihre „Dienstpflicht für die Gemeinschaft“, bevor sie Soldaten wurden. Später wurde das Lager als sogenanntes „Zigeunerlager“, als Kriegsgefangenenlager und für jüdische Zwangsarbeiter verwendet. Nach 1945 war es kurzzeitig ein Lager für Kriegsvertriebene. Heute befinden sich am ehemaligen Lagergelände Gemeindebauten und Wohnhäuser.

Umsiedler*innen

Im Jahr 1940 wurden für rund 25.000 deutschsprachige „Umsiedler*innen“* aus der Südbukowina (heute Rumänien) Unterkünfte benötigt. Deshalb errichtete das Oberkommando des Heeres Barackenlager. Der Aufbau dieser Lager musste rasch erfolgen. Daher entstanden sie zum Teil in jenen Gebieten, wo es bereits im Ersten Weltkrieg große Lager mit Zuleitung von Wasser, Licht und Kanalisation gab. Dies war z. B. in Wagna bei Leibnitz, in Feldbach oder Trofaiach der Fall. Später dienten diese Lager für Kriegsgefangene und die Wehrmacht. Nach 1945 wurden sie für Kriegsvertriebene und bis in die 1960er-Jahre für Flüchtlinge genutzt.

Lager Liebenau: Umsiedler* – Kriegsgefangene – ungarisch-jüdische Zwangsarbeiter*innen

1940 wurde am Gelände des Liebenauer Grünangers ein Umsiedlerlager für bis zu 5.000 volksdeutsche Umsiedler*innen errichtet. Ab 1941 wurde das Lager für Zwangsarbeiter*innen genutzt, die im nahe gelegenen „Puchwerk I“ arbeiteten. Die größte Gruppe der Zwangsarbeiter waren sowjetische Kriegsgefangene.

Die Arbeiter gelangten täglich über einen Mursteg, der eigens für sie errichtet wurde, zur Fabrik. Dort arbeiteten sie bis zu 60 Stunden pro Woche unter widrigen Umständen und schlechter Versorgung im Bereich der Rüstungsindustrie.

Im Jahr 1945 wurden ungarisch-jüdische Zwangsarbeiter auf ihrem Marsch Richtung KZ Mauthausen im Lager Liebenau untergebracht. Mindestens 35 von ihnen wurden ermordet. 1947 waren die Vorkommnisse im Lager Liebenau Gegenstand eines Gerichtsverfahrens vor einem britischen Militärgericht. Danach geriet das Lager zunehmend in Vergessenheit. Vor einigen Jahren kamen die Ereignisse wieder ins öffentliche Bewusstsein und es wurden eigene Erinnerungszeichen errichtet.