Körper

Der Körper war ein zentrales Element der NS-Ideologie und Propaganda. Die Gesellschaft wurde als „Volkskörper“ verstanden. Die NS-Medizin und Biopolitik zielten darauf ab, die „völkische Erbmasse“ rein zu halten. Zudem sollte das „Minderwertige“ und „Schwache“ beseitigt werden. Der „Arier“ und die „Arierin“ galten als „neue Menschen“. Ihr Gegenbild war der schwache, „jüdische“, kränkliche Körper. Körperkult und Turnen waren daher ein wichtiger Bestandteil der NS-Propaganda. Die Verbreitung der idealen Körperbilder sollte die Menschen dazu erziehen, das „rassisch Wertvolle“ vom „Minderwertigen“ zu trennen.

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Rassismus

Rassismus, Antisemitismus, Rassenhygiene und Sozialdarwinismus sind die ideologischen Grundlagen des Nationalsozialismus. Aus diesen Ideen aus dem 19. Jahrhundert machten die Nationalsozialisten Gesetze und Verordnungen. Sie hatten Auswirkungen in allen gesellschaftlichen Bereichen. Der Rassismus wie auch der Antisemitismus waren fest in der Gesellschaft verankert. Dafür verantwortlich waren politische Parteien und Vereine, aber auch einzelne Autoren. Der Sprachwissenschaftler Hans Friedrich Karl Günther galt als ein Begründer der nationalsozialistischen Rassenideologie. Sein Buch „Kleine Rassenkunde des deutschen Volkes“ erschien zwischen 1922 und 1942 in zahlreichen Auflagen und wurde breit rezipiert.

Ahnenforschung

Die Nationalsozialisten glaubten an die Vererbung von charakterlichen und körperlichen Eigenschaften. Sie meinten außerdem, dass eine Vermischung von „Rassen“ das Erbgut der Menschen verschlechtere. Vor diesem Hintergrund erhielt die Ahnenforschung große Bedeutung. Alle „Volksgenoss*innen“ sollten sich Ahnentafel und Ahnenpässe zulegen. Damit sollten sie ihre „deutsche“ Abstammung belegen und nachweisen können, dass sie frei von Erbkrankheiten sind.

Vermessung

Die Vermessung des Körpers war Teil der Rassenkunde und rassistischen Wissenschaft. Vor allem dem Schädel des Menschen galt großes Interesse: Seine Form würde – so die Nationalsozialisten - die Zugehörigkeit eines Menschen zu einer „Rasse“ anzeigen. Die Schädelform würde außerdem Aussagen über charakterliche, körperliche und geistige Merkmale erlauben. Die Schädellehre wurde als „Phrenologie“ bezeichnet. Sie ging von einem Zusammenhang zwischen der Schädel- und Gehirnform einerseits und dem Charakter und den geistigen Fähigkeiten andererseits aus.

Zwangssterilisation und Erbkrankheiten

Im Juli 1933 wurde das „Erbgesundheitsgesetz“ erlassen. Mit dem Gesetz begann eine neue Phase der radikalen staatlichen Gesundheitspolitik. Für die Nationalsozialisten standen Menschen mit verschiedenen Krankheiten außerhalb des „gesunden Volkskörpers“. Sie konnten nun verfolgt und zwangssterilisiert werden. In Österreich trat dieses Gesetz mit dem 1. 1. 1940 in Kraft. Tausende fielen diesem Gesetz durch Zwangssterilisation zum Opfer: Menschen, die als geistig behindert oder als schizophren galten, Epileptiker*innen, blinde und gehörlose oder schwer körperlich behinderte Menschen, Alkoholiker*innen.

Wir haben nur geturnt

Das gemeinsame Turnen war zentrale Beschäftigung im Bund Deutscher Mädchen (BMD). Dabei sollte der Körper gestärkt werden, so wie es den nationalsozialistischen Vorstellungen vom „neuen Menschen“ entsprach. Anders als beim Sport, ging es beim Turnen nicht um den Wettkampf, Spiel und Spaß. In erster Linie sollte der Körper und damit die Nation gestärkt werden.