Leistung

Für die Nationalsozialisten waren Arbeit und Leistung die Basis des „neuen Menschen“. Arbeit diente dabei nicht den persönlichen Zielen der Menschen. Sie war wichtig im Kontext der „Volksgemeinschaft“ und der militärischen Expansion. Der „neue Mensch“ sollte nicht mehr im Klassenkampf gefangen sein, sondern in seinem Einsatz für die „Volksgemeinschaft“ aufgehen. Jüdinnen*Juden konnten nicht Teil dieser Leistungsgemeinschaft sein. Auch Menschen mit Behinderung, sogenannte „Arbeitsscheue“ und „Asoziale“ waren ausgeschlossen. Sie wurden verfolgt oder in Lagern „zur Arbeit erzogen“. Zugleich wurden Millionen von Menschen durch Zwangs- und Sklavenarbeit zur Arbeitsleistung für die Kriegswirtschaft gezwungen. Ihre Arbeitskraft wurde bis zum Tod ausgebeutet.

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Arbeitsschlacht

Zur Beseitigung der Arbeitslosigkeit wurde von den Nationalsozialisten die „Arbeitsschlacht“ ausgerufen und groß inszeniert. In der NS-Ideologie waren Arbeit und Schlachtfeld sprachlich verwoben. Wie das Militär war die Arbeitswelt hierarchisch und antidemokratisch organisiert. Die Arbeiter waren Soldaten der Arbeit. Aus dem Betriebsinhaber, dem Arbeiter und Angestellten wurde eine Betriebsgemeinschaft mit Führerprinzip. An ihrer Spitze stand der Unternehmer als Betriebsführer. Er hatte die volle Entscheidungsmacht und führte die „Gefolgschaft“. Sein Ziel war das Wohl der Gemeinschaft und die Steigerung der Produktion.

Die Nationalsozialisten setzen an die Stelle der freien Gewerkschaften die „Deutsche Arbeitsfront“ (DAF) als Organisation der Arbeitnehmer*innen und Arbeitgeber*innen. In der Steiermark stand Gauleiter-Stellvertreter Tobias Portschy an oberster Stelle. Die DAF sollte die ganze Arbeitswelt durchdringen. Die Freizeit der arbeitenden Bevölkerung wurde von der NS-Gemeinschaft „Kraft durch Freude“ durchdrungen.

Euthanasie – die Ermordung „unnützer Esser“

„Volksgemeinschaft“ als Leistungsgemeinschaft hatte nur Platz für jene, die Leistung erbringen konnten oder wollten. Der Leitspruch „Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen“ wurde mittels Verordnungen und Gesetzen umgesetzt. Menschen mit Behinderungen wurden im Rahmen der NS-Euthanasie ermordet. Der Bevölkerung versuchte man diese Maßnahmen in der Propaganda als nötige volkswirtschaftliche Maßnahme zu verkaufen und plausibel zu machen. Menschen, die sich der Leistungs- und Arbeitsnorm verweigerten, wurden in Arbeitserziehungslagern zur Arbeit gezwungen. Sie wurden als „Asoziale“, „Berufsverbrecher“ oder „Arbeitsscheue“ bezeichnet. Viele von ihnen wurden ermordet.

Zwangsarbeit

Zur Aufrechterhaltung der Kriegswirtschaft wurden vom NS-Regime massenhaft in- und ausländische Zwangsarbeiter*innen herangezogen. Kriegsgefangene, zivile Ausländer*innen, KZ-Häftlinge sowie Jüdinnen*Juden wurden in Industrie und Landwirtschaft skrupellos ausgebeutet. Entsprechend der NS-Rassenideologie wurden die Sklavenarbeiter*innen unterschiedlich behandelt. Herkunft und Geschlecht spielten dabei eine Rolle. Am oberen Ende der Leiter standen die sogenannten „Westarbeiter“. Am unteren Rand standen Slaw*innen, Romnia*Roma und Sintiza*Sinti sowie Jüdinnen*Juden. Für sie galt in vielen Fällen das Prinzip „Vernichtung durch Arbeit“.

Reichsarbeitsdienst (RAD)

Der Reichsarbeitsdienst wurde im Deutschen Reich 1935 unter der Verantwortung des Reichsinnenministeriums gegründet. Ursprünglich diente er der Bewältigung der Arbeitslosigkeit, bald war er aber Bestandteil der „nationalsozialistischen Erziehungsarbeit“. Der verpflichtende Arbeitsdienst diente der Disziplinierung und Erziehung im Sinne der „Volksgemeinschaft“. Der RAD war in 30 Arbeitsgaue, Gruppen und Abteilungen gegliedert. Im Gau Steiermark war 1940 Fritz Allmendinger Oberarbeitsführer und Hilde Wagner Führerin des weiblichen Arbeitsdienstes. Zunächst waren nur junge Männer von der Dienstpflicht betroffen. Ab 1939 traf es auch Frauen. Die RAD-Männer und -Frauen waren in Lagern untergebracht und häufig in der Landwirtschaft und dem Straßenbau eingesetzt. So auch jene, die im RAD-Lager Kobenz untergebracht waren. Sie wurden beim Bau der Straße zwischen Kobenz und Knittelfeld eingesetzt. Auch in Wildon gab es ein RAD-Lager.

Wettkämpfe

Zwischen 1934 und 1939 wurden berufliche Wettbewerbe abgehalten, um die Leistung zu vergleichen. Die „Reichsberufswettkämpfe“ wurden von der Deutschen Arbeitsfront (DAF) in Zusammenarbeit mit der Hitlerjugend (HJ) und dem Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbund (NSDStB) durchgeführt. Die Jugendlichen konnten sich in den Bereichen berufliche Praxis, berufliche Theorie, weltanschauliche Schulung und - für Mädchen zusätzlich - Hauswirtschaft messen. Für die HJ waren diese Wettkämpfe sehr wichtige öffentlichkeitswirksame Veranstaltungen.