Glaube

Glaube und Gläubigkeit waren Teil des Nationalsozialismus. Die Nationalsozialisten wollten den Menschen mit ihrer Ideologie Sinn und Orientierung anbieten. Neue Kulte und Rituale dienten einer einseitigen Weltdeutung. Adolf Hitler, Deutschtum, Antisemitismus und Rasse standen im Zentrum des neuen Glaubens. Dieser sollte an die Stelle der großen christlichen Konfessionen treten, die viel Macht in der Gesellschaft hatten. Der kirchliche Einfluss wurde zurückgedrängt. Von den Religionsgemeinschaften geführte Schulen und Klöster wurden aufgelöst. Die Nationalsozialisten übernahmen christliche Feste und Riten. Vor allem am Land sollte der Einfluss der katholischen Kirche auf die Bevölkerung geschwächt werden. Erwähnt werden muss, dass Teile der christlichen Kirchen dem NS-Regime positiv gegenüberstanden. Viele Christ*innen unterstützten dieses offen.

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Führerglaube – Führerkult

Führerglaube und Führerkult sind elementare Eigenschaften des Faschismus und Nationalsozialismus. Im Zentrum der nationalsozialistischen Politik und Verehrung stand Adolf Hitler. Der Kult um seine Person – der sogenannte Führerkult – wurde in allen Lebensbereichen verankert: Sein Wort war für viele Menschen Gesetz. Seine Schrift „Mein Kampf“ wurde breit verteilt, seine Ansprachen im Volksempfänger in alle Haushalte übertragen. Der 20. April wurde als „Führers Geburtstag“ feierlich begangen.

Im Führermythos wurde Adolf Hitler als einfacher Mann aus dem Volk – einem Messias gleich – überhöht, der sich für „das Volk“ opfere. Von der geradezu religiösen Verehrung Adolf Hitlers zeugen Tausende Briefe, die von den „Volksgenoss*innen“ an die Reichskanzlei und Adolf Hitler persönlich geschickt wurden. Ebenso die Menschenmassen, die zu seinen Besuchen und Reden kamen.

Riten, Feiern und Symbole

Riten, Feiern und Symbole strukturieren das Leben der Menschen. Ehe die Nationalsozialisten an die Macht kamen, bestimmten christliche Bräuche und Feiern den Alltag und den Jahreskreislauf vieler Menschen. Die Nationalsozialisten übernahmen die Bräuche und Feste, religiöse Ideen und Symbole teilweise und interpretierten sie neu: Weihnachten, das Fest von Christi Geburt und ein Fest der Familie, wurde nun mit der „Wintersonnenwende“ und dem „Julfest“ in Verbindung gebracht und umgedeutet. Folgende Feste bestimmten das nationalsozialistische Jahr: Reichsgründungstag (18. Jänner), Tag der nationalen Erhebung (30. Jänner), Heldengedenktag, Führergeburtstag (20. April), Nationaler Feiertag des Deutschen Volkes (1. Mai), Erntedanktag und Gedenktag für die Bewegung (9. November). An all diesen Tagen fanden Massenveranstaltungen und Versammlungen statt. Die Teilnahme daran war auch öffentliches Zeichen der Teilhabe am Regime.

Verfolgung der Kirche – Auflösung der Klöster

Als politische und gesellschaftliche Macht wurde die katholische Kirche von den Nationalsozialisten bekämpft. Ihr Einfluss auf die Menschen sollte gebrochen werden. Als eine Maßnahme wurde daher die „Zivilehe“ eingeführt: Die Ehe wurde nun vom Staat geregelt und nicht mehr von der Kirche vermittelt. Dagegen hatte sich die Kirche immer gewehrt. Eine andere Maßnahme war die Einführung des Kirchenbeitrags. Mit der Einführung des Kirchenbeitrags sollten die Katholik*innen ihre Kirche verlassen. Weitere Ziele der Nationalsozialisten waren die Klöster und die von den Kirchen geführten Schulen. So wurden in der Steiermark 1938 zunächst die Klosterschulen geschlossen. Im Stift Seckau und Vorau wurde jeweils eine NAPOLA, also eine Nationalpolitische Erziehungsanstalt, eingerichtet. 1940 wurden auch die Klöster und Stifte aufgehoben. Ihr Besitz wurde enteignet, also der Kirche entzogen. Davon betroffen waren das Benediktinerstift St. Lambrecht, das Benediktinerstift Seckau, das Benediktinerstift Admont, das Chorherrenstift Vorau und das Zisterzienserstift Rein.

Der Nationalsozialismus und die katholische Kirche

Einzelne Katholik*innen und Protestant*innen stellten sich aufgrund ihres Glaubens gegen den Nationalsozialismus und wurden dafür verfolgt. Es gab aber auch Vertreter der Kirchen, die den Nationalsozialismus offen unterstützten und ihn rechtfertigten. Zwei prominente Brückenbauer zum Nationalsozialismus innerhalb der steirischen katholischen Kirche waren der Slawist und Theologe Simon Pirchegger (1889–1946) und der aus Graz stammende Bischof Alois Hudal (1885–1963). Beide verfassten in den 1930er-Jahren Texte, die eine Verbindung von Katholizismus und Nationalsozialismus befürworteten. So formuliert Pirchegger in einer seiner Schriften abschließend: „Als katholischer Priester rufe ich daher allen meinen Glaubensgenossen, die auch ihr deutsches Volk lieben und es vor dem Untergang bewahren helfen wollen aus ganzem Herzen zu: Bekennt euch zu Adolf Hitler!“

Zeichen und Symbole

Hakenkreuz, Sonnenrad und Runen waren die Symbole des Nationalsozialismus. Ihnen wurde Macht und eine welterklärende Bedeutung beigemessen. In Abwandlungen wie der Schwarzen Sonne finden sich diese Symbole noch heute in rechtsradikalen und neonazistischen Gruppen.

Evangelische Kirche – Zustimmung

Die evangelische Kirche lehnte den austrofaschistischen und katholischen Ständestaat ab. Daher stellten sich Teile der evangelischen Kirche in der Steiermark schon vor 1938 hinter den Nationalsozialismus. Der „Anschluss“ wurde freudig begrüßt und in der Zeitung „Der Säemann“ für die Volksabstimmung am 10. April geworben. Die Grazer Heilandskirche schloss von sich aus ihre konfessionelle Schule: Im neuen Staat, der auch die Ziele der Kirche vertrete, hätte diese keine Funktion mehr. Trotz dieser Nähe zum Regime kam es zu vermehrten Kirchenaustritten. Grund dafür war auch, dass sich ausgewiesene Nationalsozialisten von den christlichen Glaubensgemeinschaften distanzierten.