Konsum

Das Versprechen der „NS-Volksgemeinschaft“ war stets auch ein Versprechen auf eine bessere Zukunft. „Arbeit und Brot für alle“ sowie die „Demokratisierung des Konsums“ sollten breite Teile der Arbeiterschaft für den Nationalsozialismus gewinnen. Daher pries die NS-Propaganda ab dem März 1938 neue Arbeitsplätze, neue Sozialleistungen und Möglichkeiten der aktiven Freizeitgestaltung an. Mit der NS-Gemeinschaft „Kraft durch Freude“ sollten die „Volksgenoss*innen“ auf den Reichsautobahnen erstmals in den Urlaub fahren. „Ehestandsdarlehen“ sollten Jungvermählten die Gründung eines eigenen Haushalts in einer neu errichtete Wohnsiedlung erleichtern. All diese Versprechen waren aber stets mit arbeitsmarktpolitischen und ideologischen Zielen des NS-Regimes verbunden. Finanziert wurden sie durch eine steigende Waffenproduktion sowie durch Raub an der jüdischen und europäischen Bevölkerung.

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Mobilität für alle

Motorisierung und Mobilität waren zentrale Versprechen der Nationalsozialisten. Die Steiermark sollte verkehrstechnisch aufgewertet, das Bahnnetz ausgebaut und neue Straßen errichtet werden. Mit dem KdF-Wagen („Kraft durch Freude“) wurde den Menschen ein eigenes, leistbares Auto versprochen. Monatlich sollten sie dafür bei der Deutschen Arbeitsfront (DAF) etwas Geld ansparen. Die motorisierte und mobile Zukunft schien nahe.

Doch bis Kriegsende wurde kein einziger KdF-Wagen an einen Steirer ausgeliefert und das angesparte Geld war verloren. Auf den modernisierten Bahnlinien und den neuen Straßen wurden Truppen an die Front und Häftlinge in die Lager transportiert. Das Fahrrad blieb das Fortbewegungsmittel der meisten Menschen.

Arbeit und Brot für alle?

Nach den Jahren der Weltwirtschaftskrise war es nach dem „Anschluss“ das zentrale Versprechen, den Menschen „Arbeit und Brot“ zu bringen. Propagandawirksam wurden im April 1938 stillgelegte Fabriken in der Obersteiermark wieder in Betrieb genommen. Noch im März kam ein erster Zug mit Lebensmitteln aus dem Deutschen Reich in die Steiermark. Doch Gauleiter Sigfried Uiberreither stellte in einer Ansprache Anfang Juli klar: „Für den Volksgenossen, der ehemals politischer Gegner war, wird in diesem Staate in Zukunft immer Arbeit und Brot vorhanden sein, für den Juden dagegen nie.“ Arbeit und Brot sollte es nur für jene geben, die Teil der „NS-Volksgemeinschaft“ sein durften oder wollten. Und die Arbeitsplätze entstanden durch die Ausrichtung der Wirtschaft auf die gelenkte Kriegswirtschaft.

Der Mangel als Lebensrealität

„Arbeit und Brot für alle“ war ein zentrales Versprechen der Nationalsozialisten. Die bedingungslose Ausrichtung der Wirtschaftspolitik auf die Produktion von Waffen führte jedoch dazu, dass Güter des täglichen Bedarfs stets rar waren. Ab 1937 wurde im Deutschen Reich Butter, Margarine und Schmalz rationiert. Viele Güter wurden schließlich nur noch gegen Lebensmittelkarten ausgegeben. Damit wurde der Mangel verwaltet.

Das Winterhilfswerk (WHW) sammelte Geld für die Verteilung von Sozialleistungen an verarmte „Volksgenoss*innen“. Die Sammlungen fanden im Zuge der „Eintopfsonntage“ statt, im Rahmen von Haus- und Straßensammlungen oder durch den Verkauf von Abzeichen. Beinahe niemand getraute sich, die Spende zu verweigern, galt dies doch als oppositionelles und volksfeindliches Verhalten. Auch Kinder wurden in den Dienst des WHW gestellt. Mittels des WHW sollte die „Volksgemeinschaft“ zudem mobilisiert werden.

Konsum durch Raub

Die Versprechen von Konsum und Aufstieg waren eng mit der Beraubung der jüdischen Bevölkerung sowie der Ausplünderung Europas im Zweiten Weltkrieg verbunden. Im Prozess der „Arisierung“ wurde Jüdinnen*Juden ihr Eigentum gestohlen und in die Hände von Nationalsozialisten übertragen. Der NS-Staat erhob nach dem Raub und der Vertreibung „Arisierungstaxen“. Jüdinnen*Juden mussten Sondersteuern wie die „Judenvermögensabgabe“ vom November 1938 bezahlen. Vor der Ausreise aus dem Deutschen Reich mussten sie die „Reichsfluchtsteuer“ entrichten. Diese Steuereinnahmen kamen – über neu eingeführte Sozialleistungen – wieder den „Volksgenoss*innen“ zugute. Mit dem Beginn der Bombardierungen deutscher Städte durch alliierte Flugzeuge wurde das im Reich verbliebene Eigentum der emigrierten oder deportierten Jüdinnen*Juden versteigert oder verteilt.

Sozialer Wohnbau in Graz

In Graz wurden während der NS-Zeit viel weniger Wohnungen gebaut als in der Zeit zwischen 1933 und 1938. Den großen Wohnungsmangel versuchte man zunächst durch die Vertreibung der jüdischen Bevölkerung zu beseitigen. In der Mitschrift einer Sitzung der Grazer Ratsherren von Anfang 1939 kann man lesen: „Die Judenwohnungen sind zum Teil bereits geräumt und die Juden in Sammelwohnungen untergebracht. Wir hoffen aber noch, auf diesem Wege 200 weitere Wohnungen erfassen zu können.“

In den folgenden Jahren wurden zahlreiche Barackensiedlungen errichtet. Viele davon wurden gegen Kriegsende durch Bombentreffer beschädigt. Eines der größten Wohnbauprojekte für Beamte und Südtiroler*innen war die „Mahrenbergsiedlung“ östlich der Triester Straße, zusammen mit der „Luftwaffensiedlung“ und der westlich anschließenden „Denggenhofsiedlung“.